Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

widmer, m.

widmer, m.
1)
nur vereinzelt: inhaber eines vom verstorbenen ehepartner zum lebensunterhalt ausgesetzten gutes (zu wittum A): dieselbigen erbgueter und aigen sind dess andern (ehepartners) wydem nach wydems recht, und wenn der widem ledig würth, so soll er wieder umbfallen an den negsten erben ... und ob ainem widmer das noth that, so mag er verkauffen ... nach und nach, ... doch soll ain widmer frow oder mann den widen in gueten ehren haben (1432) weist. 1, 278 J. Grimm.
2)
inhaber oder pächter eines zur ausstattung einer kirchlichen institution gehörenden, landwirtschaftlich genutzten grundstückes, meist mit besonderen rechten und pflichten (zu wittum B; in gleicher bedeutung widembauer; -mann, -meier, s. d.): die gezvge dis dinges ... (sind u. a.) die widemere von Rorbos (Teufen 1272) corp. d. altdt. originalurkunden 1, 199, 2 Fr. Wilhelm; der widemer tagwan (fronarbeit) hât geben inrent X jâren eins jâres bî dem meisten ze stiure Xiiij pfunt, bî dem minsten des andern jâres Xj pfunt (um 1310) habsb.-österr. urbarb. 132 lit. ver.; als ander des gotzhaws widmaer und hindersäczen (1420) bei Schmeller-Fr. bayer. 2, 860; die meier ... hand ouch die rechtung zuo einem kilchherren, der inen soll haben uf der widum ein nutzlich wocherrind ..., daz sol der widmer (hier also d. pfarrer) nit verhowen (Aargau 15. jh.) weist. 5, 103 J. Grimm; welcher die widumb zue Mülheimb in hat, der sol den von Mülheimb ainen faselstier haben, vnd mag der widmer den stier zue den meyen für die fallenthör in die esch treiben (Mühlheim 1475) ebda 1, 263; die widamer mit aller ir zugehörde (1479) bei Fischer schwäb. 6, 761; wer die widem in hat, der soll innen han ein ... wucherschwyn ... der wibmer sol ouch dasselb vich zenacht in thun (Zürich 1543) weist. 1, 43 J. Grimm; aufm Ridendorf hof höbt er (der richter) auf dem feld in allem getraid zwai tail vnd der wibmer das drittail (17. jh.) österr. weist. 10, 78. schon früh gelegentlich mit namensfunktion: ich ... vergih an disem prief ..., daz ich ... Heinzlein dem widmer vnd seiner hovsfrowen ... die hub ... verlichen han (1297) urkundenb. d. landes ob. d. Enns 4, 270; von den marckstainen, die gesetzde sind ainer an Ribelins wise und der ander in des widmers wise (Rottweil 1316) Württemb. geschichtsqu. 3, 53; daz uns die geistlichen herren ... gelúhen hant ... dez widemers guͦt, daz ze B. in dem banne gelegen ist (1324) bei Fischer schwäb. 6, 761; vgl. auch Förstemann-Jellinghaus altd. namenb. 2, 1302 u. 1310 unter wid.
3)
stifter eines (kirchlichen) gutes (nomen agentis zu widmen); consecrans Stieler stammb. (1691) 2474: und, wie ich finde, sollen fundatores und widmer gewesen sein das geschlecht die Hecht (1560) chron. d. st. Eger 11 Gradl. doch auch säkular: man sagt, dieser elegante denkstein sei von dem widmer aus Paris verschrieben worden Steub drei sommer in Tirol (1895) 2, 277. gelegentlich für den widmer eines buches: widmer für dedikant hat Cramer gebraucht Heynatz antibarb. (1796) 2, 632; derjenige, welcher widmet, zueignet (dedicator) Campe 5 (1811) 704. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1432, Z. 46.

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Zitationshilfe
„widmer“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/widmer>.

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