Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

wie, adv.

wie, adv.,
conj.
herkunft und form. dem nhd. wie, seinen mundartlichen und auszerdeutschen varianten liegen drei verschiedene urgerm. formen zugrunde: 1. *hwē (instr. zu idg. *qu̯o-), 2. damit ablautendes * hwō und 3. eine in got. hwaiwa erhaltene form. zur (geographischen) verteilung und deutung der ahd., as., anfrk. (mnl.), ags. und afries. formen s. G. Müller in PBB 76, 410 ff. eine übersicht über den heutigen geltungsbereich der formen hd. wie, nd. wo, wu und nl. (fries.) hoe bietet Frings grundlegung (³1957) auf karte 50 (dazu s. 51 f.). bemerkungen über die hist. grundlagen dieser verteilung ebda. s. 54 f. anz. f. dt. altertum 22, 92—95 teilt F. Wrede mit, was die umfrage des dt. sprachatlas für wie- in wieviel erbracht hat. als ergänzung der karte bei Frings kann hier besonders die beschreibung der grenze zwischen den obd. formen mit diphthong und den md. monophthongierten formen dienen. die (mundarten) wörterbücher und -grammatiken zeigen für das simplex wie, nd. wo usw. folgendes bild.
1)
die got. hwaiwa und hwē entsprechenden (meist) hd. formen. zu ahd. huuē (got. hwē) s. u. unter a. got. hwaiwa ist vermutlich instrumental eines kompositums *ku̯o-oiu̯o- 'welchen gang habend' (= gr. ποῖος), s. W. Schulze z. gesch. d. lat. eigenn. 435, anm. 3; andere deutungen bei Feist vgl. wb. d. got. spr. ³281ᵃ.
a)
frühahd. (h)wēo verkürzt sein ē und wird einsilbig: (h)weo; daraus wio ˃ wie; vgl. Braune-M. ahd. gr. § 43 anm. 6. hueo auch einmal im Heliand 4652 (M) Sievers; uuieo in Notkers psalmen; vgl. dazu in hss. des 11. jhs. uuieo ahd. gl. 2, 69, 30 St.-S. und uuioͤ ebda 543, 15. dagegen kann die in frühen ahd. denkmälern begegnende form (h)uue (im abrogans Pa uue, R hue ahd. gl. 1, 152, 24; 85, 36; 153, 22, 25; huue Monseer fragm. 4, 25 Hench; uue exhortatio A kl. ahd. sprachd. 50, 28 [gegen (h)uueo in B und an andern stellen in A] und St. Emmeraner gebet ebda 310, 12; hwe lex Salica ebd. 55, 5; veso [9. jh.] ahd. gl. 2, 144, 37) nicht aus huuēo entstanden sein, wie von Braune-Mitzka ahd. gr. § 43 anm. 6 vermutet wird, da sonst (in leo, seo, sneo, speo) auslautendes o nach ē erst in der zweiten hälfte des 9. jhs. schwindet (Braune-M. § 108, anm. 2); vielmehr ist ihr e, wie die diphthongierten formen uuea lange (9. jh.) ahd. gl. 4, 16, 59, uuia lange ebda 1, 409, 4, huuialihhii, uuealihnissi 'qualitas', uueamihili 'quantitas' Benediktinerregel in: kl. ahd. sprachd. 201, 20. 260, 1. 220, 28, so uuie so altbair. beichte ebd. 309, 6, uuielihan muspilli 66 ebda 69 und andere frühe formen mit ie zeigen, ē² (Franck zs. f. dt. altertum 40, 20) und ahd. huuē identisch mit dem got. instrumental hwē 'womit' und an. hvē 'wie, weshalb' (Heusler aisl. elementarb. § 463). seitdem im 10. jh. eo allgemein zu ie geworden ist, sind huuē und huuēo zusammengefallen.
b)
mhd.-nhd. wie hat die alte diphthongische lautung im obd. verbreitet beibehalten. die mundartenwbb. u. -grammatiken zeigen für das schweizerdt., oberelsäss. u. schwäb. die form wiə, woneben schwachtonige wĭ, wĕ mit reduziertem vokal stehen. auch im bair.-österr. gilt verbreitet wiə, daneben wia, so in Niederösterreich und Kärnten (s. auch wia des Laufener Adam- und Eva-spiels in: volksschausp. 48, 250 Hartmann), womit in Graubünden und Uri wiæ (æ ist hd. hellem a ähnlich) zu vergleichen ist. gerundete form wüə verzeichnet Jutz Südvorarlberg und Liechtenstein 135 und 220.
c)
im oberpfälzischen gilt dagegen die form wei mit zwielaut eï (˂ mhd. ie), dessen hauptton auf dem i liegt; das e ist geschlossen Weinhold bair. gramm. 84; über alter und ursachen dieser erscheinung vgl. Kranzmayer lautgeogr. d. gesamtbair. dialektraumes, einleitung 32. wøi (in unbetonter stellung wi, wy) Gebhardt Nürnberger ma. 112; wöi Schiepek satzbau d. Egerländer ma. 57; im Schönhengstgau wai Stauf v. d. March d. nordmähr. maa. 96; wei am Frankenwald, s. Gerbet Vogtland § 8, 11. im westmd.: wëi Crecelius oberhess. 912; weⁱ wb. d. luxemb. ma. 479ᵃ; moselfrk. wei, wäⁱ Kisch vergl. wb. 241ᵃ; entsprechend siebenbürgisch wâⁱ, wæ̂ⁱ ebda; örtlich wéï neben fast allgemeinemFollmann Lothr. 541ᵃ.
d)
sonst gilt im md. und nach süden bis ins Unterelsasz allgemein die monophthongierte form wī, woneben bei schwächerer betonungstehen kann, z. b. im unterelsäss.: 'wi, bei energischer betonung wī' Martin-Lienhart elsäss. 2, 778ᵃ. im nordwesten ist wie bis ins limburgische und gegen Cleve vorgedrungen, in auseinandersetzung mit nl. hoe, das nach Frings in: kulturströmungen u. kulturprovinzen i. d. Rheinlanden (1926) 110 einst über das nl. hinaus im lande 'abwärts Köln' gebraucht wurde; näheres über ndrhein.-ostnl. formen ebda 110—112 (mit karte), PBB 76, 414 anm. und bei W. Roukens wort- u. sachgeogr. in Niederländ.-Limburg u. d. benachb. gebieten teil I A 393—96 und 398—400, teil I B karten 85, 87 und 88.
e)
md.begegnet örtlich im schlesischen; s. Weinhold dialektforschung 35 (hier auch hinweise auf anderebes. md.mundarten); örtlich wē, sonst allg.Heinzerling-Reuter Siegerländer wb. 312ᵃ; we Tonnar u. Evers Eupen 226. im älteren md. waroffenbar stärker in gebrauch; A. Wrede neuer köln. sprachschatz 3, 278ᵃ beschreibt den vorgang der in der 2. hälfte d. 15. jhs. beginnenden ablösung des altköln.durch schriftsprachliches wie. mhd. belege für md.in mhd. wb. 3, 571ᵇ und bei Lexer 3, 876; ferner s. (Köln um 1280) städtechron. 12, 25 u. ö.; (1396) hess. urkunden 1. nr. 1250 Baur. zum lautlichen s. Michels mhd. elementarbuch (1921) § 96, anm. 3 und V. Moser frühnhd. gr. 1, § 81, 4. nachweise für mnd. wē ˂ as. hweo bei Sarauw nd. forschgn 1, 182.
f)
mit übergang w- ˃ b-. md.:Hofmann niederhess. wb. 263ᵇ; bî (Weiler) Follmann Lothr. 541ᵃ; bi (Zips) Schröer wb. d. ungrischen berglandes 35ᵇ. obd.: im ausruf a bia! 'ey wie' (1787) Fischer schwäb. 6, 806; bie Tschinkel Gottschee § 123; vgl. Hauffen Gottschee 29; bia Schmeller cimbr. wb. 111ᵃ; wia (bia) Bacher Lusern 228; zur lautung ebda 161, Gamillscheg Lusern § 18 und B. Schweizer zimbr. sprachreste 1, 111 (§ 12). für den übergang w- ˃ b- in was und wo s. Wrede anz. f. dt. altert. 19, 98 und 21, 156.
2)
die aus germ. *hwō entstandenen formen. über mundartl. entsprechungen einer form hwa, die zufrühest im Heliand (M) als huua belegt ist, s. Sarauw a. a. o. 213. über das verhältnis der -û-formen zu denen auf -ô (z. b. afries.neben hô) s. Franck-van Wijk etymol. wb. d. nederlandsche taal 254ᵃ (s. v. hoe).
a)
die formen mit erhaltenem w-. die as. hauptform ist hwō (im ahd. [frk.] entspricht wuo, oft im Tatian; s. PBB 39, 254); mnd. wô, wu, diesen wechsel leitet A. Lasch mnd. gr. § 163 aus den betonungsverhältnissen her. in den heutigen nd. mundarten verbreitet wō, daneben wu: wō, wu Mensing schlesw.-holst. 5, 676 und 731; wo, wu Böning Oldenburg 133 und Danneil altmärk. wb. 249ᵃ. über west- (ost-)fäl. ō ˃ ū nach w (wū und jüngere diphthongierte formen) s. näheres bei Sarauw nd. forschungen 1, 201 und 212/13; ebda auch bemerkungen über formalen zusammenfall bzw. unterscheidung von altem hwâr 'wo' und hwô 'wie' im nd.; vgl. unten teil 14, 2, sp. 909 (s. v. wo I A 3 c). für das mecklenburgische beschreibt H. Teuchert in: nd. jahrb. 82 (1959) 231 den historischen prozesz der ablösung des wô 'wie' durch wor (˂ mnd. wâr 'wo'), weiterentwickelt zu wur (wua), das nun beide bedeutungen, 'wo' und 'wie', auf sich vereinigt. md. wo 'wie' (z. b. woso?) bei Müller-Fraureuth obersächs. 2, 676ᵃ; ferner: mustu wol drauff sehen, wo weit die freyheit und deine liebe sich strecke Luther 26, 582 W.;
wo kenn ich seine treu, wenn er sie nicht beweist?
Gellert s. schr. (1839) 3, 312.
b)
h-anlautende formen mit geschwundenem w: anfrk. huo, mnl. hoe, hū, nl. hoe; as. huo (Cottonianus), hū (Vaticanus) (im heutigen nd. allgemein formen mit erhaltenem w, s. oben); ags. hu, engl. how; anord. hū, hō Noreen gesch. d. nord. spr. § 209, 5; afries. hū (altwestfries. auch hō, s. Richthofen afries. wb. 829); nfries. (schriftsprachl.) hoe frysk wurdboek 1, 178; verbreitet mit gekürztem vokal; westfries.: ho Dijkstra friesch wb. 1, 528ᵃ; nordfries.: ho Siebs Helgoland 232ᵇ; Outzen fries. spr. 131; hø̇ Bauer Mohringer ma. § 159; hy (y ist ein offener ü-laut) Jabben Karrharde § 142; Amrum und FöhrSchmidt-Petersen nordfries. 62ᵇ; auf Sylt istnur in dem kompositum hüwel 'wiewohl, obgleich' noch gebräuchlich; im übrigen aber ist dafür allgemein hur (eigentlich 'wo') eingetreten; s. Möller Sylt 119 und 121ᵇ. — fürs ostfriesische verzeichnen die wörterbücher vokalische kürze neben länge und (nd.) w-anlautende form neben h-anlautender: ho, hô, auch wo, wô Doornkaat Koolman 2, 89ᵇ und 3, 567ᵃ; wo (im westen ho) Stürenburg 334ᵃ.
bedeutung und gebrauch. vom beginn der germ. bezeugung bis heute ist wie als frageadverb (I) gebräuchlich. in dieser funktion bezieht es sich (das gilt bereits für got. hwaiwa) auf art und weise, grund oder grad und ausmasz eines geschehens usw., meist satzeinleitend (in direkten und indirekten fragen sowie in ausrufen, I A). einen sondergebrauch stellt die aus den abhängigen fragesätzen der art und weise entstandene konjunktionale verwendung im sinne von 'dasz' dar, die im deutschen seit den ältesten zeugnissen sicher zu belegen ist (seit dem mhd. auch in der verbindung wie dasz) und noch im 19. jh. ganz gebräuchlich war (A 1 e). aus der verwendung in sätzen ergab sich der seit dem ahd. oft bezeugte, nicht satzeinleitende (absolute) gebrauch des interrogativen wie (I B) durch fortfall entbehrlicher redeteile (ellipse). von dieser herleitung ist natürlich das vorwiegend in neuerer sprache (seit dem 18. jh.) belegte substantiv wie, n. 'art und weise' (B 4) auszunehmen. vorweggenommen sei der unten nicht mehr zur sprache kommende gebrauch des interrogativen wie in präpositionalen wendungen. vereinzelt (früh)ahd.: in huueo quomodo, exhortatio in: kl. ahd. sprachdenkm. 50 Steinm., neben in hiu (instr.) in quo Tatian 24, 2; 62, 4. mhd. umb wie 'weshalb':
(gott) hatt unser pehalten hie:
ir sult wissen umb wie
Heinrich v. Neustadt Apollonius 14831 Singer; 7969; 9833 (fuszn.).
mhd./frühnhd. mit wie 'womit': mag er (in) vber zivgen mit siben mannen, daz er sine triwe habe zerbrochen, er sol ouch wissen mit wiu oder wie (hs. 1287) Schwabenspiegel, landrecht 99 Lassberg; mit wie man die pesetzung (einer belagerten stadt) weg pringen ... müg (ca. 1533) Aventin s. w. 4, 438 bayer. akad. von wie 'wovon':
... ze sagen von wie vnd wiu
(15. jh.) liederbuch der Hätzlerin 267ᵃ Haltaus.
zu wie 'wozu': ward mancher rat gegeben, zu wie ers brauchen solt (ca. 1533) Aventin s. w. 4, 347; 358 bayer. akad. s. dazu in gleicher verwendung ahd. mit, vona, zi uuiu und weitere präpositionale fügungen mit dem instrumental des fragepronomens was bei Graff ahd. präpositionen (1824) 285; die entsprechenden mhd. verbindungen umbe wiu usw. in mhd. wb. 3, 567ᵃ; mit, umb, von, ze weu bei Schmeller-Fr. bayer. 2, 826. zusammenstellungen von präpositionen im verbindung mit (vornehmlich orts- und zeit-) adverbien bei Paul dt. gramm. 4, § 309 und Behaghel dt. syntax. 2, § 547. — wie bei wo teil 14, 2, sp. 910, wann teil 13, sp. 1880f. und wer, was teil 14, 1, 2 sp. 76 und 103 ff. findet sich bei wie indefiniter gebrauch ('irgendwie'); schon got. hwaiwa in dieser verwendung: andbahti mein mikilja, ei hwaiwa (εἴπως, vulg.: si quomodo) in aljana briggau leik mein Römer 11, 14; ebenso Philipper 3, 11. im deutschen bleibt sie ganz vereinzelt und auf die ältere sprache beschränkt, neben dem gebräuchlicheren et(s)wie teil 3, sp. 1180 und 1187; vgl. mhd. wb. 3, 573ᵇ (s. v. wie 5):
Sophar gotlichis urteil hy
eynem bogen her glichet wy
(1338 beendet) Hiob 8224 Karsten;
belangend den rest der herrschaft Freystad ... werden ihre ld. ... der kayserliche ober-ambtsverwalter durch commission oder in andere wege denselbten wol wie abzuhelffen wiszen (1618) acta publica 1, 26 Palm. heute allgemein irgendwie teil 4, 2, sp. 2159. seit dem mhd. werden neue verwendungsweisen deutlich faszbar, die z. t. bis in die sprache der gegenwart kontinuierlich bezeugt sind. war wie in verallgemeinernder konzessiver und vergleichender verwendung bisher in verbindung mit so (ahd. so wio [so], mhd. swie 'wie immer', 'obgleich', 'so wie') gebräuchlich, so verselbständigt es sich jetzt in diesem sinne (II und III A). der gebrauch ist noch heute lebendig; nur in der konzessiven bedeutung 'quamquam' (II 2 c) ist wie den konkurrenten wiewohl, obwohl, obgleich usw. erlegen (vgl. auch den in neuerer sprache gebräuchlicheren typ so gern ich auch wollte, neben wie gern ... unter II 2 b). als einleitung hypothetischer vergleichssätze im sinne von 'als wenn', 'als ob' (seit dem mhd., neben als und sam) bleibt wie nicht über das frühnhd. hinaus gebräuchlich; in neuerer sprache gilt wie wenn (III B 1), doch vorwiegend im realen vergleich (mit indikativischem vergleichssatz). andere neuerungen ergeben sich erst im frühnhd. vergleichendes wie wird im gegensatz zum mhd. gebrauch nicht mehr ausschlieszlich satzeinleitend (III A 1 und B 1), sondern auch vor satzgliedern (III A 2 und B 2), nicht mehr nur beim vergleich der gleichheit, sondern auch bei dem der ungleichheit (nach komparativ usw., III A 3) verwendet; seine häufigkeit im gebrauch erhöht sich dadurch bedeutend, zugleich wird es mit als synonym (über das verhältnis von wie und als s. unten III A). andererseits verblaszt frühnhd. (in vielen belegen) die vergleichende bedeutung, wodurch wie den charakter einer beiordnenden konjunktion annimmt (III C), in der satzanknüpfung gelegentlich ins kausale überspielend, oft weiterführend, erläuternd, verallgemeinernd; so gern in der verbindung wie denn, sp. 1489. gleichfalls seit dem frühnhd. begegnet wie als temporale konjunktion (IV), beschränkt sich jedoch in dieser verwendung auf die umgangssprachlich-mundartliche ebene (wenngleich die literatur sich ihm nicht verschlieszt), während die konkurrenten (da, als, sobald und andere) der hochsprache zugehören. die anzahl der kompositionen mit wie ist begrenzt und in gewissem grade durch orthographische gesichtspunkte bedingt (vgl. wieviel, aber wie viele). wie steht dann meist als erstes kompositionsglied, seltener als zweites (vgl. gleichwie, irgendwie, sonstwie). heute gebräuchlich sind in erster linie wieso, wieviel, wiewohl. mit wiefern und wieweit konkurrieren inwiefern und in wieweit, der gebrauch von wiebald, wielange und wienach reicht nicht über das 18. jh. hinaus. wielichkeit und wiegetan gehen bereits in frühnhd. zeit unter.
I.
als interrogativum.
A.
einen satz einleitend.
1)
nach der art und weise eines geschehens, verhaltens, zustands fragend, entsprechend lat. quomodo, qualiter, qualis.
a)
in direkter frage, die an ein gegenüber gerichtet ist; gotisch: qaþ þan Mariam du þamma aggilau: hwaiwa sijai þata? (πῶς ἔσται τοῦτο) Lukas 1, 34 (Luther: wie sol das zugehen?). im deutschen:
'wio mag ther man', quad, 'thuruh not   queman avur widorort
alter inti fruater   in wamba thera muater?'
(quomodo, Joh. 3, 4) Otfrid II 12, 23 E.;
quid igitur? uuîo dunchet tir? Notker 1, 136 P.;
wie sît ir selbe genant?
Hartmann v. Aue Iwein 5495 Benecke-L.;
wie sciet ûz dem strîte   mîn bruoder Gêrnôt?
der Nibelunge nôt 226, 1 Bartsch;
mein dochter, wie gehabstu dich?
(1554) Hans Sachs fastnachtspiele 64, 63 ndr.;
wie heissestu? (1669) Grimmelshausen Simpl. 25 Scholte; wie meinst du das? Gerstenberg Ugolino 243 H.;
so sage denn: wie sieht's am himmel aus?
Göthe I 15, 1, 17 W.,
mein junge, sprich, wie ist dir jetzt?
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 42.
für sich fragend, ohne ein gegenüber anzusprechen: wie heiszt doch nun der ort? Lenz ges. schr. 1, 56 Tieck. gelegentlich 'zu welchem preise', 'wie teuer':
si ueilsceden golt unde pellin.
'wie biedet ir dat geselle?'
könig Rother 3116 Frings-K.;
wie achtest du den (zum kauf angebotenen Äsop; quanti hunc)? (1477) Steinhöwel Äsop 46 lit. ver.; sprach Xanthus: ich bit dich, wie gibst du den (quanti hunc)? sprach der kouffman: umb seczig pfenning ebda 46. entsprechend in abhängiger frage: da mercket der magister noch basz, das der heszlich Esopus ein feiner mensch were, vnd fragt den kauffman, wie er jhn geben wolt? (1550) Alberus fabeln 11 ndr. noch heute in der mundart: wie geist des? wie hast des ᵍᵉkriegt? Fischer schwäb. 6, 806. besondere wendungen.
α)
wie geht's, wie steht's als frage nach dem persönlichen befinden oder einer sachlage; so noch heute allgemein (vgl. z. b. Martin-Lienhart elsäss. 2, 778ᵃ):
und sage mir ouch, wie stêt ez dir (Sigune)?
Wolfram v. Eschenbach Parzival 442, 4 L.; vgl. 225, 1;
(Pa.:) wie gehts? (Pe.:) die weile ist mir nicht lang
(1582) Hayneccius Hans Pfriem 20 ndr.;
glück zu, her nachbar, wie gehets? wie stehts? (1593) H. J. v. Braunschweig schausp. 284 lit. ver.; nun, wie stehts ...? haben wir das wild? Gerstenberg Ugolino 252 H.;
wie geht's dem feuerwerker?
Göthe I 2, 17 W.
mit präpositionaler fügung:
(Sigune) sprach 'ir sîtz hêr Parzivâl.
sagt an, wie stêts iu umben grâl?'
Wolfram v. Eschenbach Parzival 440, 30 L.;
wie stehts mit ihro durchlaucht? schausp. d. engl. comöd. 156 Creizenach; wie stehts mit Posen und der reise dahin? br. von u. an Herwegh (1896) 36 M. Herwegh. in abhäng. frage bei Grimmelshausen Simpl. 261 Scholte.
β)
wie ist mir (denn)? 'entsinne ich mich recht?' 'ist mein eindruck richtig?' vgl. im aussagesatz es ist mir so 'ich habe eine vorstellung, erinnerung, einen eindruck solcher art'; s. teil 10, 1, sp. 1343:
wie ist mir? hör' ich dich nicht schon?
König ged. (1745) 96;
wie ist mir denn? hast du ihn nicht gekannt? Lessing 1, 295 L.-M.; wie ist mir denn? sagte er: hiesz sie auch Valerine? Göthe I 24, 199 W.; wie ist mir denn? 'wie war die sache?' Brendicke Berliner wortschatz 193ᵃ. ähnlich: wie bin ich denn? 's ist doch wohl erst das achte Jahr? J. G. Müller herren v. Waldheim (1787) 1, 26.
γ)
wie wäre es? (frühnhd. auch wie wäre ihm?) die frage nimmt in den belegen auch den charakter einer aufforderung, ermunterung an. mit folgendem hauptsatz: nun Krist, wie wär' es? wir müssen wohl einheizen Fontane ges. w. (1905) I 1, 5. meist mit konditionalem nebensatz:
wie wärs, es gieng einer zum Fritzen?
(1548) H. R. Manuel weinspiel v. 159 ndr.;
Bürger w. 159ᵃ Bohtz. wie wer jm, wenn ich dir dise nit wolt zuͦ kauffen geben? woltst mich zwingen? Boltz Terenz deutsch (1539) 89ᵃ; wie wär es, wann ich der statt thäte rathen Abr. a s. Clara Judas (1687) 1, 294; wie wär' es, wenn wir anträten und einen konter versuchten? Fontane ges. w. (1905) I 5, 142. in dieser form (mit einem durch wenn eingeleiteten bedingungssatz) noch heute geläufig. durch weglassung entbehrlicher redeteile entstehen elliptische konstruktionen: vuiêo aber ube siê chint eîgen? Notker 2, 186 P.; vgl. 1, 173; nu mocht einer sprechen: wie dem, so der bapst auch ein christ wer? (1522) Luther 10, 3, 359 W.;
ir nachtpawrn, ich thw ains pedencken:
wie wen wirn dieb ein weil liesn lawffen?
Hans Sachs fastnachtsp. nr. 59, 51 ndr.;
vnd wie? wan er dan eben
in kett- und banden läg?
(1649) Spee trutznachtigall 69 ndr.;
ich (Schufterle) dachte bey mir selbst, wie wenn du ein pietist würdest, und wöchentlich deine erbauungsstunden hieltest? Schiller 2, 416 G.; wie aber? wenn eine höhere pflicht es fodert? Herder 22, 33 S.; wie nun aber dann, wenn das herrschende haus entweder abging oder sich unfähig erwies, die regierung ... zu führen? Ranke s. w. (1867) 1, 12.
b)
einen gut bezeugten sonderfall stellt die (rhetorische) frage nach einem dem fragenden nur scheinbar unbekannten sachverhalt dar. die antwort wird vom sprecher (schreiber) selbst gegeben (s. auch den nahestehenden typ der ausrufesätze unter d): huueo (qualiter) ist in Salomone zi firstandanne dhazs sus chiquhedan uuardh? Isidor 38, 7 Hench; vuieo chit diû scrift? in semine tuo benedicentur omnes gentes Notker 2, 210 P. u. ö.;
er hât niht wol getrunken, der sich übertrinket.
wie zimt biderbem man, daz ime diu zunge hinket
von wîne? ich wæne er houbetsünde und schande zuo im winket
Walther v. d. Vogelweide ged. 29, 36 Kraus;
lieber bruͦder Jesu, am palmtag entpfieng man dich schon, wie gieng dirs aber hernach? sie schluͦgen dich darnach an ein creutz sprichw., schöne weise klugreden (1548) 74ᵇ; wie können sie (bardiete) heutzutage am füglichsten aufgestellt werden? (die antwort ist in den folgenden ausführungen enthalten) Kretschmann s. w. (1784) 1, 5. die rhetorische frage entspricht dem stil einer captatio benevolentiae, wenn der dichter damit die verlegenheit zum ausdruck bringen will, in die er angesichts seiner schwierigen aufgabe gekommen sei:
wie aber loben wir dein reich,
da dich so manche siege küssen?
Besser schr. (1732) 1, 4;
wie soll ich unsern Karl besingen,
den friedensstifter neuer zeit?
(1736) Gottsched ged. (1751) 1, 3.
c)
einen indirekten fragesatz einleitend.
α)
der wie-satz ist abhängig von verben des fragens, erfahrens, wissens, sinnens, mitteilens usw.: ei witeiþ hwaiwa (πῶς) skuleiþ ainhwarjammeh andhafjan Kol. 4, 6 (Luther: das jr wisset, wie jr einem jglichen antworten sollet); s. auch Markus 5, 16 und Lukas 5, 19;
tho frageta ther guato man,   wio thaz io mohti werdan
Otfrid II 12, 49 E.;
ih gîenk in den nuzgarton, daz ih besâhe, uuîe daz oba ... uuordan uuâre Williram hohes lied 107, 2 Seem.
wîe mir ist gescehen,
des muͦz ich dir gehen
altdt. genesis 3992 Dollmayr;
wiez dar nâch ergienge,
waz mac ich dâ von sprechen mê?
Hartmann v. Aue armer Heinrich 1428 Paul-L.,
dô dâhte ich mir vil ange,
wie man zer welte solte leben
Walther v. d. Vogelweide ged. 8, 10 Kraus;
wo oder wie sy sich die zeit bis auf drewhundert jar enthalten haben, davon wil ich euch sagen U. Füetrer bayer. chron. 22 Spiller; daz oft ... eur poten in unsere stat kumen, und daz ir mir nimmer niht enpit, wi ir mugt und wi ez eu ge (ca. 1340) bei Steinhausen privatbr. d. mittelalters 1, 3; wen ich bedencke? wie wir vns auf disen morgen haben zuͦ einander gefüget Arigo decameron 9 Keller; dasz ich mich ... besanne ..., wie ich dahin kommen ... wäre (1669) Grimmelshausen Simpl. 309 Scholte; wie es aber weiter gangen, darvon wuste niemand zu sagen ebda 81; die räuber ... waren nur darauf bedacht, wie sie ihre beute ... in sicherheit bringen möchten Wieland Agathon (1766) 1, 12; wie er (Gustav Adolf) ihn (seinen untergang) fand, bleibt in undurchdringliches dunkel verhüllt Schiller 8, 298 G.; wer wuszte, wie und woher es kam? es war ein rosenschein. dann ein glühen E. Zahn die da kommen u. gehen (1909) 318; dasz es gehen wird, hast du auch gewuszt ...; aber wie es gehen werde —? Sperl söhne d. hrn Budiwoj (1927) 521. hierhin rechnen auch die kurzformen von titeln und kapitelüberschriften: de conpositione homicidii hwe man weragelt gelte (ostfrk., nach 802) kl. ahd. sprachdenkm. 55, 5 Steinm.; wie sich keisser Lodewigk zu Franckinfort ketzereie entschuldigete (1421) Joh. Rothe dür. chron. 571 Liliencron; wie die Hochteütschen ain grosse niderlag bei Nicea erliten Zimmer. chron. ²1, 90 Barack; Springinsfeld herkunfft, und wie er anfangs in krieg kommen Grimmelshausen 2, 7 Keller.
β)
der wie-satz steht ebenso nach substantiven dieser art:
nist thes gisceid noh giwant,   wio er (Christus) girret thaz lant,
wio er iz allaz wirrit   joh thesa worolt merrit!
Otfrid IV 20, 27; 28 E.;
alrêrst gêt mir angest zuo,
wie er wider mich getuo
Hartmann v. Aue Iwein 5984 Benecke-L.;
ungewiszheit ... wie er das nakte leben ... erhalten möchte Wieland Agathon (1766) 1, 4; unterricht ..., wie man ... gnade und vergebung erlangen könne Lessing 7, 1 L.-M.; gedanken, wie er seine familie ernähren solle Brentano ges. schr. (1852) 5, 37; die frage, wie mit erfolg an der geschichtlichen wiederbelebung der vergangenheit zu arbeiten sei Scheffel ges. w. (1907) 1, 99.
γ)
er dient nicht selten zur näheren erläuterung eines im hauptsatz bereits genannten (allgemeinen) begriffes:
'ir hortut', quad, 'thaz ungimach,   wio er widar gote sprah'
Otfrid IV 19, 65 u. ö.;
so erkande ich wol die fuoge,
wenn unde wie man singen solte
Walther v. d. Vogelweide ged. 48, 24 Kraus;
doch ... die warheyt vernyme, wie ich mit natürlichen guͦten ursachen mein ere retten will Arigo decameron 251 Keller; die ekloge ... giebt uns züge aus dem leben glücklicher leute, wie sie sich bei der natürlichsten einfalt der sitten ... betragen S. Gessner schr. (1777) 1, 4; du siehst ihr (der tabelle) den ernst an, wie ich dieses ungeheure reich (der töne) ... zu umgränzen versucht habe (1826) Göthe IV 41, 193 W. besonders auch: (die) weise, wie er von älteren systemen ... sprach Herder 22, 6 S.; die art, wie blüthen und früchte auf den blättern aufsitzen Göthe II 6, 65 W.; die reizende art und weise, wie sie den alten herrn unterhielt Polenz Grabenhäger (1898) 1, 22.
δ)
einen abweichenden satztyp stellen die konstruktionen dar, in denen das objekt des hauptsatzes durch ein pronomen im fragesatz wieder aufgenommen wird:
thoh mag man wizan thiu jar,   wio man siu zelit thar
Otfrid I 19, 28 E.;
schouwet an den walt wier niuwes loubes rîchet
Neidhart lieder 19, 7 Haupt-W.;
als nun Othonis weil kam, verhört er alle sach, wie sie sich verlauffen hett S. Franck Germ. chron. (1538) 91ᵃ; (wir) besahen da die ring-mauer ..., wie sie gebauet war Chr. Reuter Schelmuffsky (vollst. ausg.) 28 ndr.; habt ihr die wetterwolke gesehen ..., wie sie übers dunkel hingefahren ist? Scheffel ges. w. (1907) 2, 76.
d)
in ausrufesätzen. die wortstellung entspricht bald der direkten, bald der indirekten frage:
sô wê dir, tiuschiu zunge,
wie stêt dîn ordenunge!
Walther v. d. Vogelweide ged. 9, 9 Kraus;
zâhiu wiech danne sunge von den vogellînen,
von der heide und von den bluomen, als ich wîlent sanc!
ebda 28, 4; vgl. 122, 36;
ach, wie wird unser frau thun? Grimmelshausen 2, 346 Keller;
wie im morgenglanze
du rings mich anglühst,
frühling, geliebter!
Göthe I 2, 79 W.;
ach sieh den engel ..., wie er mich anlacht! Arnim s. w. 1 (1853) 3. in elliptischer rede: muszte man allerdings allabendlich im herrenhof sein, und man sah uns nirgends gern, wie erst an einem solchen ort Kafka d. schlosz (1946) 291.
e)
wie als konjunktion im sinne von 'dasz' ergibt sich aus dem gebrauch in indirekten fragesätzen der art und weise. diese verwendung beginnt sich bereits in zeugnissen für gotisch hwaiwa als übersetzung des griech. ὡς = 'dasz' abzuzeichnen; vgl. Lukas 8, 47. fürs ahd. ist der gebrauch gesichert. seit dem mhd. finden sich zeugnisse in groszer anzahl, vgl. Behaghel dt. syntax. 3, 349 (mit erklärung dieses übergangs), Wunderlich-Reis dt. satzbau ³2, 397 f. und besonders H. Paul dt. gramm. 4, 187 f. zu den von Behaghel a. a. o. angeführten ahd. belegen vgl. noch Isidor 13, 18; Otfrid IV 15, 37; 6, 37 u. 39; Notker 1, 731 P. aus den belegen späterer zeit genüge hier eine auswahl (s. auch mhd. wb. 3, 573ᵃ):
under disen worten
ein furste merkete harte
an des boten gebêre
wî iz Alexander selbe wêre
(um 1130) Lamprecht Alexander 3148 Kinzel;
ich sag iu wie ich in (den riesen) bestê
Hartmann v. Aue Iwein 4793 Benecke-L.;
das mir mein sün ... geschriben hat, wye er sich yeczund zü priesterleicher wirdikchait weyhen wel (1434) bei Steinhausen privatbr. d. mittelalters 2, 139; einer, der mer vleys legt auff den schuch, wie er im schon vnd glate anligt, dann auff den fusz, wie in der schuch nit drucket A. v. Eyb dt. schr. 1, 23 Herrmann, hier, wie vereinzelt auch mhd. (s. etwa Hartmann v. Aue Iwein 3042), mit einer wendung ins finale;
eins nachtes traumet mir gar schwer,
wie ich mit tod verschieden wer
(1556) Hans Sachs 1, 431 lit. ver.;
man könte alsdann von weitem sehen, wie es so wol in abgrund desz meers als auff dem land schöne berg und thäler abgebe Grimmelshausen Simpl. 429 Scholte; (Melina) zeigte, wie jetzt eine kleine gesellschaft beisammen sei Göthe I 21, 186 W.;
o mein monarch, ich darf es dir nicht sagen,
wie nicht jedwedes ding ist, was es scheint
Tieck schr. (1828) 1, 76;
dasz die evangelischen ... geschworen haben, wie sie das kind im mutterleibe wollten verderben, wenn ihnen der bischof ... das schlosz nit wollt gutwillig eingeben Gerhart Hauptmann Florian Geyer ³23. wie geläufig dieser typ noch im 19. jh. war, zeigt auch die miszbilligende äuszerung Schopenhauers: 'die partikel dasz ist ganz aus der sprache herausgewiesen und darf nicht vorkommen. statt: er sagte, dasz dies oder jenes geschehen sei, sagen sie (der himmel weisz weswegen) allemal wie; als ob nicht dasz und wie etwas geschieht sehr verschiedene dinge wären', handschriftl. nachlasz (1891) 2, 155 Gr. vgl. auch: 'wie oder wie dasz (s. unten) für dasz sind den kanzleien zu überlassen' Heynatz antibarb. (1796) 2, 635. — dialektisch vereinzelt (nach negation) 'ob': ich weiss nit, wie-d-ᵉr hint noch kommt (Hochfelden) Martin-Lienhart elsäss. 2, 778ᵇ. gleichbedeutendes wo, namentlich im bair.-österr., s. teil 14, 2, sp. 920; dort auch belege für (m)nd. wo (= hd. wie) 'ob'. in der zufügung von dasz zu satzeinleitendem wie, die seit mhd. zeit bis in das 19. jh. neben ganz üblichem einfachen wie und dasz erscheint, verrät sich vermutlich unsicherheit des sprachgefühls. s. auch die belege und die erklärung oben teil 2, sp. 824 f. und Paul dt. gramm. 4, 188:
ouch sprach die seldenriche (d. hl. Elisabeth)
zu meister Cunrade,
wi daz si sunder gnade
von diseme werke (der krankenfürsorge) enphienge
(um 1300) leben d. hl. Elisabeth 6858 Rieger;
das haut Ysayas als gesait
wie das got die werche sin
wolt sunderlichen legen an in
(14. jh.) Konrad v. Helmsdorf spiegel d. menschl. heils 137 Lindqvist;
du sichst nu wol, wie daz ich von liebe wegen der heiligen schrift bin gezuckt worden erste dt. bibel 3, 31 Kurr.; Vlenspiegel ... gab im für, wie dz er ein nacht bei im ligen müst Till Eulenspiegel 22 ndr.; also bekennen auch die kriegs leutt, wie das der sieg liege nicht an der menge noch stercke des heeres, sondern ... am glück Luther 15, 371 W.; fiengen sie darvon an zu reden, wie das dieser sausewind in keiner sache beständig wäre, als in seiner unbeständigkeit Chr. Weise erznarren 104 ndr.; einem liederlichen schlemmer traumet, ... wie dasz er beym guldenen hueffeysen das beste pferdt versoffen Abr. a s. Clara Judas (1686) 1, 3; ich endes unterschriebene urkunde und bekenne, wie dasz vor 2 jahren ich mein damahliges in Lindenau gehabtes gut Matz Dölpen verkauffet Menantes neue br. (1723) 741 u. ö.; so hätte keiner ... vermeint, wie dasz der hochzeit die hauptsache fehlte O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 525. vereinzelt einen finalsatz einleitend; vgl. die entsprechenden zahlreichen dasz-sätze teil 2, sp. 820; ferner die sätze mit auf dasz teil 1, sp. 605 und damit teil 2, so. 706:
mein lieb, das ligt all in dem hag,
das hett ich geren herein,
wie das ich mich mit im ergetzt
in diser kurtzen nacht
liederb. d. Hätzlerin 11 Haltaus;
ich (der papst) hab das nächst vergangen jar
gestreckt all min vermögen dar,
wie dass mir wurd Blesenz und Parmen
N. Manuel 68 Bächtold; Opitz teil 2, sp. 824 (s. v. dasz 19).
wiederholt dient der durch wie (dasz) eingeleitete satz zur ergänzung, erläuterung, ausführung des objekts (subjekts) des übergeordneten satzes; s. auch oben Konrad v. Helmsdorf, Chr. Weise und Tieck:
er zalta ouh bilidi ander,   thaz sie sih warnetin thiu mer:
wio fuar ein man richi   in ander kuningrichi
Otfrid IV 7, 70 E.;
er las daz selbe mære,
wie ein herre wære
ze Swâben gesezzen
Hartmann v. Aue armer Heinrich 30 Paul-L.;
ain böse botschafft wurd gesant
ainem hertzogen in Mayland,
wi das der Genueser leüt,
ob jm gewunnen grosze peüt
Johann v. Schwarzenberg Cicero (1535) 112ᵇ;
die zyhend mich einr bösen sach,
wie ich die lüt gantz ruͦchlosz mach
H. R. Manuel weinspiel v. 960 ndr.;
sie hetten bey sich die gedancken,
wie jhnen nicht gebüren wolt,
das man den wein versuchen solt
Spreng Ilias (1610) 93ᵇ;
eben erhalte ich von dem lieutenant ... die wiederhohlte klage, wie dasz er sich heut gänzlich ohne arbeiter befinde Lessing 18, 382 L.-M. auf das nomen einer modalbestimmung bezogen: seinen ... wünschen kommt der inhaber der wohnung mit der äuszerung entgegen, wie es leicht sei, sich den besitz alles dessen zu verschaffen Grillparzer s. w. 19, 13 Sauer.
2)
nach der erklärung für ein verhalten, geschehen oder eine sachlage fragend.
a)
in direkter frage im sinne von 'wie geht es zu, wie kommt es, dasz ...', 'weshalb, wieso'; so auch gr. πῶς, dem das wort im gotischen entspricht: hwaiwa þiudos baideis iudaiwiskon? (πῶς τὰ ἔθνη ἀναγκάζεις ἰουδαϊ͏́ζειν;) Galater 2, 14 (Luther: warumb zwingestu denn die heiden jüdisch zu leben?). deutsche zeugnisse: uueo (quomodo) thu mit thiu iudeisg bis trinkan fon mir bitis, mit thiu bin uuib samaritanisg? Tatian 87, 2 Sievers; cur uersat lubrica fortuna tantas uices? ... uuîo ist taz sô, daz fortuna trîbet sô unrehten uuehsal? Notker 1, 39 P.;
er sprach: 'geselle, wie redestu sô?'
Hartmann v. Aue Gregorius 2530 Paul-L.;
(Gawan) sprach ir (Orgeluse) trûreclîchen nâch
'frowe, wiest iu von mir sô gâch?
sol ich iuch immer mêr gesehn?'
Wolfram v. Eschenbach Parzival 536, 4 L.;
wie schweygstu also gar still nu?
altdt. passionsspiele aus Tirol 98 Wackernell;
Philippe, wer mich sihet, der sihet den vater, wie sprichstu denn (πῶς σὺ λέγεις), zeige vns den vater? Joh. 14, 9;
Eli, rief Jesus, gott, mein gott.
wie lässtu mich in meiner noth
vnd angst so gar alleine?
Paul Gerhardt in: ev. kirchenl. 3, 305 Fischer-Tümpel;
aber wie kennet mich der herr? Grimmelshausen 2, 21 Keller; und wie finde ich dich itzt in diesem sklavenkleid, und in der gewalt dieser seeräuber Wieland Agathon (1766) 1, 15;
es riecht nach frühling, und das wundert dich.
das weisz der letzte molch im mauerloch,
...
der bussart in der luft, der has' im klee!
wie weiszt denn du es nicht?
Gerhart Hauptmann versunkene glocke ²4.
elliptisch: (grammatik zur poesie:) wie konntest du (in Klopstocks grammatischen gesprächen auftreten)? A. W. Schlegel in: Athenäum (1798) 1, 4.
α)
besonders ist hervorzuheben wie kommt (es), dasz ...:
wie kumet daz ir (der ärzte) deheines list
ziuwerm ungesunde
nicht gerâten kunde?
Hartmann v. Aue armer Heinrich 374 Paul-L.;
vgl. Iwein 5507 Benecke-L.;
wie kumt daz ich sô wol verstân
ir rede, und si der mîner niht
Walther v. d. Vogelweide ged. 71, 27 Kraus;
wie kumbts dz ich so traurig bin?
Forster frische teutsche liedlein 104 ndr.;
wie kommt es denn, sprichstu, dass Jupiter so schweiget,
nicht pfeiffet oder zischt, noch zornig sich erzeiget?
Rachel satyr. ged. 56 ndr.;
wie kommt's, dasz du so traurig bist,
da alles froh erscheint?
Göthe I 1, 86 W.
ähnlich: wie ists müglich, dasz einer der dises höret, nit erschricke vnd zittere? Albertinus Lucifers königreich 9 L.; wie ists möglich, dasz etc. come è possibile, che etc. Kramer t.-ital. 2 (1702) 1343ᶜ.
β)
in verkürzter ausdrucksweise.
αα)
aus sätzen des typs: wie ist dann dem, das sie (die sense des todes) mer distel dann guter blumen ... vnuerseret lesset beleiben? ackermann aus Böhmen 17, 9 Bernt-Burdach entsteht durch verkürzung wie (dem), dasz ... im sinne von 'wie kommt es, dasz ...': do sprach aber der haiden: wie dem, das du den poten deines gottes nicht mer eeren erpeutest? U. Füetrer bayer. chron. 115 Spiller;
wie das euch got den baum verbot,
der doch der edelst ist im garten,
solt ir in sehen und sein warten,
solt doch der frucht dürffen nit essen
Hans Sachs 1, 35 Keller;
warum sprach gott: nach sieben tagen soll die sündfluth kommen? warum nicht bald, eher oder langsamer? wie, dasz er ihm (Noah) sieben tage andeutet? J. Böhme s. w. 5, 230 Schiebler;
wie, dasz du (Christus) im stalle liegest
so gering und voller müh
und dein erstes bette kriegest
in dem stalle bey dem vieh?
evang. kirchenlied 4, 448ᵃ Fischer-Tümpel;
o du, so ruft er aus, wenn du die liebe bist,
wie dasz in deiner welt ein wesen elend ist?
Wieland s. w. (1794) 1, 266.
ββ)
frühnhd. wie dem? vgl. oben unter αα den Füetrer- beleg: da liesz der pfaff ein grossen furtz dz es vber die kirchen erhalt. da sprach Vlenspiegel herr wie dem, opffern ir das vnserm herren für weyrauch hie vor dem altar? (1515) Till Eulenspiegel 17 ndr.; die zween titel gehören eigentlich Christo zu, das er ist beyde: ein könig der gerechtickeit und des frieds, wie dem? so haben wir gesagt: gerechtickeit ist die uns gott gibt ym hertzen ... so ist Christus ein könig der gerechtickeit Luther 24, 282 W.; da das der mann vernam, aller erschrack und sprach: 'wie dem, liebs weib?' Montanus schwankb. 76 lit. ver. bis in die gegenwartssprache wie das?: vt quid? wie das? Frisius dict. (1556) 1416ᵃ; (Anselmo:) ... niemand sollte mich bedauern. (Ugolino:) wie das? Gerstenberg Ugolino 218 H. zusammen mit synonymem warum?, um der frage mehr nachdruck zu verleihen:
und bin auf den doch launisch,
der diesen höhern werth allein ihr gab?
wie das? warum?
Lessing 2, 334 L.-M.;
'mir ist immer, als ob ich furcht vor ihr haben müszte.' 'furcht? wie das? warum, Lene?' Fontane ges. w. (1905) I 5, 148.
γγ)
mit so und partizip oder adjektiv: wie so erschrocken? haben sie sich vielleicht alterirt? (2. hälfte d. 17. jhs.) schausp. d. engl. comöd. 156 Creizenach, d. h. 'wie kommt es, dasz sie so erschrocken sind?' entsprechende belege finden sich bis zum ende des 18. jhs.: willkomm herr Melampus, wie so melancholisch? Abr. a s. Clara Judas (1687) 1, 311; wie so still, Anselmo? Gerstenberg Ugolino 256 H.;
was hast du, meine tochter,
wie so bewegt?
Göthe I 39, 208 W.
b)
in abhängiger frage; nach den verben wissen, fragen, sagen usw.; gotisch: iþ hwaiwa nu saihwiþ ni witum (πῶς δὲ νῦν βλέπει οὐκ οἴδαμεν) Joh. 9, 21. deutsche zeugnisse:
tho fragetun thie furiston   joh thie hereston,
wio er (der blinde) in thera gahi   so scono gisahi
Otfrid III 20, 58 E.;
und dô si alsô swigen
und in râts verzigen,
die andern si frâgten,
waz (var. wy) si sô stille dagten
Ottokar österr. reimchron. 81 612 Seem.;
wie aber oder wǎr umb ain mensch so groser tugend von mir erfordere oder beger so ains lychtfertigen dinges, waisz ich nit Niclas v. Wyle translat. 18 Keller; wie er (der blinde) nu sehend ist, wissen wir nicht Joh. 9, 21; (der graf hat) mich gefraget: wie ich so da in gedanken stünde? Chr. Reuter Schelmuffsky 13 ndr.;
sagt, wie schon am zweiten tage
sich ein zweites fest entzündet?
Göthe I 2, 154 W.;
verstehe ich nicht, ... wie ich ... wieder nach Mähren gehen konnte Grillparzer s. w. 19, 54 Sauer; die leute verübelten ihm seine läppschereien, es war ihnen unerfindlich, wie er sich mit den rotznasen so viel abgeben konnte Gerhart Hauptmann bahnw. Thiel ³18. wiederholt nach ausdrücken der verwunderung und des erstaunens: stupebit legem etheris alti ... ter vuunderôt sih nôte, uuîo iz sih sô gezihe dârobe uns in himele Notker 1, 270 P.;
'mich nimet des michel wunder', sprach dô Sîfrit,
'wie ir sô habet verkêret   die frœlîchen sit
der ir mit uns nu lange   habet alher gepflegen'
der Nibelunge not 153, 2 Lachmann;
das in pillich wunder neme, wie sie beide (zänkische ehepartner) ... ein hawsz mugen behalten (1472) Albrecht von Eyb dt. schr. 1, 26 Herrmann;
verwundert sich wies mög behendt
so gleichen thon erziehlen
(1649) Spee trutznachtigall 20 ndr.;
öffnet sie die augen, meine gute,
gleich erblickt sie diese bunte gabe,
staunt, wie immer bei verschloss'nen thüren
dieses freundliche geschenk sich finde
Göthe I 2, 103 W.;
so dasz ich mich wunderte, wie doch ein skythischer mann hellenisch rede G. Freytag ges. w. 17 (1887) 159. als verwunderter ausruf:
wie nur dem kopf nicht alle hoffnung schwindet,
der immerfort an schalem zeuge klebt,
mit gier'ger hand nach schätzen gräbt,
und froh ist, wenn er regenwürmer findet!
Göthe I 14, 36 W.; s. ebda 3, 348; 24, 80.
c)
oft ist in der frage die antwort bereits mit enthalten (rhetorische frage).
α)
der fragesatz entspricht daher inhaltlich einem aussagesatz (ausrufesatz), der eingeleitet wird durch fügungen wie keineswegs, schwerlich kann es dazu kommen, kann es geschehen oder sein, dasz ..., es ist unmöglich, dasz ...; so schon gotisch: iþ jabai hwas seinamma garda fauragaggan ni mag, hwaiwa (πῶς) aikklesjon gudis gakaroþ? 1. Tim. 3, 5. deutsche zeugnisse: natrun natrono knosles, hueo (quomodo) fleohet ir fona demo urteile dera quala? (Matth. 23, 33) Monseer fragm. 18, 14 Hench;
'wie het ich daz verdienet',   sprach Gunther der degen,
'des mîn vater lange   mit êren hât gepflegen,
daz wir daz solden vliesen   von iemannes kraft?
wir liezen übele schînen   daz wir ouch pflegen ritterschaft'
der Nibelunge nôt 112, 1 Bartsch;
so aber jemand seinem eigen hause nicht weis furzustehen, wie wird er die gemeine gottes versorgen? 1. Tim. 3, 5;
als dieser tagen erst der Buckel Hans genommen
zur ehe die Hoffer Ann: da fragte männiglich,
wie wirdt das sprichwort nun hiehero reumen sich,
dasz nimmermehr zween berg zusammen können kommen?
Zinkgref auserles. ged. 54 ndr.;
ich lasse mich nicht irre schrein,
nicht durch kritik noch zweifel.
der teufel musz doch etwas sein;
wie gäb's denn sonst auch teufel?
Göthe I 14, 220 W.
β)
oft in verbindung mit modalen hilfsverben; wie mag, kann, möchte, könnte im sinne von 'keineswegs, schwerlich kann, könnte'; gotisch: hwaiwa (πῶς) mag satanas satanan uswairpan? Markus 3, 23. im deutschen:
wio mag sin mera wuntar,   thanne in theru ist thiu nan bar,
thaz si ist ekord eina   muater inti thiarna?
Otfrid II 3, 7 E.;
ih uuâno dû gehugest uuola, daz tû mih selba lêrtôst al daz mir zetûonne uuas unde zesprechenne. uuîo mahta ih tô missetûon? Notker 1, 33 P.;
wiste si den willen mîn,
liebes unde guotes des wurd ich von ir gewert.
wie möht aber daz nû sîn?
sît man valscher minne mit sô süezen worten gert,
daz ein wîp niht wizzen mac
wer si meine
Walther v. d. Vogelweide ged. 14, 24 Kraus;
wie (come) möcht ich in des abt kamern ligen, es ist so enge daz seiner münch keiner hat mügen darinn ligen Arigo decameron 69 Keller; wie kann ein satan den andern austreiben? Markus 3, 23;
wie möcht mir denn yetz basz gesein!
(1543) Hans Sachs 1, 439 lit. ver.;
wer andern leuten miszgünstig ist, wie kan er jhme selbsten viel gönnen Lehmann floril. polit. (1662) 2, 565;
glaubet nimmermehr,
dasz sie euch wohlgesinnt zum besten rathen!
wie könnten sies von herzen mit euch meinen,
den fremdlingen, dem eingedrungnen stamm ...?
Schiller 14, 28 G.;
wie hätte ... ein kaiser es wagen können, eine dem herrschenden system ... innerlich und wesentlich entgegengesetzte religiöse meinung in schutz zu nehmen Ranke s. w. (1867) 2, 4. elliptisch: wie könnt ich auch, liebe geliebte? maler Müller w. (1811) 1, 15. in fester wendung:
wie kan es anders seyn, da beyde sich so gleich?
König ged. (1745) 106;
sein auge will, wie kann es anders seyn?
zu gleicher zeit an jedem vorwurf kleben
Pfeffel poet. versuche (1802) 1, 14;
freilich wie möchte es auch anders sein Pückler briefw. u. tageb. (1873) 1, 111. elliptisch: quidni inquam? uuîo anderes chad ih? Notker 1, 259 P.; ebda 142. entsprechend in der fügung wie will, wollte 'keineswegs kann, könnte': o sprach er, mag ich das nit erlyden, wie wolt ich dann erlyden die aller grüselichst pyn der hellen Keisersberg bilgersch. (1512) B 3ᶜ; erberm es got das ein vngelerter, eergytiger, lusiger münch das gantz römisch reich regieren sol, wie will vnss immer hayl geschähen Eberlin v. Günzburg sämtl. schr. 1, 11 ndr.; wie wolt da ein fewr angehen, da nicht ein füncklein zu finden Lehmann floril. polit. (1662) 1, 170;
schweig, lästrer! ungerächt hört gott sich nicht verschmähn,
und wenn sein zorn erwacht, wie willst du ihm entgehn?
Giseke poet. w. (1767) 7.
γ)
wie soll, sollte ..., in demselben sinne wie die fügungen unter β gebraucht: vuiêo sol ih anderen geben drôst resurgendi, ube ih selbo sâr neirstân? Notker 2, 94 P.;
wie solt ich den geminnen der mir übele tuot?
mir muoz der iemer lieber sîn der mir ist guot
Walther v. d. Vogelweide ged. 26, 10 Kraus;
wer jhm selbs nichts guͦts thuͦt, wie solt er dann eim andern guͦts thuͦn sprichw., schöne weise klugreden (1548) 113ᵃ;
wie sollen dir itzt die starkmüthigen
Achäer einen preis gewähren? denn
gemeine sachen sind nicht aufbewahrt.
was wir aus städten raubten, ist getheilt
Bürger s. w. 143ᵇ Bohtz;
wie sollten sie zu einer nation verschmelzen, wenn die eine noch immer darauf sann, die andere zu vertilgen? Ranke s. w. (1867) 14, 38; wie soll man sich da noch auskennen! St. Andres Portiuncula (1954) 221. in anderen belegen nimmt wie die bedeutung 'warum, weshalb' an, ohne dasz in jedem fall eine klare scheidung vom voraufgehenden zu erreichen wäre: nec conueniebat captare me presidia uilissimorum spirituum ... uuîo solti ih tero ueruuorfenôn tîeuelo follest forderôn, sîd tu mih erhauen habest ze gotes kelîhnisse? Notker 1, 35 P.; magst aber kein kosten mit dim kind haben, wie söllen es dann frembde thuͦn im kloster Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 30 ndr.; weil die andern sprachen ... sich nach dem gebrauche endern, wie solte solches der deutschen benommen seyn? Gueintz dt. rechtschrb. (1666) 5;
herr! mit kindlichem vertrauen
hang ich dennoch fest an dir,
o wie sollte mir noch grauen?
vater, du verzeihest mir!
Uz w. 185 Sauer.
δ)
die verneinte frage wie sollte nicht ...? entspricht einem positiven aussagesatz, der etwa eingeleitet wird durch natürlich, selbstverständlich muszte (muszten) ...:
also wie solten menschlich sachen,
nicht auch heut schwachen, brechen, krachen,
dieweil disz, darauff man sonst gründet,
als das hertz, sich faul vnd falsch findet?
(1588) Fischart w. 1, 279 Hauffen;
wie sollte das nicht freuen Pückler briefw. u. tageb. (1873) 1, 258; wie hätten diese weihrauchswolken den Franzosen nicht das hirn bethören sollen? Treitschke dt. gesch. (1897) 4, 17. elliptisch: jubelte die menge dem Gaius Marius entgegen; wie sollte sie nicht? Mommsen röm. gesch. 2 (1865) 199. auf eine frage antwortend, im sinne von 'natürlich habe ich ...': (A.:) haben sie (anrede) Bürgers homerische proben gelesen? (B.:) wie sollt' ich nicht? Bürger s. w. 175ᵇ Bohtz; Platen ges. w. (1839) 248; hast du das lied jenes guten mannes gehört? fragte er ihn dann. wie nicht? sprach der sohn, hat er es doch laut genug gesungen Tieck schr. (1828) 4, 177.
3)
häufig deutet wie auf grad oder ausmasz; dabei hat es oft steigernde funktion im sinne von 'wie sehr'. dieser steigernde gebrauch bleibt der direkten frage fremd, findet sich jedoch regelmäszig im ausruf und oft in abhängiger frage (aussage); so schon gotisch: sai, hwaiwa frioda ina (ἴδε πῶς ἐφίλει αὐτόν) Joh. 11, 36; ... jah guþ, hwaiwa weihaba jah garaihtaba jah unfairinodaba izwis ... wesum (ὡς ὁσίως καὶ δικαίως καὶ ἀμέμπτως ὑμῖν ... ἐγενήθημεν) 1. Thess. 2, 10 (Luther: des seid jr zeuge vnd gott, wie heilig vnd gerecht vnd vnstrefflich wir bey euch ... gewesen sind). die steigernde funktion zeigt sich neben den verschiedenen wortarten in sehr verschiedenem masze.
a)
sie wird neben einem verbum verhältnismäszig selten sichtbar:
tho ahtotun thie liuti   wio er nan minnoti
Otfrid III 24, 71 E.;
armman zuo der werlte und wider got,
wie der fürhten mac ir beider spot!
Walther v. d. Vogelweide ged. 13, 10 Kraus;
... wenn wirs auch dem ritter klagten
wie der riesz vns plaget?
(1598) J. Ayrer dramen 1667 Keller;
es ist nicht zu glauben ..., wie michs vertrosse Grimmelshausen 2, 349 Keller;
seele des menschen,
wie gleichst du dem wasser!
schicksal des menschen,
wie gleichst du dem wind!
Göthe I 2, 57 W.;
nun seht doch ..., wie er sich freut, dasz ein anderer ihm seine tollen streiche nachmacht E. T. A. Hoffmann s. w. 6, 134 Gr.;
wie schmerzt mich alles! mein kopf
ach gott, meine schläfen! wie spür ich mein kreuz!
(1914) Werfel die Troerinnen (1918) 23; 24.
die negation ändert nicht den positiven charakter der aussage:
wie wolt ich nicht die laute zwingen,
dir nach verdienst ein lob zu singen!
(1722) Günther ged. (1735) 178;
allein wie stutzt er nicht, als er den gott erblickt!
Pfeffel poet. versuche (1802) 1, 15;
wie fühlte nicht ein solcher mann die fesseln der philisterey Göthe IV 31, 45 W.
b)
dagegen hat wie vor einem mit attribut verbundenen substantiv meist steigernde funktion.
α)
besondere hervorhebung verdient die in frage und ausruf begegnende verbindung wie ein vor substantiven mit adjektiv; vgl. was für (ein) unter wer, was I B 2 b teil 14, 1, 2, sp. 99 f. und welch (ein) unter welch A 1 teil 14, 1, 1, sp. 1347 ff. in älterer sprache kann der unbestimmte artikel auch bei konkreten begriffen fehlen: quantus uvieluzil (zu: ecce quantus ignis quam magnam silvam incendit! Jacobus 3, 5) (um 1070) ahd. gl. 1, 785, 63 St.-S.;
'inti thu ni hortos hiar in lante   fon themo heilante,
ist thir unkund ouh nu thaz,   wio diuri forasago iz was?'
Otfrid V 9, 24 E.
im übrigen kann er, bis in die gegenwart, nur bei abstraktem begriff fehlen: nec intellegitis, quantam iniuriam faciatis conditori vestro noh ir neuuizent nîeht, uuîo michela unera ir gote tûont Notker 1, 94 P.;
hei wî grôz untrûwe daz was
Lamprecht Alexander 4557 Kinzel;
wee wie grosser gwalt ist do geschehen (15. jh.) Tristrant u. Isalde 91, 34 Pfaff; die baurn wusten nicht, wie köstlich ding es sey umb friede und sicherheyt Luther 18, 394 W.;
mit wie leichtem herzensregen
horchet ihr der glocke nicht,
die mit zwölf bedächt'gen schlägen
ruh und sicherheit verspricht!
Göthe I 2, 120 W.
sonst fordert die sprache stets den unbestimmten artikel ein, der mhd. zwischen adjektiv und substantiv treten kann:
sehen wie trureclich ein leben
ime ze lebene wart gegeben
Gottfried v. Straszburg Tristan 2011 Ranke;
ouwê wie süeze ein arebeit!
Walther v. d. Vogelweide ged. 19, 24 Kraus;
vgl. J. Grimm dt. gramm. 4 (1898) 493. in der regel steht der artikel vor dem attribut: o kinder, wie ein edel fruͦhtber ... leben wurt geborn in sterbende! Tauler pred. 121, 11 Vetter; o wye gar ain schwäre härbe frucht ist unkeuschait (1474) Albrecht v. Eyb spiegel d. sitten (1511) C 4ᵇ; darauss leychtlich zu mercken ist, wie ein weysser man bock Emsser sey Luther 7, 680 W.; o wie ein selige ehe unnd hausz were das (1520) ebda 6, 254; wie ist gott so ein reicher gott! ders., tischr. 5, 16 W.; wie eine schwere pilgramfart habt jhr vor eüch (1643) Moscherosch insomnis cura par. 23 ndr.; so sieht man erst wie ein armseliger behelf es ist Göthe I 19, 224 W.; wie hat der baum eine kalte rinde! O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 224. erst in jüngerer sprache ist voranstellung des unbestimmten artikels üblich geworden: eine wie eitle matrone (ist sie)! Gutzkow zauberer v. Rom (1858) 4, 134; eine wie freundlich-eigenwillige ... macht ist der stil! Th. Mann zeit u. werk (1955) 479.
β)
bei pluralischem gebrauch fehlt der artikel: ich gedencke, wie gar geneme ... tage wir haben werden (1472) Albrecht v. Eyb dt. schr. 1, 64 Herrmann; o wie gar ellende mutter sein sie gewest ...! (1472) ebda 1, 83; ja ihr glaubt nicht, wie er den huren so schöne kleider machen können (1669) Grimmelshausen Simpl. 118 Scholte;
frommer gott! wie hätte Phöbus so beschabne kleider an
(wenn nämlich alle leute mäszig wären)
Grob dichter. versuchgabe (1678) 45;
für wie kurtz- und flüchtige, für wie schändlich- und unflätige freuden verkauft oder vertauscht man die ewige! Kramer t.-ital. 2 (1702) 1344ᶜ; Gerstenberg (hat) wie schöne stücke der alten Dänen übersetzt gegeben Herder 9, 533 S.; wie gewaltiger kämpfe es noch bedürfen würde ..., das ahnten die wenigsten Fontane vor dem sturm (1959) 505 Coler.
γ)
gleiches gilt von wie in verbindung mit den unbestimmten mengenadjektiven viel, wenig, manch: erwägen sie nun, wie viele erdensöhne man ... ihrer mutter zurückgab Ayrenhoff w. (1814) 1, 15;
dann sag ich euch auch, in wie wenig tagen
den weg man macht
Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 21;
aus wie vielen elementen
soll ein echtes lied sich nähren?
Göthe I 6, 14 W.
oft mit attributivem oder substantivischem manch; vgl. so manch, gar manch und verstreute (nhd.) belege für wie manch im ausrufesatz unter manch 4, teil 6, sp. 1526 ff.: uuîo manige suhte, uuîo chreftige suerden sî (nämlich: des lîchamen lustsamî) gibet tîen iro spulgentên Notker 1, 160 P.;
wie manic gâbe uns ist beschert
von dem der uns ûz nihte hât gemachet!
Walther v. d. Vogelweide ged. 20, 17 Kraus;
wie ist so mancher bidermann
vernünftig gnuͦg, wenn wyn nit wär!
(1548) H. R. Manuel weinspiel v. 2121 ndr.;
wie manchem hat der krieg genommen
was jhm vorhin das glücke gab
Königsberger dichterkreis 48 ndr.;
ach ja, wie manches mal
hast du mit süszen worten
mir aufgethan die pforten
Paul Gerhardt in: ev. kirchenlied 3, 343ᵇ Fischer-Tümpel;
wie läszt du mich so manchen schmerz
und grosze angst erfahren!
Paul Gerhardt ged. 214, 75 Goedeke;
wie manches blieb noch zu besprechen Göthe IV 27, 199 W.
δ)
auf die ältere sprache beschränkt bleibt ein aus der verwendung mit attribut (s.α) entwickelter gebrauch ohne adjektiv; zufrühest in glossenhss. d. 11. jhs. für lat. quantus; s. ahd. gl. 2, 472, 66 und 659, 16 St.-S.;
mein lieber Diocletian
luͦg wie einen lib ich han
der ist mit willen dir bereit
Hans v. Bühel Dyocletianus leben 805 Keller;
owê, welch (var. wie) ein scheiden dâ ergât
von dem herren Dietrîche
Dietrichs flucht 4342, in: dt. heldenbuch 2 Martin.
bei pluralischem gebrauch fehlt der unbestimmte artikel: wie seit jhr thoren sprichw., schöne weise klugr. (1548) 159ᵇ;
sy werffends einandren vmb die köpff,
luͦg einer zuͦ, wie sind das knöpff!
(1548) H. R. Manuel weinspiel v. 1756 ndr.
wie zielt in belegen dieser art jedoch mehr auf die allgemeine beschaffenheit, nicht auf den besonderen grad; deutlich in folgenden belegen: man siehet wol, wie es ein ding ist umb den hauffen: wenn man yhm eine handbreyt erleubt, so nympt er vier und zwentzig elen (1527) Luther 24, 677 W.; ich wölt dir noch zaigen, wie dein sun ain man wäre (qualis sit) Albrecht v. Eyb dt. schr. 2, 44 Herrmann; so dorffte er auch nit fragen, wie es damit eine gestalt hette volksb. v. dr. Faust 50 Petsch; wie hat's eine gestalt? J. Böhme s. w. 2, 77 Schiebler; bisz ich zuvor sehe, wie desz grafen von Götz seine sach einen auszgang gewinnet (1669) Grimmelshausen Simpl. 369 Scholte.
c)
vor allem steht grad- und maszerfragendes (steigerndes) wie mit adverb oder prädikativem adjektiv.
α)
in direkter und indirekter frage:
wio lango (quousque) so firdragen wir   thaz thu unsih spenis sus zi thir?
Otfrid III 22, 11 E.;
uuîo sâlîg pist tu nû? Notker 1, 154 P.;
wie stæte ist ein dünnez îs,
daz ougestheize sunnen hât?
Wolfram v. Eschenbach Parzival 3, 8 L.;
seht wie rôt mir ist der munt
Walther v. d. Vogelweide ged. 39, 28 Kraus;
(er soll bedenken) wie grosz, wie mächtig, wie weisz, wye gütig und wie gerecht der sey ..., den er hat belaidigt Albrecht v. Eyb spiegel d. sitten (1511) A 2ᵃ; du sihest, wie weit du von der volkummenheit bist Keisersberg brösamlin (1517) 1, 20ᵃ;
du gloubst nit, wie ich bin so arm
(1548) H. R. Manuel weinspiel v. 1384 ndr.;
denn ich seh in allen dingen,
wie so gut ers mit mir meyn
Paul Gerhardt in: evang. kirchenl. 3, 347 Fischer-Tümpel;
wie theuer gibt man das pfund? à quanto si dà (vende) la libra? Kramer t.-ital. 2 (1702) 1345ᵇ; wie weit ist es denn nun mit der popularität der alten sylbenmasse? A. W. Schlegel in: Athenäum (1798) 1, 1, 49;
bedenk im ernst wie lange du gezaudert
Göthe I 2, 15 W.;
wie so bunt der kram gewesen,
musterkarte, gib's zu lesen!
ebda 2, 47 W.;
wenn man bedenkt, wie die unschuldige jugend so schrecklich irre geführt wird Jung-Stilling s. schr. (1835) 3, 478; doch erkannte er nüchtern, wie unhemmbar diese nationale begeisterung dahinflutete Treitschke dt. gesch. (1897) 1, 257. — ein in abhängiger frage in obd. und md. maa. verbreitetes wie-dasz (nd. wo-dat Mensing schlesw.-holst. 1, 687ᵃ) erscheint vereinzelt auch literarisch:
ihr seht, wie gnädig, mild und gütig das ich bin
(Göthe) Joseph v. 1445 Piper.
β)
im ausruf. die wortstellung entspricht bald der direkten, bald der indirekten frage. satzglieder können zwischen wie und das zugehörige adv., adj. (partizip) treten: uuio unodo (quam difficile) thie dar scaz habent in gotes richi ingangent! Tatian 106, 4; uuîe scône sint dîne spunne ('brüste'), suester mîn gemahela! Williram hohes lied 64, 1 Seem.; uuîe scône du bist, frûintin mîn, uuîe scône du bist! ebda 54, 1;
wie wol daz nû gedienet wart
und wie schône er sîn genôz!
Hartmann v. Aue armer Heinrich 286; 287 Paul-L.;
wie süsse vns düncket und wie mit so grosser inprünstiger begirde wir begern vnser enpfangne widerrisse (l. widerdrisse?) zu rechen Arigo decameron 211 Keller; wie trewlich sie den weingarten Sabaoth erbawt haben J. Nas antipap. eins u. hundert (1567) 1, 120ᵃ;
ach grimmer tod, wie kumbst so bal!
Hans Sachs 1, 434 lit. ver.;
in gärten merck ich eben
die schöne blümelein,
wie frewdig sie da schweben,
wan windt nur spilt hinein
(1649) Spee trutznachtigall 112 ndr.;
wie ist die welt doch so überweise worden! Lessing 8, 17 L.-M.;
wie eng-gebunden ist des weibes glück!
Göthe I 10, 4 W.;
wie klingt es rührend wenn der dichter singt,
den tod zu meiden, den das scheiden bringt!
ebda 3, 20;
wie so lieblich
sie in die brust den athem ziehn (die kindlein)
(1804) Tieck schr. (1828) 1, 64;
wie war das neugeschenkte leben reizend!
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 115.
eine hinzutretende negation ändert nicht den sinn des satzes: quotiens s. memini conquestos deos super eiusdem coactione et instantia ... uuio ofto nehorta ih tie gota sih chlagon iro nôtegungo unde iro duingennes Notker 1, 729 P.;
wie sehnlich hat man nicht gehofft
dein wiederkommen zu vernehmen!
Stoppe Parnasz (1735) 5;
wie einleuchtend ist nicht die ähnlichkeit M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 8 vorr. mit ersparung des subjekts und verbs:
wie schön und wie herrlich, nun sicher einmal
im herzen des liebsten regieren!
Göthe I 11, 287 W.;
wieder ist, wie bald! wie bald!
mir ein jahr dahingeschwunden
Lenau ged. (1857) 1, 105;
hier sah er ... abwechselnd auf das tor und dann wieder nach dem Tiergarten zu ... 'wie schön' Fontane ges. w. (1905) I 5, 156.
γ)
grad- und maszbezeichnendes wie begegnet gelegentlich auch vor dem komparativ, im sinne von '(um) wieviel'. im gotischen: hwaiwa mais 'wieviel mehr' Matthäus 6, 30; vgl. auch den instrumental hwe mit komparativ ebda 5, 47. im ahd.: quanto magis a malis uerbis ... debet cessari huueo meer fona vbileem vvortum ... sculi pilinnan (Benediktinerregel) kl. ahd. sprachdenkm. 208, 32 Steinm.; ebda 230, 2;
wio min giloubit thanne,   ob iz wirdit wanne,
thaz ih biginne bredigon,   fon himilriche redinon?
Otfrid II 12, 59 E.;
vgl. dazu wieviel 2 (mit komparativ); ferner: huuemihhiles bezira (quanto magis melior) Monseer fragm. 4, 25 Hench; vvuo mihhiles (-o) mer (quanto magis) Tatian 38, 5; 40, 7; 44, 16; wio harto mihiles mer (quanto magis) Otfrid II 22, 39 E.; wio harto mer ebda IV 11, 49. — nhd. belege finden sich erst seit dem ende des 18. jhs., ohne bindung an ein bestimmtes dialektgebiet. ein zusammenhang mit den ahd. zeugnissen ist trotz des (vereinzelten) frühnhd. beleges: das gefelt mir wie ('desto') mer (1486) H. Neidhart Eunuchus 67 lit. ver. wenig wahrscheinlich; vermutlich liegt eine neuentwicklung vor im anschlusz an den zahlreich belegten gebrauch mit dem positiv von adjektiven und adverbien. in der (abhängigen) frage:
... dasz du erfahrst,
wie mächtiger ich sey
Bürger s. w. 144ᵃ Bohtz;
fühlen ..., wie besser er sich auf das leben verstehe O. Ludwig ges. schr. (1891) 1, 171. im ausruf: wie edler spricht die schrift hierüber! (1798) Herder 20, 262 S.; ja, wie mehr als ein hahn ist ein hahn Brentano ges. schr. (1852) 5, 89. in verkürzter rede:
lös't die erinnerung des gleichen schicksals
nicht ein verschloss'nes herz zum mitleid auf?
wie mehr denn meins!
Göthe I 10, 81 W.;
Tieck schr. (1828) 1, 66. ferner auch mit anders: wie anders als jener weinerliche Ansbacher wusste Friedrich Gentz zu seinem volke zu reden Treitschke dt. gesch. (1897) 1, 236; wie sich das hier ganz anders ausnimmt Polenz Grabenhäger (1898) 1, 10. korrelatives wie-wie mit komparativen im sinne von 'je-je', 'je-desto', lat. quanto-tanto (eo) begegnet (in obd. belegen) seit dem frühnhd.; vgl. auch synonymes so-so (je) teil 10, 1, sp. 1375, je-je (desto, umso) teil 4, 2, sp. 2281f., desto-desto (um so) teil 2, sp. 1034:
wie bösers mensch, wie bessers glück
J. Ayrer dramen 2977 lit. ver.;
wie mehr bramines darzu eingeladen worden wie grosser die unkosten sind Chr. Arnold offne thür (1663) 73; wie lieber das kind, wie ... schärffer die ruht Kramer t.-ital. 2 (1702) 1344ᶜ; wie bräver du bist, wie bälder kommt sie Ganghofer mann im salz (1932) 47. in den hochdt. mundarten ist es allgemein verbreitet, in der Schweiz, im Elsasz, in Schwaben, Bayern, Tirol und Kärnten. auch dem md. (Sachsen, Rheinland) fehlt es nicht. nd. (schon mnd.) entspricht lautgerecht wo-wo (Schleswig-Holstein, Oldenburg, Ostfriesland), das gebietsweise auch im md. gilt (Hessen, Saarbrücken). korrelatives wie-desto begegnet literarisch in obd. quellen: wie unzweideutiger die freundschaft zu sein scheint, desto mehr glaubt man ein ausschlüszliches recht darauf zu haben Eckartshausen d. prinz u. sein freund (1789) 33. wiederholt bei Lavater, z. b.: wie mehr, wie reiner, wie duldsamer, wirksamer, allgemeiner du liebst, desto verehrenswerther bist du dir selbst und allen, die dich als solchen kennen pred. üb. d. br. Pauli an Philemon 1 (1785) 365; wie grösser der staat, desto nöthiger ein könig handbibl. f. freunde (1792) 6, 245. md.: we mī, deste mī 'je mehr, desto mehr' Tonnar u. Evers Eupen 226. — belege zu wie-je s. teil 4, 2, sp. 2283.
B.
in nicht satzeinleitendem, absolutem gebrauch (vgl. schon oben die verwendung in elliptischen fügungen unter A 1 a γ, 2 a β und c δ sowie unter 3 c β).
1)
überwiegend für sich stehend (oder mit andern frageworten) in mannigfacher anwendung.
a)
als rhetorische frage: fone diû gescah imo sus. uuieo? demo unuuizzigen fehe uuard er geebenot Notker 2, 187 P.; so noch heute möglich. als echte frage:
wie? wann? und wo? — die götter bleiben stumm!
du halte dich ans weil, und frage nicht warum?
Göthe I 2, 216 W.;
anfangs wollt' ich fast verzagen
und ich glaubt', ich trüg' es nie;
und ich hab' es doch getragen, —
aber fragt mich nur nicht: wie?
H. Heine s. w. 1, 33 Elster;
'ja,' sagte ich sehr zweifelhaft, 'aber wie und wo?' H. Seidel Leberecht Hühnchen (1899) 46. die rede unterbrechend zum ausdruck eines zweifels:
ihr ehmann, wie mir scheint,
nennt sich — ja wie? — Hanns Wurst!
Cronegk schr. (1771) 1, 7.
als rückfrage, wenn man eine äuszerung nicht verstanden hat; frz. comment?: wie sagt ihr, wie? ich verstehe euch nicht? come dite? io non v'intendo? Kramer t.-ital. 2 (1702) 1343ᶜ; 'als ein höfliches fragewort für das härtere was gebraucht' Adelung versuch e. wbs 5 (1786) 207; noch höflicher: wie bitte? ähnlich: '... ist es nicht so?' — 'wie meinen?' fragte herr Palmer etwas argwöhnisch Ina Seidel tor d. frühe (1952) 484. — als interjektion, aufforderungspartikel im obd.: hay wia! 'hurtig, geschwind!' (1787); wie, lasz seheⁿ! o. ä. allgem. Fischer schwäb. 6, 806; wiə, las schaue ̃! wiə, wo tuəts də' denn wê? usw. Schmeller-Frommann bayer. 2, 827; wiε? gea wek! 'halt, geh weg!' Schatz Tirol 704. meist als ausdruck ungläubigen erstaunens, der verwunderung, überraschung und dgl.:
(ein ritter:) 'waisz got, ir lasset di frauwen hie!'
Archilan sprach also: 'wie?
desz mag nit wol noch gesein'
Heinrich v. Neustadt Apollonius 19 048 Singer;
wie?
ein tempelherr, dem sultan Saladin
das leben liesz? durch ein geringres wunder
war Recha nicht zu retten? gott!
Lessing 3, 7 L.-M.;
er hat geschossen? wie? der rasende!
Schiller 14, 364 G.
überwiegend mit nachfolgendem fragehauptsatz:
wie, sprich, hastu mich dingt zum knecht,
dasz du mir hie gebeutst so schlecht?
(1551) Scheit Grobianus v. 1676 ndr.;
wie, Teutschland, schläffst du noch? Rist d. friedewünsch. Teutschl. (1648) 36; wie, es gereut ihn? das sey ferne, werther herr mitbruder! Lenz ges. schr. 1, 63 Tieck;
(Iphigenie:) wie? sinnt der könig, was kein edler mann
...
je denken sollte? sinnt er vom altar
mich in sein bette mit gewalt zu ziehn?
Göthe I 10, 11 W.
in die überraschung und das erstaunen mischen sich stärker unwille und zorn, worauf auch die sprachliche umgebung hinweist:
wie, murrt er, trügerischer wein!
sollst du der sorgen tröster seyn
und kannst nicht meiner schwermuth wehren?
Hagedorn poet. w. (1769) 3, 185;
wie zum teufel? du wirst doch den verlohrnen sohn nicht spielen wollen? Schiller 2, 225 G. vor fragesätzen mit negation unterstreicht wie? etwa im sinne von 'nicht wahr?' die in diesen sätzen enthaltene aufforderung, das gesagte zu bejahen, ihm zuzustimmen:
wie! seh' ich nicht Eufrosillen,
unsre schöne schäferinn?
ja sie tantzet mit Myrtillen
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 461;
wie? hab ich dir nicht alles froh geopfert,
was mehr geachtet wird als gold und perlen,
und sollte jezt mein glück für mich behalten?
Schiller 13, 198 G.;
mit nachstellung des fragewortes, wie bei was (s. wer, was I B 1 c α teil 14, 1, 2, sp. 95): 'das wäre was, wie?' sagte er. 'ich schlage mich mit den Moslems, und mein sohn läuft hier herum als beschnittener!' Feuchtwanger die Jüdin von Toledo (1956) 292; erst kommt der pächter, wie, herr Iberin? Brecht rundköpfe (1957) 202.
b)
eine vorangegangene äuszerung, ansicht, vermutung und dgl. in frage stellend, geht wie einem durch disjunktives oder eingeleiteten fragesatz unmittelbar voraus: ich halte dafür, dasz uns Quintilius Varus ... zu beschimpfung unserer vorhin so hoch herausgestrichenen tapferkeit fürgesetzt sey. ... wie, oder wil Rom durch ihn ... Deutschland ... weibisch machen? Lohenstein Arminius (1689) 1, 18ᵇ;
ich säng im stillen hain, und seufzte wie ein thor,
dem echo meine quaal in schäferpossen vor.
wie oder sollt ich mir, durch ein satyrisch lachen,
wie vormahls Mezeray, den thoren zinsbar machen?
Dusch verm. w. (1754) 334;
wo bin ich? ist die welt vor mir verschwunden?
wie? oder hält der abgrund mich gebunden?
Pfeffel poet. versuche (1802) 1, 8.
umgangssprachl. vgl. noch: (Ansorge:) nu sag uns amal deine meinung, Moritz ... werd das nu hier amal andersch werden mit uns webern, oder wie (denkst du darüber)? Gerhart Hauptmann die weber (1892) 35.
2)
mit nicht fragenden partikeln; oft (wenn auch nicht durchweg) vor fragen, diese gleichsam vorbereitend, ankündigend. wie nu(n)?: vuieo aber nu? Notker 2, 369 P.;
wie nû, mîn her Keiî?
nû sprechent ir doch, ir sît vrî
valscher rede: wie schînet daz?
ir zeigt doch iezuo grôzen haz
diseme guoten knehte (Iwein)
Hartmann v. Aue Iwein 2509 Benecke-L.;
wie nu, junkfrau wolgetan,
wist ir nit was ich kan?
fastnachtspiele 2, 617 lit. ver.;
ich schweig vnd gieng davon, dacht vnter wegs bey mir,
wie nun, herr bräutigam, wer sagt die sachen dir?
(1624) Zinkgref auserl. ged. 32 ndr.;
'wie nun? Schakespearn die erregung der leidenschaften ... streitig zu machen? was bleibt ihm übrig?' Gerstenberg schlesw. lit.-br. 112 lit.-denkm. wie da (dann)? s. auch die belege im mhd. wb. 3, 572ᵃ. mit nachfolgender frage:
er sprach 'wie dô? nû sage mir
ob dirre kouf gevalle dir
wol'
Rudolf v. Ems guter Gerhard 2390 Haupt.
mit folgender antwort: erraverunt a uentre sie feruualloton fone demo bûche, dâr uuârhêit ist. vuiêo do? locuti sunt falsa Notker 2, 218 P. u. ö.;
dasz weib umbgiebt den mann, der jungfrau wird vertraut
der held. wie da? sie ist dasz brauttbett und auch braut
Angelus Silesius cherub. wandersmann 88 ndr.
nach einem bedingungssatz: wenn du aber Metzen sehen würdest ..., wie da? Albrecht v. Eyb dt. schr. 2, 141 Herrmann; wenn ich ihnen nun aber beweise, dasz er (Gottsched) diese verabscheuung nur vorgiebt ...? wie da? (1760) Lessing 8, 224 L.-M.; wenn er (Galotti) ... Emilien, anstatt sie nach der stadt zu führen, mit sich nimmt? bey sich behält? wie dann? ebda 2, 439. in verbindung mit denn (älter dann), um der frage mehr nachdruck zu verleihen: (einsiedler:) hat sie ihn niemals anders genennet? (Simpl.:) ja, sie hat. (einsiedler:) wie dann? (1669) Grimmelshausen Simpl. 25 Scholte. mit nachfolgender frage: quid igitur inquam? uuîo danne chad ih? nemag nû nîeht sîn, daz mit rehte heizen sule casus alde fortuitum? Notker 1, 307 P.; wie dann? thut es jhm so wol ...? Fischart Garg. 161 ndr.; wie denn, wenn das nicht armuth der kunst ist ..., was soll es denn seyn? Lenz ges. schr. 2, 338 Tieck; ja ... wie denn? hingeschlagen? Gerhart Hauptmann die weber (1892) 14. ähnlich wie aber? mit nachfolgendem fragesatz:
wie aber, seh ich nicht den tapfren Arpus eilen?
bei Lohenstein Arminius (1689) 1, e 4;
wie aber? — — schweigst du noch?
Lessing 5, 99 L.-M.
ebenso aber wie: aber wie? möchte mancher zu mir sagen, wer bist du? dasz du dich unterfängst ... Chr. Thomasius kleine teut. schr. (²1707) 87. üblicher in rhetorischer frage, abwertend oder steigernd (so noch heute verbreitet umgangssprachlich): das weib that zwar, was ihr befohlen war, aber wie? (schlecht, nicht in der rechten weise) Grimmelshausen 2, 357 Keller;
und z'frieden san die hausknecht nie;
da derfst es zahlen, aber wie (stark, sehr, ganz gehörig)!
Karl Stieler ged. 1, 67 Reclam.
nachgestelltes und wie! in steigernder verwendung (s. auch den vorausgehenden beleg von Stieler), verbreitet umgangssprachlich und mundartlich. obd.: s rëjⁿᵉt, unᵈ wiᵉ! 'es regnet sehr heftig' Martin-Lienhart elsäss. 2, 778ᵃ; heut ists kalt, und wie! Fischer schwäb. 6, 806; ferner Jakob Wien 219ᵃ; Schatz Tirol 704. md.: hast du ordentlich gegessen? na und wie! Müller-Fraureuth obersächs. 2, 664ᵃ; ferner Wrede Köln 3, 278ᵃ; wb. d. Elberf. ma. 175ᵃ. in älterer sprache als wie, nach dem grund fragend, 'weshalb', 'wieso':
di (herren) hietten dich vil gerne hie.
waistu aber als wie?
Heinrich v. Neustadt Apollonius 9833 Singer;
do sprach der kouffman: hör mich, du bist diser kouffmanschaft gar unwiszend. Xanthus sprach: als wie? (ecquid ista dicis?) (um 1477) Steinhöwel Äsop 46 lit. ver. in der modalfrage, 'auf welche weise': (Petz:) du magst mich gesundt machen ... (Metz:) als wie? sage an! Albrecht v. Eyb dt. schr. 2, 126 Herrm.
3)
des öftern vertritt auf ellipse beruhendes wie (besonders nach wissen) den fragesatz, den es sonst nur einleitet (s. oben A 1 c): modum desideras? uuile du uuizen uuîo? Notker 1, 29 P.;
dô sprach er 'bistuz Gringuljete?
daz Urjâns mit valscher bete,
er weiz wol wie, an mir rewarp'
Wolfram v. Eschenbach Parzival 540, 19 L.
finalen sinn annehmend, 'wozu':
mich hât mîn veter Gaschier
her brâht, er weiz wol selbe wie
ebda 47, 11.
elliptisches wie begegnet auch nach sagen und râten, s. mhd. wb. 3, 572ᵇ und 573ᵃ; desgl. nach hœren, prüeven, lêren, s. Wolfram v. Eschenbach Parzival 323, 15; 502, 30; 635, 13 L. im affekt wird die wendung weisz der teufel wie gebraucht, um auszudrücken, dasz ein nicht eingeweihter es nicht wissen kann: der inschenier leitet das wasser in alte räder oder — weisz der teufel wie — grad in's triebwerk H. Federer berge u. menschen (1911) 585. öfter zeigen die belege die fügung ich, man usw. weisz nicht wie:
ougen nebel
hât dich bî liehter sunnen hie
mir benomn, jan weiz ich wie
Wolfram v. Eschenbach Parzival 302, 16 L.;
gang yn die apoteck und kauff ich weisz nit wz vnd bruchs ich weisz nit wie Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 86ᵃ; attrectare uxorem alterius eines anderen weyb beruͤren, oder mit jren vmbgon ich weisz nit wie Frisius dict. (1556) 135ᵇ; es ist mir ich weisz nicht wie! mi è (mi sento) non sò come! Kramer t.-ital. 2 (1702) 1343ᶜ;
mich ergreift, ich weisz nicht wie,
himmlisches behagen
Göthe I 1, 121 W.;
da ist der tod da, man weisz nicht wie Fontane ges. w. (1905) I 6, 30. vgl. auch: (der knabe war) schon verschwunden, ich begriff nicht recht wie Göthe I 25, 36 W. zur bezeichnung eines hohen grades in der wendung (ich) weisz nicht wie: es chutet (der wind saust) weis nid wie Hunziker Aargau 296. dem ahd. mhd. typ ne weiz wio (wie) ..., z. b.: eiusque studio comparatas habere quam plures in famulitio disciplinas unde umbe iro minna ze dîeneste gechoufet haben neuueîz uuîo manige disciplinas Notker 1, 727 P.;
dô truoc der helt milte
ûf einem hermîn schilte
ine weiz wie manegen zobelbalc
Wolfram v. Eschenbach Parzival 18, 7 L.,
entspricht im nhd. der (umgangssprachlich) weit verbreitete typ wer weisz wie ..., z. b.: es ist wer weisz wie lang her O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 90. wohl daraus gekürzt weisz wie: er het geblueteⁿ, weisz wiᵉ! 'über die maszen, sehr' Martin-Lienhart elsäss. 2, 870ᵃ (s. v. wissen); i hànn m' wáss wie derfreart, er ist wáss wie hergifàll·n, ich will der wáss wie ȃ wátsche gèb·n etc. Lexer Kärnten 257. in verbindung mit frageadverbien, nach verschiedenen verben. mit lokalem adverb (besonders wo); s. auch unten Hans Sachs und Luther: man hort das feindlich geschrey, wiszt doch niemant woher oder wie Carbach Livius (1533) 179ᵇ;
Aeneas stund in ängsten da
erschrocken, wuszt nit wie vnd wa
('nicht ein noch aus')
Spreng Äneis (1610) 120ᵃ;
(schüler:) das sieht schon besser aus! man sieht doch wo und wie?
Göthe I 14, 95 W.;
wo es galt, die höhe eines mastbaums oder eines thurms zu berechnen, wenn zwei dimensionen und der winkel gegeben sind, machte ich mich fröhlich ans werk. man sah doch, wo und wie Heyse jugenderinn. (1901) 31. — mit temporalem wann (wenn); s. auch unten Luther:
nu sih et wenne oder wie,
und füeg daz er mich spreche hie
Wolfram v. Eschenbach Parzival 22, 3 L.;
kein bliben ist in diser zit,
wir farend all dahin ferr und wit;
...
es weiss ouch niemand wann oder wie
N. Manuel 1 Bächtold;
des hab man acht auff ire redt,
wie, wo und wenn, wie, wer, warumb,
bisz man zu grund der warheit kumb!
Hans Sachs 8, 499 lit. ver.;
'sage deutlicher, wie und wenn;
du bist uns nicht immer klar.'
'gute leute, wiszt ihr denn,
ob ich mir's selber war?'
Göthe I 3, 305 W.
mundartlich: er weesz nich, wie oder wenn 'er weisz sich gar nicht zu helfen' Müller-Fraureuth obersächs. 2, 664ᵃ. — mit kausalem warum (s. auch Hans Sachs im voraufgehenden):
ouwê wie bistu mir benomen?
ichn weiz war umbe ode wie
Hartmann v. Aue Iwein 1461 Benecke-L.;
als er vns des khundtlich bewisen hat, wie vnd warumb (er so gehandelt habe) (1347) bei J. A. Brandis hauptleute v. Tirol (1850) 62; es freut mich dasz (der schauspieler) Wolff gefallen hat, und durch dich (Zelter) zu wissen wie und warum (1816) Göthe IV 27, 3 W.; dasz einer ... wenn er drei oder vier stunden gelaufen, wieder da ankäme, von wo er ausgegangen — ohne zu wissen, warum und wie Scheffel ges. w. (1907) 4, 18. — mit finalem wozu: wie sonderbar nun, dasz sich nationen auf die stätte zur arbeit drängen, ohne zu wissen, wie? und wozu? Herder 5, 563 S.besonders mit was: (sie) sagen doch nicht, wie odder wenn, wo odder was, sondern sollts erfaren selbst Luther 18, 137 W. namentlich nach wissen:
er sprach 'frauwe, wist ich waz
und wie, so schribe ich dester baz,
waz diz betütet daz ich sehe'
Heinrich v. Neustadt gottes zukunft 188 Singer;
(der richter:) wenn wir dann wüssend, was und wie,
so könnend wir ein vrtheyl fellen
(1548) H. R. Manuel weinspiel v. 2077 ndr.;
wartete Diederich unbedingt auf weiteres: eine heranziehung, eine vertrauliche verwendung, er wuszte nicht wie und was H. Mann d. untertan (1952) 244; jetzt weiss iᶜʰ erst net wie und wa(s) 'woran ich bin' Fischer schwäb. 6, 459; he weet nich wo off watt Stürenburg ostfries. 334ᵃ.
4)
seit dem 18. jh. oft (früher nur vereinzelt) substantiviert das wie 'die art und weise', alleinstehend oder mit anderen fragewörtern (vgl. auch das vorausgehende): da Adam wolt stolziren vnd mit dem wie? vmbgehen, da wardt ein wehe drausz Luther tischr. 4, 484 W.; wir sind von natur weit begieriger, das wie, als das warum zu wissen Lessing 8, 24 L.-M.;
(er) überdachte
mit schwerem kopf das wie und was
(1794) Pfeffel poet. versuche (1802) 6, 15;
es war ein kind, das wollte nie
zur kirche sich bequemen,
und sonntags fand es stets ein wie,
den weg ins feld zu nehmen
(1813) Göthe I 1, 204 W.;
so laszt uns beim dasz noch einen augenblick verweilen, ehe uns das wie in seine labirinthe zieht Feuchtersleben zur diätetik der seele (1838) 3; über das wie und wo konnte ich nicht ins reine kommen Storm s. w. (1899) 3, 96; aber das wie muss man gefälligst mir überlassen Feuchtwanger Simone (1950) 60; über das ob der politischen erziehung ist man sich einig, über das wie herrscht grosze meinungsverschiedenheit wirkendes wort 4 (1959) 228. mit abhängigem genitiv: das wie dieser modificationen ist niemals ein wortbegriff Gerstenberg schlesw. lit.-br. 334 lit.-denkm.; das 'wie' seines todes wurde vertuscht Fontane ges. w. (1905) I 4, 409.
II.
seit dem mhd. in verallgemeinernder und konzessiver verwendung (satzeinleitend), für ahd. so wio (so) Graff ahd. sprachsch. 4, 1195 f. und mhd. swie 'wie immer', 'obgleich' mhd. wb. 3, 573ᵇ—575ᵇ.
1)
in verallgemeinernder verwendung 'wie immer' (besonders mit dem verbum wollen): so habt macht ... eüer vorderung an mich zuͦ ereischen, wie und in welicher weisz ir nun wölt (15. jh.) Tristrant und Isalde 134 Pfaff; kamen die iungling tag vnd nacht fuͦr das hawsz, ... spilten, sanngen vnd erzeigten sich in lieb vnd freuͦden, wie sie mochten (1472) A. v. Eyb dt. schr. 1, 62 Herrmann;
herr, felt das urteyl, wie ir wölt!
(1530) Hans Sachs 2, 14 lit. ver.;
ich (Jupiter) will ihnen (den flöhen) ein privilegium auf die nas hofieren, dasz sie die weiber verrieblen und vertrieblen mögen, wie sie wollen (1669) Grimmelshausen Simpl. 220 Scholte;
ich sorge, wie ich kann,
dasz ich mir, eh' ich sterbe,
ein bauergütchen erwerbe
Göthe I 2, 206 W.;
nenn' es ... trägheit, zaghaftigkeit, oder wie du willst Tieck schr. (1828) 4, 8. mit ersparung des übergeordneten satzes:
(Al-Hafi:)
— wie ihr wollt! — lebt wohl! wies euch
wohl dünkt
Lessing 3, 221 L.-M.;
(Damon:) ich ziehe vor, zu schlafen auf dem kanapee.
(wirth:) wie's euch beliebt
(1826) Platen w. 2, 336 Redlich;
Brecht der gute mensch (1957) 251.
2)
wie in verallgemeinernden relativsätzen kann leicht konzessiven charakter annehmen.
a)
'wie auch (immer)'; oft steigernd, etwa im sinne von 'wie sehr (auch immer)':
diu wisel hât nicht willen guot,
wie si gediende
Ulrich Boner edelstein 45, 44 Pf.;
es ist unser alte ... haut, die sich nicht wil abzihen lassen, wie man sich mit jr bleuet und schleget Luther 28, 739 W.;
wie ich dran zerren oder schütt,
kan ich sy doch nit von mir tryben,
(1548) H. R. Manuel weinsp. v. 78 ndr.;
drey suchten sich dir nach, und drey dir vorzustrecken;
doch wie ein ieder lieff, lieffst du doch allen vor
Besser schr. (1732) 1, 66;
doch sie widersteht,
wie er immer fleht
Göthe I 1, 222 W.;
wie man sich quälen mag, der paradeschritt taugt nichts Fontane ges. w. (1905) I 6, 11. modal, 'auf welche (in welcher) weise auch immer':
ich wil gên unz ich vinde
des hûses ingesinde,
wie daz gebâre wider mich
Hartmann v. Aue Iwein 6419 Benecke-L.;
nu wie es in disen dingen ergangen ist, es sol noch guot rot werden Nicolaus v. Basel leben u. schr. 340 Schmidt; wie yhr mit mir faret, solt ihr ewren willen nicht haben (1522) Luther 10, 2, 107 W.;
doch wie sich's auch entwirren mag und lösen,
eins von den beiden haben wir verschuldet!
wir haben uns mit höll'schen zauberwaffen
vertheidigt oder eine heilige verbannt!
Schiller 13, 321 G.
in der oft belegten fügung wie man (es) will (wolle):
si sprach: 'mein trautgeselle,
es ge, recht wie es welle,
du pist gewaltig mein'
Oswald v. Wolkenstein ged. 7, 37 Schatz;
der teufel stelle sich wie er wöll, so ragen jm doch die fuͤsz herfür schöne weise klugreden (1548) 86ᵃ; du magst es dir verheelen, wie du willst, es (das pfeiferauchen) bleibt immer eine kleine unreinlichkeit (1777) Lenz ges. schr. (1828) 3, 119; mir scheint es eine wahre krankheit, sich in einen autor, habe er namen wie er wolle, so durchaus zu vertiefen Tieck schr. (1828) 4, 51. auch sonst die genauere benennung von personen oder sachen dahingestellt sein lassend (in adnominaler verwendung):
ich habe pflanzt weingarten von aller hant
wild und zam, wie das ist genant
H. Vintler pluemen d. tugent 337 Zingerle;
woran (am plündern und schädigen) sie (die landsknechte) sich ... weder verlust desz lebens, noch desz himmels oder sonst einig anderer ding, wie das nahmen haben mag, verhindern liessen (1669) Grimmelshausen Simpl. 45 Scholte; unsre kunstlehrer, aesthetiker, theoretiker, oder wie sie sich sonst nennen Gerstenberg recensionen 57 lit.-denkm.; sie ... sah das ... papier so an, als ob es die absage einer soiree bei dem fürsten, wie er nun heiszen mochte, enthalte Immermann w. 4, 107 Hempel.
in der fügung wie es (immer) wäre:
der wâren minne giht si ganzer stætekeit,
wie guot si sî, wies iemer wer
Walther v. d. Vogelweide ged. 67, 27 Kraus;
aus dem wege wollen sie mich (Götz) haben, wie's wäre Göthe I 8, 34 W. wie es auch sei; quomodo, quomodocunque Dentzler clav. ling. lat. (1716) 2, 352ᵇ: wo yd ok sy (1498) Reinke de vos v. 1272 Leitzmann;
wie es auch sei das leben, es ist gut
Göthe I 4, 107 W.;
aber wie's auch sei ('gleichwohl, indessen, doch'), mache dir auf gut glück hin ein bild von meiner mutter Fontane ges. w. (1905) I 5, 149. üblicher mit dativ wie dem (auch) sei und dgl.: abber wie diesan dingan sigge, so nimme ich ... uorlop Nicolaus v. Basel leben u. schr. 132 Schmidt; aber wie dem sye (qualitercunque gestum sit), so ist doch wissenlich, daz Lavinia von im geschwengert ward (1473) Steinhöwel de clar. mulieribus 142 Drescher; wie dem auch sei, so standen die sachen ... schlecht Ranke s. w. (1867) 1, 101. in den belegen aus älterer sprache meist elliptisch: wie aber dem, Norix zoch mit gewalt pis der ende umb Sultzpach (1478—81) U. Füetrer bayer. chron. 7 Spiller;
nun aber, wie dem allen,
ich kan und wil und sol es leugnen nicht für dir
(1631) P. Fleming dt. ged. 1, 15 lit. ver.
in demselben sinne wird auch die seit dem 15. jh. belegte wendung dem sei, wie ihm wolle gebraucht: doch sey im wie im wölle, so ist es doch also: er liesse mich ... in Palerma Arigo decameron 81 lit. ver.; dem sei aber, wie im wöll, will ich dannocht die ursach seines niderkummens erfaren (1539) Wickram w. 1, 13 Bolte; dem sey wie ihm wolle, ... es ist nichts so schlimm, dass das schicksaal nicht zum guten machen könnte (1769) Göthe IV 1, 192 W.; entsprechend noch heute. ferner: es sei wie ihm sei Göthe I 23, 221 W.;
... he, Damon! he! — der nimmt ja gewaltigen reiszaus;
was hat er im kopf? doch sei's, wie's sei, mein schäfchen bring' ich in's trockne
Platen w. 2, 328 Redlich.
b)
oft steht wie mit prädikativem adjektiv oder adverb zur hervorhebung des hohen grades und maszes; 'man sagt besser so gern ich auch wollte, so grosz er auch sein mag, als wie gern, wie grosz' Heynatz antibarb. (1796) 2, 635; s. so II C 1 b δ θθ teil 10, 1, sp. 1374:
wie wol sie weren e gemuͦt,
...
si muste jamer ruren
(um 1300) leben der hl. Elisabeth 587 Rieger;
wie stumpf ich bin, wie wenig ich han zu sinnereichen meistern weisheit gezucket, dannoch weisz ich wol, das ir (der tod) meiner eren rauber ... seit ackermann a. Böhmen 26 Bernt;
der Fritz kumbt ouch, er mag nit blyben,
wie fast sin wyb thuͦt mit jm kyben
(1548) H. R. Manuel weinsp. v. 296 ndr.;
Demosthenes hat zu Athen,
wie lang er auch gestorben,
ein' hohe pyramide stehn,
so ihm die kunst erworben
G. Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 1, 145;
es ist so lange her, dasz wir keine nachrichten gewechselt, ... wie lange es aber auch sey, kann ich versichern, dasz ich mich jeden tag gemüht habe (1817) Göthe IV 28, 334 W.; aber wie unbedeutend und untergeordnet auch die einzelnen kämpfe erscheinen mögen, eine tiefe geschichtliche bedeutung kommt ihnen ... dennoch zu Mommsen röm. gesch. 2 (1865) 3. im besonderen: das magstu wol thuͦn, du syest ein sünder wie grosz du wilt Keisersberg bilgerschaft (1512) 11ᵇ; durchs werck wirt der meyster bekant, aber vor dem werck ist sein meysterschafft verborgen, sein kunst sei wie grosz sie wöll schöne weise klugreden (1548) 50ᵇ; in neuerer sprache: man verirrt sich, man mag auch übrigens so vorsichtig seyn, wie man will Jung-Stilling s. schr. (1835) 3, 6. — vor substantiv (mit attribut):
wie manchs man jm zuͦschieb,
so schluckt ers jnn sich wie ein kuͦ
(1548) H. R. Manuel weinsp. v. 3855 ndr.;
die historie, die, wie ein weit aussehendes feld sie auch ist, von einem rechtschaffenen poeten doch unmöglich aus der acht gelassen werden kan Joh. Chr. Günther ged. (1735) vorr. a 4ᵃ;
wie mancher grund die schuld versöhnend deckt,
umsonst! die weisze rose bleibt befleckt
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 242.
nicht steigernd, sondern rein modal in der wiederholt belegten fügung wie (auch) immer geartet: herrschen in ihm (dem staat) ... ständische schichtungen oder wie immer geartete mächte ..., so ist die unfreiheit ... zur vernichtung des innersten gedankens ... gereift Rathenau von kommenden dingen (1918) 243; ich glaube nicht, dasz durch ein wie auch immer geartetes 'bekenntnis zu Goethe' ein verhältnis zu Goethe begründet ... werden kann (1948) E. Langgässer ... soviel berauschende vergänglichkeit (1954) 120; weitere belege aus der sprache der gegenwart verzeichnet H. Baur schriftspr. in Österreich (Tübinger diss. 1956) 132.
c)
'obwohl, wenn auch', 'quamquam', vorwiegend in älterer sprache; s. auch Schiller-Lübben mnd. wb. 5, 757ᵃ (s. v. wo, wu 4):
wie mir di rede si zu ho
doch enwirt si nicht vordaget,
daz Maria si muter und maget,
daz got mensche und got si
(1275/76) Brun v. Schonebeck 4633 Fischer;
(um 1340) minneburg 4673 Pyritz; wie er (Valerianus) herscht in Kernten, so nennen in doch all cronisisten nach seinen eltern ainen hertzogen von Bairen (1478—81) U. Füetrer bayer. chron. 21 Spiller; wie sie jnen mit nicht gefreundt waren, noch dann batten sie die Römer, ... das sie jnen wider eyn frembd volck ... zuͦ hülff kemen Carbach Livius (1551) 55ᵇ; welches wie es zwar zuförderst der gröszern gewalt über uns zugeschrieben werden musz: jedoch ist nachmals von denen ursachen ... diese wohl die fürnembste Opitz opera (1689) 1, vorr. 2ᵃ;
wie von der hirtenwacht mich einer auch verjagt,
stieg ich, um zuzusehn, auf einen hohen baum
König ged. (1745) 53;
doch, wie sein haupt frei trinket himmelslüfte,
mit füszen steht er auf der erde doch
Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 3.
zur verstärkung der einräumenden funktion in verbindung mit doch (vgl. wiewohl); s. mhd. wb. 3, 573ᵇ (s. v. wie 4); ferner: (dasz) das kint des ritters (Urias) hiesse, wie doch es were von David empfangen (Straszburg um 1400) städtechron. 8, 269; Heinrich Kaufringer ged. 162 Euling; er sach si schamendt an, wie er doch in irer lieb ser entzündt was U. Füetrer bayer. chron. 101 Spiller. nd. wodoch; s. Schiller-Lübben mnd. wb. 5, 757; Schambach Göttingen 302ᵇ. bis zum ende des 15. jhs. bezeugt ist die fügung wie das sei (wäre, ist), dasz ... 'licet': wir sprechen des morgens, so ez liht, ez sei tak, wie daz sei daz deu sunne dannoch under dem augenender sei (14. jh.) Konrad v. Megenberg dt. sphaera 36, 25 Matthaei; wie das were das ich in die ewige helle varen müeste, darumb wolte ich doch nút brechen Nicolaus v. Basel leben u. schr. 217 Schmidt; licet omnia ... wie das ist das alle der selben prelaten sache ... mit götlichem influͦsz ... geschähen, noch denne ... (mitte d. 15. jhs.) Johann Hartlieb Caesarius v. Heisterbach 37, 14 Drescher; wie das sey das sie (die jungfrau Maria) die höchst were, so was sie doch in iren (eigenen) augen die aller niderst creatur das buch der zehen gepot (Venedig 1483) 39ᵇ; vgl. 45ᵇ. durch konstruktionsverkürzung entsteht der typ:
wie das sy (Maria) enpfieng und gebäre
und ainem man gemächelt wäre,
nun behüb sy doch ir mägtlich wesen
(14. jh.) Konrad v. Helmsdorf spiegel d. menschl. heils 225 Lindqvist.
ein vergleich zweier ausgaben des 'buchs der zehen gepot' zeigt, dasz wie im 16. jh. in dieser konstruktion auszer gebrauch kommt. Venedig 1483: wie das es mich nicht angeet, so sag mir doch ... (35ᵃ); wie das ir maynnung gut sey, doch so ... (41ᵃ). dagegen ist Straszburg 1520 wiewohl für wie eingetreten; vgl. wiewohl 1 a β. nur vereinzelt zeigt dieser druck daneben noch die frühere konstruktion: wy das sie (die unkeusche witwe) mit dem leib lebt, so ist sie doch in irem gemüt tod (40ᵃ), in übereinstimmung mit Venedig 1483 (38ᵃ).
III.
in vergleichender und beiordnender verwendung.
A.
häufig dient wie zum vergleich von tatsächlichem; s. auch gleichwie 1 und 2 (belegt seit dem 16. jh.) teil 4, 1, 4, sp. 8266f. und sowie 1 teil 10, 1, sp. 1824. belege begegnen seit Notker (s. unter 1 a β), zunächst ganz vereinzelt; erst im frühnhd. kommt der gebrauch zur vollen entfaltung. synonyme sind ahd./mhd. sô(sô), sô(se) 'sicut'; ahd. (al)samo, mhd. (al)sam(e) und (nicht satzeinleitend, sondern nur in der stellung vor satzgliedern) frühnhd. sam; s. sam 2 teil 8, sp. 1725/26. wie und sein verhältnis zu älterem vergleichenden als. (1) als teil 1, sp. 248—254 (aus ahd./mhd. alsô, alse, als) konnte schon im ahd. und mhd. vor sätzen und auch vor satzgliedern gebraucht werden, wohingegen wie (in übereinstimmung mit mhd. swie) zunächst nur im satzvergleich verwendung fand (s. u. unter 1) und erst seit dem frühnhd. auch in abgekürzten vergleichen (vor satzgliedern) steht (s. u. unter 2). während sich bei als seit alters korrelation findet (s. als I 5 teil 1, sp. 251), läszt sich wie mit korrelativem (al)so erst seit dem frühnhd. nachweisen; früheste belege für die verbindung also — wie s. unter 2 a α γγ (Carbach 1514) und 1 a (Boltz 1539); das früheste zeugnis für so — wie (v. j. 1534) unter 2 a β. Grimmelshausen ist der gebrauch mit korrelativem so ganz geläufig, z. b.: in dem ich sie so ansahe wie ein katz ein neu scheurthor (1669) Simpl. 20 Scholte; wie — so zufrühest im 15. jh.; s. u. unter 1 a δ; vgl. auch so II A 1 l γ teil 10, 1, sp. 1354f. (2) infolge dieser neu hinzuerworbenen verwendungsmöglichkeiten konnte wie vergleichendes als ersetzen, als dieses sich seit dem spätmhd. allmählich zum ausdruck der eigenschaft, in der eine aussage gelten soll, entwickelte. man unterscheidet daher heute: er handelte wie ein christ (ohne selbst ein solcher zu sein) und er handelte als (ein) christ (in seiner eigenschaft als christ). solange diese scheidung aber noch nicht vollzogen war und vergleichendes wie und als gleichbedeutend nebeneinander standen, konnte der gebrauch (noch in neuerer sprache) schwanken; z. t. mag das bedürfnis, den ausdruck zu wechseln, mit hineingespielt haben: seyn angesicht glentzete wie die sonne, unnd seyne kleyder worden weyssz, als eyn liecht Luther bibel 6, 78 W.; seltzam als wildprät ins armen manns hausz, wie ein fasznacht ohne narren Lehmann floril. polit. (1662) 2, 737;
beherrscher und vater der welt! du bist so herrlich im vogel,
der niedrig in dornstauden hüpft, als in der feste des himmels,
in einer kriechenden raupe, wie in dem flammenden cherub
(1756) E. v. Kleist w. 1, 226 Sauer;
erhabne majestät, ich sasz schon oft
wie heut, auf diesem richterstuhl vor dir,
noch nie als heut mit diesem bangen herzen
(1804) Tieck schr. (1828) 1, 74;
(die kapelle) ward als ein schuppen, ja fast wie ein stall behandelt (wanderjahre) Göthe I 24, 20 W. vgl. noch: das ist, er (Christus) ist eyn geporner gott und nit der geperende got, doch voller und gantzer gott, wie und alss der vatter Luther 10, 1, 1, 154 W. oft kam es zu der syntaktischen mischform als wie (s. auch als I teil 1, sp. 249 ff.); nebensätze einleitend:
hätt ich dein spielwerk nicht erfahren:
wir wären noch, als wie wir waren
(1660) Stieler geharnschte Venus 140 ndr.;
(die seelen der wassermänner sterben mit ihren leibern) gleichsam als wie die lebhaffte geister der unvernünfftigen thiere in ihrem todt verschwinden (1669) Grimmelshausen Simpl. 417 Scholte;
du bist so elend nicht, als wie du glaubst
Göthe I 10, 242 W.
belege für als wie im abgekürzten vergleich s. unter 2 a α δδ, a β, und b β. die gepflegte sprache meidet heute diese konstruktion; umgangssprachlich und dialektisch ist sie aber noch weit verbreitet. (3) in einer bestimmten konstruktion, beim gebrauch mit adjektiven (adverbien) und vorausgehendem korrelativen so (seit dem 16. jh.), hat sich vergleichendes als gegen wie länger als sonst behauptet. so überwiegt in Grimmelshausen s Simpl. (1669) der typ: (ich) schwieg ... so still als ein mausz 96 Scholte; wann die courage so gut ist als das maul-leder ebda 186 erheblich gegenüber: so schwartz wie eine dinte 315. Heynatz verwirft wie, 'wenn so mit einem bei- oder nebenworte vorhergeht', überhaupt: 'man sagt also richtig: macht es so wie ich. allein unrichtig: er ist so grosz, wie ich; er wird sie nie so gut bedienen, wie ich', antibarb. (1796) 2, 632. ein schwanken im gebrauch zwischen so grosz als und so grosz wie bezeugt noch Jac. Grimm teil 1, sp. 252 für seine zeit; heute hat sich im allgemeinen der typ so grosz wie durchgesetzt (belege s. unter 2 a β). doch örtlich in der mundart noch: suə gràusz àls (neben suə gràusz wöi oder àls wöi) Schiepek satzbau der Egerländer ma. 48; s. auch Müller rhein. wb. 1, 127; dazu: et is ebenso en jrosze kunst, en maschin' richtig im jang zu bringen, ... als so bildches zusammenzuklecksen Clara Viebig wacht am Rhein (1902) 354. s. auch den typ soviel wie möglich (oder als möglich) unter 2 b α; ferner so II A 1 l δ teil 10, 1, sp. 1355. der im älteren deutsch häufig und verbreitet begegnende korrelative gebrauch als — als (s. teil 1, sp. 251), entsprechend engl. as — as, findet sich noch in der Schweiz: əs alt əs ĩΧ 'so alt wie ich' Weber Zürcher Oberland § 81; fürs nd. vgl. Kück Lüneburger wb. 1, 81 und ndsächs. wb. 1, 509 Jungandreas. (4) infolge des schwankens im gebrauch greift wie auch in den neueren verwendungsbereich von als über, so nach komparativ und dgl. (wo als seit der 2. hälfte d. 16. jhs. neben älterem denn, dann vorwiegt, s. unten 3), oder wenn es für das als der eigenschaft (er handelte als christ) eintritt: namen von jn den eydt, das sie wie feindt nimmer in Saxen kommen wolten Seb. Franck Germaniae chron. (1538) 121ᵃ;
(gott) hat jhm (dem ritter) noch gut weil verschafft,
dasz er sein bündlein zsamen rafft,
vnd auff die fart sich macht gerüst,
vnd nimbt sein abschid wie ein christ
(1588) Fischart w. 1, 286 Hauffen;
sie haben gefochten wie brave soldaten hanno combattuto da bravi soldati Kramer t.-ital. 2 (1702) 1344ᵇ; kaum hatte ich (Goethe) meinen freund ... hieher (in die einsamkeit des waldes) genöthiget, als er mich scherzend versicherte, ich erweise mich wie ein wahrer Deutscher Göthe I 27, 14 W. auch sonst steht es für als; vgl. hinweisendes wie unter 2 a γ (abs. 3), die verwendung im hypothetischen vergleich (wie wenn ...) unter B und den temporalen gebrauch unter IV. zum ganzen (auch mit weiteren belegen) vgl. H. Paul dt. gr. 4, 231 und E. Lerch in PBB 65, 344—352.
1)
als einleitung eines nebensatzes.
a)
überwiegend bezieht sich der durch wie angeknüpfte vergleichssatz auf den gesamtinhalt des übergeordneten satzes bzw. auf dessen verbalen kern:
nû wil ich dir rehte sagen,
wie ich ez weiz von den tagen,
die vor uns hin vervarn sint
Rudolf v. Ems Barlaam und Josaphat 85, 16 Pf.;
her inphienc ouch wirdecliche
di jungen furstinnen,
wie eine kuneginnen
iman zu rechte enphahen sol
(um 1300) leben d. hl. Elisabeth 608 Rieger;
hie wirt ouch ... die gemain uszlegung ... geseczet, nit wie sy vor in tütschen rymen geseczet sint Steinhöwel Äsop 5 Ö.; das in teütscher nation wider ein vrsprung hab in alle wält ein christlich wäsen, wie vormals auss Judea geschehen ist Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 3 ndr.; tun also wie ich dich geheissen hab Boltz Terenz (1539) 35ᵃ;
wie dieselben (die rosen) gläntzen schön,
auch jhr mündlein pflegt zu stehn
in der lippen-runde
Venusgärtlein 17 ndr.;
es ist, wie ich vor gesagt (1669) Grimmelshausen Simpl. 339 Scholte; schreiben, wie man spricht Herder 5, 11 S.;
so liebt die lerche
gesang und luft,
und morgenblumen
den himmelsduft,
wie ich dich liebe
mit warmem blut
Göthe I 1, 73 W.;
ein feu'r, das siedet (so sehr), wie noch keins gesotten
Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 12;
breitspurig und wuchtig trat er (der bauer) mit schwerem stiefel auf, wie es ihm, dem besitzer des gröszten gutes im dorfe, zukam Polenz Büttnerb. (1895) 1; ausführlich ... antworten, wie einem wirklich ums herz ist Musil mann ohne eigenschaften (1956) 1067. — beim verbum sein, in verschiedener bedeutungsschattierung: (ihr) liesset das kriegswesen ... seyn wie es ist (d. h. befasztet euch nicht weiter damit) (1669) Grimmelshausen Simpl. 266 Scholte; vgl. auch 351; urteilen, dasz andere seyen wie er ist Kramer t.-ital. 2 (1702) 1344; ich sehe euch gern, wie ihr da seyd (in diesem aufzug) ebda; ich will ihn lesen, wie er ist (d. h. ohne fremde zutat) Gerstenberg schlesw. lit.-br. 307 lit.-denkm.;
ja, sie (die parabasen) wagen euch zu tadeln, wie ihr seid mit sack und pack,
euer ungewisses urtheil, euern faden ungeschmack!
(1826) Platen w. 2, 296 Hempel.
bis heute ist auch die fügung wie ihr (er usw.) geht und steht gebräuchlich; z. b.: komt nur herab, mein schatz, wie ihr da gehet und stehet (d. h. ohne euch umzukleiden und dgl.) Kramer t.-ital. 2 (1702) 1344ᵃ.
α)
oftmals mehr im sinne von 'je nachdem wie', ohne dasz in jedem fall eine klare abgrenzung vom voraufgehenden oder von der bedeutung 'wie immer' (oben unter II 1) zu erreichen wäre: wie sy solich spenn rihten, vereynen oder entscheyden, daby sollen die parthen, die es beruͦrt, bliben (Straszburg 1473) bei Steinhausen privatbr. d. mittelalters 2, 173; (ich bin) bittend ... jr ... wöllen ... mir nit verkeren, so ich etwan vom text geschweifft, vnd wie sichs biszweilen auff teutsche art vnd sprach geschickt, wie mirs zuͦgefallen, hinzuͦ gethon (1551) K. Scheit Grobianus 7 ndr.; ein kleines teuffelgen ..., welches ihn (den würfel) regiere und augen geben lasse, wie es seiner principalen interesse erfordere (1669) Grimmelshausen Simpl. 155 Scholte; schenke mir ... ein kleines hänflingey, oder ein zeisigey, wie es dir am nächsten zur hand ist Gerstenberg Ugolino 253 H.; ich war ... bald jäger, bald soldat, bald reiter, wie es unsre spiele mit sich brachten Göthe I 21, 32 W.;
und nebenan sich schimmer reihn,
bald roth, bald grün, wie sie gefangen
im glase dort, und dort im wein
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 40.
β)
häufig dient der wie-satz (gleichsam in parenthese) zur berufung und zum verweis auf eine äuszerung, wahrnehmung oder einen sachverhalt: iâ uuoltôn iuuere forderen, also dû uuâno ih kehugest, wîo dû lâse, umbe dîa ubermûoti dero consulum tîligôn iro ambacht Notker 1, 102 P.; er macht im ain sunder fürstlich gesäss und wonung der endt, da ietzund Regenspurg ist, wie man list, das si von erst Tiberius gepawt hab (1478—81) U. Füetrer bayer. chron. 8 Spiller; denn der bube sol (wie die gantze stad sagt) trotzig sein (1537) Luther briefw. 8, 102 W.; zu beschreiben die gantze welt, wie mein fürnemen ist in disem buͦch, ... erfordert ein weitschweiffig gemuͤt Seb. Münster cosmogr. (1550) vorr. a 2ᵃ;
Eufrosilchen ist Myrtillen,
wie ich merke, beygetraut
G. Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 1, 461;
er ist noch frisch und gesund, wie ich höre, wie ich vernehme, wie ich glaube, wie ich meine Kramer t.-ital. 2 (1702) 1344ᵃ; die wesentlichste haupt-absicht einer griechischen tragödie war, wie sie wissen, leidenschaften zu erregen Gerstenberg schlesw. lit.-br. 112 lit.-denkm.; wie sie sich denken können, liebe frau Dörr, waren wir auf den tod erschrocken Fontane ges. w. (1905) I 5, 131; (inspektor:) der Arndt ist eben Jude, wissen sie. (amtsrichter:) wie schon der name sagt Brecht furcht und elend (1957) 279. in fester fügung hierher: ich habe, wie die sachen jetzt stehen, an mich selbst zu denken Göthe I 22, 151 W.; die sanction ... wies er von sich: wie die sachen ... standen, konnte sie ihm nichts bedeuten Ranke s. w. (1867) 1, 13. üblich auch in der wendung: wie die dinge liegen. älter: das es (das konzil) (wie dieser zeit gelegenheit ist) ein lausicht, veracht concilium werden wird, darin wenig potentaten sein werden Luther briefw. 8, 37 W. bei verwendung eines ungewöhnlichen wortes oder ausdrucks auf das vorbild für diesen gebrauch verweisend: wa ainer solchs sagte (dasz Maria keine jungfrau sei), wer er nit euangelisch oder lutherisch, wie mansz nendt, sonder ketzerisch (1523) Seb. Lotzer schr. 44 Goetze; es gieng mir (Olivier) ... hundsübel, wie man zu sagen pflegt (1669) Grimmelshausen Simpl. 356 Scholte; er ... liesz mich die fährte bemerken, wie er es nannte Göthe I 24, 4 W.; die Etrusker oder, wie sie hier heiszen, die Raeter Mommsen röm. gesch. 1 (1854) 218.
γ)
oft steht wie mit bloszem part. perf. (adjektiv): der euangelist will, wie gesagt, diss gross wunder ... yderman fur die augen stellen Luther 11, 324 W.;
wer nicht bescheiden tuht,
dem greifft er mit der faust, wie bilig, auf den hut
J. Rachel sat. ged. 70 ndr.;
wiewol er nun, wie gehöret, keine grandezza speiset (1669) Grimmelshausen Simpl. 138 Scholte; nach endigung dieses tanzes, wobei jede schöne, wie natürlich, ihre zaubervollsten stellungen sehen liesz Lenz ges. schr. (1828) 3, 134; mit könig Herodes war, wie bekannt, nicht zu spaszen Göthe I 24, 22 W.; die kinder muszten, wie üblich, der gutsherrschaft zum zwangsgesindedienst angeboten werden Polenz Büttnerb. (1895) 37; in der groszen vorderstube sasz wie gewöhnlich frau Nimptsch am herd Fontane ges. w. (1905) I 5, 135. entsprechend mit einer infinitivfügung: so säuberte er auch, wie leicht zu erachten, das meer so viel als möglich von den seeräubern Heilmann pelop. krieg (1760) 5; miszlang das, wie zu glauben, so waren wir blamirt Bismarck ged. u. erinn. 2, 21 volksausg. statt des üblichen sozusagen: danke aber gott und meinen lieben eltern vor ihre treue vorsorge, dasz sie mich nicht so leichtlichen verworfen und, wie zu sagen, ausgeschlagen haben Schweinichen denkw. 18 Ö.
δ)
besondere hervorhebung verdient der häufig belegte gebrauch mit korrelativem so oder also im nachsatz; vgl. so II A 1 l γ αα teil 10, 1, sp. 1354: das kein wal vnd beschawen sey, ein frawen zunemen, sunder wie die kumpt, so mustu sie behalten (1472) Albrecht v. Eyb dt. schr. 1, 49 Herrmann; wie du böses gewürckt hast, also glycher wyss wirck wider umb gutes Keisersberg bilgerschaft (1512) B 3ᵃ;
wie sich der leu in seinem hunger freut,
wenn er einmal auf vollbeleibten raub —
entweder einen hochgekrönten hirsch,
o'r eine gemse — trifft, und gierig ihn erpackt, ...
so freut' auch Menelaus sich
Bürger s. w. 151ᵃ Bohtz;
wie das mondlicht ins tal gewachsen war, so wuchs diese stille erst über Angelina und dann auch über Moses E. Zahn die da kommen u. gehen (1909) 272. namentlich das sprichwort und die sentenz lieben (in knapper, prägnanter formulierung) die klare gegenüberstellung zweier aussagen durch wie und so, also: wie ich in finde, so richt ich in (d. h. frei von jeder beeinflussung) Luther tischr. 4, 567 W.; wie die alten sungen, so zwitzern die jungen schöne weise klugreden (1548) 62ᵃ; wie einer speisz braucht, also lebt er auch, rauhe weyd macht rauhe leut (1575) Fischart Garg. 82 ndr.; wie du bist, so redestu (1669) Grimmelshausen Simpl. 117 Scholte; wie ich sage, so ich denke! Göthe I 3, 265 W.; wie einer sich legt, so liegt er Fontane ges. w. (1905) I 5, 129. in sätzen des typus: wie der gast ist, so ist auch die kost Luther 19, 281 W. (ähnlich E. M. Arndt [1892] 1, 28 R.-M.) wird um prägnanter kürze willen das verbum sein oft unterdrückt; z. b.: wie das garn, also das tuͦch schöne weise klugreden (1548) 43ᵇ; s. auch ebda 62ᵃ; wie der stock, also der wein Lehmann floril. polit. (1662) 3, 475; wie die glocken, also der klang Abraham a s. Clara Judas (1687) 1, 44; wie dä här, su dat gescherr Wegeler Coblenz 101. auch sonst ergeben sich elliptische konstruktionen mit ersparung des finiten verbs: wie gelohnet, so gedienet J. Grob dicht. versuchgabe (1678) 34;
so wie gewonnen, so ist's zerstoben
Schiller 12, 14 G.;
gewöhnlich: wie gewonnen, so zerronnen; s. teil 15, sp. 750 und Wander sprichw.-lex. 1, 1662; wie gewünscht, so geschehen Hebel w. 2, 88 Behaghel; wie du mir, so ich dir (überschrift) Göthe I 2, 292 W. (vgl. sprüche Salomos 24, 29); weitere nachweise bei Wander sprichw.-lex. 5, 223; Schulze bibl. sprichw. 68 f.; 17f.
b)
einen satz an ein adjektiv (partizip) oder adverb anknüpfend: er thuͦt es gern, ja wie die bauren in thurn (gefängnis) steigen schöne weise klugreden (1548) 85ᵇ; wecken, die ... noch heisz seien, wie sie ausz dem ofen gehen Gäbelkover artzneybuch (1596) 1, 53;
so wandle du — der lohn ist nicht gering —
nicht schwankend hin, wie jener sämann ging
Göthe I 2, 147 W.;
der ... auftritt endete plötzlich, wie er begonnen hatte Steffens was ich erlebte (1840) 1, 26. mit korrelativem so: (er) gieng mit mir so nackend, wie ihn gott erschaffen hatte (1669) Grimmelshausen Simpl. 225 Scholte; wir sind ... nicht so schuldig, wie wir scheinen Göthe I 21, 70 W.; ein groszes schlosz ..., so furchtbar alt, wie's eigentlich gar nicht mehr vorkommt Fontane ges. w. (1905) I 5, 141; so verstohlen, wie sie in die stube geschlichen, begaben sie sich durch den flur E. Zahn die da kommen und gehen (1918) 292. der mehrfach belegte typ jung wie du bist hat kausale bedeutung, 'da du jung bist':
o, duldsam, wie du bist, versag' ihm nicht das ohr!
Gotter ged. (1787) 1, 244;
jung und voll empfindung wie ich war, deuchte mir die schöpfung tausendmal schöner als vorher Göthe I 22, 298 W.; gebunden durch befehle wie sie waren, fiel einer nach dem andern in die hände des pöbels Dahlmann franz. rev. (1864) 267; das (vertäuen) haben wir jetzt dem dampfer überlassen, schlau wie wir sind Hausmann Abel (1932) 30. mit konzessivem sinn: der herzog ... schläfft noch halb neun wie es ist (1776) Göthe IV 3, 52 W.; aber diese gnadenbezeugungen, dankbar, wie er sie entgegennahm, gaben ihm doch die ruhe nicht wieder Fontane ges. w. (1905) I 1, 19.
c)
einen satz an ein substantiv anknüpfend, um die beschaffenheit und art einer sache oder person näher zu bestimmen (dialektisch auch anstelle des relativpronomens der, welcher; s. Martin-Lienhart elsäss. 2, 778ᵃ [s. v. wie 6]): mit ... groszen schiffen, wie si da zu sehewer (zum seekrieg) gebraucht werden (1507) Wilwolt v. Schaumburg 118 lit. ver.; ein solich vasten wie wir im bruch haben (1521) Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 19 ndr.; (teufel) wie sie ausz Pandore büchs fligen (1575) Fischart Garg. 17 ndr.; (ich) kam abermal in eine gesellschafft der spitzbuben und diebe, wie ich zu Lüttich eine verlassen hatte (1669) Grimmelshausen Simpl. 350 Scholte; zielet auf die ... prophezeiung des verfassers, wie solche in vorhergehenden anmerkungen zu finden bei König ged. (1745) 55 (anm.); boten, wie sie über das gebirg hin- und herzugehen pflegen Göthe I 24, 6 W.; blumen ..., wie du sie deinen freunden mit jenem gummi ... auf papier zu heften pflegst Brentano ges. schr. (1852) 5, 4; beobachtungen der kindersprache, wie sie seit Steinthal ... gesprächsstoff auch auszerhalb der fachkreise geworden waren L. Mackensen d. dt. spr. unserer zeit (1956) 115. entsprechend steht wie auch des öfteren statt schwerfälligerer präpositionaler fügungen wie in dem (welchem) usw.: dass in republiken der eifer fürs vaterland sich in eben dem verhältnisse vermindre, wie das gebiet derselben anwächst Th. Abbt verm. w. (1768) 2, 22; in dem sinne, wie man angefangen Göthe I 22, 23 W.; an wen denkst du mit gedanken, wie du nur an deinen mann denken solltest? O. Ludwig ges. schr. (1891) 1, 225. der wie-satz enthält eine negation, um die unvergleichlichkeit anzudeuten:
es ist
ein Jude freylich übrigens, wie's nicht
viel Juden giebt
Lessing 3, 52 L.-M.;
ein Schweizer, wie ich noch keinen von gleicher herzensgüte und gefälligkeit getroffen habe Max Eyth im strom unserer zeit (Heidelberg o. j.) 1, 19. seltener wird wie mit dem verbum sein gebraucht: dasz ich so drey kinder, wie du eins bist, mit sampt ihren muszqueten ... nicht förchten ... wolte (1669) Grimmelshausen Simpl. 228 Scholte; einen stolzen menschen wie ich bin (1767) Göthe IV 1, 146 W.; eine solche seele wie diese war, ist auch beredt, wenn sie schweigt G. H. v. Schubert selbstbiographie 1 (1854) 62. hieraus entstand durch ersparung des (entbehrlichen) verbs der sehr gebräuchliche typ ein mann wie Goethe (s. u. unter 2 a γ).
2)
in verkürztem vergleich vor einem satzglied.
a)
häufig mit substantiv als vergleichsgrösze.
α)
überwiegend bei verben und verbalen ausdrücken. bisweilen kommen die belege in ihrer auffassung denen unter B 2 a (hypothetischer vergleich) nahe, besonders in fällen wie: pflegte ich Hertzbrudern wie meinem andern ich (d. h. als wenn er mein anderes ich wäre) (1669) Grimmelshausen Simpl. 367 Scholte;
wir sind, wie nichts, vor dir (gott)
(1745) N. D. Giseke poet. w. (1767) 3;
so was lautet wie spott Bettine Günderode (1840) 1, 18; sie ... sagt dinge, die wie zweideutigkeiten klingen Fontane ges. w. (1905) I 5, 147; s. auch im folgenden.
αα)
art und weise oder grad und ausmasz eines geschehens und dgl. sowie die beschaffenheit einer person oder sache näher bestimmend: man wirt euch eben emphohen mit euern infeln und weihen wie die stationierer mit irem heilthumb (1524) U. Regius bei Schade satiren 3, 150; ich mochte damals fressen wie ein drescher (1669) Grimmelshausen Simpl. 313 Scholte; er lebt wie ein viehe Kramer t.-ital. 2 (1702) 1344ᵇ; ich komme mir vor wie jener alte, vom wahnsinn zerrüttete maler E. T. A. Hoffmann s. w. 14, 148 Gr.; (er) fluchte wie ein wilder Traven baumwollpflücker (1956) 97. der vergleich der beschaffenheit (geltung) geschieht namentlich in der wendung sein wie jemand (etwas): wie der frembdlinge, so sol auch der einheimische sein (vor dem gesetz), wenn er den namen (gottes) lestert, so sol er sterben 3. Mose 24, 16; es ist einer wie der ander Seb. Franck sprichw. (1541) 1, 10ᵇ; der wein ist wie der jhn trinckt, vnd kan sich nach jedem kopff richten Lehmann floril. polit. (1662) 2, 896;
ich sag es dir: ein kerl, der speculirt,
ist wie ein thier, auf dürrer heide
von einem bösen geist im kreis herum geführt,
und rings umher liegt schöne grüne weide
Göthe I 14, 87 W.;
am vierten tage endlich gar
der Kaspar wie ein fädchen war
H. Hoffmann Struwwelpeter (333. aufl.) 17.
im sinne einer stellvertretung: (Camille:) allein, wenn ich als wie sie (d. h. an ihrer stelle) wäre, frau gevatterin, ich wiederriethe ihnen solch ding Chr. Reuter ehrl. frau Schlampampe 94 ndr.; wenn ich und wär wie der ortsvorsteher, ich nähm mir a ticht'gen weidnen knippel, und haste gesehen, die wer schonn arbeiten (1893) Gerh. Hauptmann ausgew. dramen (1956) 2, 169; wenn ich wär wie du 'wenn ich du, an deiner stelle wäre' Müller-Fraureuth obersächs. 2, 663ᵇ.
ββ)
oft dient der vergleich nicht der näheren bestimmung der modalität (der art und weise, des grades und ausmaszes) eines geschehens usw., sondern der einfachen gleichsetzung (hier schlieszt der gebrauch unten unter C 2 an):
vnd bsunders man vil frowen findt,
wie wir schwacher natur dann sind,
die haltend jn für hoch vnd werd
(1548) H. R. Manuel weinsp. v. 2493 ndr.;
dasz es (das unglück) mir die nächt verbittere und mir nicht gönnete, solche auch wie die täg mit liebreicher ergetzung hinzubringen (1669) Grimmelshausen Simpl. 271 Scholte; diese aber müssen durchaus die übrigen ihrer nation zu rathe ziehen, widrigenfalls sie wie die werkmeister am thurm zu Babel nie dürften verstanden werden Lenz ges. schr. (1828) 2, 320; dasz er (der Kelte) den edlen wein wie der Skythe unvermischt und bis zum rausche trank Mommsen röm. gesch. 3 (⁴1866) 230; denn wie jede grosze idee hat es (d. glasperlenspiel) eigentlich keinen anfang H. Hesse glasperlenspiel (1943) 1, 19. mit negation einen gegensatz hervorhebend:
hie darff kein fettich man vmbthun,
wi Ikarus, so schmeltzt die sunn
Fischart glückhafft schiff 5 ndr.;
bey dem allen aber habe ich ihm mein leben nicht, wie dem Samson zu verdanken slg. v. schausp. (1764) 1, 14 (Samson); der sogenannte wilde wein, ... keinen traubensaft spendend, wie die morgenländische schwester vom Kaukasus Hehn kulturpfl. u. haust. (1911) 520.
γγ)
mit korrelativem (al)so und dgl.: das sie dann mit werender hand ritterlich stürben, vnd sich nit also, wie die hüner würgen vnnd tod schlohen liessen Carbach Livius (1514) 149ᵇ; in dem ich sie so ansahe wie ein katz ein neu scheurthor (1669) Grimmelshausen Simpl. 20 Scholte; bey rückkunft unsers wackern Rehbein erging es mir eben so wie ihnen bey seyner ankunft Göthe IV 28, 61 W.; er möchte so leben und sterben wie die alte waschfrau Fontane ges. w. (1905) I 5, 137; kam ... ein grüner ewer in sicht, der ganz so aussah wie sein vater (d. h. wie der ewer seines vaters) Gorch Fock seefahrt ist not (1914) 261.
δδ)
wiederholt begegnet die mischform als wie:
du schlachtest jhn als wie ein lamb
Paul Gerhardt in: ev. kirchenlied 3, 307 Fischer-Tümpel;
es leuchtet diesses grosse licht,
in seinen gott geweihten schriften, als wie der mond bey dunkler nacht
Brockes ird. vergn. (1721) 8, 581;
die herzogin in Schwaben ist des klosters schirmvogt und gilt in solcher eigenschaft als wie ein mann Scheffel ges. w. (1907) 1, 121.
β)
an ein adjektiv oder adverb eine vergleichsgrösze anknüpfend:
(der tod überfällt uns)
gantz ungstüm wie ein sturme-wind!
(1530) Hans Sachs 1, 434 lit. ver.;
das volck ist vnstät wie ein ror
im wyer, bwegt sich hin und har
(1549) J. Aal Johannes 65 ndr.;
im huy fahr ich dahin,
zerbrechlich wie ein glasz,
vergänglich wie ein grasz
Paul Gerhardt in: ev. kirchenlied 3, 300ᵇ Fischer-Tümpel;
niemals öfne das herz der liebe. findet es Amor
vest verschlossen; er fliegt leicht wie ein vogel davon
Herder 26, 12 S.;
und ihr kusz war götterbrot,
glühend wie der wein
Göthe I 1, 14 W.;
Gackeleia, welche geschwind wie der wind nach ihrem gärtchen lief Brentano ges. schr. (1852) 5, 137; am nächsten morgen regnete es dicht und grau wie katzenhaar H. Federer berge u. menschen (1911) 194. 'im vergleich folgt dem wie gern (so) ein: schwarz wie (so) e köhler' Müller-Fraureuth obersächs. 2, 663ᵇ. mit korrelativem so (s. auch oben sp. 1475): so blaw wie ein blaw tuch Agricola sprichw. (1534) 617;
es weilt so hoch, es blinkt so schön,
wie droben jener stern
Göthe I 1, 87 W.;
was kann denn dieser mohr dafür,
dasz er so weisz nicht ist wie ihr?
H. Hoffmann Struwwelp. (333. aufl.) 9;
(die mutter) fühlte ... die liebe, die ihrem herzen die tochter so nahe sein liesz wie den sohn E. Zahn die da kommen und gehen (1909) 290. die fügung so gut wie hat mitunter die bedeutung 'nicht minder als': und was die missethaten betrifft, so hat der bauer so gut ursache, wie der herr, die seiner väter in vergessenheit begraben zu wünschen G. Keller ges. w. (1889) 1, 13; der star ... konnte seine grillen haben, so gut wie eine herzogin in Schwaben Scheffel ges. w. (1907) 1, 109. in der verbindung als wie:
es ist nicht jederman so närrisch als wie du
J. Grob dicht. versuchgabe (1678) 28;
der see
liegt ruhig da als wie ein ebner spiegel
Schiller 14, 316 G.;
er war mir recht ergeben,
als wie der treuste knecht
Tieck schr. (1828) 4, 189.
γ)
eine persönliche oder sachliche substantivische grösze nach art und beschaffenheit näher bestimmend: die syben tag zeit zuͦ singen oder läsen, ist ein arbeit wie andere lyplich arbeit Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 38 ndr.;
got hat mir geben gwalt und ehr
und reichthumb wie der sand am meer
Hans Sachs 1, 112 lit. ver.;
mancher hat ein gewissen wie der Franciscaner ermel Lehmann floril. polit. (1662) 1, 338;
als wenn drüber wär'
ein ohr, zu hören meine klage,
ein herz wie mein's,
sich des bedrängten zu erbarmen
Göthe I 2, 77 W.;
himmelwetter, war das ein mann! ein mann wie ein kind Fontane ges. w. (1905) I 5, 160; (er) rührte dazu mit einer kelle wie ein prügel die schotten (dick gelaufene milch) H. Federer berge u. menschen (1911) 130. hierher auch: (Eva) hat denselben geschmack gehabt wie du (ihn hast) Scheffel ges. w. (1907) 1, 133. eine person oder sache als typ (typischen vertreter einer art oder gattung) charakterisierend: ein armer mann wie ich, kan solche kosten nicht aufwenden un poveretto come me (pari mio) non puo reggere à tali spesi Kramer t.-ital. 2 (1702) 1344ᵇ;
lüfte, wie diese, so die erd' umathmen,
sind, die leiseren selbst, dir rauhe weste
(1751) Klopstock oden 1, 90 M.-P.;
männer, wie herr Wieland, hangen nicht vom beyfall des publicum ab Gerstenberg recensionen 49 lit.-denkm.; ein mann, wie Göthe (1795) Schiller br. 4, 98 Jonas; son'n knallerballer (schlechter tabak) wie deiner, der is nich für jeden Fontane ges. w. (1905) I 5, 135; hier gab es für ein volk wie die einwandernden Urgermanen oder Kelten den wohnlichsten aufenthalt Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 5. auch: sie (anrede) sind gerettet! solche wie sie haben glück! Brecht d. gute mensch (1957) 333. nach zahlenangaben:
sie treibt der eifer nicht für's vaterland,
denn tausende wie mich, gebar die fremde
Schiller 12, 74 G.;
eh' ich meine tugend lasse, lass' ich sterben sechs wie er!
(1828) Platen w. 2, 361 Hempel.
nicht mehr eigentlich vergleichend, sondern hinweisend bei anführung von beispielen und bei aufzählungen; in der form wie zum beispiel: so ist mir ... noch einiges entgangen, wie z. b. von Klaproths abhandlung ... und I. Idelers ... arbeit Ritter erdk. 1 (1822) vii; aus unbedeutenden vorfällen, wie zum beispiel dem ungehorsam der Numantiner Mommsen röm. gesch. 2 (⁴1865) 66; älter: wie (als) zum exempel Rädlein t.-ital.-frz. (1711) 1059ᵃ; wofür auch wie allein stehen kann, neben heute veraltetem als 4 teil 1, sp. 256: etliche (brunnenquellen) fressen durch eisen ... fort, wie einer ... in Ungarn (1669) Grimmelshausen Simpl. 420 Scholte; (die unterhaltung) verbreitete sich ... über allerlei getier, wie kühe und ziegen, und vielerlei dinge, als da sind: brotbacken, wäsche waschen und dergleichen O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 344; dass es keine an und für sich gott wohlgefällige werke gebe, wie beten, fasten, nachtwachen Ranke s. w. (1867) 1, 202. mit folgendem satz: ich wollte dir noch manches sagen, was man sündlich finden dürfte, wie dasz ich dein gewand lieber habe wie meinen nebenmenschen Bettine br. (1835) 2, 165. selten und nur in älterer sprache begegnet die fügung wie da ist (wie da sind), neben dem noch heute (in gewählter sprache) gebräuchlichen als da sind (ist); s. auch oben O. Ludwig: in vier fürnemsten conciliis, wie da ist synodos Nicena ... Zwingli dt. schr. 1, 132 Sch.; ceremonien, wie da sind, fleisch essen, fasten, kleidung, ort, zeit etc., sind an ihnen selbs frey und ziemlich (ceremoniae, ut sunt esus carnum, ieiunia, vestitus, locus etc.) Luther tischr. 1, 290 W.; faber ein werckman in harter matery, alsz da ist eisen, stein, holtz, wie da sind schmid, steinmetz, zimmermann Calepinus undec. ling. (1598) 537ᵃ. auch: gleich wie nun Gedeon den grossen feind, wie da die abgöttische Madianiter waren, siegehafft überwunden durch die allerheiligste dreyfaltigkeit; also hoffen wir ... Abraham a s. Clara Judas (1687) 1, 302.
b)
adjektive, adverbien und präpositionale fügungen anknüpfend, beim verbum oder nomen.
α)
mit adjektiv (adv.) in fügungen wie: so breit wie lang, oder: des mädchens augen lachten jetzt so ehrlich, wie vorhin schalkhaft O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 10. zu festem phraseologischen gebrauch gelangte der typ so schnell wie möglich 'möglichst schnell': der zweite band soll so schnell wie möglich folgen Hölderlin ges. dichtgn 2, 66 Litzmann; so oft wie möglich Ranke s. w. (1867) 1, 207; so günstig wie nur möglich Polenz Grabenh. (1898) 1, 1. noch heute schwankt der sprachgebrauch hier zwischen wie und als; so ist nach Duden (Lpz. 1960) 611ᵃ soviel wie möglich und soviel als möglich statthaft. — so gut wie im sinne von 'fast, nahezu' (s. so teil 10, 1, sp. 1355): auch diese stadt ist nun so gut wie wiedergefunden Ritter erdk. 1 (1822) 239; weil ich ... ihre bräuche ... so gut wie gar nicht kannte Holtei erz. schr. (1861) 1, 8; ferner: wir wohnten so gut wie am andern ende der welt Fontane ges. w. (1905) I 5, 132. —soviel wie mit der bedeutung 'dasselbe wie': und 'ja' ist gerade so viel wie 'nein' ebda 141.
β)
oft steht wie mit zeit- (und orts-)adverbien und präpositionalen fügungen, um auszudrücken, dasz zu anderer zeit, an anderem ort oder in anderem zusammenhang vergleichbares geschieht oder vorliegt (bisweilen mit negation, um einen gegensatz hervorzuheben): das ich erstlich schewe was, vnd thorffte nit herausz farn, wie hernachmals (1538) Vogelsang-Cochläus Joh. Huss 20 ndr.; weil ich ... dem alten geitzhals nicht mehr wie hiebevor spendirte (1669) Grimmelshausen Simpl. 235 Scholte;
ist es ein flüchtiger fürst wie im Ardenner-wald?
Göthe I 2, 143 W.;
es verhalte sich mit den träumen, wie mit den weiland heidnischen orakeln Holtei erz. schr. (1861) 15, 173; wenn ich ... mit dir ... drüben auf- und abschreiten könnte, so sicher wie hier zwischen den buchsbaumrabatten Fontane ges. w. (1905) I 5, 150; der (theater-) kartenverkauf war wie noch nie (auszergewöhnlich gut) süddt. ztg 206 (1959) 5. — die fügung so wenig wie mit orts- oder zeitbestimmung: aber ich sehe wohl, wir autoren stehen so wenig hier, wie irgend wo (d. h. 'nirgendwo') vor einem unpartheiischen richterstuhl Tieck schr. (1828) 4, 284; allein so wenig damals wie früher ('niemals') konnte dies staatsrecht die Deutschen überzeugen Ranke s. w. (1867) 1, 11. — sehr häufig ist die verbindung wie vor: du wirst syben ander iare puͦssen wie vor (1472) A. v. Eyb dt. schr. 1, 97 Herrmann; weitere belege unter vor teil 12, 2, sp. 807. in der heute noch gebräuchlichen fügung nach wie vor (die auch mit umstellung vor wie nach begegnet) kommt wie den belegen unter C 2 a β (beiordnender gebrauch) nahe:
bald gestu wider ausz dem hausz,
vnd bescheissest sie (die schuhe) dann nach wie vor
K. Scheit Grobianus 990 ndr.;
herr, ich sage vor wie nach, wann der zaarischen majestät ich in etwas dienen kan ..., so werde ich an meinem fleisz nichts erwinden lassen (1669) Grimmelshausen Simpl. 450 Scholte; weitere belege teil 12, 2, sp. 807f. und teil 7, sp. 10. sonst in neuerer sprache wie (nie) zuvor: allda ich wieder wie zuvor einen muszquetierer abgeben muste (1669) Grimmelshausen Simpl. 324 Scholte;
beräuchert das durchlauchtige gerippe
mit weihrauch, wie zuvor!
Schubart s. ged. 2 (1825) 68;
so kam in diesen abend eine milde
wie nie zuvor
Joh. R. Becher dichtung (1949) 1, 150.
in der verbindung als wie: jeder richt sich nach demselben (dem fürsten) in wercken als wie nach der vhr in geschäfften Lehmann floril. polit. (1662) 2, 693; mein kragen und koller sahe so blutig ausz, als wie vor eines schmidts nothstall an s. Steffans-tag (1669) Grimmelshausen Simpl. 357 Scholte;
da steh' ich nun, ich armer thor!
und bin so klug als wie zuvor
Göthe I 4, 27 W.;
Brentano ges. schr. (1852) 5, 147.
3)
auszer beim vergleich der gleichheit (oben unter 1 und 2) steht wie auch beim vergleich der ungleichheit (nach komparativ usw.), sowohl satzeinleitend wie vor satzgliedern. nach vereinzelter bezeugung im 17. jh. (s. u. unter b α und Paul-Schirmer dt. wb. 743ᵃ) wird dieser gebrauch erst im 18. jh. üblicher. zumal in Norddeutschland und im md. ist er dialektisch und umgangssprachlich weit verbreitet (auch in der form als wie); aber auch das obd. kennt ihn gebietsweise: neben gebräuchlicherem als und weder bei Fischer schwäb. 6, 806 und Martin-Lienhart elsäss. 2, 778ᵃ; ferner greasser wie du Lexer Kärnten 257. dem bair. ist dieser gebrauch unbekannt: 'man hört z. b. statt gröszer als du wol gröszer was du, aber nie gröszer wie du' Schmeller-Fr. bayer. 2, 827; vgl. die zusammenstellung bei O. Weise unsere mundarten (1910) 86. auch die gehobene sprache meidet heute (als) wie neben herrschendem als beim vergleich von ungleichem weitgehend; doch kann wie bisweilen erforderlich sein, so etwa in mundartlich gefärbter literatur oder um doppeltes als zu vermeiden, wie beispielsweise im folgenden beleg: als Preusse ... ist er früher bereit seinen patriotismus zu documentieren, wie als Deutscher Bismarck ged. u. er. 1, 318 volksausg.; s. auch PBB 65, 358. ebenfalls selten begegnet denn (in feierlicher rede oder wiederum um doppeltes als zu vermeiden, auch in der verbindung denn je [mehr denn je]), das bis ins frühnhd. beim vergleich der ungleichheit allgemein gebräuchlich war und in dieser verwendung (im zusammenhang mit seiner entwicklung zur kausalen konjunktion) seit der 2. hälfte des 16. jhs. durch als weitgehend ersetzt wurde. über das schriftsprachlich heute auszer gebrauch gekommene weder nach komparativ usw., belegt seit der zweiten hälfte des 15. jhs., handelt ausführlich K. v. Bahder teil 13, sp. 2842 ff.; zum ganzen s. E. Lerch in PBB 65, 347—49 und 352—69.
a)
früher als wie ist die verbindung als wie beim vergleich der ungleichheit belegt (seit dem ende des 16. jhs.), die nach E. Lerch in PBB 65, 347—49 anstelle von bloszem als durchaus sinnvoll und berechtigt sein kann, sowohl satzeinleitend wie auch vor einzelnen satzgliedern; gleichwohl wird sie heute mit Adelung vers. e. wbs 5 (1786) 208 von der gepflegten sprache gemieden. historische belege, auch für das entsprechende denn (dann) wie; satzeinleitend: die nit anderst dörffen sagen, dann wie die münch wöllen Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 86 ndr.; es kan keiner frömmer seyn, als wie es jhme gott zugemessen Lehmann floril. polit. (1662) 1, 247;
mahlen kann ich nicht anders, als wie der gott mir gebietet!
Herder 27, 52 S.
mundartlich auch: die karte sitzt verkehrt, als wie de denkst (ganz anders als —) Albrecht Leipzig § 220. vor einem satzglied: nicht anderst als wie ein zahnbrecher (1594) Heinrich Julius v. Braunschweig schausp. 417 Holland; (ich) stellte mich nicht anders als wie ein junger printz (1669) Grimmelshausen Simpl. 227 Scholte; musz man gestehen, dasz sie (artischocken und kohlrabi) viel zärter und saftiger sind als wie bei uns (1787) Göthe I 31, 168 W.;
(Faust:)
o meine brust brennt heiszer als wie ihr (höllenflammen)!
Grabbe s. w. 2, 43 Bl.
b)
bloszes wie nach komparativ, ander(s), nichts. in einigen fällen mag es für das von Adelung vers. e. wbs 5 (1786) 208 verpönte als wie eingetreten sein; s. E. Lerch in PBB 65, 348 f.
α)
nach komparativ; vor einem verbum bzw. satzeinleitend: mer daran verbrechen wie gutt machen (anfg. d. 17. jhs.) H. U. Krafft reisen 248 lit. ver.;
... o schmerz, da sie (die liebe) erschienen war,
warum trafest du mich mit dem gewaltigsten
deiner zitternden kummer,
schwermuthsvoller, wie nächte sind?
Klopstock oden 1, 94 M.-P.;
schreibe ... mehr wie du getan hast (1765) Göthe IV 1, 32 W.; und wär sie noch wilder, wie sie ist O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 319; a besser garn wie ich kriegt hab, kann ich nich zurickbringen Gerh. Hauptmann weber (1892) 10. häufig im gekürzten vergleich, vor einem substantivischen oder pronominalen satzglied (wiederholt nach mehr):
auch du wirst einmal mehr wie verwesung seyn
(jüngere var.: mehr als)
Klopstock oden 1, 96 M.-P.;
(Wenceslaus:) so braucht ihr die teufel nicht zu scheuen, und wenn ihrer mehr wären wie ziegel auf dem dach Lenz ges. schr. (1828) 1, 72; das kann keine besser wie ich O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 341; gott ... ist ein ungerechter kaufmann, oft fordert er dem reichen mehr ab, oft weniger wie dem armen Paul Ernst erdachte gespräche (1932) 39. — mit adverb oder präpositionaler wendung:
wartet, ich singe die könige bald, die groszen der erde,
wenn ich ihr handwerk einst besser begreife, wie jetzt
(1790) Göthe I 1, 319 W.;
minder wie vor jahren Claus Harms pastoral-theologie (1834) 1, 17; indem oft mehr an ein kleid wie an eine kopfhülle gedacht wird M. Heyne körperpflege und kleidung (1903) 317; mehr wie irgendwo erweist sich hier die sprachwissenschaft als die hauptstütze, die magische laterne der kulturgeschichte R. Kleinpaul die ortsnamen im deutschen (1912) 12. in der verbindung mehr wie ein(mal) eine unbestimmte mehrzahl bezeichnend: weil zu einer und derselben wirkung sich mehr wie eine ursache denken läszt Kant w. (1838) 1, 253; wie ich mehr wie einmal ... in die gebirge geflüchtet (1814) Göthe IV 24, 301 W.; E. Pfleiderer erlebnisse eines feldgeistlichen (1890) 39.
β)
nach ander (anders); satzeinleitend oder vor einem satzglied:
dasz er anders denkt wie ich
Göthe I 3, 357 W.;
sie ist auch ... so ganz anders, wie die jungen frauenzimmer sind O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 404; kehrte ich ... nach Helmstedt zurück, mit anderen gefühlen wie sonst Hoffmann v. Fallersleben mein leben (1868) 1, 60; vaterliebe wäre etwas ganz anderes wie mutterliebe? Paul Ernst erdachte gespräche (1932) 27. mundartlich: die sache is ganz anders, umgekehrt (als) wie du denkst Müller-Fraureuth obersächs. 2, 663ᵇ.
γ)
nach nichts, eine ausnahme anführend im sinne von 'nichts anderes als', 'nichts auszer', 'nur': Heynatz antibarb. 2 (1797) 633; schlieszlich war, was er that, nichts wie sein gutes herrenrecht H. Sudermann katzensteg (1901) 33;
(ich) habe nichts hervorgeholt aus mir
und meinem leib wie flüche und verzweiflung
Hofmannsthal Elektra (1909) 80;
ein altes weib, das nichts gerettet hatte wie ihre kunkel Paul Ernst zehn geschichten (1933) 34; er sagte weiter nichts wie —, das sagt niemand weiter wie du Müller-Fraureuth obersächs. 2, 663ᵇ. in der ellipse: nix wie 'naus Fischer schwäb. 6, 806; nichts wie fort sprach-Brockhaus (1935) 731ᵃ.
B.
zum vergleich mit einem unterstellten, nicht wirklichen, scheinbaren sachverhalt usw. dient wie
1)
im sinne von 'als wenn, als ob' an der spitze von bedingungssätzen; vgl. synonymes als I 7 teil 1, sp. 253 (dazu Paul dt. gramm. 4 [1920] § 466 und Behaghel dt. syntax 3 [1928] § 993), sam 3 teil 8, sp. 1726 und ²gleichsam 4 teil 4, 1, 4, sp. 8217. das finite verb befindet sich zur konjunktion wie stets in distanzstellung (s. dagegen die entsprechenden sätze mit als). im mhd. ist wie 'als ob' mehrfach belegt, besonders in sätzen, wo träume oder dgl. berichtet werden, s. mhd. wb. 3, 573ᵃ. nhd. findet sich der gebrauch nur in älterer zeit noch gelegentlich: (jmd soll) Mariamnem gegen im (Herodes) ... versagen ('verleumden') in solcher mǎsz, wie sie in gebetten hette (etwas schlimmes zu tun) (1473) Steinhöwel de claris mulieribus 259 Drescher; Vlnspiegel thet wie er von dem heiligen tag nit wiszt (1515) Till Eulenspiegel 80 ndr.; (sie) scheynen wie sie grosz heyligen weren (1520) Luther 9, 260 W.; apokalypse 5, 6; er (der von der sterzseuche befallene ochse) fühlt es nicht (die operation), denn der schwantz ist wie er todt wäre Walther pferde- u. viehzucht (1658) 164; dünckt mich doch, wisz Dürnruse wäre (1661) Gryphius lustspiele 292 lit. ver.; noch mundartlich, s. Fischer schwäb. 6, 807. sonst gilt in neuerer sprache dafür wie wenn mit konjunktiv (daneben gebräuchlicher als wenn, als ob): ... wie wenn nicht ... kandidaten genug ... vorhanden gewesen wären K. F. Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 1, 21; ein fortwährend grübelndes niederblicken, wie wenn sie auf dem boden etwas suchte Gutzkow zauberer (1858) 1, 246; das is, wie wenn man mit klötzen redte Gerh. Hauptmann weber (1892) 6. in andern belegen ist mit dem indikativ des finiten verbs die beziehung auf ein tatsächliches, erfahrungsgemäsz schon (wiederholt) eingetretenes geschehen gegeben:
... wie, wenn der wolff die schaaffe
der geyr das huhn zerreist; so handelt jtz die welt
Rist d. friedewünsch. Teutschl. (1647) 33;
die funken knasterten und leuchteten am schwarzen gewölbe, wie wenn in dunkler nacht der blitz die garben des feldes anzündet Klinger w. (1809) 3, 28; jetzt masz er sich den sprechenden ganz gemächlich von kopf bis zu fusz, wie wenn man sich eine kuriose erscheinung so recht mit zeit und weile zu gemüthe führt Goltz b. d. kindh. (1847) 477.
2)
vor einem satzglied; s. auch ²gleichsam 2, 3, 5 teil 4, 1, 4, sp. 8213 ff., das seit dem 17. jh. mit wie die verbindung gleichsam wie (wie gleichsam) eingehen kann, und gleichwie 3 ebda sp. 8268.
a)
'zuweilen werden als und wie gebraucht wie lat. quasi vor einem subst. um anzudeuten, dasz etwas, was man wahrnimmt, dasjenige zu sein scheint, was das subst. bedeutet' H. Paul dt. gramm. 4 (1920) § 433 (mit belegen von Luther bis Gutzkow): (sie) sungen wie ein new lied apokalypse 14, 3;
alles braucht sich seiner ruh'.
sehet, wie die saat sich bücket,
die verwachte rose nicket
und tut wie ihr auge zu
(um 1632) Paul Fleming dt. ged. 1, 299 lit. ver.;
es fiel ... durch gras, blätter und blumen wie sand und grus in menge herunter Göthe I 25, 1, 162 W.;
ein einzig mal lief wie ein mannesschatten
vom meeresufer nach dem thurme zu
Grillparzer s. w. 7, 64 Sauer;
als habe mein engel von jenem zeitpunkt ab wie ferien gehabt Fontane meine kinderjahre (1894) 255. als wie:
ich sehe so viel wunder-ding', aus allen orten, jetzt entspriessen,
(da recht als wie ein wunder-meer aus wasser, luft und erde quillt)
Brockes ird. vergnügen 8 (1746) 527.
b)
entsprechend mit präpositionalem ausdruck, auch in der verbindung gleich wie:
umgeben gleich wie mit aim schilde
(1572) Schede psalmen 23 ndr.;
Spring-ins-feld kollerte wie ausz einem holen hafen herausz Grimmelshausen Simpl. 206 Scholte;
was ich besitze seh' ich wie im weiten
(1797) Göthe I 14, 6 W.;
in den heidnischen zeiten war er wie zu hause (1800) Novalis schr. 4, 60 Minor; wie durch ein wunder kamen alle ... unversehrt davon H. v. Barth Kalkalpen (1874) 397; (er) hob dann wie von ungefähr das auge über den tisch E. Strausz d. spiegel (1919) 175. auch mit adverb: īΧ hœ̄ršə noΧ wī haid Gerbet gramm. d. mundart d. Vogtlandes 309. als wie: dasz der heil. geist ... unser hertz mit seinem göttlichen zusprechen, als wie mit einem kühlen thau und sanfften lüfftlein, erquicken wird Christian Scriver seelenschatz (¹¹1737) 1, 382ᵃ;
die schergen stehn entfernt, als wie in furcht
Tieck schr. (1828) 1, 91;
Ferd. Gregorovius wanderjahre in Italien 2 (1904) 104.
c)
auch der häufig belegte gebrauch mit adjektiv oder partizip gehört der neueren sprache an. der folgende beleg vom ende des 16. jhs. bleibt in dieser frühen zeit vereinzelt:
zur kirchen geht er wie gezwungen
B. Ringwaldt laut. warh. (1597) 29.
zahlreiche zeugnisse flieszen seit dem 18. jh.: dasz ich seyder weinnachten gantz wie lahm bin (1705) Elis. Charl. v. Orleans br. 433 Holland; es regnet wie ausgiesend (1786) Göthe IV 8, 4 W.; die dünngesäeten wie frierenden halme auf den feldern Gutzkow zauberer (1858) 1, 3; die vögel flogen wie munterer hier ein und aus (im sommer) Fontane meine kinderjahre (1894) 116; seitdem es (das paket) gestern angekommen ist, bin ich wie betäubt (1948) E. Langgässer ... soviel berauschende vergänglichkeit (1954) 120. üblich in der wendung: du kommst mir wie gerufen Platen w. 2, 160 Hempel; Brecht rundköpfe (1957) 194. zum part. perf. tritt wiederholt ein präpositionaler ausdruck:
und wie vom geistigen wein des weisen Anakreon trunken,
und wie im lyrischen ton lächelnder lieder gelehrt,
fieng er poetisch so an ...
Klopstock oden 1, 37 M.-P.;
als ... die heere bald darauf über den Rhein schritten, da fühlte sich Fichte zu seiner akademischen winterarbeit wie verjüngt W. Baur geschichts- u. lebensbilder (1866) 1, 242; (er ist) wie vernarrt in seine frau Fontane ges. w. (1905) I 5, 146.
d)
weniger geläufig ist der gebrauch vor einem verbum:
... da er den nahen zweck
fast wie ergreifen will, rückt ihn der tod hinweg
P. Fleming dt. ged. 1, 52 lit. ver.;
pause, unter der er, in anschauung ihrer, sich wie verliert Lessing 3, 78 L.-M.; (dasz dem geist) manche vielbesprochene einzelheit des textes wie verschwindet W. Löhe evangelienpost. (1848) 1, 144. dazu noch: (ich) wollte mich eben weiter umsehen, als es über mir wie zu regnen anfing Göthe I 25, 162 W. vor dem ersten glied eines zusammengesetzten verbs: die kinder traten alle wie zurück Göthe I 23, 158 W.
C.
bei verblassen seiner vergleichenden funktion hat wie oft beiordnende bedeutung und kommt dem koordinierenden und nahe.
1)
in der satzanknüpfung ähnliche sachverhalte und dgl. assoziierend, wobei das moment der verallgemeinerung und erläuternden ausführung zur geltung kommen kann: gleichwol gedenkt er der engel in der historie Abrahams und Loths ..., wie auch sonst die schrift hin und wieder von den engeln redet Luther tischr. 1, 131 W.; dafür wir vnserm getrewen gott hertzlich danck sagen ... wie wir hie mit auch jm ferner dancken, das er ... ein ... schule hie hat anrichten ... lassen Mathesius Sarepta (1562) 1ᵃ; beym kohlenwercke mache das gefluder ('gerinne') zu schaffen, wie an andern orten der graben auch noch wasser durchlasse (1786) Göthe IV 8, 27 W.; nur an Thomas von Aquino könne er sich nicht gebunden achten: wie dessen werke ja auch ... nicht von der kirche gutgeheiszen worden Ranke s. w. (1867) 1, 214; (die ablehnung aller heiratsanträge) betrübte hof, stadt und land, wie es auch gott betrübte Thomas Mann ges. w. (1955) 8, 63. gegenseitigkeit hervorhebend: begib ich mich in din trüe(s) und fruntlichs hertz, wy du mir ymer ewigklichen solt bevolchen und ergeben sin (Ulm, um 1480) bei Steinhausen privatbr. d. mittelalters 2, 61; man mus ... gestehen ..., das man auch solcher völcker (der Griechen und Römer) nahmen und wörter ... von ihnen genommen ...: wie hingegen was sie (die andern völker) aus Deutschland geborget ... von ihnen behalten und als ihr eigen aufgenommen und gebrauchet (ist) Gueintz rechtschr. (1666) 6. — eine allgemeine erklärung (verallgemeinernde feststellung) einführend:
Apoll, der gern nach mädchen schielte,
wie dichter thun
Hölty ged. (1869) 3 Halm;
wird er (der längste tag) gleich entweichen, wie nun tage sind
Göthe I 4, 237 W.;
er legte selbst den grundstein seiner schmach,
als er mit ungestümer grille hang,
wie schwache gerne keck und seltsam scheinen,
dem fremdling auf sich zum genossen drang
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 103.
im vordersatz mit folgendem hauptsatz: wie's in der welt geht, das glück wälzt bergauf, bergab Lenz ges. schr. (1828) 1, 88; aber wie die schicksale der menschen wandelbar sind, der verwalter gerieth noch in seinen vorgerückten jahren in die fallstricke eines mädchens und heirathete es Stifter s. w. 5, 1 (1908) 352; wie das aber so ist, wenn's frühling wird ..., eines tages ... sagte ich zu Marie: 'ich musz wohl mal weiter ins land und arbeit suchen, mutter' in: Lahrer hinkend. bote (gr. volksausg. 1938) 51ᵇ. ferner kann wie — den konjunktionen als und weil nahekommenddurchaus auch kausalsätze einleiten: wie (weil) ich gesonnen bin comme je suis résolu Rädlein t.-it.-frz. (1711) 1059ᵃ; wie sie das singen überaus liebte, sangen wir etliche verse aus dem lied: Christi blut u. gerechtigkeit etc. (1774) Elis. Göthe an Lavater in: schriften der Goetheges. 16, 255; behalt es aber für dich, wie es nur für dich geschrieben ist Göthe IV 8, 30 W.; wiᵉ ich jetz am waʰleⁿ bin, ze will ich aᵘᶜʰ rëcht waʰleⁿ Martin-Lienhart elsäss. 2, 778ᵃ. mitunter wird der kausale gebrauch an die zeitliche bedeutung 'während', 'als' (s. u. IV) anzuschlieszen sein:
denn wie ich dich so ganz im herzen trage,
begreif' ich nicht wie du wo anders bist
Göthe I 4, 31 W.;
da rief ich den schmied herfür, dasz er mein rosz beschlage, und wie sich niemand rührte, tat ich einen lanzenstosz nach der tür, dasz sie sperrweit auffuhr Scheffel ges. w. (1907) 2, 111. mit korrelativem (al)so, auch hier bisweilen ins kausale überspielend: wie die warhait vrsprünglich kummbt aus goetlicher lieb vnd gerechtikait ..., also entzündt sy ... den menschen zuo ordennlicher lieb vnd gerechtikait (1528) Berthold v. Chiemsee teutsche theologey 83 R.; wie aber des höchsten auge derer boshaften endlich nicht verschonen ... dürfte: also sihet ein ... gottergebenes gemütte alle ungleiche vorgänge der welt für einen durchgang an, der keinen stein beweget Butschky Pathmos (1677) einführung ):( 3ᵇ; es regnet; aber wie wir nicht von saltz sein, so werden wir nicht schmeltzen (1715) Elis. Charl. v. Orleans br. 605 Holland; wie nicht alle thiere wiederkäuen, so sind auch nicht alle geister der menschen zur überlegung und zum nachsinnen geschickt Gottsched vern. tadlerinnen (1738) 199; wie ich übrigens für philosophen schreibe, so habe ich nicht für nöthig befunden, alle schlüsse vorzubuchstabiren Kästner verm. schr. (1755) 1, 2; wie diese verfassung geruht hatte auf der spaltung der aristokratie, so schien die zwiespältigkeit der opposition sie zu falle bringen zu müssen Mommsen röm. gesch. 2 (1865) 213; denn wie es der geist der erzählung ist, der die glocken läutet, wenn sie von selber läuten, so ist er es auch, der tötet, die da im liede sterben Thomas Mann ges. w. (1955) 8, 59. gegensätzliches oder sich ergänzendes verbindend: derhalb wie ir herren gern treuwen dienst habt von ewern aygen leüten, so beweyst jn auch trewen beschirm Urban Regius von leibeigenschaft (1525) C 3ᵃ; wie weyszhait ain hoch guͦt, also ist vnwissenhait das schädlichste ding G. Mayr sprüchw. (1567) B 7ᵇ; wie bey jungen freyhen ist ein ehr und keuschheit, also ist es bey alten ein schandt und leichtfertigkeit Lehmann floril. polit. (1662) 1, 17; wie ich früher die urpflanze aufgesucht, so trachtete ich nunmehr das urthier zu finden Göthe II 6, 20 W.; auch ohne korrelatives so: wie nämlich bei andern menschen das tag- und traumleben gesondert ist, war es bei ihr vermischt Stifter s. w. 3 (1911) 101. deutlich im sinne von 'einerseitsandererseits': wie verwegenheit ein laster ist, also hat auch kein lob verzagheit Friedrich Wilhelm sprichwörterreg. (1577) kk 1ᵇ. besonders oft dienen zur bekräftigung, erläuternden ausführung, begründung, verallgemeinerung sätze mit wie denn, in älterer sprache auch mit wie dann: ich wollt wohl gerne ... für euch handeln ..., wie denn auch mein schrift der ganzen jüdischheit gar viel gedienet hat Luther briefw. 8, 89 W.; er ist ... also arm, dz er bluͦten möcht vor armuͦt, wie wir dann auch sonst sagen: ich hab keinen bluͦtigen heller schöne weise klugreden (1548) 73ᵇ;
den christen jetz ein letzin lassen
und bluet badt über alle massen
mir alle solten gantz behendt,
wie mir dan alle von ihn geschendt,
verjagt, verflucht, ihr lauter spot
Endinger Judenspiel 25 ndr.;
Spring-ins-feld hatte ... mich zu glauben persuadiert, als ob mich jederman neidete, wie es denn in der wahrheit auch nicht anders war (1669) Grimmelshausen Simpl. 247 Scholte; was zweydeutig seyn kann, wie denn in den sprachen die meisten wörter mehr als eine bedeutung haben Chr. A. Crusius kurzer begriff der moraltheologie (1772) 1, 75; selten dasz er sie (eine bestimmte tafelstunde) einhält, wie er denn versichert: eine der schönsten erfindungen neuerer zeit sei das speisen nach der charte Göthe I 24, 98 W.; der arzt verlangte ..., ich sollte mich durchaus auf keine weise beschäftigen, wie denn die aerzte überhaupt wunder von den kranken fodern Tieck schr. (1828) 4, 25; man fürchtete dort anfangs seine strenge: wie denn seine rechtspflege rücksichtslos, seine haushaltung genau war Ranke s. w. (1867) 1, 81. wie lose die gedankliche verknüpfung sein kann, zeigt besonders deutlich der folgende Göthe-beleg: ersuche ... solchen (brief) weiter zu befördern. wie ich denn zu allen neuen bereicherungen ... glück wünsche und einige ... briefe wieder zurücksende (1826) IV 41, 58 W. wiederholt mit rückweisender pronominaler bestimmung; z. b.: hätte ich ... mein leben zu bessern einen anfang machen sollen, wie ich denn solches in meinen höchsten nöthen gelobt (1669) Grimmelshausen Simpl. 322 Scholte.
2)
in der satzgliedverknüpfung.
a)
wie für sich stehend im sinne von 'und' (den gebrauch mit anderen partikeln, wie auch und so, s. unter b).
α)
substantive oder präpositionale ausdrücke verbindend:
und die doch wellen haben er
gen diser welt wie halt gen got
Oswald v. Wolkenstein ged. 118, 141 Schatz;
diser berg (der Vesuv) hat bey weilen äschen vnd füncklen wie den sandt über sich aufgeworffen Seb. Franck chron. zeytbuch (1531) 20ᵇ; die tugend allein verbleibt im anfang wie im ende gerühmbt Lehmann floril. polit. (1662) 1, 26;
und ich konnte, wie vom schönen leben,
mich noch nicht von meiner hoffnung scheiden
Göthe I 2, 100 W.;
und thränen zollt der lust er, wie dem leide
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 216;
er vergasz ... des wilden weges ... wie des auftrags E. Zahn die da kommen u. gehen (1909) 186.
β)
adjektive (adverbien) verknüpfend; vgl. nach wie vor oben sp. 1483 und sowieso teil 10, 1, sp. 1824 (s. v. sowie 4) und 1348 unten (s. v. so II A 1 i): und bleiben deroselben ieczt wie alle wege mit freundtschafft, kayserlichen gnaden ... wohl bey gethan (1618) acta publica 2, 11 Palm;
nein! streue klug wie reich, mit männlich stäter hand,
den segen aus auf ein geackert land
Göthe I 2, 185 W.;
dasz sie die beiden fische, grosz wie klein,
geruhig durfte braten in der pfanne
Gaudy s. w. (1844) 2, 11.
b)
einfaches kopulatives wie wird durch hinzutreten weiterer beiordnender partikeln verstärkt.
α)
die verbindung wie auch 'ebenso auch, und auch' gehört vorwiegend älterer sprache an und ist namentlich für das 17. jh. gut bezeugt. leichte fügungen, die bei alleinstehendem wie überwiegen (mit zwei adjektiven oder mit zwei substantiven, die keine weitere bestimmung bei sich haben), begegnen hier nur vereinzelt: kranckheit, wie auch vnfall, offt zu eigener erkantnus bringt Friedrich Wilhelm sprichwörterreg. (1577) c 2ᵇ; (ich wollte) einige schöne, wie auch seltzame sachen sehen Abraham a s. Clara Judas (1686) 1, 41. überwiegend steht wie auch in schwereren fügungen; so bei substantiven (pronomina) mit weiteren bestimmungen (nebensätzen, satzgliedern): so werden freylich zuͦgleich sündigen ... der so die warhait verbürgt, wie auch der so die lugen treibt Joh. Nas eins vnd hundert (1567) 1, vorr. a 2ᵇ; und der sultan selbsten incognito, wie auch alle anwesende herren bottschafter zugesehen Simpert diarium (1701) 120. entsprechend in der satzanknüpfung: als er vernam, dasz ich mich vor einen freyreuter auszgab ... wie auch, dasz ich ausz dem läger vor Breysach von den Weymarischen her käme (1669) Grimmelshausen Simpl. 364 Scholte. zumal bei widmungen, titeln und anreden im brief ist wie auch das gegebene, statt des weniger gewichtigen bloszen wie: dem wolädlen ... hern, hrn Johan Slütern ... wie auch dem wolehrenfästen ... hern Mattheus Träinern (gewidmet) Bellin rechtschreib. (1657) )( 3ᵃ; (1660) Stieler geharnschte Venus 11 ndr.; des ... herrn Sam. von Butschky ... käysl. maj. rahts wie auch königlichen mannes bei Butschky Pathmos (1677) ):( 1ᵇ (nach dem register); ich verbleibe ... eu. hochgebohrnen herrl., wie auch dessen frau liebste allezeit dienstfreundlichst reisefertigster Schelmuffsky Chr. Reuter Schelmuffsky (vollst. ausg.) 4 ndr.ein schluszglied nachträglich anfügend: ein büffel ist ein grosz thier, wie auch ein beer schöne weise klugreden (1548) 178ᵇ; da er aber auszen blieb, so sey er hiedurch schönstens gegrüszt, wie auch die gute Doris (1822) Göthe IV 36, 164 W. bei aufzählung mehrerer glieder das letzte anknüpfend: verbleiben den herren vnd euch, wie auch den gesandten sonsten iederzeit mit freundtschaft wol beygethan (1618) acta publica 1, 33 Palm; in Italien galten um die mitte des verflossenen jahrhunderts Gori, Passeri, wie auch Bracci, für die trefflichsten alterthumsforscher Göthe I 46, 70 W.
β)
in der verbindung wie ... so (auch), im 16. und 17. jh. wie ... also (auch) im sinne von 'sowohl ... als auch': dein wille geschehe wie ym hymel also auch auff erden (1529) Luther 30, 1, 201 W.; auch forthin ... niemandt, wie ausz den höhern freyen ständen, also weder die städte, märckte noch pawerszleute ... von seiner religion zue anderer ... gedrungen werden (1618) acta publica 1, 66 Palm;
wie zur strafe, so zum lohne
spricht sie (Cypris) mildes recht herab
Bürger s. w. 1ᵇ Bohtz;
unser freund hatte diesen vortrag mit geist und enthusiasmus wie geführt so geendigt Göthe I 25, 95 W.; in seiner verbindung mit Frankreich fand er (Clemens VII.) wie den muth, so auch den vorwand dazu (das concilium zu verweigern) Ranke s. w. (1867) 37, 77.
γ)
in gleicher weise auch so ... wie (vgl. so teil 10, 1, sp. 1361 oben): dasz seind wir umb ... euch mit möglichster gutter correspondentz, ... zu beschulden vnndt zu vordienen so willig, wie erbötig (1618) acta publica 1, 68 Palm;
aus dem bunten weltbeginnen
wende deinen holden blick
so vertrauenvoll nach innen,
wie auf's heilige bild (Raffaels 'gärtnerin') zurück
(1820) Göthe I 4, 7 W.;
meinen gast, den in der mitte
meiner gäste hochzuachten
dir befahl so pflicht wie sitte
Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1886) 92.
für zusammengerücktes so wie (sowie) s. so a. a. o.; dazu noch:
du giebst die beuthe so wie die gefangnen frey
König ged. (1745) 17;
bei der beschränktheit meiner zeit und mittel, so wie bei dem wechsel meiner lage Ritter erdk. 1 (1822) x. entsprechend sowohl ... wie neben sowohl ... als (auch); s. dieses teil 10, 1, sp. 1824: sowohl das alltägliche wie das besondere seiner physiognomie Fontane ges. w. (1905) I 5, 124; Harmodius und Aristogiton sowohl wie Brutus waren für mein kindliches rechtsgefühl verbrecher Bismarck ged. u. er. 1, 19 volksausg. ähnlich so gut wie (vgl. so gut als teil 10, 1, sp. 1361 oben):
man wird, so gut wie vom propheten,
von Wamik und von Asra reden
Göthe I 6, 50 W.;
die königliche bibliothek in Paris ist für die neuere geschichte so gut wie für so viele andere zweige der literatur ... eine ... fundgrube Ranke s. w. (1867) 3, vii.
IV.
als temporale konjunktion im sinne von 'als, während, sobald, wenn'. die seit dem frühnhd. bezeugte verwendung (vgl. mhd. swie 'wenn irgend, wenn, sobald' in: mhd. wb. 3, 575ᵇ; die ebda 573ᵇ für temporales wie angeführten belege treffen nicht zu) begegnet besonders oft in belegen seit dem 18. jh. 'dieser gebrauch ist keiner der besten, ... indem er zweydeutigkeit mit dem umstandsworte wie macht' Adelung versuch e. wbs 5 (1786) 208; er wird daher von Heynatz, der nur als und da gelten lassen will, verworfen, s. antibarbarus (1796) 2, 634; vgl. temporales als III 1 teil 1, sp. 257; da 2 und 3 teil 2, sp. 657; nachdem II 1 teil 7, sp. 34; sobald 2 teil 10, 1, sp. 1386; ferner wo II A 2 teil 14, 2 sp. 914. in den mundarten (ebenso in der umgangssprache) ist der temporale gebrauch des wie sehr verbreitet; für das obd. vgl. Martin-Lienhart elsäss. 2, 778ᵃ; Fischer schwäb. 6, 807; nach Schiepek satzbau d. Egerl. ma. 57 allgemein bair.-österr.; unbekannt ist zeitliches wie in Basel, vgl. PBB 18, 493; für den gebrauch im md. vgl. z. b. Wrede köln. sprachsch. 3, 278ᵇ und Müller-Fraureuth obersächs. 2, 664ᵃ; die verbreitung im nd. bereich belegen Lademann wb. d. Teltower volksspr. 280ᵇ, A. Lasch berlinisch 303, Damköhler Nordharzer wb. 226ᵇ und Wegener in: Paul grdr. 1, 944 für das gebiet von Magdeburg.überwiegend ist der wie-satz vorangestellt; der hauptsatz wird dann mitunter durch ein da oder so eingeleitet.
1)
auf ein bestimmtes geschehen und dgl. in der vergangenheit bezogen, daher mit präteritum oder erzählendem präsens; im sinne von 'als': wie ich kam, saszen sie und truncken Reinfal Götz v. Berlichingen lebensbeschr. 35 Bieling; derhalben wie sich die von Erdtfurt ainsmals user iren statt gelassen ..., do seyen sie von des marggrafen Friderrichen reuter ... antroffen und in die flucht geschlagen Zimmer. chron. ²1, 20 Barack; wie er (Damokles) aber vngefehr über sich sihet, wird er gewahr, dasz ein ... schwerd über seinen kopff an einem seidenen faden hanget Lehmann floril. polit. (1662) 3, 306; sie war wittwe, wie du sie kennen lerntest? Göthe I 9, 123 W.; wie sie ein weilchen gegangen waren, stand Hänsel still und guckte nach dem hause zurück br. Grimm kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 50; wie ich mich etwas erleichtert fühlte, so rückte ich allmählig hinter den vielen leuten hervor Bettine d. buch geh. d. könig (1843) 1, 89; wir müssen wohl eine lange zeit so gelegen haben, denn wie ich wieder etwas von mir weisz, da höre ich ... die preuszischen trompeten Paul Ernst zehn geschichten (o. j.) 38 Potthoff. 'sobald (als)', das rasche, unmittelbare aufeinanderfolgen zweier ereignisse bezeichnend:
wie sie ihn erblickt,
hebt sie, die erschrickt,
mit erstaunen eine weisze hand
Göthe I 1, 220 W.;
wie er das wort gesprochen, war die zeit verwandelt Storm s. w. (1898) 1, 4. 'während': wie ich nun sollichs bedenck, so befynd ich, das vns das zuͦ ruͦm vnd preysz raichen ... werde Boner Herodot (1535) 97ᵇ; wie diese ihre stückgen ... so erzehleten, kamen zween cappuciner dorther Grimmelshausen 2, 351 Keller;
und wie ich stieg, zog von dem flusz der wiesen
ein nebel sich in streifen sacht hervor
Göthe I 1, 3 W.;
doch wie er nun die geliebten gestalten viele jahre hindurch mit sich im herzen trug, ... da wuchsen sie mit ihm und er mit ihnen Treitschke dt. gesch. (1897) 1, 318; wie er aber ritt, da fühlte er, wie ihre tränen ihm auf den nacken fielen Paul Ernst zehn geschichten (o. j.) 7 Potthoff. gegenüberstellend:
wie mit des elementes macht
der mensch so muszte kämpfen,
konnt' in des busens eignem schacht
die gier er nicht mehr dämpfen;
wie er das thier sich machte zahm,
ward wild er selbst
Rückert ges. ged. (1837) 3, 336.
'solange': (der bauer:) wie's geschäft gutt ging, was habt'r gemacht? Gerh. Hauptmann weber (1892) 56. als erläuterung bei zeitangaben: anno 1583, wie es umb den letzten februarii tawwetter ware Kirchhof wendunmuth 2, 199 Ö.; es fällt in die zeiten, wie ich die von Miltenberg ... in der wirthsstube fand Göthe I 8, 137 W.
2)
im sinne von 'sowie, sobald, wenn' auf zeitlich nicht festgelegte, namentlich erst zu erwartende ereignisse u. dgl. bezogen, bei (nach) deren eintritt ein bestimmtes verhalten, geschehen oder sein (regelmäszig) statthat; wie die belege zeigen, ergibt sich eine gewisse annäherung an die konditionalen wenn-sätze: die gröste trotzer ... sind allezeit ... die forchtsambsten, wie sich das blättlein wendet J. Dyke nosce te ipsum (1638) 526; unsere vorfahren paszten auf. wie sie einem herrn gram wurden, fingen sie ihm etwa seinen sohn und erben weg Göthe I 8, 207 W.;
(das volk) droht ihn zu zerreiszen,
wie er sich zeigt; verberget ihn
Schiller 12, 516 G.;
die katze, die sonst ausreiszt, wie sie den ungekämmten gegner nur im hofe sieht, blieb diesmal sitzen Holtei erz. schr. (1861) 1, 5; wenn du nicht gleich ... die stube sauber machst, musz ich es dem herrn major melden, wie er von seinem neujahrsurlaub zurückkommt Joh. R. Becher auswahl (1952) 4, 15. 'falls': wie du den geschieszen oder stechen möchtest, so hetest du vil guots wildprät ze eszen Steinhöwel Äsop 183 Ö.
3)
neben zeitlichem wie steht gleichbedeutend die zusammensetzung sowie; zu den teil 10, 1, sp. 1824 (unter sowie 3) angeführten belegen im sinne von 'sobald als' s. hier noch (mit gelegentlicher annäherung an die bedeutung des konditionalen wenn):
... ich wache ja, so wie
die kleinen sich bewegen
Tieck schr. (1828) 1, 65;
in seinen gedanken kann der mensch sich frei machen, aber so wie er mit menschen lebt, wird er ihr sklave O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 125. 'während', 'als': so wie ich weiter ging, hörte ich das bellen immer schwächer (1811) Tieck schr. (1828) 4, 159; Grillparzer s. w. 6, 49 Sauer.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1448, Z. 42.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
widerprallen wiedertun
Zitationshilfe
„wie“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wie>.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)