Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

widersprecher, m.

widersprecher, m.,
jemand, der widerspricht, sich (mit worten) gegen etwas auflehnt; widersacher; leugner; mnd. wedderspreker; mnl. wederspreker. literarisch seit dem 15., lexikalisch seit dem beginnenden 16. jh. bezeugt: opponens wyedersprecher (Köln 1507) (Augsb. 1512) Diefenbach gl. 398ᵃ; eyn widersprecher gemma gemm. (Köln 1512) P 2ᵃ; widersprecher contredisant, aduersaire Hulsius-Ravellus (1616) 412ᵃ; gegen- sive widersprecher oblocutor Stieler stammb. (1691) 2101; widersprecher contradittore Kramer t.-ital. 2 (1702) 885ᵇ; wiedersprecher contradictor, reclamator Steinbach dt. wb. (1734) 2, 643; widersprecher Campe 5 (1811) 702ᵇ. literarisch: (Paulus verlangt von einem bischof am wort festzuhalten) auf das daz er mechtig sey zuͦ vermanen in gesunde lehre, das er also mug vber winden die widersprecher (vgl. Tit. 1, 9 ut potens sit exhortari in doctrina sana et eos qui contradicunt arguere) erste dt. bibel 3, 8 Kurr.; s. Luther 8, 704 W.; er hat mich runtzlicht gemacht, und zeuget wider mich, vnd mein widersprecher lehnet sich wider mich auff Hiob 16, 8; antidicomarianite, zuͦ teütsch die widersprecher Marie genant S. Franck chron. zeytb. (1531) 346ᵇ;
wer an der strassen buwen wil,
der selb hat wider sprecher vil
Murner narrenbeschwörung 2, 120 ndr.;
ferrner haben obgedachte priester im brauch auff der cantzel ein blossen säbel neben sich zu legen ..., damit anzuzeigen, dasz man die widersprecher vnd verächter dieser lehr mit dem schwerdt soll verfolgen Schweigger reyszbeschr. (1619) 190; es ist vns auch gut, dass wir bissweilen affterreder vnd widersprecher haben J. Arnd Thomas a Kempis (1631) 14; unter denen aber, welche geopffert werden solten, that sich ein widersprecher herfür Lohenstein Arminius (1689) 2, 881ᵇ; denn obschon sich hier und dar nicht wenige wiedersprecher gefunden, und noch finden, so habe ich doch nicht bedurfft, mich in streitschrifften einzulassen Thomasius ged. u. erinn. (1720) 1, vorr. 4; er ist der höflichste mensch von der welt, kein widersprecher, kein praler Petrasch s. lustsp. (1765) 1, 366; indessen hat er (Lessing) wiederspruch gefunden, und einer seiner wiedersprecher ist ... bald für, bald gegen den satz Herder 3, 56 S.; die widersprecher beschweren sich am ersten, wenn ihnen widersprochen wird J. E. Schlegel w. (1761) 5, 271; überzeugen können sie mich nicht, denn ich bin keiner von ihren zuhörern, sondern ein ankläger und widersprecher Hamann schr. (1821) 1, 513; es wird mächtig eingewirkt, um die widersprecher zu mindern, einzuschüchtern, abzulenken (1847) Varnhagen v. Ense tageb. (1881) 4, 79. speziell auf den teufel bezogen: um welcher erkenntnisz willen sie oft haben ihr irdisch leib und leben dem unwiedergebornen widersprecher nach seiner teuflischen rache in tod gegeben J. Böhme s. w. 3, 292 Schiebler.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1251, Z. 53.

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Zitationshilfe
„widersprecher“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/widersprecher>.

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