Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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widerstand, m.

widerstand, m.,
'widerwärtigkeit, behinderung, widerstreben, gegenwehr, weigerung, fähigkeit zum widerstande; gegner'; vgl. auch wi(e)derstandung und -stehung. mnl. wederstant (ndl. weerstand), mnd. wedderstant, mhd. widerstant. die ahd. vorläufer des im deutschen seit dem 14. jh. bezeugten wortes sind widarstantida, f., 'repugnatio, contradictio, obstaculum, obstinatio' (s. Graff ahd. sprachsch. 6, 608), widarstandinî, f., 'repugnatio' (ebda), widarstendigî, f., 'repugnatio' (ebda 609). seltene oder vereinzelte bedeutungen gehören namentlich älterer sprache an. nd. und md. 'vergütung, compensatio'; vgl. unten widerstehen sp. 1282: 500 gulden, de desse vorkopere vorg. dar vor in wedderstant van den koperen entfangen hebben (Oldenb. urk. v. 1500) bei Schiller-Lübben mnd. wb. 5, 637ᵇ; das sie (eine bruderschaft) sulche hoffstadt und haws gantz frei ... sollen habenn ..., umb welcher freyheit wir auch dem rathe einen sunderlichen widerstandt gethan haben. auch gebe wir der gmelten bruderschafft vunff gulden ..., und das zcw eynem widerstandt, das wir nicht opffern. und wir wollen forder gantz frey, ledigk und losz sein von aller opfferung und ander beschwerung (1506) urkundenb. d. st. Freiberg 1, 460 Ermisch (cod. dipl. Saxoniae regiae 2, 12). 'gegenmittel': damit du aber hierinnen eigentlichen grund habest, wöllen wir jeder vnnatürlichen complexion ein sonderlichen widerstand verordnen Ruoff hebammenb. (1580) 180. ein bestimmtes gegenmittel: 'widerstand teufelsdreck, gummiharz aus der eingeschnittenen wurzel von ferula asa foetida, als pulver in der tierheilkunde verwendet' (Straszburg) Martin-Lienhart elsäss. 2, 603ᵃ. 'widerliche beschaffenheit' (zu widerstehen B 'zuwider sein'): alles schädlich, gifftig vngeziffer, vnd vnreine gifftige thier, durch den starcken geruch vnd sonderlichen widerstand, damit die rauten von gott dem herren begaabet, ausz jhren gärten zu treiben Tabernämontanus kräuterb. (1664) 387. der plural widerstände 'hemmungen, hindernisse' (namentlich durch überwinden regiert) begegnet erst seit dem 18. jh.; hier nur vereinzelt: jedes sittlich-religiose wesen wird lebendiger, kraftreicher, fähiger auf andre zu wirken ... durch übungen, kämpfe, innere und äuszere leiden, unzählige widerstände (1793) Lavater nachgel. schr. (1801) 2, 70. erst allmählich wird er gebräuchlicher; doch scheint die schöngeistige literatur sich ihm zunächst noch zu verschlieszen: sind nun diese widerstände (des lebens) überwunden (farbenlehre) Göthe II 3, 245 W.; dass in diesem gebiete (des theaters) womöglich noch grössere widerstände als in den übrigen von unsern beiden dichtern (Goethe u. Schiller) zu überwinden waren Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 5, 476. zahlreiche belege bietet sie dann im 20. jh., z. b.: hundert widerstände hätte er überwinden müssen (1906) Emil Ertl d. leute vom blauen guguckshaus (o. j.) 136; ganz ohne widerstände, das ziel seines begehrens ... erreichen Ina Seidel d. labyrinth (1922) 291; so gefestigt die herrschaft des Nero schien, die inneren widerstände häuften sich Feuchtwanger d. falsche Nero (1947) 285. mit bestimmtem agens: die widerstände ..., welche der organismus der arbeit entgegensetze Bücher arbeit u. rhythm. (⁴1899) 19; widerstände ..., die weg und wagen meinem drang nach vorwärts entgegensetzten qu. v. j. 1935.
1)
ohne ein näher bestimmbares agens (vgl. auch im voraufgehenden die belege für den plural widerstände), allgemein nachteilige, hindernde einwirkung, widerwärtigkeit, die jemand im leben oder einem bestimmten zeitraum erfährt: mangirhande sache unde widdirstande, alse uns dussis jares gar swerlich irfundin haid (1401?) bei Steinhausen privatbr. d. mittelalters 1, 20; wir mussen doch auff erden leben ... jnn solchem wesen, das vol anfechtung, widderstands und unfal jst (gedr. 1532) Luther 32, 371 W.;
er hat mich dise nacht
mit seiner starcken hand
gantz väterlich bewacht,
dasz mir kein widerstand
und unglück hat geschadet
Rompler v. Löwenhalt erstes geb. s. reimgetichte (1647) 184.
gern bestimmter gebraucht, als behinderung einer sache (eines geschehens) oder einer person hinsichtlich ihres tuns und bestrebens: es ist nicht ein ding das ... sich selbs thue on hindernis und widderstand (1531) Luther 34, 2, 374 W.;
kein widerstand kan ihn (gott) bekümmern.
er spricht, so fällt die welt zu trümmern.
er will, so steht sie wieder hie
Drollinger ged. (1743) 29;
wehe, wenn sie losgelassen,
wachsend, ohne widerstand
durch die volkbelebten gassen
wälzt den ungeheuren brand!
Schiller 11, 310 G.;
denn derjenige, der sich angetrieben fühlt etwas zu leisten, findet ... überall widerstand und hindernisse (1817) Göthe IV 28, 40 W.; von den beiden (thron-) prätendenten ist Artaban der stärkere, begabtere, und er hat sich im westen des Partherreichs ... gegen jeden widerstand durchgesetzt Feuchtwanger d. falsche Nero (1947) 50.
2)
oft ein tun und verhalten von personen (und tieren).
a)
widerstreben mit körperkraft: wer in einer masse, die vorwärts drängt, stehen bleibt, leistet so gut widerstand, als trät er ihr entgegen, er wird zertreten Büchner nachgel. schr. (1850) 82. bildlich: so himmelweit ich von diesen leuten entfernt war, so konnt' ich sie doch ihres wiederstandes gegen den weltstrom ... wegen ungemein wohl leiden Schubart leben 1 (1791) 163. namentlich gegenwehr im kampf, von einzelnen:
Venulus thet grosz widerstreb
vnd auffenthielt sein (des angreifers) rechte hand
mit krefften vnd mit widerstand
Murner Äneis (1559) n 5ᵃ;
diesemnach er ... sie als ein unsinniger anfiel; sie aber mit grosser hertzhaftigkeit seinen geilen betastungen widerstand that Lohenstein Arminius (1689) 1, 16ᵃ;
einst fiel der leu, der auf der jagd
zu tief sich in das holz gewagt,
zwey tiegern in die pranken.
gewaltig war sein widerstand
Pfeffel poet. versuche 3 (1817) 27;
wenn dergleichen ja also einmal geschieht (sc. die entführung des adressaten durch einige handfeste kerle), dann warne ich zum voraus sich jedes unnöthigen widerstandes ... zu enthalten (1822) Görres ges. br. (1858) 3, 40; (Unrat) hatte den kapitän schon gepackt, sich in ihn eingekrallt, ihn zum ausgang gezerrt. der starke mensch liesz den hektischen ansturm ohne widerstand über sich ergehen H. Mann ausgew. w. 1, 518 Kant. von gruppen, verbänden, gemeinwesen: des deden ze em eyn wedderstand vnde zetten zik in de were ... in der züluen were bleven iuwer buer twe döt (1371) mecklenb. urkundenb. 18, 85; sich reuter vnnd knecht in die schlachtordnung dem feind zugegen oder widerstandt verfügen mögen Fronsperger kriegsb. 1 (1578) H 2ᵃ; die übrigen männer, die allenfalls noch widerstand hätten thun können (bei einem überfall), waren gleich in schrecken gesetzt und bald überwältigt Göthe I 22, 40 W.; als Troja nach zehnjährigem widerstande erlag H. Meyer gesch. d. bild. künste (1824) 2, 133; stiessen auf dem rechten flügel die Bayern auf lebhaften widerstand Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 3, 12; schliesslich spricht Goebbels schon seit wochen vom erstarkten deutschen widerstand Klemperer l. t. i. (1949) 221. in bildlicher verwendung: ziehet an den harnisch gottes, das jr bestehen künd gegen die listigen anlauff des teufels. denn wir haben ... zu kempffen ... mit den herrn der welt ..., mit den bösen geistern vnter dem himel ... ergreiffet den harnisch gottes, auff das jr ... widerstand thun ... vnd das feld behalten müget Epheser 6, 13;
seyn oder nichtseyn, das ist hier die frage:
obs edler im gemüth, die pfeil' und schleudern
des wüthenden geschicks erdulden, oder
sich waffnend gegen eine see von plagen,
durch widerstand sie enden
Shakespeare 3 (1798) 232.
b)
in den zahlreichen fällen, in denen nicht speziell vom widerstand mit physischer kraft (und waffen) die rede ist, meint das wort
α)
bald ein mehr aktives (feindliches) widerstreben, entgegentreten, -wirken:
wart eyn widderstant alsus,
der vetere eyn groz synodus, ...
dy sich irhubin also sidder
und lagin da dem babiste widder,
darüm daz her consecrirte
den keysir, der so vigilirte
frevelich der kirchin e
(14. jh.) Kirchberg chron., in: mon. inedita 4 (1745) 645 v. Westphalen;
vmb sust tuͦst du widerstand dem willen vnd fürsatze diser liebhabenden menschen (1478) Niclas v. Wyle translationen 46 lit. ver.; (die anhänger des papsts) vnderstond vnder zuͦ trucken die warheit vnd die prediger der warheit. schmähen die waren lerer an eer vnd lümbd, suͦchen sie zuͦ schedigen an iren liben, machen ire lere dem volck argwenig ... vnd mit solichen vnd der gelichen widerstand wöllen sie abwisen die frommen Teütschen von göttlicher warheit (1521) Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 84 ndr.; und ob ich wol mancherley anfechtung und widerstand habe vom teuffel ... noch wil ich dabey (bei einer meinung) bleiben, leben und sterben (1537) Luther 45, 511 W.; wann man jnen (den evangelischen) zuͦ allem jrem lestern vnd schmachbüchlein stillschweigt ..., so werden sie nur muͦttiger, frecher ..., als ob nyemands mehr sey, der jnen künn ... widerstand thuͦn J. Nas antipap. eins u. hundert (1567) 1, vorr. a 5ᵇ; die (bretter) hat es (das gesinde) verbrennt, vnd also der kelt so viel müglich, widerstand gethan Schweigger reyszbeschr. (1619) 49;
(Aeneas) litt vil vnglück vnd gefahr,
so wol zu wasser als zu land,
dises geschach durch widerstand
der götter vnd Junonis zorn
Spreng Äneis (1610) 2ᵃ;
unsre feinde thun uns offt mehr gutes als unsre freunde, denn dieser beystand machet uns unachtsam und fahrlässig, unsrer feinde widerstand aber machet uns emsig und wachsam der Beschirmete v. d. seelenfrieden (1685) 241; bis die gemeinsame meinung ... laut gegen ihn (den hohen frz. klerus) ausbrach. zum widerstande fand sie ihn ... unfähig, ... weder schreiben noch sprechen konnten sie mehr, wie es jetzt erfordert ward Herder 23, 103 S.; (der staatsrat) sollte den versuchen, die monarchie wieder herzustellen, widerstand leisten Ranke s. w. (1867) 17, 10; die wahl eines künstlerischen berufes, auch wenn sie gegen noch so heftigen widerstand der eltern erfolgt ist E. Mühsam namen u. menschen (1949) 16. vor gericht: aber gott hat mir doch die gnade gegeben, dasz ich ihnen (den anklägern) widerstand gethan und obgelegen bin Schweinichen denkw. (1878) 479 Öst. in förmlicher disputation: (Luther) hat ... begert zuͦ disputieren zuͦ Augspurg, zuͦ Leypttzig vnd zuͦ Worms. wo seindt bliben seine feyndt? alle, die sich sein haben vnderwunden, seind zuͦ schanden worden vnd haben nit mögen widerstand thun dem geist, der do redt (1522) M. Stifel in: flugschriften 3, 289 Clemen. in der sprache der gegenwart auch der gegen den faschismus geführte politische kampf (vgl. widerstandsbewegung, -gruppe, -kampf, -kämpfer, -zelle, -zentrum): die not des volkes, der echte widerstand, das echte grauen (im Hitlerreich) dt. woche (München 9. 10. 1957) 12.
β)
bald auch meint widerstand ein mehr beharrendes, nicht nachgebendes widerstreben, widersetzlichkeit, weigerung (s. auch die fügung passiver widerstand unter 6 b):
so wirt sij is dun (dir die rüstung tragen)
und dar inn keinen wiederstant dun
(anf. d. 15. jhs.) pilgerf. d. träum. mönchs 4830 Bömer;
so ehrlich halt ich wol die statt,
dasz, was sie mir verheissen hat
vnd zugesagt mit mundt vnd handt;
dasz sie mir solchs ohn widerstandt
werd halten
(1572) Fischart w. 2, 276 Hauffen;
du seyest noch zu jung sollichen anfechtungen (wie z. b. der verlockung zum spielen) widerstandt zuthuen (1584) Ferdinand II. v. Tirol speculum vitae humanae 11 ndr.; ich fand einen solchen widerstand, dergleichen ich nimmermehr bey keinem weibsbild anzutreffen gedencken können (1669) Grimmelshausen Simpl. 272 Scholte; allein ihr erster wiederstand (als sie aufgefordert worden war, bei der abfassung einer moral. schrift mitzuwirken) schien etwas mehr, als blosze bescheidenheit zum grunde zu haben vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 3 Gottsched; Mariane wollte noch zurückhalten, aber sie konnte ihrer innern zärtlichkeit selbst nicht widerstand thun Nicolai Seb. Nothanker (1773) 1, 226; ihre zudringlichkeit verdoppelte sich bey dem widerstand (der frau, die dem könig gefügig gemacht werden soll) Klinger w. (1809) 4, 26; der stier zieht seinen pflug ohne widerstand; aber dem edeln pferde, das du reiten willst, muszt du seine gedanken ablernen Göthe I 8, 267 W.; recht herzlich habe ich sie (Caroline v. Humboldt) früher bedauert, dasz sie nach hartnäckigem widerstand doch noch endlich das liebe Rom mit dem rücken haben ansehen müssen (1812) ders. IV 22, 319 W.; das ist eine musik ... man musz mit, musz hüpfen, springen, da hilft kein widerstand Cl. Viebig kreuz im venn (1909) 220; die ersten tage ihres aufenthaltes auf schlosz Brunn kostete es Sabine nicht wenig mühe, den vielen eindrücken, die auf ihr empfängliches gemüt einstürmten, festen widerstand entgegenzusetzen Fendrich Himmelheber (1915) 103; (die leute in Schwabing) waren vereint ... in einer unsichtbaren loge des widerstands gegen die autorität der herkömmlichen sitten Erich Mühsam namen u. menschen (1949) 111. im physischen bereich: darumb soll man denen so an der sonnen arbeytten, dieweil die sonn jhre leib vnd adern krancket vnnd sie solcher grossen hitz nicht mögen widerstand thun, die speisz eintheylen M. Herr d. feldbau (1551) 55ᵃ.
γ)
in einigen fällen meint widerstand lediglich eine innere empfindung. bes. deutlich machen das belege wie: ich heisze action meine empfindung von widerstand in mir selbst Lichtenberg br. (1901) 2, 372;
und drückt ein mensch mir liebevoll und leise nur die hand,
empfind' ich gleich geheimen schmerz und tiefen widerstand
Platen w. 1, 56 Hempel;
ihr gefühl für den vater war immer eine mischung gewesen aus bewunderung und widerstand Feuchtwanger d. falsche Nero (1947) 123.
3)
gern auch ein tun und verhalten von sachlich-dinglichem (gelegentlich personifiziertem); s. auch oben sp. 1263 die letzten zwei belege für den plural widerstände:
(der leib) were yme (d. heiligen) zu aller fart
undertenig aen wiederstant
(anf. d. 15. jhs.) pilgerf. d. träum. mönchs 4200 Bömer;
(sirup) thuͦt allem gifft vnd feulnuss hefftigen widerstandt Ryff confectbuch (1548) 128ᵃ; weil ihnen (den schmerzen) in einem schon abgematteten und schwachen leib weniger wiederstand gemachet wird; derselbe weichet und giebet den schmertzen nach discourse d. mahlern (1721) 1, C 4ᵃ;
wie manchen tropffen schweisz läst eine stirne rinnen,
eh sie den widerstand der grausamkeit besiegt
Henrici ernst-, scherzh. u. satir. ged. (1727) 2, 287;
dasz diesem eindruck, auf das liebliche
geschwätz des vaters hin, mein rasches herz
so wenig widerstand entgegen setzte!
Lessing 3, 125 L.-M.
ihr schulterkleid, ein spiel der lüfte,
that keinem blicke widerstand
Göttinger musenalmanach (1777) 22;
(die sittl. gedanken) stossen bei jedem schritt auf den widerstand, den menschlicher eigensinn und unverstand ... ihnen entgegensetzen Jhering geist d. röm. rechts (1852) 1, 55; zumal er (Christus) ... durch keinen widerstand von seiten der naturgesetze beschränkt ist D. Fr. Strausz ges. schr. (1876) 3, 5. im besonderen
a)
von dingen im hinblick auf ihre festigkeit: aber du (die eiche) vnd andere grose beum ... wöllen dem wind widerstant thuͦn (1519) Pauli schimpf u. ernst 120 Öst.;
der sturm durchbricht der riegel widerstand,
I. J. Pyra in: Pyra-Lange lieder 140 ndr.;
ihrer neuheit halber leisteten die mauern den kugeln keinen rechten widerstand Ranke s. w. (1867) 2, 81; das gute pergament leistete widerstand, liess sich nicht ... zerreissen Feuchtwanger d. falsche Nero (1947) 203. in bildlicher verwendung, z. b.: seit er (Hauptmann Winfried) sich hier im innern des reiches am widerstand der tatsachen die haut wundrieb A. Zweig einsetzung e. königs (1950) 242. auch konkret 'die sache, die widerstand leistet': ich trenne noch mehr von der obern wand hinweg; da wird die untere ein von kalk bespritzter breterner widerstand Gutzkow ritter v. geiste (1850) 1, 101.
b)
gegenwirkung gegen eine bewegung: als stein vnd yede schwär geschöpfft begert vndersich vnnd volfürt allweg (so uerr sy nit durch ander mittel widerstand hat ...) irn val zetal Riederer spiegel d. waren rhetoric (1493) a 4ᵃ; der widerstand auf gerader wagrechter bahn wird verursacht durch reibung aller gleitenden teile des eisenbahnfahrzeuges Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 7, 927. namentlich die hemmende wirkung des mittels, in dem sich ein körper bewegt: Galiläus hat von schwerer dinge wurf gehandelt, ohne den widerstand der luft in rechnung zu bringen (1696) Leibniz dt. schr. (1838) 1, 390; widerstand des mittels, in dem sie (materie) sich bewegt Engels dial. d. natur (1952) 67 Dietz. ähnlich in der elektrizitätslehre auf den widerstand des leiters angewendet: die leiter setzen mit ihrer masse der electricität widerstand entgegen Sprengel chemie f. landwirthe (1831) 1, 75. auch bezeichnung für ein gerät: auch sind (am schaltbrett) ... widerstände oder andere apparate zum regulieren derselben (der stromstärke) vorhanden Muspratt chemie (1896) 5, 693.
c)
trägheitskraft und schwerkraft: dasz der (körper) nicht kan in bewegung gesetzet werden, ehe sein wiederstand gebrochen wird Chr. Wolff vernünft. ged. v. gott (1720) 330; durch hebung eines gewichts den widerstand der schwere überwinden Engels dial. d. natur (1952) 92 Dietz.
4)
die fähigkeit zum widerstande (s. Dietrich v. Gotha und A. v. Eyb unter wi(e)derstandung):
bewahr vns vor desz satans gwalt,
der vns nach leib vnd seele stellt,
verleyh vns starcken widerstand,
dasz er von vns weiche zu hand
d. ältest. kath. gesangbücher 1, 515 Kehrein;
steile gebirgsgegenden, indem sie die gefahren der bewohner vermannichfaltigen, fordern wehrhaftigkeit und widerstand (1826) Göthe IV 41, 246 W.; die willenskraft, der widerstand war von der übermüdung gelähmt gewesen Gutzkow ritter v. geiste (1850) 2, 362.
5)
auf personen angewandt, 'gegner, gegenpartei' (namentlich in älterer sprache): ein ansichtiger widerstand grauis aduersarius Maaler teutsch. spr. (1561) 497ᵇ; die dann mitsampt den selben hoptman die sach söllent fürnemen, zu erobern, nach gelegenheit unsers widerstands, es sey mit widersagen, zugen, legern, zusetzen oder täglichem krieg (1487) urk. z. gesch. d. schwäb. bundes 1, 5 lit. ver.;
das gottes wort solt pleiben;
und was doch da kein widerstand,
der jemand davon wolt treiben, ja treiben
(1525) chron. d. st. Bamberg 2, 200 Chroust;
wo aber kömt ein widderstand,
kreucht er vnter die schild zu hand
Rollenhagen froschmeuseler (1595) T 5ᵇ;
o gast des Abrahams, o Jacobs wiederstandt (gott)
(1624) Opitz teutsche poemata 185 ndr.;
beschlossen sie (die seeräuber), anzugreifen, den widerstand nieder zu machen Bürger s. w. 255ᵃ Bohtz. im rechtsstreit (s. quelle aus d. j. 1500 bei Fischer schwäb. 6, 795):
(der könig, der)
recht helffen sol allein der klagt,
was des vnschüldign widerstandt
auch darüber nehm für die handt
Rollenhagen froschmeuseler (1595) Gg 3ᵃ.
der teufel:
der teuffel ist mein widerstandt,
der will einnemen gar das landt
(1607) S. Israel Susanna in: jb. f. gesch., spr. u. lit. Elsasz-Lothringens 23, 66.
6)
wendungen und fügungen.
a)
verbale wendungen.
α)
unter den wendungen des widerstandleistens herrscht im frühnhd. widerstand tun (s. zahlreiche belege ob. in den bedeutungsgruppen), eine fügung, diewie widerstand selbstseit dem 14. jh. in gebrauch kommt (den frühesten beleg, aus dem mecklenburgischen urkundenbuch, s. ob. unter 2 a) und im 19. jh. durch jüngere wendungennamentlich widerstand leisten (s. u.) — wieder verdrängt wird. in der schriftsprache der gegenwart läszt sie sich noch bei Bergengruen nachweisen: der erstarrung widerstand ... tun die heiraten von Parma (Hamburg o. j.) 30. mundartl.: wedderstand doon Mensing schlesw.-holst. 5, 563. — ebenfalls älterer sprache gehört die gelegentlich bezeugte wendung widerstand halten (vgl. als bildung standhalten) an. von der gegenwehr im kampf: aber er hielte ritterlichen widerstand Schütz hist. rer. Prussic. (1592) E 3ᵇ. (1. buch);
zween halten mir zur seiten dem feinde wiederstand
Dusch verm. w. (1754) 144.
im gespräch: (einer sagt) er ist etwan ein loser krieger ... geschwind war ein ander da, der diesem widerstand hielt, und mich vor etwas anders ansahe Grimmelshausen Simpl. 436 Kögel; in der ausg. v. Scholte dagegen: der diesem widerpart hielte s. widerpart 5. die heute sehr gebräuchliche wendung widerstand leisten kommt wohl erst im 18. jh. auf. frühestes zeugnis: wenn die trübsalsfluthen wallen, ach so leiste (gott) widerstand Schmolck sämtl. trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 1193. ferner s. Büchner oben unter 2 a, v. Unruh und Lassalle 3, 492 unten unter b, Ranke oben unter 2 b α, ihn und Feuchtwanger oben unter 3 a, diesen auch unten unter b; s. auch oben die bemerkungen zu widerstand tun. — des öftern ist in neuerer und gegenwärtiger sprache auch widerstand entgegensetzen bezeugt, s. Lessing und Jhering ob. unter 3, Sprengel ebda unter b, Fendrich unter 2 b β, Bücher und die quelle v. j. 1935 sp. 1263, Göthe I 51, 64, v. Unruh, Gerhart Hauptmann und Lauff unten unter b.
β)
wendungen des widerstandfindens. in älterer sprache wird widerstand wiederholt durch haben regiert:
daz her hatte widerstant
(14. jh.) Kirchberg chron., in: mon. ined. 4 (1745) 684 v. Westphalen;
s. auch Riederer ob. unter 3 b und Luther unter 2 b α. auf widerstand stoszen begegnet in neuerer sprache wiederholt; s. Jhering ob. unter 3 und Moltke unter 2 a. für ältere wie (namentlich) auch für neuere sprache ist widerstand finden belegbar; s. Grimmelshausen ob. unter 2 b β und Göthe unter 1; der bund fand nirgends widerstand Ranke s. w. (1867) 1, 253.
γ)
als ausdruck für die (gewaltsame) beseitigung des widerstandes begegnet des öfteren den widerstand besiegen: s. Henrici ob. unter 3; den widerstand (der strömung) besiegen Fontane ges. w. (1905) I 4, 192. üblicher ist wohl heute widerstand brechen; s. Wolff ob. unter 3 c; der drang, jeden je möglichen widerstand zu brechen H. Mann ausgew. w. 1, 414 Kant. widerstände überwinden s. ob. sp. 1263.
b)
gern wird widerstand durch adjektive näher bestimmt. passiver widerstand: 'wir haben doch wohl schon in den unabhängigkeitsbestrebungen der nordamerikanischen staaten den grundsatz der passive resistance als schlagwort, dann im 19. jh. auch in England' A. Gombert in: zs. d. allg. dt. sprachvereins 21 (1906) 229. die dt. entsprechung passiver widerstand begegnet zufrühest (in anwendung auf engl. polit. verhältnisse) im 'morgenblatt f. gebildete stände' vom 15. 12. 1819 (jg. 13, 1195ᵇ): 'bekanntlich haben die radikalreformer in England in ihren verschiedenen versammlungen einander angelobt, sich aller accisbaren gegenstände, als thee, zucker, taback, geistige getränke usw. zu enthalten. diesz geschah in der absicht, um die regierung durch eine bedeutende verminderung ihrer einkünfte zur einwilligung in ihre forderungen zu zwingen; diesz nennen sie im gegensatz mit passiver unterwerfung, passiven widerstand'. jüngere belege sind zunächst selten (s. Gombert a. a. o.). mit angabe eines sprachlichen gegenwertes: der widerstand, von welchem im vorstehenden kurz die rede, ist der active und positive ... ihm zur seite musz der passive und negative gehen Karl Heinzen mehr als zwanzig bogen (1845) 164. zum schlagwort geprägt wurde passiver widerstand erst in der nacht vom 9. zum 10. nov. 1848 in Berlin, als der damalige präsident der preusz. verfassungsgeb. versammlung Hans Victor v. Unruh mit bezug auf die masznahmen des königs sagte: ich wäre entschieden der meinung, dasz hier nur passiver widerstand geleistet werden könne; und später in derselben rede: wir dürfen ... den gewaltschritten der krone nur passiven widerstand entgegensetzen; zitiert nach Büchmann-Krieger geflügelte worte (1926) 561. anders als im sinne eines verhaltens gegenüber den masznahmen der regierung gebraucht dann Marx das wort noch im selben jahre (beachte auch den sprachlichen gegenwert aktiver oder tätiger angriff): die bourgeoisie glaubte unterdes auf dem punkte angelangt zu sein, wo der passive widerstand (gegen die revolution 1848) in aktiven angriff übergehen müsse neue rhein. ztg. (16. 12. 1848) 233; dieser mann (Hansemann) war der notwendige chef ... des ministeriums (von junisept. 1948), welches den passiven widerstand gegen das volk in tätigen angriff auf das volk verwandeln sollte ebda (31. 12. 1848) 233. auf andere polit. verhältnisse als die des jahres 1848 angewandt: der einfluszreichste mann im senat war in dieser zeit (der opposition gegen Caesar) Marcus Bibulus, der held des passiven widerstandes Mommsen röm. gesch. 3 (1856) 294; der zähe passive widerstand der alten stände (in Preuszen) hatte schon den agrarischen gesetzen des achtzehnten jahrhunderts immer wieder die spitze abgebrochen Treitschke dt. gesch. ⁶1, 157. auszerhalb der politik: ich, wenn ich von ihnen (den geschworenen) verurtheilt würde, kann mit ehren passiven widerstand leisten; ich kann mich in mein recht einwickeln und protestiren (1849) Lassalle ausgew. reden u. schr. 3, 492 Pfau; hauptmann Quadratus ... liesz sie ... exerzieren ... aber Nero ... und Trebon ... hörten nicht auf die kommandos und leisteten zähen, passiven widerstand Feuchtwanger d. falsche Nero (1947) 396. auch ein verhalten von dingen: die sonst so ... gefügige erde war graniten geworden ... und setzte jedem versuch, das nötige pfahlwerk zu rammen, einen passiven widerstand entgegen J. Lauff frau Aleit (1905) 375. eindeutschungen sind duldender widerstand (der passive widerstand ... das ist der widerspruch in sich selber, er ist der duldende widerstand [1849] Lassalle ausgew. reden u. schr. 3, 493 Pfau) und leidender widerstand: ein gewisser leidender widerstand, den er der herrschsucht Lenens während des ersten jahres entgegen gesetzt Gerhart Hauptmann bahnw. Thiel (1892) 6; wusztest du nichts von leidendem widerstand, nichts von stillem eigensinn Ina Seidel labyrinth (1922) 133. ähnlich: stiller widerstand bei Mommsen röm. gesch. 3 (1856) 296 und Treitschke dt. gesch. ³1, 152 und schweigender widerstand bei Feuchtwanger d. falsche Nero (1947) 364. vor dem aufkommen des ausdrucks passiver widerstand spricht Kant metaphysik d. sitten 1 (1797) 181 vom negativen widerstand, dem er den activen gegenüberstellt; den statt dessen zu erwartenden positiven widerstand s. ob. bei Heinzen; ebda ist dem passiven der aktive widerstand, bei Marx n. rhein. ztg. (s. ob.) der aktive und tätige angriff gegenübergestellt. bewaffneter widerstand bei Lassalle a. a. o. 3, 490, Engels dt. bauernkrieg (1951) 80 u. 93 Dietz und bei Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 156; offener widerstand bei W. Raabe s. w. I 6, 53 und in der 'weltbühne' 5 (1954) 148; juristisch: thätlicher widerstand im dt. strafgesetzb. v. 1. 1. 1872, § 116. — andere adjektivewie grosz, stark, kräftig, heftig, mächtig, schwach, gering (s. den weg des geringsten widerstandes in: börsenblatt 50 [1953] 1071 und neue dt. lit. [1956] 152) — geben den stärkegrad des widerstandes an, wieder andere die dauer, z. b. ewig bei M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 11, noch andere die wirkung, das ergebnis: ihr ohnmächtiger widerstand, den sie seinen küssen entgegensetzte Göthe I 51, 64 W.; Macrinus ... wurde vom heere abgesetzt und nach vergeblichem widerstand hingerichtet H. Dittmar weltgesch. (1854) 2, 22; in siegreichem widerstand gegen den mit der gründerzeit aufgekommenen plüschgeschmack Ina Seidel d. unverwesl. erbe (1954) 80. eine reihe von adjektiven meint eigentl. den seelischen zustand des widerstand leistenden: tapfer (Luther 15, 276 W.; Fleming vollk. teut. soldat [1726] 286, § 5; Fr. Meinecke leben v. Boyen 1, 40), grimm, grimmig (Hans Sachs 18, 26 lit. ver.; Schnabel Felsenburg 44, 4 Ullrich), hartnäckig (Gottsched beob. [1758] 274; Zimmermann einsamkeit [1784] 1, 79; Schiller 4, 125 G.; Göthe IV 22, 319 W.; Droysen gesch. Alexanders d. gr. [1833] 86; Moltke ges. schr. u. denkw. [1892] 1, 202), ernstlich, ernst (O. Jahn Mozart [1856] 4, 395; Ranke s. w. [1867] 1, 21. Bennigsen nationallib. partei 22), zäh (Engels entw. d. sozialism. [1953] 99 [d. mark] Dietz; Treitschke hist. u. polit. aufs. [1886] 1, 13), beherzt (Ranke s. w. [1867] 1, 135), erbittert (heute u. morgen 12 [1953] 748), verzweifelt (Herman Grimm Michelangelo [1890] 1, 22), fanatisch (Marx kapital [1951] 1, 296 Dietz), heldenmütig (Marx-Engels revol. u. konterrevolution [1933] 99 Dietz).
c)
von den präpositionen tritt namentlich ohne neben widerstand. die wendung kann aktiven sinn haben, 'ohne widerstand zu leisten' (s. 'pilgerfahrt' ob. unter 3, Fischart und Göthe I 8 unter 2 b β, H. Mann unter 2 a), aber auch passiven, 'ohne widerstand zu finden': der von Nassauwe, Johan, der behilt daz bischtom ane widerstant (wohl ende d. 14. jhs.) Limburger chron. 92, 30 Wyss; s. ferner Luther 34, 2 und Schiller ob. unter 1 und Ina Seidel ob. sp. 1263.
d)
hervorgehoben sei schlieszlich auch die juristische wendung widerstand gegen die staatsgewalt: vergehen ... des widerstandes gegen die staatsgewalt gerichtsverfassungsges. § 75, 1. in freierer anwendung: unachtsamkeit und lachen waren widerstand gegen die staatsgewalt H. Mann ausgew. w. 1, 410 Kant.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1262, Z. 52.

widerstander, m.

widerstander, m.,
'der widerstand leistet' (s. auch widerständler und widersteher):
und solte seinen feinden und miszgünnern der bauch zerbrechen, er wolte halt seinen widerstanderen die sach machen
St. Vigilius de rebus memor. (1541) 28ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1270, Z. 45.

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widerprallen wiedertun
Zitationshilfe
„widerstander“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/widerstander>.

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