Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

widerspiegelung, f.

widerspiegelung, f.
nur selten in optischer bedeutung: bey wiederspiegelung des eröffneten fensters nur das schwarze kreuz zu sehen Göthe II 5, 2, 400 W.; s. auch 360; (des wassers) durchsichtigkeit und tausendfältige widerspiegelung ergötzte mich G. Keller ges. w. (1889) 1, 278; (eine wolke) in deren schicht die wiederspiegelung stattgefunden hatte Rosegger schr. (1895) II 14, 352. meist in übertragener verwendung. zuerst für Cl. Brentano belegbar: als ... es dem dichter ewig erlaubt war, selbst den rein historischen gegenstand in einer idealeren wiederspiegelung als gedicht zu gestalten (1813) ges. schr. (1852) 6, 419. wiederholt der akt des widerspiegelns: ew. hochwohlgeboren (Ph. Chr. Weyland) wider- und gegenspiegelung jener mannichfaltigen wunderlichen wesenheiten (1827) Göthe IV 42, 183 W.; (Caesar und Tacitus) bedurften verschiedener sprachen zur wiederspiegelung dessen, was in ihrer seele vorging qu. a. d. j. 1919. das sich abbilden, abgebildetsein in etwas: wiederspiegelung der kunstfreude im auge des andern R. Schumann ges. schr. (1854) 1, 39; die römische götterwelt ist ... hervorgegangen aus der wiederspiegelung Roms und der Römer in einem höheren und idealen anschauungsgebiet Mommsen röm. gesch. 1 (1856) 151; letzten grundes (ist) in allem (bei Dürer) eine widerspiegelung menschlichen lebensgefühls Dehio gesch. d. dt. kunst 3 (1926) 40. eine sache als abbild: je mehr der staat die wiederspiegelung unserer wünsche ... wird Gutzkow ges. w. (1872) 10, 300; die römische religion war ... nichts anderes als die fromme wiederspiegelung der römischen bürgerwelt Mommsen röm. gesch. 2 (1874) 410. ganz geläufig im politischen schrifttum seit der mitte des 19. jahrhunderts: die Grünsche widerspiegelung des Saint-Simonismus (1845) Marx-Engels dt. ideol. (1953) 544 Dietz; für die einfache geldzirkulation ist es dagegen zufällig, dasz derselbe käufer wieder verkäufer wird. wo sich wirkliche zirkelbewegungen konstant in ihr zeigen, sind sie blosze widerspiegelung tieferer produktionsprozesse (1859) Marx zur kritik der politischen ökon. (1951) 105 Dietz; nun ist alle religion nichts andres als die phantastische widerspiegelung, in den köpfen der menschen, derjenigen äuszern mächte, die ihr alltägliches dasein beherrschen (1876—78) Engels anti-Dühring (1954) 393 Dietz. neben herrschendem singulargebrauch begegnet der plural nur selten: (die kompositionen) sind meistens wiederspiegelungen meines wildbewegten früheren lebens R. Schumann br. 1, 295 H. Erler; (die weltliche kunst) würde uns nichts eigenes, nur abgeschwächte und zerstückelte widerspiegelungen der kirchlichen kunst zu zeigen haben Dehio gesch. d. dt. kunst 2 (1921) 289.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1233, Z. 58.

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Zitationshilfe
„widerspiegelung“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/widerspiegelung>.

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