Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

widerschall, m.

widerschall, m.,
vgl. die synon. widerhall, -klang; mhd. widerschal, mnd. wedderschal. das wort ist seit dem 13. jh. vereinzelt, stärker seit dem 16./17. jh. bezeugt, tritt aber in neuer zeit (vor allem in übertrag. verwendung) gegenüber widerklang und bes. widerhall zurück (kaum noch bezeugt seit der 2. hälfte des 19. jhs.). in älteren belegen steht widerschall sehr häufig (formelhaft) neben echo. lexikalisch seit anf. 15. jhs. (meist für echo oder resonantia): echo wederschal (1414, md.) Diefenbach gl. 194ᶜ; echo widerschalle voc. ex quo (15. jh.) g 2ᵇ; widerschall resonantia, voc. incip. teut. (Speyer um 1485) oo 3ᵃ; echo, uox repercussa, imago ein widderschall Alberus dict. (1540) c 1ᵃ; Frisius dict. (1556) 843ᵇ; 1119ᵃ; wieder- sive gegenschall echo, reddita, repercussa vox, reciprocatio vocis Stieler stammb. (1691) 1723; Kramer t.-ital. 2 (1702) 558ᶜ; Steinbach dt. wb. (1734) 2, 486; Adelung 4 (1801) 1536.
1)
eine verletzung der schädelknochen, schädelbruch: der widerschall ist, dasz durch einen streich der rechten seiten das haupt getroffen, entgegen aber die lincke seiten den rist oder bruch bekommen Jos. Schmied examen chirurg. (1645) 49; vgl. gegenbruch, contrafissura ... (ein) bruch an der hirnschale, welchen man aͤusserlich zwar wenig sieht, und gleichwohl ist gegen über ... die hirnschale, als von einem plötzlichen und unertraͤglichen widerschalle gebrochen Noel Chomel öcon.-physic. lex. (1750) 4, 777.
2)
in vereinzelten verwendungen als persönlich gedachtes wesen. mythologisch, vgl. echo, f. (teil 3, sp. 19): der gott Pan hat seine nachbarin, die echo oder widerschall lieb Lehmann floril. polit. (1662) 3, 420. in neuerer sprache: genieszt hat er, ich bin zweimal davor erschrocken, ... solche kanzelredner haben einen ungeheuern wiederhall im kopf, wenn sich ihr gehirn einmal reinigen will, ... ich glaub das musz so ein alt aufgesammelt wesen vom widerschall sein Bettine dies buch geh. d. könig (1843) 1, 288.
3)
echo, resonantia.
a)
in eigentlichem sinne:
wir hôrten manegen widerschal,
der dâ von jungen würmen hal.
wir nie gemerken kunden
waz daz rehte mohte sîn
Albrecht v. Kemenaten in: dt. heldenb. 5, 76ᵇ Zupitza;
als ging ich durch einen groszen wald und schrie, dasz es herwieder schallt, dasz ich den echo und wiederschall hörete (1531) bei Luther tischr. 2, 418 W.; der alte (uns) ein eccho oder widerschall hoͤren liesse, dergleichen wir vnsere tage nie vernommen Moscherosch gesichte (1650) 2, 223; auf dem platten land also ist kein echo oder wiederschall möglich onomatol. cur. (1764) 499; vögel sangen aus den gebüschen und ein wiederschall antwortete ihnen Tieck schr. (1828) 4, 214. verdeutlichend, dasz es sich nur um einen zurückgeworfenen schall handelt:
er ... rufft, er schreyt ... mit sehnlichem verlangen,
dem Pan antwortet nur der blosse widerschall
Opitz teutsche poemata 104 ndr.;
der blosze widerschall gab ihm antwort (einem rufenden, der nach seinem freunde sucht) Chr. Weise d. drey klügsten leute (1675) 155. häufig in der verbindung widerschall geben, meist mit näherer bezeichnung des reflektierenden gegenstandes:
zehant sich huob ein schrîen grôz.
...
daz ez in die lüfte erhal
unt gap mit kreften widerschal
St. Alexius leben 88ᵃ Massmann;
es hatt kein ander gestalt, denn als ob von wegen der grossen menge der berge, thaͤler, hoͤlen und faͤlder, gleich dem wütenden meer ein widerschall gaben Xylander Plutarchus (1580) 415ᵃ; die felsen gaben widerschall Spee güld. tugendbuch (1649) 309; wie er schnarcht! es giebt im thal unten einen ordentlichen widerschall Tieck schr. (1828) 5, 563.
b)
bildlich und übertragen in verschiedenen verwendungen, bes. von der nachwirkung des gesprochenen wortes: mein predigt ist nicht anders, denn als ging ich durch einen groszen wald und schrie, dasz es herwieder schallt, dasz ich den echo und wiederschall hoͤrete; denn ich sehe und merk, dasz niemand den Christum will fur einen herrn haben (1566) bei Luther tischr. 2, 418 W.; ob wir auch einen widerschall des glaubens von uns geben wolten Reinicke fuchs (1650) 349; das die treu gegen die menschen das echo oder der widerschall sey der treu gegen gott Butschky Pathmos (1677) 195; die meisten menschen nur ein wiederschall anderer sind Chr. v. Wolff ged. v. d. menschen thun (1720) 403; (das kind gottes) beantwortet den willen gottes, wie der wiederschall die stimme Schmolck s. trost- u. geistr. schr. (1740) 2, 829; in die luft gesprochene worte, die sich in unsrer deutschen atmosphäre ohne allen widerschall verlieren Ayrenhoff s. w. (1814) 2, 102.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1173, Z. 12.

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widerprallen wiedertun
Zitationshilfe
„widerschall“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/widerschall>.

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