Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

widerwort, n.

widerwort, n.,
wort zur entgegnung, widerspruch; mhd. widerwort, mnl. wederwort; nl. wederwoord; afries. (withirword), weerwird; plural gewöhnlich widerworte und nur vereinzelt -wörter (Schottel teutsche haubtspr. [1663] 79; 711). lexikal. nur ganz vereinzelt verzeichnet: widerwort Campe 5 (1811) 704. mundartl. in md. u. (überwiegend) nd. dialekten bezeugt: widderwo̹o̹t, n. pl. -e Hönig Köln 201ᵇ; n wedrwort zā widersprechen Hentrich Eichsfeld 61ᵃ; wedderwoorde widerreden, einwendungen Dähnert plattdt. wb. 542ᵇ; wederwôrd, wêerwôrd Schambach Göttingen 290ᵇ; wîderwōrt Bauer-Collitz Waldeck 113ᵃ; wiəderwaͦrd, wîerwaͦrd Woeste westf. 322ᵇ; giv niene wyer-wöhrde Strodtmann Osnabrück (1756) 286; wedderwoort Böning Oldenburg 130; du must mî gên wërwôrden gefen Doornkaat Koolman ostfries. 3, 543ᵃ; wedderwö̹r, n. pl., Mensing schlesw.-holst. 5, 564; wist du noch wedd'rwör hämm? willst du noch widersprechen? Danneil altmärk.-plattdt. 245; hei göwt wedderwôrd' Frischbier pr. 2, 468ᵇ.
1)
die entgegnung, sowohl als blosze antwort auf eine äuszerung, als auch (öfter) als widerspruch, einspruch; häufig in der wendung (ein) widerwort geben:
vare hin sprach er balde
vnde brenge mir schiere ein widerwort
d. alte passional 359, 93 Hahn;
ob er mohte unrehte irliden
und wider wort virmiden
väterbuch 2328 Reissenberger;
(sie) clageten ir arbeit
sprechende: 'rich unse leit'.
...
sulch widerwort sul wir han:
Heinrich v. Hesler apokalypse 11 886 Helm;
der narr gab ir widerwort buch d. beisp. 15 lit. ver.; (sie) fureten ... widder die heylige prophetenn kein ander widderwort, denn das sie die ubirsten weren, man solt yhn gehorchen (1521) Luther 7, 313 W.; und meinen die weichen gemüter, mann verletze sie mit einem jeglichen schlechten streich und widerwort Chr. Bruno de inst. christ. foeminae (1566) 60ᵇ; dir stein tuh ichs klagen vnd ob du mir wol nicht helffen kanst, so gibstu mir denn noch kein widerwort engl. com. u. tragedien (1624) Pp 6ᵃ; ich will euch, war sein widerwort, hinder mich setzen frantzös. Simpl. (1683) 2, 14; da dies entschieden war, fand ritter Tobias nicht mehr ursache, ein widerwort zu reden A. Riem Tobias Rosemond (1796) 1, 183; (er) aber lacht (über die frage) ... und giebt mir widerwort Liliencron s. w. (1896) 7, 189; diese zahlen Emils machten eine so unerbittliche miene, dasz kein einziger aktionär widerwort versuchte Federer berge u. menschen (1911) 600. gelegentlich im sinne von 'echo': wen höre ich dann reden? (fragte sie) es ist kein schäfer? auch keine nymfe? eine nymfe! war das widerwort S. v. Birken ostl. lorbeerhayn (1657) 401. jüngere sprache zieht den plural widerworte vor: wenn die ungezogenen kinder gross geworden sind, so geben sie dem vater widerworte Jung-Stilling s. schr. (1835) 4, 646; als die polizei ihn daran (an der erstürmung d. rathauses) hinderte, gab es widerworte, weshalb er verhaftet wurde Göttinger tagebl. (10. 11. 1909) 1; widerworte gegen die anordnungen der eltern gab es nicht, sondern nur unbedingten gehorsam Oertzen erinn. a. m. leben (o. j.) 3; keine widerworte! Carl Sternheim d. snob. komödie (1920) 63; er wisse es übrigens nicht anders, als dasz sie, die schuldige bescheidenheit der ehefrau hintansetzend, immer widerworte gegen ihn habe Ric. Huch d. grosze krieg (1920) 3, 220.
2)
häufig in der wendung wort und widerwort im sinne von 'wechselrede'; im singular u. plural:
uil wortt vnnd widerworte
ergienng dort auf dem sal
U. Füetrer Seifrid 142 Panzer;
darumb daz vil wort vnnd widerwort do geschehen Hartlieb d. buch Ovidij v. d. liebe (1482) 65ᵇ; von solchen vnd dergleichen worten vnd widerworten kamen sie zu schlagen vnd blossen wehren Schütz hist. rer. Pruss. (1592) 106ᵃ (3. buch);
weicht, ihr juristen, weicht, die ihr geübet seid,
in wort und wieder wort, in zank und zungenstreit
Rachel satyr. ged. 24 ndr.
ähnlich auch in juristischer formel:
frow Mynn, die houch gelobt magt
sprach: frow Stett, ich fraug úch,
das ir uff uwer stätte trúw
ertaild uff red und widerwort
mhd. minnereden I 12, 711 Matthaei;
mit ainem brieff ...
daran von wort zuo worte stuond
die urtail, clag und widerwort,
als man von baid partien hort
Hermann v. Sachsenheim die mörin 1369 Martin.
im sinne von 'parole': das beste mittel dem waffengeschrei von aussenher vorzukommen, ist schaarwachen ausserhalb über dem stadtgraben zu halten. wan dieses sich vielmahls begiebet, sol man das wort und widerwort zum öftern verändern Ph. v. Zesen kriegsarbeit (1672) 3, 234.
3)
gelegentlich ein wort, das den gegensatz oder das gegenteil eines anderen ausdrückt: es werden oftmals widerwörter, das ist solche wörter, derer deutung widerig und gegen einander läuft, in teutscher sprache beysammen gefüget Schottel haubtspr. (1663) 711; also sagt herr Lutherus von einem klüglinge, dasz er seine seichttieffe kunst versuchet habe, den seicht und tief sind widerwörter ebda 79; deutsch ist der gegensatz und das widerwort von mang Fr. L. Jahn w. (1884) 2, 505. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1396, Z. 67.

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Zitationshilfe
„widerwort“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/widerwort>.

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