widerspruchvoll widerspruchsvoll adj
Fundstelle: Lfg. 8 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1260, Z. 62
(zu widerspruch 4): ich möchte sie um parteilose auskunft bitten über einen gegenstand, ... über den ich nur widerspruchsvolle urtheile der leidenschaft vernehme Riehl gesch. v. Eisele u. Beisele (1848) 72; welch ein widerspruchvolles wesen ist der mensch (1854) Hebbel tageb. (1903) 4, 35; in seinem (E. T. A. Hoffmanns) wunderlichen doppelleben verkörperte sich die widerspruchsvolle romantische moral Treitschke dt. gesch. (1897) 2, 28; indessen ich seinen gescheiten, nachdenklichen, wenn auch widerspruchsvollen betrachtungen zuhörte Hesse Gertrud (1910) 292; dann verstand er die widerspruchsvolle politik seiner partei nicht mehr und ging seinen eigenen weg O. M. Graf unruhe (1948) 383. auch von empfindungen: sein madonnenideal wie sein frauentypus überhaupt berührt uns oft seltsam widerspruchsvoll mit seinem etwas sinnlichen und doch fast hochmütig abweisenden ausdruck, in dem eine feine mischung von koketterie und kälte liegt J. Schlosser präludien (1927) 144; aber das, was sie (Ottilie) ihre liebe nannte, ihr sentimentalisch-widerspruchsvolles erleben mit dem sohn des groszen dichters, verbarg sie nicht Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 192. substantiviert: der ... annahme, ... dasz das wahrhaft-seiende und ur-eine, als das ewig leidende und widerspruchsvolle, zugleich die entzückende vision, den lustvollen schein, zu seiner steten erlösung braucht Nietzsche w. (1895) 1, 34; diese ganze zeit über dachte Simone immer wieder das gleiche, widerspruchsvolle Feuchtwanger Simone (1950) 227.
Zitationshilfe
„widerspruchsvoll“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/widerspruchsvoll>, abgerufen am 20.11.2019.

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