Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

widerstandslos, adj., adv.

widerstandslos, adj., adv.
1)
'ohne widerstand zu leisten oder leisten zu können'.
a)
von personen, gemeinschaften; ohne physisch (bewaffnet) widerstand zu leisten oder leisten zu können: (die Juden) lassen sich widerstandslos und psalmen singend (vom feindlichen heer) hinwürgen G. Freytag ges. w. 16 (1887) 31; er ... konnte gerade noch seiner Diana ein wort zurufen, als ihn die meute hunde widerstandslos fort- und an dem haus vorüberrisz Fendrich Himmelheber (1915) 302. bildlich, dem vorausgehenden besonders nahestehend: das gesamte Deutschland wurde von der gewalt der rückläufigen strömung widerstandslos fortgerissen Brunn kl. schr. (1898) 3, 269; diese macht der auszenwelt, die zuerst bittend und fordernd mit allem ihrem sanften und herben weh an uns herantritt und so, wenn wir helfen wollen, uns widerstandslos in ihre netze einspinnt Fendrich Himmelheber (1915) 242. überhaupt 'ohne zu widerstreben, ohne widerstreben zu können'; in verschiedenen verhältnissen: ergab (er) sich widerstandslos allen in ihm streitenden empfindungen Holtei erz. schr. (1861) 2, 138; sie war ... in unmittelbarer gefahr, widerstandslos und ... gedankenlos diesem manne zu verfallen H. Laube ges. schr. (1875) 2, 143; man anerkannte und akzeptierte seinen fall ebenso widerstandslos, wie man Timms und Buddenbrooks erfolge und das unglück des armen Mumme anerkannt und akzeptiert hatte Th. Mann Buddenbrooks (1922) 2, 444; (genüsse) in denen er sich ziellos treiben und sein leben durch ... die fülle des fremden widerstandslos bestimmen läszt W. v. Scholz ges. w. 4 (1924) 326; Trebon steckte widerstandslos den tadel ein Feuchtwanger d. falsche Nero (1947) 327. eine charaktereigenschaft: geistig regsam, aber schwach und widerstandslos von charakter, muszte er es sich gefallen lassen, geneckt und gehänselt zu werden Fontane ges. w. (1905) I 1, 64.
b)
von sachlich-dinglichem: ein bloszes bewegen in dem widerstandslosen medium des raums Hegel w. (1832) 13, 15; das kriegs- und gemüthsleben der ritter trug sich nun in die britischen mähren ein, die wie ein leeres gefäß waren, das die sitten des standes am widerstandlosesten aufnahm Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 1, 259; Ludwig ... zog ihm endlich das blatt aus den ... widerstandslosen händen M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 32; (ochsenhäute) wurden von spitzen dingen widerstandslos durchlöchert v. d. Steinen naturvölker Zentralbrasiliens (1894) 141; dasz die skepsis von uns ärzten (gegen übernatürliche heilungen) nicht um einen grad widerstandsloser geworden ist Werfel Bernadette (1948) 467; plötzlich waren sie (die schweren jahre) wieder da ... in seinem herzen, seinem hirn und in seinen widerstandslosen nerven O. M. Graf unruhe (1948) 164. den gebrauch des wortes in der elektrotechnik und radiotechnik bezeugt Krebs techn. wb. 7, 3 (1932) 179ᵇ slg. Göschen.
c)
besonders hervorzuheben ist der wiederholt belegte attributive gebrauch bei wörtern, die bereits den begriff der widerstandslosigkeit in sich tragen: der gänzliche und widerstandlose fall der bourbonischen herrschaft Becker weltgesch. (1829) 14, 379; in dem zarten widerstandlosen gehorsam der pflanze Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 5, 469; wie oft nennen wir erziehung, was nur ein unglückliches und widerstandloses dahingeschleiftwerden ist Gutzkow zauberer v. Rom (1858) 3, 364; er liesz sich in widerstandsloser hingebung von den wellen der zeit tragen Riehl musikal. charakterköpfe (1899) 1, 98; ein widerstandsloses aufgeben des geistes Th. Mann Buddenbrooks (1922) 2, 231. auch: wie muss heute die welt in einem kopfe aussehen, dem das alles in früher und widerstandsloser kindheit farbig eingeprägt wurde Klemperer l. t. i. (1949) 272.
2)
nur selten sicher 'nicht widerstand findend': es begann ... ein ... beinahe widerstandloses gemetzel Fouqué altsächs. bildersaal (1818) 2, 228; indem ... böse erregungen auf eine höchst seltsame ... weise ... in uns entstehen, ja bis auf einen gewissen punkt wiederstandslos wachsen Schleiermacher sämtl. w. (1834) I 3, 219. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1275, Z. 49.

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Zitationshilfe
„widerstandslos“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/widerstandslos>.

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