Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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widerum, wiederum, adv.

wi(e)derum, adv.,
'zurück, abermals, hingegen, umgekehrt'; mnl. wederomme, -om; nl. we(d)erom; mnd. wedderumme. entstanden aus einer verbindung von wi(e)der II B 1 und 2 a mit adverbiellem um im sinne von 'wendung, drehung in die entgegengesetzte richtung oder lage'; vgl. um- (typenübersicht) II A 5, teil 11, 2, sp. 1310. wiederum ist gleichbed. mit wieder in seinen bedeutungen 'zurück' und 'abermals'. in älterer sprache vertritt es oft einfaches wieder, vgl. in der literatur etwa volksb. v. dr. Faust, hg. v. Petsch (1587) und unter den lexikographen Maaler teutsch spraach (1561), der sp. 497ᵇ—498ᵇ latein. verbalkomposita mit re- durch wiederumb wiedergibt: widerumb bringen reportare, widerumb gäben reddere, widerumb gon redire, reuerti. vereinzelt begegnet auch die komposition von widerumb mit substantiven auf -ung: widerumb bittung repetitio (15. jh.) Diefenbach gl. 493ᵃ; widerumb begerung Riederer rhetoric (1493) r 5ᵇ. der gebrauch von wiederum im sinne von 'zurück' ist neuerer sprache fremd, doch vgl. in den maa. bedrum wieder um, zurück Bacher Lusern 225; wërum 'wiederum, zurück', wërumreise 'zurückreise' Doornkaat Koolman ostfries. 3, 543. vereinzelt steht wiederum für wider, adv.: contra sonare wider vmb donen (15. jh.) Diefenbach gl. 389ᶜ; vgl. damit den gebrauch von wiederum als ausdruck eines sachlichen gegensatzes unter B. am ende des 18. jhs. registriert Heynatz: 'wiederum wird in guten schriften immer seltener, welches kein wunder ist, da man mit wieder eben so weit reicht', antibarb. (1796) 2, 638; nach Adelung 'wird ... wiederum für das kürzere wieder nur alsdann gebraucht, wenn der numerus ('silbenzahl') der rede ein dreysylbiges oder auch die feyerlichkeit ein volltöniges wort erfordert', wb. 4 (1801) 1537. — die -umb-form, im 16. jh. noch die regelmäszige neben der ohne auslautenden labial, ist auch im 17. jh. noch genügend bezeugt, im 18. jh. gemieden; weiteres über um vgl. teil 11, 2, sp. 761. zu den erweiterten formen -umben, -um(m)en vgl. die belege unten.
A.
als adv. im sinne von 'zurück, abermals'.
1)
im sinne von 'zurück, um' nur in älterer sprache gebraucht, s. auch oben Maaler: widerumb furen redigere, widdervmb geben reponere (15. jh.) Diefenbach gl. 488ᶜ und 493ᵃ; wedder omme draghen: reportare, wedder om driuen: redigo, wedder vmme leyden: reduco, wedderom senden: remitto, wedder vm springhen: resilire, nd.-lat. glossen um 1500, in: zs. f. dt. wortforschung 15, 309; widerumb führen, zurückführen reduco, retroduco Decimator thes. (1608) 1118ᵃ; widerumb schicken remitto B. Garth lex. (1657) 697ᵃ. literarische belege: nun behüt üch gott, bis ich widerum kumm (1522) Zwingli dt. schr. 1, 90 Sch.; er ... füret jn widerumb 1. kön. 13, 19; daz Socrates habe zwentzig pfundt ... von dem Aristippo, seinem danckbaren lehrjungen, zum geschenck empfangen, aber ... verachtet vnd jhm solches gelt widerumb geschickt Ph. Bech Agricolas bergwerckb. (1621) 6; vielleicht wird sie (eine von hause entflohene) die kindliche liebe wohl zwingen, wiederumb zu kehren (1677) schausp. engl. comödianten 85 Creizenach; und ist nach unserem ende kein wiederkehr, dann es ist versieglet, und niemand kommt wiederum Abraham a s. Clara etwas f. alle (1711) 2, 159. auch in nichtsinnlicher anwendung: (das herz) wolte nicht gern dencken, reden, hören, was wider gott wer, ob es nun biszweyl geschicht, das wir es versehen, fluchen, zörnen zuͦ weylen, so keren wir doch widerumb, bekennen, das wir haben unrecht thuͦn (1544) Luther 52, 201 W.
2)
im prägnanten sinne 'zurück' verblaszt, tritt wiederum oft neben komponierte verba und verbale wendungen, wodurch dann ausgedrückt wird, dasz etw. rückgängig gemacht oder in einen früheren zustand zurückgeführt wird: das ir (der Frankfurter rat) auff den obgenanten erstreckten tag ... durch ewer erber treffenlich botschafft mit gantzem vollem gewalt und gnugsam underweisung wol underrichtet und gevertigt, also das ir nit notturfftig sein werde, ichtz deszhalben (wegen bestimmter beschlüsse) widerumb an euch hindersich zu bringen ..., erscheinet (1460) Frankfurts reichscorresp. 2, 147 Janssen; so bruchend wir heimlich berürung, sin gemüt vns widervmb geneigt zemachen Riederer rhetoric (1493) C 2 b; das wir widerumb erben werden des ewigen lebens (1537) Luther 45, 20 W.; bis er (der kranke) widerumb zu krefften keme (1556) Wickram w. 2, 139 Bolte; das junge frewlin ... sich widerumb erquicket (nach anstrengender seefahrt) (1569) Amadis 1, 47 Keller; vnd sollen die bemeldten löher die auszbereyte häut vnd fäll widerumben verkauffen ordnunge wie sich handtwercker und handthierer verh. sollen (1579) A 4ᵃ; die teutsche herren und stände die jenige herrschaften und güter, welche sie von so langen zeiten her besessen, mit höhestem unwillen widrüm werden abtretten Rist friedejauchz. Teutschl. (1653) 114; dasz die köchin bald widerkame, nicht zwar mich wiederumb herauszulassen (aus dem keller) Grimmelshausen 2, 346 Keller;
durch den (den neuen herrscher) sich unser staat nur wiederum verjünget
Besser schr. (1732) 1, 22;
um sie (säufer und räuber) wiederum zu menschen zu machen Klinger w. 3 (1815) 277; damit die kirche wiederum zu recht gebracht und die lutherische ketzerei ausgerottet werde Ranke s. w. (1867) 3, 80.
3)
aus der voraufgehenden verwendung konnte leicht der zeitliche begriff der wiederholung sich entwickeln. man schwankt, ob der folgende beleg hierher oder besser unter 2 gehört: ob sie (verwitwete frauen) fremden mannen widerumb vermehelt würden (1473) Steinhöwel de claris mul. 51 Dr.älteres und im Mentelschen druck der ersten dt. bibel (um 1466) noch durchaus gebräuchliches aber 'abermals' wird im frühnhd. durch wiederholendes wieder(um) — auch durch abermal(s), noch ein mal, zum andern mal, von neuem — meist abgelöst; beispielsweise ersetzt der modernisierende Augsburger druck Zainers (um 1475) an den folgenden stellen das aber des Mentelschen drucks durch widerumb: ich hab gekläret vnd widerumb will ich erklären Joh. 12, 28; ein kleyn zeyt vnd yeczund werdet ir mich nit sehen vnd widerumb eyn klayn zeyt werdet ir mich sehen Joh. 16, 16. weitere literarische belege:
du sichst wol wie fast man den mucken wert,
so sind sie allweg widerumb do wenn man vffgehört
Keisersberg bilgerschafft (1512) 57ᵃ;
und regierten ir fürstenthumb,
wie vor auffrichtig widerumb
(1558) H. Sachs 8, 560 lit. ver.;
das man iczo zu keinem entlichen beschlusz ... kommen können, sondern das ... wiederumben eine zusammenkunft wird gehalten werden sollen (1618) acta publica 1, 33 Palm;
die reihe trifft uns wiederum
Stoppe Parnasz (1735) 8;
wie damals die wasser zusammenschlugen ..., so sei es wiederum geschehen Fontane ges. w. (1905) I 1, 46; es wurde auch tatsächlich noch ein zweiter wahlgang gemacht, aber wiederum stimmten fast alle für den Heingeiger O. M. Graf unruhe (1948) 72. das objekt wird modifiziert: vnlengst abgeleget 3000 thl. vnnd anitzo wiederumb so baar bey der cassa vorhanden 8000 thl. (1618) acta publica 1, 45 Palm; der verlust von vergangner nacht beläuft sich wiederum auf 8 todte und 32 blessirte (1762) Lessing 18, 443 L.-M. (einen tag zuvor belief sich der verlust 'auf 10 todte ... und 16 blessirte'); jetzt sah er (ein mann mit schwachem augenlicht) nur noch das stück papier (eine ansichtskarte) mit den ungenauen buchstaben, drehte es um und sah wiederum nur statt der buntgedruckten wolkenkratzer verschwimmende farbflecke O. M. Graf unruhe (1948) 31. mit negierendem adv.; in dieser verbindung heute vielfach durch mehr abgelöst: vnd er ... nicht widerumb auch solt macht haben, von inen vrlaub zu nemen, wo es sein notdurfft erfordert (1537) Luther briefw. 8, 64 W.;
mein vater! laszt, laszt eure Recha doch
nie wiederum allein!
Lessing 3, 18 L.-M.
wiederum kann auch stehen, wenn man ausdrücken will, dasz man etwas als gewohnt empfindet:
(Saladin:)
zahl an Sittah tausend
dinare!
(Al-Hafi:)
an Sittah? — wiederum an Sittah? und
verloren? — wiederum im schach verloren?
Lessing 3, 45 L.-M.;
wiederum war es Cavour, der ihm (Garibaldi) entgegentrat Ric. Huch kampf um Rom (1907) 256.
4)
wiederum kann in älterer und neuer sprache neben dem begriff der wiederholung den der übereinstimmung ausdrücken, 'auch, ebenfalls'; so beispielsweise, wenn objekt, subjekt oder adverbiale bestimmung wechseln: alles was sie reden dz lob ich, wenn sie das widersprechen, so lob ichs wiederumb Boltz Terenz (1539) 36ᵇ; wiederum stehen die zeiten des tiefsten verfalles (wie die literarischen blütezeiten) um sechshundert jahre von einander ab Scherer litteraturgesch. ⁷20. entbehrlich neben auch: hier (in Deutschland) tritt die medaille erst zu beginn des 16. jahrhundert auf; ihre erste anregung hat sie (wie in Italien) auch hier wiederum vom münzatelier erhalten J. Schlosser präludien (1927) 57.
5)
wohl mit rückgriff auf die grundbedeutung 'zurück' (s. o. 1) steht wiederum bei erwiderung und vergeltung (mit gleichem oder ähnlichem). handlung und verhalten kehren gleichsam zurück: die frawe ... in zuͦ hundert malen küsset und halset, und so vil wider umb gehalset und geküsset warde Arigo decameron 64 lit. ver.;
und wer das best auch reden wil,
dem redt man summa summarum
auch nach das beste widerumb
(1564) H. Sachs 19, 23 lit. ver.;
könig Salomon wolte den könig von Tyro, ... der jm gold, holtz und stein zum tempel zukommen liesz, mit zweintzig bergstedten widerumb verehren Mathesius Sarepta (1578) 2ᵃ;
selig sind, die barmhertzig sein,
sie solln auch wiederumb allzeit
erlangen gotts barmhertzigkeit
Eyering proverb. (1601) 1, 31;
liebe mich vnd treib mich an,
dasz ich dich (gott), so gut ich kan,
wiederumb ümbfang und liebe
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 3, 300;
entlaszt mich immer meiner ahnenprobe.
ich will euch eurer wiederum entlassen
Lessing 3, 102 L.-M.;
(bürgermeister liest:) sein etwaniges anliegen bestmöglichst zu befördern — ... mit vergnügen werde ich jede gelegenheit ergreifen, ihnen wiederum gefällig zu seyn Kotzebue s. dram. w. (1828) 18, 17. pleonastisch tritt wiederum neben verben und wendungen, die selbst schon erwiderung oder vergeltung ausdrücken: widerumb vergelten 'persoluere' (15. jh.) Diefenbach gl. 429ᶜ; o Andreuczo mein pisz mir ze tausent malen got willkomen sölicher grossen freuntschaffte vnd liebe, Andreuczo ... ir züchtiglich antwürt und so vil dancke wider vmb saget Arigo decameron 80 lit. ver.;
von wunder musz den fragen ich
ob er von allen kutten (Kalikut) kumb.
so antwurt man mir widerumb:
nein, er ist bey vns geboren
(1515) Murner mühle 1121 Beb.;
kan ich euch für den wasser tranck
widerümb erzeigen einen danck
Rollenhagen froschmeuseler (1595) C 8ᵃ;
danach im jahr 1281 wolt Heinricus Probus sich widerumb rechen Rätel Curaei chron. (1607) 282;
auch alle die vns guts thon,
den wolst (gott) reichlich widerumb belohn
(1631) in: ältest. kath. gesangb. 1, 32 Kehrein;
man weiss auch wiederum, ich schwör es ohne pralen,
die lieb mit gegenlieb nach würden zu bezahlen
(1763) sammlung v. schauspielen (1764) 1, 81 (Democrit).
B.
adversativ: widdervmb 'econtra, econtrario' (md., 15. jh.) Diefenbach gl. 194ᵇ.
1)
unmittelbar vor oder hinter ein wort tretend, das ein agens bezeichnet, stellt wiederum 'seiner-, meinerseits, hingegen' dieses einem anderen in seinem handeln gegenüber. der gedanke der erwiderung oder vergeltung, der überall in den folgenden belegen deutlich ist (vgl. den gebrauch unter A 5), unterscheidet diese belege namentlich von denen unten unter 2 c: dat alle schipheren, wanner se ere vollik huren mid densuluen scholen bescheden, dat se scholen verbunden wesen ere schepe to ballastende, ... unde dar van schal de schipher wedder umme (de son côté) sinen kinderen gheuen, dat en dar vorbored (1434) bei Pardessus coll. de lois marit. 2, 474; darumb mich halset liebet und küsset; des selben widerumb ich euch lieplichen und gern thun will Arigo decameron 64 lit. ver.; Hutten ist ... nye zu mir kommen, ich widderumb nicht zu yhm bei Hutten opera 2, 180 B.;
villeicht hat ein gehirn aus Griechenland ertichtet,
wie Clytemnestra tobt und ihren mann hinrichtet,
wie wiederum Orest der mutter gibt den lohn
J. Rachel sat. ged. 51 ndr.;
jeder dichter ... hatte also eine beständige muse, die ihn begeisterte und der er wiederum seine lieder weihte J. Möser s. w. (1842) 2, 248.
2)
verbreitet drückt wiederum auch den reinen gegensatz (unterschied) aus; mit nachdruck 'im gegenteil, vielmehr': denn gott achtet das ansehen der menschen nicht, mich aber haben die, so das ansehen hatten, nichts anders geleret. sondern widerumb (ἀλλὰ τοὐναντίον), da sie sahen, das mir vertrawet war das euangelium an die vorhaut, gleich wie Petro das euangelium an die beschneitung, ... gaben sie mir vnd Barnaba die rechte hand Galater 2, 7.
a)
im sinne 'hinwiederum, dagegen, andererseits' steh wiederum im gegensatz zu wieder gern an der spitze von sätzen. nebensatzeinleitend: selig seint die, die frid machen, wan sye sün gots geheissen seint, also widerumb die vnfried machen heissen des tüffels sün J. Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 33ᵇ; was man dem gibt, der trewlich dienet, ist alles zu wenig, widerumb was man dem gibt, der vntrewlich dienet, ist alles zuuiel Friedrich Wilhelm sprichwörterreg. (1577) i i 2ᵃ;
denn das hertz, in frechheit voll,
weisz oft nicht, wann jhm ist wol,
wie es sich erhöben soll.
wiederumb, wenns stehet blosz
vnd die armuth wird zu grosz,
wird es untrew, stilt und stellt
nach desz nechsten gut und geld
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 1, 8.
hauptsatzeinleitend: 'denn der gerechte lebt seines glaubens' , ... widderumb der gottlose stirbt seines unglaubens (1526) Luther 19, 394 W.; dann ein frölich gemüt macht ein gruͦnend alter; widerumb: ein trawriger geist trücknet die gebeyn ausz (1558) Lindener katzipori 65 lit. ver. überwiegend mit inversion des hauptsatzes: wir gelauben ... so wir wol vnd recht vor got gelebt haben, das vns der chor der engel wirt entgegen kommen ... als geschehen ist mitt Lazaro, ... widerumb geschicht durch die teüfel den pösen vnd verdampten als geschach dem reichen der ward begraben in der helle (1474) A. v. Eyb spiegel (1511) J 6ᵇ; das glück förcht die kecken vnd künmütigen, ... widerumb haszt das glück vberausz weysz gelert leut Seb. Franck sprüchw. 1 (1545) 13; auch wo (im quartett) die melodie entschieden als solche hervortritt und die übrigen stimmen ihr den vorrang lassen, ... wahren (diese) ihren eigenthümlichen charakter in selbständiger bewegung; ... wiederum treten auch die bestimmten contrapunktischen formen in ihrer eigentlichen strenge nur ausnahmsweise auf O. Jahn Mozart (1856) 4, 81; bücher sind in den Judenhäusern ein kostbarer besitz — das meiste ist uns weggenommen ... wiederum hängt man bei uns auch an den wenigen verbliebenen büchern nicht sonderlich Klemperer l. t. i. (1949) 153. wie wieder folgt wiederum des öfteren adverbien, die zeitlichen fortschritt oder zeitliche veränderung ausdrücken: gleich wie ich (gott) gedachte euch zu plagen ..., also gedenke ich nu widerumb, ... wol zu thun Jerusalem Sacharja 8, 15; bald sprach ich mir widerumben anders zu Grimmelshausen 2, 10 Keller; (das meer) bis in dessen tiefste abgründe jetzt der sturm wühlt, ... um sodann wiederum der hellen sonne einen reinen glatten spiegel zu zeigen Holtei erz. schr. (1861) 2, 86; manchmal rührten sie unbewuszt drauszen (im garten) eine blume an, und es tat ihnen dabei wohl, zu wissen, dasz sie ihr eigentum war, und manchmal wiederum, wenn sie in die niedere stube traten, quoll ihnen das warme blut zu herzen E. Zahn die da kommen und gehen (1918) 113. auch steht es wiederholt neben adverbien, die selbst schon adversative funktion haben: sie (die gottesfürchtigen) sollen ... des tages, den ich (gott) machen wil, mein eigenthum sein, vnd ich wil jr schonen ..., vnd jr (die gottlosen) solt dagegen widerumb sehen, was fur ein vnterscheid sey, zwischen dem gerechten vnd gottlosen Maleachi 3, 18; die kette einer gewiszen vervollkommung der kunst geht über alles fort (ob gleich andre eigenschaften der natur wiederum dagegen leiden) (1772) Herder 5, 143 S.; diese ruhe (im bauernstand) ist nicht todt; sie ist nur vergleichsweise ruhe; denn unter der scheinbar erstarrten hülle der bauernsitte webt dennoch wiederum ein leises leben W. H. Riehl deutsche arbeit (1861) 82. doch können adverbien dieser art auch fehlen: ain mann kan ain flucht in ain volck bringen, ain mann widerumb kan ain gantzen hauffen erhalten G. Mayr sprüchw. (1567) D 3ᵃ; der bauch der riesen-bouteille sah aus, als müsse sie einen recht gründlichen basz brummen, und der hals reckte sich wiederum so lang und schlank, als könne er nur durch die fistel singen Gaudy s. w. (1844) 2, 51; (die ethik) ist ursprung und innerste triebfeder philosophischen denkens ... und sie ist wiederum letztes ziel und weitester ausblick eben dieses denkens Nic. Hartmann ethik (1926) 5. gern verknüpft adversatives wiederum auch gleiche satzteile, die dem sinne nach entgegengesetzter art sind: das sy erkennen der warhafftigen lerer trew vnd warheit ... vnd widerumb der abgünstigen falsch vnd vntrew (1521) Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 148 ndr.; allen leydenden menschen ist die weile lang und widderumb kurtz den frölichen (1525) Luther 18, 481 W.;
die feder und das schwert verrichten grosse sachen,
sie können beide krieg und wiedrum friede machen
J. Grob dicht. versuchg. (1678) 48;
in so fern es (das buch) lebt, einen geist und einen gehalt hat, steht es als wirkung und wiederum wirkend in mannichfaltigen beziehungen A. W. Schlegel in: Athenäum (1798) 1, 1, 149; die riesige wassermasse des Njemen, ... ihre lautlose und wiederum musikalische art A. Zweig einsetzung eines königs (1950) 252.
b)
wiederum 'umgekehrt' stellt einer aussage ihre umkehrung gegenüber: der heut den glauben starck hat, kan jn morgen wol schwach haben, und widerumb wer jn heute schwach hat, mag jn morgen starck haben (1522) Luther 10, 3, 6 W.;
der mann ist scheltens wert,
der seines hauses ehr wie eine dienstmagd schätzet,
und wiederumb die magd an stat der frauen setzet
(1664) J. Rachel sat. ged. 35 ndr.;
was billig ist, ist ehrlich, und wiederum, was ehrlich ist, ist billig Ludwig teutsch-engl. (1716) 2483. die umkehrung des gesagten braucht in älterer sprache nicht ausgesprochen zu werden: etlich falckner paiszend gerner, wann sy (die falken) etwas v̈ber das mittel mager sind, dann wärn sy v̈ber das mittel vaiszt, vnd ettlich tünd das widerumb her (vor 1450) Mynsinger v. d. falken 21 lit. ver.; du hassest oft, so du lieber liebtest vnd widerumb (1523) Eberlin v. Günzburg s. schr. 2, 186 ndr.; das etwa ein fruchtpar landt vnfruchtpar vnd wildt werde, wie Canaan vnd wider vmb Seb. Franck Germaniae chron. (1538) 3ᵇ. so des öfteren bei Luther: nuhn ist eyn itzlicher prophet eyn weiser, aber nicht widerumb (1520) 9, 528 W.; das ich der natur habe tzugeeygent, was der person gepurt vnd widderumb (1522) 10, 1, 1, 163 W.; man die frawen noch nach den mennern nennet, und nicht widderümb (1527) 24, 113 W. u. ö.
c)
im sinne 'seiner- (ihrer-)seits' leitet wiederum von einer in der rede erwähnten person (oder sache) zu einer anderen über; hierbei verblaszt der ausdruck des gegensatzes: also bliben die Frantzosen (da sie römische hinterlist fürchteten) die nacht vor der vnbeschlossen stat (Rom) ligen. widerumb die Römer hetten sich alles trostes verwegen Carbach Livius (1551) 56ᵇ;
wen du (gott) mich bringest nur zu dir,
so kan ich wiedrümb nach gebühr
auch meine sünd' erkennen
Joh. Rist bei Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 2, 263;
auch Lykoris — du weiszt, sie mit der kleinen stirn,
sie, die niedliche, grämt über den Cyrus sich
blasz; der wiederum glüht einig für Pholoë,
die so wenig den schändlichen
lieben wird, als das reh einen Apulerwolf
Herder 26, 243 S.;
nachdem der abbate der ... signora und diese wiederum dem meister ein zeichen gegeben hatte Gaudy s. w. (1844) 2, 100; es (Versailles) ist das personifizirte königthum Ludwigs des vierzehnten, und dieser fürst ist wiederum in meinen augen, vielleicht kein groszer mann, aber gewisz der gröszte könig, der je existirt hat (1845) Pückler briefw. (1873) 1, 286; mein rücken ... macht mich zu einem stereotypen complimente, zu einem unermüdlichen betrachter meiner eignen beine, welche sich wiederum nicht übel mit zwei fettgewordenen türkischen säbeln vergleichen lieszen Grabbe s. w. 1, 434 Bl.; in der not stützt sich das militär sogar auf sie (die Juden) ..., sie wiederum gehen mit fröhlichen gesichtern über den bärten umher A. Zweig einsetzung eines königs (1950) 302. gestützt durch ihrerseits: indem der ... gleichmut nun doch in erbitterung überging, die ihrerseits wiederum verborgen werden muszte Klemperer l. t. i. (1949) 97. — mit adjektivendung widerumig: als solle mithin der dorfvogt zu Perfuchs bei wohl bemelt titl. etc. herrn von Buechenberg umb die verschaffend widerumige genugthuung inplorieren (1768) österr. weist. 3, 235.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1348, Z. 38.

widerum, wiederum, adv.

wi(e)derum, adv.,
'zurück, abermals, hingegen, umgekehrt'; mnl. wederomme, -om; nl. we(d)erom; mnd. wedderumme. entstanden aus einer verbindung von wi(e)der II B 1 und 2 a mit adverbiellem um im sinne von 'wendung, drehung in die entgegengesetzte richtung oder lage'; vgl. um- (typenübersicht) II A 5, teil 11, 2, sp. 1310. wiederum ist gleichbed. mit wieder in seinen bedeutungen 'zurück' und 'abermals'. in älterer sprache vertritt es oft einfaches wieder, vgl. in der literatur etwa volksb. v. dr. Faust, hg. v. Petsch (1587) und unter den lexikographen Maaler teutsch spraach (1561), der sp. 497ᵇ—498ᵇ latein. verbalkomposita mit re- durch wiederumb wiedergibt: widerumb bringen reportare, widerumb gäben reddere, widerumb gon redire, reuerti. vereinzelt begegnet auch die komposition von widerumb mit substantiven auf -ung: widerumb bittung repetitio (15. jh.) Diefenbach gl. 493ᵃ; widerumb begerung Riederer rhetoric (1493) r 5ᵇ. der gebrauch von wiederum im sinne von 'zurück' ist neuerer sprache fremd, doch vgl. in den maa. bedrum wieder um, zurück Bacher Lusern 225; wërum 'wiederum, zurück', wërumreise 'zurückreise' Doornkaat Koolman ostfries. 3, 543. vereinzelt steht wiederum für wider, adv.: contra sonare wider vmb donen (15. jh.) Diefenbach gl. 389ᶜ; vgl. damit den gebrauch von wiederum als ausdruck eines sachlichen gegensatzes unter B. am ende des 18. jhs. registriert Heynatz: 'wiederum wird in guten schriften immer seltener, welches kein wunder ist, da man mit wieder eben so weit reicht', antibarb. (1796) 2, 638; nach Adelung 'wird ... wiederum für das kürzere wieder nur alsdann gebraucht, wenn der numerus ('silbenzahl') der rede ein dreysylbiges oder auch die feyerlichkeit ein volltöniges wort erfordert', wb. 4 (1801) 1537. — die -umb-form, im 16. jh. noch die regelmäszige neben der ohne auslautenden labial, ist auch im 17. jh. noch genügend bezeugt, im 18. jh. gemieden; weiteres über um vgl. teil 11, 2, sp. 761. zu den erweiterten formen -umben, -um(m)en vgl. die belege unten.
A.
als adv. im sinne von 'zurück, abermals'.
1)
im sinne von 'zurück, um' nur in älterer sprache gebraucht, s. auch oben Maaler: widerumb furen redigere, widdervmb geben reponere (15. jh.) Diefenbach gl. 488ᶜ und 493ᵃ; wedder omme draghen: reportare, wedder om driuen: redigo, wedder vmme leyden: reduco, wedderom senden: remitto, wedder vm springhen: resilire, nd.-lat. glossen um 1500, in: zs. f. dt. wortforschung 15, 309; widerumb führen, zurückführen reduco, retroduco Decimator thes. (1608) 1118ᵃ; widerumb schicken remitto B. Garth lex. (1657) 697ᵃ. literarische belege: nun behüt üch gott, bis ich widerum kumm (1522) Zwingli dt. schr. 1, 90 Sch.; er ... füret jn widerumb 1. kön. 13, 19; daz Socrates habe zwentzig pfundt ... von dem Aristippo, seinem danckbaren lehrjungen, zum geschenck empfangen, aber ... verachtet vnd jhm solches gelt widerumb geschickt Ph. Bech Agricolas bergwerckb. (1621) 6; vielleicht wird sie (eine von hause entflohene) die kindliche liebe wohl zwingen, wiederumb zu kehren (1677) schausp. engl. comödianten 85 Creizenach; und ist nach unserem ende kein wiederkehr, dann es ist versieglet, und niemand kommt wiederum Abraham a s. Clara etwas f. alle (1711) 2, 159. auch in nichtsinnlicher anwendung: (das herz) wolte nicht gern dencken, reden, hören, was wider gott wer, ob es nun biszweyl geschicht, das wir es versehen, fluchen, zörnen zuͦ weylen, so keren wir doch widerumb, bekennen, das wir haben unrecht thuͦn (1544) Luther 52, 201 W.
2)
im prägnanten sinne 'zurück' verblaszt, tritt wiederum oft neben komponierte verba und verbale wendungen, wodurch dann ausgedrückt wird, dasz etw. rückgängig gemacht oder in einen früheren zustand zurückgeführt wird: das ir (der Frankfurter rat) auff den obgenanten erstreckten tag ... durch ewer erber treffenlich botschafft mit gantzem vollem gewalt und gnugsam underweisung wol underrichtet und gevertigt, also das ir nit notturfftig sein werde, ichtz deszhalben (wegen bestimmter beschlüsse) widerumb an euch hindersich zu bringen ..., erscheinet (1460) Frankfurts reichscorresp. 2, 147 Janssen; so bruchend wir heimlich berürung, sin gemüt vns widervmb geneigt zemachen Riederer rhetoric (1493) C 2 b; das wir widerumb erben werden des ewigen lebens (1537) Luther 45, 20 W.; bis er (der kranke) widerumb zu krefften keme (1556) Wickram w. 2, 139 Bolte; das junge frewlin ... sich widerumb erquicket (nach anstrengender seefahrt) (1569) Amadis 1, 47 Keller; vnd sollen die bemeldten löher die auszbereyte häut vnd fäll widerumben verkauffen ordnunge wie sich handtwercker und handthierer verh. sollen (1579) A 4ᵃ; die teutsche herren und stände die jenige herrschaften und güter, welche sie von so langen zeiten her besessen, mit höhestem unwillen widrüm werden abtretten Rist friedejauchz. Teutschl. (1653) 114; dasz die köchin bald widerkame, nicht zwar mich wiederumb herauszulassen (aus dem keller) Grimmelshausen 2, 346 Keller;
durch den (den neuen herrscher) sich unser staat nur wiederum verjünget
Besser schr. (1732) 1, 22;
um sie (säufer und räuber) wiederum zu menschen zu machen Klinger w. 3 (1815) 277; damit die kirche wiederum zu recht gebracht und die lutherische ketzerei ausgerottet werde Ranke s. w. (1867) 3, 80.
3)
aus der voraufgehenden verwendung konnte leicht der zeitliche begriff der wiederholung sich entwickeln. man schwankt, ob der folgende beleg hierher oder besser unter 2 gehört: ob sie (verwitwete frauen) fremden mannen widerumb vermehelt würden (1473) Steinhöwel de claris mul. 51 Dr.älteres und im Mentelschen druck der ersten dt. bibel (um 1466) noch durchaus gebräuchliches aber 'abermals' wird im frühnhd. durch wiederholendes wieder(um) — auch durch abermal(s), noch ein mal, zum andern mal, von neuem — meist abgelöst; beispielsweise ersetzt der modernisierende Augsburger druck Zainers (um 1475) an den folgenden stellen das aber des Mentelschen drucks durch widerumb: ich hab gekläret vnd widerumb will ich erklären Joh. 12, 28; ein kleyn zeyt vnd yeczund werdet ir mich nit sehen vnd widerumb eyn klayn zeyt werdet ir mich sehen Joh. 16, 16. weitere literarische belege:
du sichst wol wie fast man den mucken wert,
so sind sie allweg widerumb do wenn man vffgehört
Keisersberg bilgerschafft (1512) 57ᵃ;
und regierten ir fürstenthumb,
wie vor auffrichtig widerumb
(1558) H. Sachs 8, 560 lit. ver.;
das man iczo zu keinem entlichen beschlusz ... kommen können, sondern das ... wiederumben eine zusammenkunft wird gehalten werden sollen (1618) acta publica 1, 33 Palm;
die reihe trifft uns wiederum
Stoppe Parnasz (1735) 8;
wie damals die wasser zusammenschlugen ..., so sei es wiederum geschehen Fontane ges. w. (1905) I 1, 46; es wurde auch tatsächlich noch ein zweiter wahlgang gemacht, aber wiederum stimmten fast alle für den Heingeiger O. M. Graf unruhe (1948) 72. das objekt wird modifiziert: vnlengst abgeleget 3000 thl. vnnd anitzo wiederumb so baar bey der cassa vorhanden 8000 thl. (1618) acta publica 1, 45 Palm; der verlust von vergangner nacht beläuft sich wiederum auf 8 todte und 32 blessirte (1762) Lessing 18, 443 L.-M. (einen tag zuvor belief sich der verlust 'auf 10 todte ... und 16 blessirte'); jetzt sah er (ein mann mit schwachem augenlicht) nur noch das stück papier (eine ansichtskarte) mit den ungenauen buchstaben, drehte es um und sah wiederum nur statt der buntgedruckten wolkenkratzer verschwimmende farbflecke O. M. Graf unruhe (1948) 31. mit negierendem adv.; in dieser verbindung heute vielfach durch mehr abgelöst: vnd er ... nicht widerumb auch solt macht haben, von inen vrlaub zu nemen, wo es sein notdurfft erfordert (1537) Luther briefw. 8, 64 W.;
mein vater! laszt, laszt eure Recha doch
nie wiederum allein!
Lessing 3, 18 L.-M.
wiederum kann auch stehen, wenn man ausdrücken will, dasz man etwas als gewohnt empfindet:
(Saladin:)
zahl an Sittah tausend
dinare!
(Al-Hafi:)
an Sittah? — wiederum an Sittah? und
verloren? — wiederum im schach verloren?
Lessing 3, 45 L.-M.;
wiederum war es Cavour, der ihm (Garibaldi) entgegentrat Ric. Huch kampf um Rom (1907) 256.
4)
wiederum kann in älterer und neuer sprache neben dem begriff der wiederholung den der übereinstimmung ausdrücken, 'auch, ebenfalls'; so beispielsweise, wenn objekt, subjekt oder adverbiale bestimmung wechseln: alles was sie reden dz lob ich, wenn sie das widersprechen, so lob ichs wiederumb Boltz Terenz (1539) 36ᵇ; wiederum stehen die zeiten des tiefsten verfalles (wie die literarischen blütezeiten) um sechshundert jahre von einander ab Scherer litteraturgesch. ⁷20. entbehrlich neben auch: hier (in Deutschland) tritt die medaille erst zu beginn des 16. jahrhundert auf; ihre erste anregung hat sie (wie in Italien) auch hier wiederum vom münzatelier erhalten J. Schlosser präludien (1927) 57.
5)
wohl mit rückgriff auf die grundbedeutung 'zurück' (s. o. 1) steht wiederum bei erwiderung und vergeltung (mit gleichem oder ähnlichem). handlung und verhalten kehren gleichsam zurück: die frawe ... in zuͦ hundert malen küsset und halset, und so vil wider umb gehalset und geküsset warde Arigo decameron 64 lit. ver.;
und wer das best auch reden wil,
dem redt man summa summarum
auch nach das beste widerumb
(1564) H. Sachs 19, 23 lit. ver.;
könig Salomon wolte den könig von Tyro, ... der jm gold, holtz und stein zum tempel zukommen liesz, mit zweintzig bergstedten widerumb verehren Mathesius Sarepta (1578) 2ᵃ;
selig sind, die barmhertzig sein,
sie solln auch wiederumb allzeit
erlangen gotts barmhertzigkeit
Eyering proverb. (1601) 1, 31;
liebe mich vnd treib mich an,
dasz ich dich (gott), so gut ich kan,
wiederumb ümbfang und liebe
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 3, 300;
entlaszt mich immer meiner ahnenprobe.
ich will euch eurer wiederum entlassen
Lessing 3, 102 L.-M.;
(bürgermeister liest:) sein etwaniges anliegen bestmöglichst zu befördern — ... mit vergnügen werde ich jede gelegenheit ergreifen, ihnen wiederum gefällig zu seyn Kotzebue s. dram. w. (1828) 18, 17. pleonastisch tritt wiederum neben verben und wendungen, die selbst schon erwiderung oder vergeltung ausdrücken: widerumb vergelten 'persoluere' (15. jh.) Diefenbach gl. 429ᶜ; o Andreuczo mein pisz mir ze tausent malen got willkomen sölicher grossen freuntschaffte vnd liebe, Andreuczo ... ir züchtiglich antwürt und so vil dancke wider vmb saget Arigo decameron 80 lit. ver.;
von wunder musz den fragen ich
ob er von allen kutten (Kalikut) kumb.
so antwurt man mir widerumb:
nein, er ist bey vns geboren
(1515) Murner mühle 1121 Beb.;
kan ich euch für den wasser tranck
widerümb erzeigen einen danck
Rollenhagen froschmeuseler (1595) C 8ᵃ;
danach im jahr 1281 wolt Heinricus Probus sich widerumb rechen Rätel Curaei chron. (1607) 282;
auch alle die vns guts thon,
den wolst (gott) reichlich widerumb belohn
(1631) in: ältest. kath. gesangb. 1, 32 Kehrein;
man weiss auch wiederum, ich schwör es ohne pralen,
die lieb mit gegenlieb nach würden zu bezahlen
(1763) sammlung v. schauspielen (1764) 1, 81 (Democrit).
B.
adversativ: widdervmb 'econtra, econtrario' (md., 15. jh.) Diefenbach gl. 194ᵇ.
1)
unmittelbar vor oder hinter ein wort tretend, das ein agens bezeichnet, stellt wiederum 'seiner-, meinerseits, hingegen' dieses einem anderen in seinem handeln gegenüber. der gedanke der erwiderung oder vergeltung, der überall in den folgenden belegen deutlich ist (vgl. den gebrauch unter A 5), unterscheidet diese belege namentlich von denen unten unter 2 c: dat alle schipheren, wanner se ere vollik huren mid densuluen scholen bescheden, dat se scholen verbunden wesen ere schepe to ballastende, ... unde dar van schal de schipher wedder umme (de son côté) sinen kinderen gheuen, dat en dar vorbored (1434) bei Pardessus coll. de lois marit. 2, 474; darumb mich halset liebet und küsset; des selben widerumb ich euch lieplichen und gern thun will Arigo decameron 64 lit. ver.; Hutten ist ... nye zu mir kommen, ich widderumb nicht zu yhm bei Hutten opera 2, 180 B.;
villeicht hat ein gehirn aus Griechenland ertichtet,
wie Clytemnestra tobt und ihren mann hinrichtet,
wie wiederum Orest der mutter gibt den lohn
J. Rachel sat. ged. 51 ndr.;
jeder dichter ... hatte also eine beständige muse, die ihn begeisterte und der er wiederum seine lieder weihte J. Möser s. w. (1842) 2, 248.
2)
verbreitet drückt wiederum auch den reinen gegensatz (unterschied) aus; mit nachdruck 'im gegenteil, vielmehr': denn gott achtet das ansehen der menschen nicht, mich aber haben die, so das ansehen hatten, nichts anders geleret. sondern widerumb (ἀλλὰ τοὐναντίον), da sie sahen, das mir vertrawet war das euangelium an die vorhaut, gleich wie Petro das euangelium an die beschneitung, ... gaben sie mir vnd Barnaba die rechte hand Galater 2, 7.
a)
im sinne 'hinwiederum, dagegen, andererseits' steh wiederum im gegensatz zu wieder gern an der spitze von sätzen. nebensatzeinleitend: selig seint die, die frid machen, wan sye sün gots geheissen seint, also widerumb die vnfried machen heissen des tüffels sün J. Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 33ᵇ; was man dem gibt, der trewlich dienet, ist alles zu wenig, widerumb was man dem gibt, der vntrewlich dienet, ist alles zuuiel Friedrich Wilhelm sprichwörterreg. (1577) i i 2ᵃ;
denn das hertz, in frechheit voll,
weisz oft nicht, wann jhm ist wol,
wie es sich erhöben soll.
wiederumb, wenns stehet blosz
vnd die armuth wird zu grosz,
wird es untrew, stilt und stellt
nach desz nechsten gut und geld
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 1, 8.
hauptsatzeinleitend: 'denn der gerechte lebt seines glaubens' , ... widderumb der gottlose stirbt seines unglaubens (1526) Luther 19, 394 W.; dann ein frölich gemüt macht ein gruͦnend alter; widerumb: ein trawriger geist trücknet die gebeyn ausz (1558) Lindener katzipori 65 lit. ver. überwiegend mit inversion des hauptsatzes: wir gelauben ... so wir wol vnd recht vor got gelebt haben, das vns der chor der engel wirt entgegen kommen ... als geschehen ist mitt Lazaro, ... widerumb geschicht durch die teüfel den pösen vnd verdampten als geschach dem reichen der ward begraben in der helle (1474) A. v. Eyb spiegel (1511) J 6ᵇ; das glück förcht die kecken vnd künmütigen, ... widerumb haszt das glück vberausz weysz gelert leut Seb. Franck sprüchw. 1 (1545) 13; auch wo (im quartett) die melodie entschieden als solche hervortritt und die übrigen stimmen ihr den vorrang lassen, ... wahren (diese) ihren eigenthümlichen charakter in selbständiger bewegung; ... wiederum treten auch die bestimmten contrapunktischen formen in ihrer eigentlichen strenge nur ausnahmsweise auf O. Jahn Mozart (1856) 4, 81; bücher sind in den Judenhäusern ein kostbarer besitz — das meiste ist uns weggenommen ... wiederum hängt man bei uns auch an den wenigen verbliebenen büchern nicht sonderlich Klemperer l. t. i. (1949) 153. wie wieder folgt wiederum des öfteren adverbien, die zeitlichen fortschritt oder zeitliche veränderung ausdrücken: gleich wie ich (gott) gedachte euch zu plagen ..., also gedenke ich nu widerumb, ... wol zu thun Jerusalem Sacharja 8, 15; bald sprach ich mir widerumben anders zu Grimmelshausen 2, 10 Keller; (das meer) bis in dessen tiefste abgründe jetzt der sturm wühlt, ... um sodann wiederum der hellen sonne einen reinen glatten spiegel zu zeigen Holtei erz. schr. (1861) 2, 86; manchmal rührten sie unbewuszt drauszen (im garten) eine blume an, und es tat ihnen dabei wohl, zu wissen, dasz sie ihr eigentum war, und manchmal wiederum, wenn sie in die niedere stube traten, quoll ihnen das warme blut zu herzen E. Zahn die da kommen und gehen (1918) 113. auch steht es wiederholt neben adverbien, die selbst schon adversative funktion haben: sie (die gottesfürchtigen) sollen ... des tages, den ich (gott) machen wil, mein eigenthum sein, vnd ich wil jr schonen ..., vnd jr (die gottlosen) solt dagegen widerumb sehen, was fur ein vnterscheid sey, zwischen dem gerechten vnd gottlosen Maleachi 3, 18; die kette einer gewiszen vervollkommung der kunst geht über alles fort (ob gleich andre eigenschaften der natur wiederum dagegen leiden) (1772) Herder 5, 143 S.; diese ruhe (im bauernstand) ist nicht todt; sie ist nur vergleichsweise ruhe; denn unter der scheinbar erstarrten hülle der bauernsitte webt dennoch wiederum ein leises leben W. H. Riehl deutsche arbeit (1861) 82. doch können adverbien dieser art auch fehlen: ain mann kan ain flucht in ain volck bringen, ain mann widerumb kan ain gantzen hauffen erhalten G. Mayr sprüchw. (1567) D 3ᵃ; der bauch der riesen-bouteille sah aus, als müsse sie einen recht gründlichen basz brummen, und der hals reckte sich wiederum so lang und schlank, als könne er nur durch die fistel singen Gaudy s. w. (1844) 2, 51; (die ethik) ist ursprung und innerste triebfeder philosophischen denkens ... und sie ist wiederum letztes ziel und weitester ausblick eben dieses denkens Nic. Hartmann ethik (1926) 5. gern verknüpft adversatives wiederum auch gleiche satzteile, die dem sinne nach entgegengesetzter art sind: das sy erkennen der warhafftigen lerer trew vnd warheit ... vnd widerumb der abgünstigen falsch vnd vntrew (1521) Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 148 ndr.; allen leydenden menschen ist die weile lang und widderumb kurtz den frölichen (1525) Luther 18, 481 W.;
die feder und das schwert verrichten grosse sachen,
sie können beide krieg und wiedrum friede machen
J. Grob dicht. versuchg. (1678) 48;
in so fern es (das buch) lebt, einen geist und einen gehalt hat, steht es als wirkung und wiederum wirkend in mannichfaltigen beziehungen A. W. Schlegel in: Athenäum (1798) 1, 1, 149; die riesige wassermasse des Njemen, ... ihre lautlose und wiederum musikalische art A. Zweig einsetzung eines königs (1950) 252.
b)
wiederum 'umgekehrt' stellt einer aussage ihre umkehrung gegenüber: der heut den glauben starck hat, kan jn morgen wol schwach haben, und widerumb wer jn heute schwach hat, mag jn morgen starck haben (1522) Luther 10, 3, 6 W.;
der mann ist scheltens wert,
der seines hauses ehr wie eine dienstmagd schätzet,
und wiederumb die magd an stat der frauen setzet
(1664) J. Rachel sat. ged. 35 ndr.;
was billig ist, ist ehrlich, und wiederum, was ehrlich ist, ist billig Ludwig teutsch-engl. (1716) 2483. die umkehrung des gesagten braucht in älterer sprache nicht ausgesprochen zu werden: etlich falckner paiszend gerner, wann sy (die falken) etwas v̈ber das mittel mager sind, dann wärn sy v̈ber das mittel vaiszt, vnd ettlich tünd das widerumb her (vor 1450) Mynsinger v. d. falken 21 lit. ver.; du hassest oft, so du lieber liebtest vnd widerumb (1523) Eberlin v. Günzburg s. schr. 2, 186 ndr.; das etwa ein fruchtpar landt vnfruchtpar vnd wildt werde, wie Canaan vnd wider vmb Seb. Franck Germaniae chron. (1538) 3ᵇ. so des öfteren bei Luther: nuhn ist eyn itzlicher prophet eyn weiser, aber nicht widerumb (1520) 9, 528 W.; das ich der natur habe tzugeeygent, was der person gepurt vnd widderumb (1522) 10, 1, 1, 163 W.; man die frawen noch nach den mennern nennet, und nicht widderümb (1527) 24, 113 W. u. ö.
c)
im sinne 'seiner- (ihrer-)seits' leitet wiederum von einer in der rede erwähnten person (oder sache) zu einer anderen über; hierbei verblaszt der ausdruck des gegensatzes: also bliben die Frantzosen (da sie römische hinterlist fürchteten) die nacht vor der vnbeschlossen stat (Rom) ligen. widerumb die Römer hetten sich alles trostes verwegen Carbach Livius (1551) 56ᵇ;
wen du (gott) mich bringest nur zu dir,
so kan ich wiedrümb nach gebühr
auch meine sünd' erkennen
Joh. Rist bei Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 2, 263;
auch Lykoris — du weiszt, sie mit der kleinen stirn,
sie, die niedliche, grämt über den Cyrus sich
blasz; der wiederum glüht einig für Pholoë,
die so wenig den schändlichen
lieben wird, als das reh einen Apulerwolf
Herder 26, 243 S.;
nachdem der abbate der ... signora und diese wiederum dem meister ein zeichen gegeben hatte Gaudy s. w. (1844) 2, 100; es (Versailles) ist das personifizirte königthum Ludwigs des vierzehnten, und dieser fürst ist wiederum in meinen augen, vielleicht kein groszer mann, aber gewisz der gröszte könig, der je existirt hat (1845) Pückler briefw. (1873) 1, 286; mein rücken ... macht mich zu einem stereotypen complimente, zu einem unermüdlichen betrachter meiner eignen beine, welche sich wiederum nicht übel mit zwei fettgewordenen türkischen säbeln vergleichen lieszen Grabbe s. w. 1, 434 Bl.; in der not stützt sich das militär sogar auf sie (die Juden) ..., sie wiederum gehen mit fröhlichen gesichtern über den bärten umher A. Zweig einsetzung eines königs (1950) 302. gestützt durch ihrerseits: indem der ... gleichmut nun doch in erbitterung überging, die ihrerseits wiederum verborgen werden muszte Klemperer l. t. i. (1949) 97. — mit adjektivendung widerumig: als solle mithin der dorfvogt zu Perfuchs bei wohl bemelt titl. etc. herrn von Buechenberg umb die verschaffend widerumige genugthuung inplorieren (1768) österr. weist. 3, 235.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1348, Z. 38.

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Zitationshilfe
„widerum“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/widerum>.

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