Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

widersetzlich, adj.

widersetzlich, adj.,
widerspenstig, ungehorsam. seit etwa 1600 bezeugt und die älteren widersässig (s. d.), widersetzig (s. d.) verdrängend, findet das wort erst in neuerer zeit stärkere verbreitung: obfirmate steiff, widerspenstigklich, widersetzlichen Calepinus XI ling. (1598) 966ᵇ (nicht bei Stieler); widersetzlich opponevole, resistibile Kramer t.-ital. 2 (1702) 788ᵇ; wiedersetzlich repugnans, rebellis, renitens Steinbach dt. wb. (1734) 2, 360; Adelung 4 (1801) 1523; Campe 5 (1811) 702.
1)
vereinzelt als lehnübersetzung in der bedeutung 'gegensätzlich': antitheton ist, wenn der redener in seinen spruͤchen widersetzliche dinge gegeneinander brauchet Meyfart teutsche rhetorica (1653) 279; da der mann die thesis, das weib aber die antithesis ist, so begreifst du wohl, dasz das weib antithetischer oder widersetzlicher natur sein musz Raupach dram. w. kom. gattung (1829) 1, 286.
2)
aufsässig, widerwillig, ungehorsam; von haltung und gesinnung des menschen, meist gegenüber einer obrigkeit: es ward ein soldat von etlichen widersetzlichen angesprochen, das er jhnen dienen solte; der fragte sie, wann wir nuhn aber solten belägert werden, wer wird vns entsetzen? Zinkgref apophthegmata (1628) 323; man hat niemals feinde sich so widersetzlich wehren sehen Parisz v. d. Werder frauenreden (1659) 15; je mehr man das heer (Wallensteins) verstärkte, ... desto mehr brachte es die widersetzlichen stände zum zittern Schiller 8, 126 G.; der herr sollte glauben, dasz nur durch ihn diese widersetzliche und faule rotte (der gutsarbeiter) in rand und band gehalten werden könne Polenz Grabenhäger (1898) 2, 118. widersetzliches betragen Campe 5 (1811) 702ᵃ: es ist doch gut, davon kenntnisz zu nehmen und die sache einzuleiten, damit man bey einem widersetzlichen betragen Wagners diesen um so eher zurechtweisen könne (1814) Göthe IV 24, 207 W. in rechtlichem bereich: ein ungehorsamb und widersötzlicher gerichtsunderthon (18. jh.) österr. weist. 1, 331; das prätorische edikt vermied ihn (d. gewaltsamen einbruch in ein haus zwecks haussuchungen) dadurch, dasz es den widersetzlichen als geständig behandelte Jhering geist d. röm. rechts (1852) 2, 1, 166. auf dem gebiet der erziehung: um ... ihm (dem mädchen) den schein von freiheit zu lassen, damit es nicht durch empfindung eines zwanges widersetzlich und unbehandelbar würde Stifter s. w. 5, 1 (1908) 185; der mann da drinnen war (gleichsam) ein widersetzlicher schüler, der nicht zu 'fassen' war H. Mann ausgew. w. 1, 427 Kant. verbunden mit substantiven wie laune, gemüt und so stärker auf die innere verfassung des menschen bezogen: (der kronprinz) hat einen glücklichen anfang gemacht, der widersetzlichen laune meister zu werden mon. Germ. paed. 37 (1807) 348; mit einem widersetzlicheren gemüthe Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 5, 247; durch allerlei widerwärtige vorfälle wurde bemerkbar, dasz die akademischen bürger uneiniger als gewöhnlich und in widersetzlicher stimmung waren G. Freytag ges. w. 7 (1887) 88. in verbalverbindungen, vereinzelt sich widersetzlich machen, vgl. oben sich widersetzig machen: als er aber sich her nacher den Römern widersätzlich machte, hat ihn Paulus Ämilius ... mit gewalt bezwungen M. Dreszer isagoge hist. (1600) 137. öfter sich widersetzlich (er-, be-)zeigen: dieselben sich widersetzlich erzaigen (1674) österr. weist. 2, 281; dasz er sich endlich auch in denjenigen sachen widersetzlich bezeigte, die er und seine vorfahren zu thun schuldig gewesen Rabener s. schr. (1777) 3, 137; machte Eduard dem diener vorwürfe ..., so zeigte sich Peter ... widersetzlich Holtei erz. schr. (1861) 21, 122.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1204, Z. 47.

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Zitationshilfe
„widersetzlich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/widersetzlich>.

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