Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

widerstrebig, adj.

widerstrebig, adj.
(vgl. auch oben widerstreb(e), adj. u. strebig, adj., teil 10, 3, sp. 1081.), 'widersetzlich, zu widersetzlichkeit geneigt'. mhd. widerstrëbic Lexer 3, 860; mnd. wedderstrevich, -strevech Schiller-Lübben 5, 638ᵃ (s. auch unten die chroniken-belege); mnl. wederstrevich Verwijs-Verdam 9, 1, 1989; ndl. we(d)erstrevig van Dale nieuw groot woordenboek ⁷2086ᵇ. — -isch-ableitung: wedderstreevsch 'widersetzlich' (Pinneberg, Hamburg, Altona) Schütze Holstein 4, 347. — von den histor. lexika seit dem 15. jh. erfaszt: obstinax wydderstrebech (15. jh., md.) Diefenbach gl. 390ᵇ; contumax widderstrebick, -sprechig (ende d. 15. jhs.) ebda 148ᵃ; oppositissimus gantz widerstrebick, widerstellig Melber voc. predic. (1482) S 3ᵇ; inobediens widersessig, widerstrebig, widerspenstig Schöpper synon. (1550) b 8ᵃ; contrarius widerig, widersträbig Frisius dict. (1556) 325ᵃ; widerstrebig, so gern andern zuwider ist qui prend plaisir à contredire à vn aultre, chi se diletta di opporsi ad alcuno Hulsius-Ravellus t.-frz.-ital. (1616) 412ᵃ. Campe wb. 5 (1811) 703ᵇ kennzeichnet das wort als veraltet und der erneuerung anscheinend nicht mehr fähig. literarische bezeugung:
dat he (ein könig) to Rome vore mit hereskreften;
ein wedderstrevich land wolde he vil gerne irvechten
(1216) Eberhard reimchron. v. Gandersheim 1800 Weiland;
die toren widerstrebik sint,
daz schadet in dikke sere
(2. hälfte d. 13. jhs.) meister Kelin in: minnesinger 3, 20ᵃ v. d. Hagen;
in dem ... jar de Sassen worden aver wedderstrevich (Magdeburg, nicht vor 1360) städtechron. 7, 29; Tile Hageman is deme rade wedderstrevich geworden (Braunschweig 1491) ebda 16, 265; das dise statt (Karthago) ... 120 jar (den Römern) widerstrebig gewesen S. Franck chron. zeytb. (1531) 20ᵃ; sie solten die widerstrebige und sonderlich die stiffter des auffruhrs ohn alle barmhertzigkeit hart straffen Jean de Serres frantzös. hist. (1574) 14ᵇ. gern neben adjektiven ähnlicher bedeutung: gehessig, widerwertig vnd widerstrebende (var. widerstrebig) sol ich (der ackermann) euch (dem tod) immer wesen (wohl 1520/34) ackermann a. Böhmen 7 Bernt-B.;
ich halts darfür, das sie (die leibeigenen) abtrennig
vnd widerstrebig gewesen sindt
(1517) Burkard Waldis Esopus 1, 181 Kurz;
da man ein (opfer-) rind zum altar bringet, das nicht stille stehet, sondern wederstrebig vnd hinderstellig wirt Heyden Plinius (1565) 238. wiederholt mit un(ge)horsam gepaart: desulve hertige Hinrik unde Ludolfes worden na der tyd wedderstrevich unde unhorsam dem keisere (Lüneburg 1414) städtechron. 36, 53; (er) unsem deken (dekan) wedderstrevech unde unhorsam ... gheworden is (Braunschweig 1418) ebda 16, 48; bistu inne (den eltern) icht ungehorsam gewest und widerstrebig? beichtspiegel v. 1474, bei: Geffcken bildercatechism. 1, beilagen 102. — auf sachliches angewandt: (maledictus furor eorum, quia pertinax) vormaledyet sy oͤr torne, wente de is wedderstreuich Halberstädter bibel (1522) 1. Mose 49, 7; doch widerspenig erste dt. bibel 3, 214, 41 lit. ver.; darmit verwirfft er die traditiones, so fern sie gottes gebot widerstrebig sind Wicelius v. d. christl. kirchen (1534) J 1ᵇ. Rückert greift das zu seiner zeit bereits veraltete wort (s. oben Campe) in abweichender bedeutung ('zuwider', s. widerstreben 4 d) wieder auf, ohne es doch erneuern zu können:
nicht die kröten nur allein und schlangen
machen mich vor gift und unrath bangen;
auch die frösche, die so munter hüpfen,
und eidechsen, die so zierlich schlüpfen.
kaltes blut ist warmem widerstrebig
w. (1867) 2, 420.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1313, Z. 1.

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Zitationshilfe
„widerstrebig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/widerstrebig>.

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