Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

widerschlag, m.

widerschlag, m.,
gegenschlag, -wehr. mhd. widerslac; mnl. wederslach(t) s. Verwijs-Verdam 9, 1968. seit dem 13. jh. bezeugt (bes. in bed. 1), in nhd. zeit seltener, dem 19. jh. nur noch fachsprachlich (s. unten 3) geläufig. lexikalisch: obiectum widerschlag (15. jh., obd.) Diefenbach gl. 387ᵃ; recussum weder-slach, -slacht (nd., 15. jh.) ebda 488ᵃ; widerslack ders., ml.-hd.-böhm. wb. 233; repercussus ein widerschlag Frisius dict. (1556) 1144ᵃ; widerschlag, da etwas an ein ding schlegt frappement contre quelque chose Hulsius-Ravellus t.-frz.-it. (1616) 411ᵇ; Stieler stammb. (1691) 1825; (nicht bei Kramer, Adelung) Campe 5 (1811) 711ᵇ. vereinzelt in konkreter bedeutung: 'die seite zwischen dem kleinen finger und der handwurtzel' Noel Chomel, öcon.-physic. lex. (1750) 5, 105. ebenso: Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 645. in alem. quellen 'recht des ausmähens eines weges durch fremdes land, bzw. der ausgemähte weg': ain widerslag durch die gemain wis (1393) schweiz. id. 9, 251.
1)
gegenschlag, das zurückschlagen; häufiger bezeugt nur mhd. und in gebundener sprache.
a)
eigentlich:
seht, do quam ouch der heiden
mit grozem vrevele dort her.
ieglicher vant vollen gewer
mit grimmigen widerslegen
passional 281ᵃ Köpke;
doch slug er manigen widerslag
Heinrich v. Neustadt Apollonius 8413 Singer;
menig ritter usser korn
ze malle uff in trungen,
do ward von dem jungen
vil der wider schleg gesechen
Göttweiger Trojanerkrieg 19 895 Koppitz;
mit einem hieb' hat er jhm kopff vnd hals gespalten,
weil kein helm war, der jhm es hatt auff koͤnnen halten.
also das Argeo, ohn allen wiederschlag,
auch wort vnd red', todt bey dem bette lag
Dietrich v. d. Werder ras. Roland, 21. gesang (1636) 16;
ein pantertier vom pfeil geritzt,
der könig (Waldemar) wütend schlägt.
herr Adolf ihm im nacken sitzt,
den widerschlag verlegt,
und stöszt den könig auf die knie
Liliencron s. w. (1896) 7, 29.
bildlich:
aber mach' dein wort auch fertig;
wirfst du's aus wie klotz und kette,
sei des widerschlags gewärtig
E. M. Arndt w. (1892) 5, 316 R.-M.
sprichwörtlich:
ich weysz gar wol, dasz niemand mag
verbieten wol den widerschlag
S. Brant Freidank (1539) 33ᵇ;
wedderslag is nich verbaden Richey id. Hamburg. (1755) 335.
b)
in übertrag. verwendung im sinne 'gegenwehr'; nur mhd. belege:
diz (gebet) was des guten widerslac
des er (Antonius) gein den vienden phlac,
und uberwant sie ouch da mite
väterbuch 1475 Reissenberger;
von minem munde spiende
glich warmer spise, so sie lat
und sie der munt entpfangen hat,
so vorwirfet sie der mage
von des smackes wider slage
Heinrich v. Hesler apokalypse 6472 Helm.
2)
von physikalischen erscheinungen (bes. widerschein, reflex des lichtes, der sonnenstrahlen): yetlich ding seine strymmen in oder auff die flech des spigels wirfft, und widerumb der widerschlag vom spigel in das aug Apianus instrumentbuch (1533) 6; etliche rahten, man solle die trauben ... mit dem vndersten theil vbersich hencken, damit die beer desto mehr durch wähet, vnd desto dünner werden von dem widerschlag M. Herr feldbau (1551) 72ᵃ; vgl. 123ᵃ; die exhalationes unnd dämpff, so sich auff der aequinoctial torridae seiten erheben, sampt der repercussion oder widerschlag, so sie thun J. de Acosta, America (1605) 64; an dem gemaͤuer, wo der sonnen widerschlag die wärme verdoppelt Hohberg georg. cur. (1682) 1, 339;
die angestrahlten fensterscheiben (funkelten)
vom hellen mond, im wiederschlag
Brockes ird. vergnügen (1721) 8, 24;
die nacht ist, durch den wiederschlag
der hitze, feurig, wie der tag
Triller poet. betracht. (1750) 2, 394.
selten 'echo, resonatio, reboatio der stimme widerschlag' Stieler stammb. (1691) 1925:
er heisset sie (die vögel) dir spielen schön,
dasz weit vnd breit erschallet,
dasz auch von felsen ein gethön
im widerschlag erhallet
Spee trutznachtigall 187 ndr.
3)
als bezeichnung einer musikalischen figur: weil nun diese zwey intervalla (dux und comes), wenn noch mehr stimmen darzu kommen, alterniren, so wird ein solcher processus repercussio oder der wiederschlag genennet Walther musical. lex. (1732) 521; der wiederschlag ... die ordnung, in der der führer und gefährte in den verschiedenen stimmen sich wechselweise hören lassen Marpurg abhandl. v. d. fuge (1753) 1, 18; dahingegen wir im scherzo ... einzelne sehr artige ... widerschläge antreffen Schumann ges. schr. (1854) 2, 253.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1187, Z. 57.

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widerprallen wiedertun
Zitationshilfe
„widerschlag“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/widerschlag>.

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