Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

widersuchen, wiedersuchen, vb.

wi(e)dersuchen, vb.
1)
ricercare, cercare di nuovo Kramer t.-ital. 2 (1702) 1036ᵇ; rechercher, chercher de nouveau Schrader dt. u. frz. wb. (1781) 1631. im raume etwas wiederaufzufinden trachten: ein verlaufenes wild oder die spur requêter, ebda. bildlich: (der dichter) pflückt seine natur; denn der ort, wo er sie nahm, ist, wenn man die natur wiedersucht, die der dichter beherzigte, wie abgemäht Hippel lebensläufe (1778) 2, 215; was den geist verläugnet, das versiegt eine geistesquelle, — busze ist ein wiedersuchen, wiederfinden dieser quelle Bettine d. Günderode (1840) 2, 293. übertragen, vgl. wi(e)derfinden 2, sp. 980f.: wer wird in dem achtzehnjährigen jungen manne den sechsjährigen bambino, als welcher ihr dorthin zoget, wiedersuchen wollen? Gaudy s. w. (1844) 15, 120; in einem grösseren umfange aber zusammengestellt kann man die ähnlichen verwirrungen nur in den reali di Francia wiedersuchen, die überhaupt das passendste seitenstück der kaiserchronik sind Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 1, 181. namentlich abhandengekommenes eigentum suchen, um es wieder in besitz zu bringen. in diesem sinne buchen Adelung wb. (1793) 4, 1537 und Campe wb. 5 (1811) 712ᵃ das wort. in literarischen belegen eigentlich und bildlich:
(wie das weib im gleichnis vom verlorenen groschen)
also ich auch aus gnaden milt
den schönen edlen groschen,
auff dem das thewre gottesbild
war mehr denn halb verloschen
...
mus fleissig wider suchen
Ringwaldt evangelia (1581) Y 2ᵇ;
und zu dem allen war nun noch
mein liljenweisses tuch verschwunden,
und wiedersuchen musst' ichs doch
Tiedge w. (1823) 6, 41;
(alter prophet:) so wie ein orakel von uns gegeben ist, müssen wir aus dem umkreise der welt die buchstaben und wörter wieder suchen, die wir ausgesprochen haben, sonst verlieren wir unsre kunst. (schüler:) darum sind wir auch so fleiszig im wiedersuchen Tieck schr. (1828) 11, 204. auch geistiges eigentum im gedächtnis wiederzufinden trachten, sich auf etw. besinnen, sich an etw. zu erinnern suchen; vgl. die glossierung mit 'reminisci' bei Stieleb stammb. (1691) 2237: wie man es von abgerichteten sang vögeln hört, die ihr halbvergessnes stückchen wiedersuchen Fouqué altsächs. bildersaal (1818) 4, 574.
2)
'streben, etwas wiederzubekommen, zurückfordern (vgl. suchen 6 teil 10, 4, sp. 850): ein anlasz, die ge kränckte freyheit wiederzusuchen Lohenstein Arminius (1689) 1, 12ᵃ. lexikalisch: wedersoeken, wedereyschen requirere, repetere (Köln 1477) teuth. 489ᵃ Verdam; wiedersuchen repetere, reqvirere: sein gelt wiedersuchen reposcere nummos, hülfe wiedersuchen reflagitare auxilia Stieler stammb. (1691) 2237; requérir Schrader dt. u. frz. wb. (1781) 1631ᶜ. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1330, Z. 22.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
widerprallen wiedertun
Zitationshilfe
„widersuchen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/widersuchen>.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)