Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

widerspänigkeit, widerspännigkeit, widerspenigkeit, widerspennigkeit, f.

widerspän(n)igkeit, -spen(n)igkeit, f.,
'widersetzlichkeit, feindseligkeit'. das wort verdrängt das seltenere widerspännige, f. (s. u.). das zweite kompositionsglied begegnet mit einf. und dopp. n, sowie mit und ohne umlaut des a (s. u.). vom 15. bis zum beginnenden 18. jh. lexikalisch zahlreich gebucht; vgl. nur: rebellio widerspanikait (1429) Diefenbach gl. 486ᵃ; widerspanigkeit contumacia id est rebellio, repugnantia etc., voc. incip. teut. (Speyer um 1485) oo 3ᵇ. die formen mit umgelautetem a überwiegen (s. auch unten die liter. belege); vgl. etwa: proteruia wedderspennicheit, wider spenigkeit, wederspennigkeyt (nd., md., 15. jh.) Diefenbach gl. 468ᵃ; widerspennigkeit, -spenikeit (md., obd., 15. jh.) ebda 430ᵇ (s. v. pertinacia); proteruitas, rebellatio widerspennigkeit, -keyt Frisius dict. (1556) 1083ᵇ; 1119ᵃ; widerspennigkeit desobeissance, obstination Hulsius-Ravellus teut.-frz.-it. (1616) 411ᵇ; widerspännigkeit Kramer t.-ital. 2 (1702) 848ᶜ. dissimilationsformen: wederspendigkeit (15. jh., md.) Diefenbach gl. 430ᵇ; widerspensigkait Zimmer. chron. ²2, 616 Barack.
1)
'widersetzlichkeit, aufsässigkeit, hartnäckiger widerstand, eigensinn' (s. o. lexikal. belege); gern neben ungehorsam.
a)
meist von personen: vil hârs auf den schultern ... bedäut ... widerspenichait, alsô daz den menschen niemd leiht bekêrt von seinem fürsatz (um 1350) Konrad v. Megenberg buch. d. natur 43 Pfeiffer; (der stab Aarons als) zaichen der widerspenigkeit der sún (rebellium filiorum) Israhel erste dt. bibel 4, 68 lit. ver.; von der weib vngehorsam vnd widerspänigkeyt Hartlieb d. buch Ovidij v. d. liebe (1482) 107ᵇ; und ouch dich etwen wider strüssest wider dyn obern vnd houpter in vffgeblossener hertmuͦtigkeit vnd widerspennigkeit Keisersberg bilgersch. (1512) 16ᵇ; dem (widersetzlichen) soll ... zu einem zeichen seiner ungehorsamme und widerspännigkeit alle gunst in der gmein, als holz, feur ... verpotten werden (1538) österr. weist. 4, 28; da nun keiser Heinrich hertzog Gerharten widerspänigkeit (gegen ihn) vernam (16. jh.) Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 5. diese verwendung bis 1766 bezeugt in: schweiz. id. 10, 292; noch aus einer mundartl. quelle v. j. 1845 bei Fischer schwäb. 6, 794.
b)
vereinzelt übertragen: aber die gebresten die aines hat nach seiner seelen, das ist blindthaitt der erkantnusz, widerspennigkaitt der begirlichen vnd zornlichen krafft, wann der ist er nit gantz gewaltig Keisersberg pred. teutsch (1508) 19ᵇ; zuolesst hat jm (dem menschen) got geben ainn solhen leib der on widerspaenikait vnnderworffen waere seinem geist (1528) Berthold v. Chiemsee teutsche theol. 211 R.
2)
als gegenseitiges verhältnis, 'feindseligkeit, unnachgiebiger gegensatz zwischen personen': ist demnach in regierunge desz gemeinen nutzens, in ewigkeit, ein stäter vnwill vnd widerspännigkeit zwüschen jnen (Themistocles u. Aristides) verharret Xylander Plutarch (1580) 68ᵇ; Polybius spricht, dasz ... er nie gehört ... von träffenlicherem krieg mit widerspänigkeit der gemüter, dapfferkeit der kriegsleuten ..., grösse der heerhaufen etc. Stumpf Schweizerchron. (1606) 164ᵇ. auch 'streit (mit waffen)': als unser herr der römisch kaiser ... und hertzog Ludwig ... in groszer widerspenigkait und krieg gewesen sind (Augsburg 1468) städtechron. 5, 284. übertragen: bisz geistlich gesunt, sihe das nit sei ein widerspennikeit der sinlicheit vnd des geists Keisersberg arbor humana (1521) 57ᵃ; item, die 4 elementen (woraus der menschl. körper besteht), die bewegen vnd rüren sich selbsten, mit jhrer widerspennigkeit, vnnd nach dem sie gleich oder vngleich vermischt, gehet der menschlich leib behender oder langsamer zu grund Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 31.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1223, Z. 30.

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Zitationshilfe
„widerspennigkeit“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/widerspennigkeit>.

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