Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

widmung, f.

widmung, f.,
verbalabstraktum zu widmen; spätmhd. widemunge für 'dotierung' (1); lexik. dann zuerst als consecratio, devotio Stieler stammb. (1691) 2474; entsprechend Kramer t.-ital. 2 (1702) 1343ᶜ und Ludwig t.-engl. (1716) 2465; l'action de vouer, ... le dévouement, la consécration, dédicace, destination Schwan nouv. dict. 2 (1784) 1045ᵇ. in allen verwendungen kann das wort, abhängig von der situation, den handlungsakt oder aber sein ergebnis bezeichnen.
1)
'ausstattung', der ehefrau (a) oderso zufrühest belegteiner (kirchlichen) institution (b). diese verwendungen stellen sich zu widmen 1 und 3, in b vorwiegend mit formelhafter beiordnung von stiftung.
a)
der sin wib widemen wil, also daz die widemunge veste si mit des riches gut (1372) keyserrecht s. 219 Endemann; soliche weddemunge vnd liffczochte (1382) bei Bauer-Collitz Waldeck 180.
b)
wir ... bekennen ... (dasz) die hernach geschriben zcehenden ... zcuͦ eyner volleclicher wydemunge vnd stiftunge der gotsgabe ... (gegeben wurden) (1360) mon. Boica 42, 283; dise hernach geschriben guͤt und gult (wurden) ze eyner stiftunge und widemunge eins spitals (geschenkt) (1360) hohenloh. urk.-buch 3, 207 Weller; (der) brief, den er uns uber die stiftung und widmunge unsers clôsters gegebin hât (1419) bei Lexer 3, 823.
2)
'übereignung, schenkung'. die herkunft aus dem kirchlichen anwendungsbereich (s. widmen 2) erklärt den meist deutlichen zweck der ausstattung einer würdigen institution: auch hat Luczz Gensler ... an die selben messe und widemunge durch got dar an geben einen morgen wisen (1361) hohenloh. urk.-buch 3, 235 Weller; wan ein landtman ein gotshausz stift, oder aber zu einem gotshausz einen oder mer holden (hintersassen) widmet und ime in sollicher stiftung oder widembung die vogteyen vorbehelt, so wierdt solliches auch für ein erbvogtey verstanden (1552) Bernh. Walther privatrechtl. traktate 30 Rintelen; ich schlage vor, dasz wir das bild der königin verehren, ... unsere gemeinschaftliche widmung anzukündigen ... soll meine sorge sein Mörike ges. schr. (1905) 3, 23 Göschen; einige bereits von privaten geschehene widmungen (von gemälden) J. Edlbacher bei Stifter s. w. 14 (1901) 200; um die wohlthat dieser widmung (von 10.000 fl.) jenen kunstjüngern ... sobald als möglich zuerkennen zu können (1863) Schmerling in: jahrb. d. Grillparzerges. (1890) 1, 285; die bibliothek der hochschule für welthandel (in Wien) hat die privatbibliothek des verstorbenen geographen hofrat prof. dr. Franz Heiderich als widmung erworben zentralbl. f. bibl.-wesen 50 (1933) 755. zu 4 überleitend: zur errichtung einer stiftung bedarf es der widmung eines vermögens für einen besonderen zweck schweiz. zivilgesetzb., art. 80.
3)
auf den empfänger einer schenkung oder zuwendung weisender begleittext: an ihnen (posaunen auf einem gemälde) spielen herabhängende bänder, mit inschriftlicher widmung: dem triumphirenden halbgott Julius Cäsar Göthe I 49, 262 W.; aus Miramar war ein lorbeerkranz eingetroffen mit der widmung ... jahrb. d. Grillparzerges. (1890) 8, 106; er (Altdorfer) schrieb auf eben dieses bild eine tiefernst gemeinte widmung an die gottesmutter Pinder d. dt. kunst d. Dürerzeit (1939) 386. in festem gebrauch vom gedruckten widmungstext in büchern; zur sache vgl. die zugrunde liegende verwendungsart des verbs (widmen 6 a): der grosze, der zuerst die deutschen mitwerber um ehren des geists, von der kriecherey sich wegwerfender widmungen, durch sein beispiel, geheilt (hat) Cramer Neseggab (1791) 1, 10; die widmung des Sardanapals ist mir von dem höchsten werth Göthe IV 41, 4 W.; auf ihre kurzen lob- und liebeszeilen ... hab ich mit fleisz und vorsicht zu antworten bis jetzt verschoben, weil sie mir darin eine widmung, zueignung oder wie sie (sonst) ... lieber für dedication hören mögen, verheiszen hatten Meusebach an J. Grimm (1828) in: briefw. 93 Wendler; er nennt sich in der widmung dieses reimwerkes an die landgräfin Margarete von Hessen ihren kaplan Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 3, 49; ich möchte dem buche eine widmung, vielleicht eine kleine vorrede vorsetzen (1855) Stifter briefw. 2 (1918) 272; dann sehen sie aber auch die widmung an, die dedikation, worin der mann seine verse dem lieben gott dediziert, indem er ganz die form nachahmt, selbst in der anordnung des drucksatzes, in welcher man damals groszen herren ein buch zuzueignen pflegte, bis zur unterschrift: sein allzeit sterbender Johannes Angelus G. Keller ges. w. (1889) 3, 205; das sammelwerk 'diutiska' ... mit seinen gedichten an der spitze der bände, mit seinen widmungen der einzelnen stücke an einzelne gönner Scherer kl. schr. (1893) 1, 78; sich sehr über die widmung gefreut Rilke br. 1 (1950) 90. auch bei musikwerken: herausgeber und künstler erscheinen mit den bairischen herzogen Wilhelm und Albrecht, den gönnern Orlandos, durch ihre widmungen in beziehung Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 2, 285; dasz Mozart ... ihnen (den quartetts) die schöne widmung an Haydn vorsetzte O. Jahn Mozart (1856) 4, 69. in modernem gebrauch auch von handschriftlichen begleittexten des autors oder des schenkenden in einzelexemplaren: da ich ihm keine rechnung schickte, sandte er mir nach kurzer zeit ein buch mit freundlich dankbarer widmung Carossa tag d. jungen arztes (1955) 156. besonders deutlich umschlieszt der ausdruck widmungstext und widmungsakt, wo von der annahme der widmung durch eine höhergestellte person die rede ist: ich hatte sie (die fundgruben) dem minister gewidmet und dieser die widmung angenommen Hoffmann von Fallersleben ges. schr. (1890) 7, 174; wohl nahm er (Goethe) die widmung des wunderhorns freundlich auf Treitschke dt. gesch. (1897) 1, 317. wohl vom gedruckten begleittext von büchern ausgehend auch bezeichnung für in bestimmter absicht geschriebene und verbreitete kleine schriftstücke: (ein karnevalsgast) teilte zettel hin und wieder aus, ... sinnsprüche, rätsel, kurze poetische betrachtungen, — auszüge, wie es schien aus seinem geheimen nachtbuch ... zwei oder drei dieser sinnreichen widmungen gingen ... von hand zu hand Mörike ges. schr. (1905) 3, 38 Göschen.
4)
(feierliche) bestimmung von personen oder sachen zu etwas oder in richtung auf etwas (verwendung, seinsart, aufgabe), s. widmen 4—6 und vgl. widmungsschein, -urkunde: der oberste priester sprach hierauf alle zum opfer bestimmte ihrer wiedenung ... losz Lohenstein Arminius (1689) 2, 883ᵇ; destination des menschen soll wiedmung des menschen heissen — der ausdruck gefällt mir nicht Herder 15, 133 S.; ich widme dieses feld zu einem totenacker und gebe ihm die widmung das zu seyn Claus Harms verm. aufs. u. kl. schr. (1853) 327; eine anzahl von gemälden, welche dem kunstvereine mit der widmung für die landesgallerie in folge allerhöchster gestattung seiner k. k. apostolischen majestät ... zugekommen J. Edlbacher bei: Stifter s. w. 14 (1901) 199; die widmung des bürgers an das bürgerliche ganze Justi Winckelmann (1866) 1, 132. gelegentlich auch in zusammensetzungen als 'gesetzliche bestimmung': kohlwidmung, eine in den alten hammerordnungen ... in Steiermark und Kärnthen vorgezeichnete bestimmung, wonach die kohlenerzeuger ihre kohlen bei schwerer strafe nur an gewisse eisen-, schmelz- oder hammerwerke abgeben durften Scheuchenstuel öst. berg- u. hüttenspr. (1856) 144. ähnlich auch: eisenwidmung a. a. o. 67. — besonders dort, wo der reflexive gebrauch des verbs zugrunde liegt, ist der sinn geändert in '(feierliche) hingabe an eine person oder tätigkeit', 'ausschlieszliche beschäftigung mit etwas':
erst knieend lasz die treue widmung dir
gefallen, hohe frau; die hand, die mich
an deine seite hebt, lasz mich sie küssen
Göthe I 15, 1 214 W.;
indem ich sie bitten darf, mich diesem hochverehrten freunde zu empfehlen, wage ich die hoffnung, sie noch oft auf dem felde unserer gemeinschaftlichen widmung zu begegnen (1857) J. Fr. Böhmer leben, briefe, kl. schr. 3, 216 Janssen; es würde monatelange widmung mit beseitigung jeder anderen arbeit fordern, wenn der verbindungsfaden jedes dokumentes mit dem inhalte der ... akten nachgewiesen werden sollte jahrb. d. Grillparzerges. (1890) 2, 165. diesem gebrauch fügt sich an '(feierliche) darbringung von inneren werten': sie werden doch diese nichtschätzung treuer widmung aller geisteskräfte ... dem souverainen herrn nicht als ein verdienst anrechnen Bettine dies buch geh. dem könig (1843) 1, 270.
5)
composita zur bezeichnung verschiedener sonderformen von widmungstexten, z. b.: widmungsbrief, m., 'längerer widmungstext in briefform'; gebucht bei Campe 5 (1811) 704: ich wüszte darum keinen bezeichnenderen namen an die spitze des buches zu setzen, als den ihrigen, und möchte dies auch in einem kleinen vorzudruckenden widmungsbriefe näher aussprechen W. H. Riehl bei L. Richter lebenserinn. (1909) 413; in dem widmungsbrief an seine schüler aber nimmt Pacioli ausdrücklich auch auf die beiden letzteren (gegenstände) bezug Dehio kunsthist. aufs. (1914) 206. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1433, Z. 32.

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Zitationshilfe
„widmung“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/widmung>.

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