Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

widertaufe, wiedertaufe, f.

wi(e)dertaufe, f.,
anabaptismus, taufe erwachsener, s. wi(e)dertäufer. anfangs neben wi(e)dertauf, m. (s. d.), setzt sich das fem. wie bei dem grundwort durch. zur gesch. d. täuferbewegung s. d. religion i. gesch. u. gegenwart 5 (1913) 2021. lexikalisch erst: wiedertaufe in sano sensu est regeneratio, alias baptismus iteratus Stieler stammb. (1691) 2263; wiedertauf anabattesimo Kramer t.-ital. 2 (1702) 1056ᵇ; Adelung 4 (1801) 1537. zum folg. beleg vgl. wi(e)dertaufen 2: Stephanus der bapst nam si (die von ketzern getauften) schlecht alle an, legt in nur die hende auf den kopf, sagt, si wären vor getaufet, dörften der widertauf nit Aventin s. w. 4, 2, 949 bayer. akad. über den taufakt im engeren sinne hinaus bedeutet das wort in vielen belegen wesen und lehre des täufertums: von der widdertauffe, an zween pfarherrn, ein brieff (1528) Luther 26, 141 W.; also mag er (der mensch) nu ainsten geistlich geporen vnnd getawfft werden. darumb ist hoch verpoten die widertauf, als ain vncristenlich werch Berthold v. Chiemsee teutsche theol. 412 Reithm.; summarische ertzelungk und bericht der wiederdope und wat sich binnen der stat Monster in Westphalen zugetragen im iair 1535 Heinrich Gresbeck bei Cornelius ber. d. augenzeug. (1853) 3; derwegen sendet die alte schlang etliche gen Muͤnster inn Westfalen, die schlichen in heusern hin vnnd her vnd koͤketen ir gifft vnter die leute, vnnd beredten sie zur widertauff Mathesius ausgew. w. 3, 238 L. in histor. schriften neuerer zeit: ungeachtet Karl ... die todesstrafe auf die wiedertauf gesetzt, ... so erhielten sie sich dennoch hie und da M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 5, 310; befehl, alle, welche der wiedertaufe verdächtig, ... vom leben zum tode zu bringen Ranke s. w. (1867) 3, 36; denn sie sind nicht täufer, wie du wähnst, ich und du sind die einzigen in dieser öde, denen die wiedertaufe geworden ist A. Stern die wiedertäufer (1913) 86. selten in bildl. u. übertragener verwendung: der schriftsteller (musz) sein schäflein durch eine zweite nach- und wiedertaufe treiben Gaudy s. w. (1844) 12, 159; (die literaten) den kleinstädtertypus ... tragen, der ... uns à la wiedertaufe ... über den kopf gegossen wird O. Ludwig ges. schr. (1891) 6, 451.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1331, Z. 65.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
widerprallen wiedertun
Zitationshilfe
„widertaufe“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/widertaufe>.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)