Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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wieden, adj.

wieden, adj.,
aus binderuten: ain geflochtens widens band (1537) Schaidenreiszer Odyssea 100 Weidling; weden, ween brem.-nieders. wb. 5 (1771) 214.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1510, Z. 53.

wieten, vb.

wieten, vb.,
unkraut mit der hand ausziehen. ein ingwäonisches sw. verb mit der bedeutung 'jäten': as. wiodon, mnd. wêden; mnl., nnl. wieden; westfries. wjudde, wjûde, wjoede Dijkstra friesch woordenb. 3, 468; ags. wēodian, engl. to weed (vom 15.—19. jh. begegnet gelegentlich auch das st. prät. und part. prät. wed), das von as. wiod, n.; mnl. wiet, f., nnl. wiede, f.; ags. wēod, n., engl. weed 'unkraut' (= ahd. wieta 'filix'?) abgeleitet ist.die herkunft ist unsicher. vgl. die vermutungen bei Doornkaat Koolman ostfries. 3, 522 und Franck-van Wijk etym. woordenb. (1912) 792. — das nd., zufrühest im Heliand (s. unten), bezeugte wort tritt seit dem 16. jh. gelegentlich bei hd. autoren Norddeutschlands (vereinzelt auch auszerhalb Norddeutschlands, s. unten Hohberg) auf, ohne jedoch in der schriftsprache üblich zu werden. nach dem material des deutschen wortatlas war wieten (vielfach mit dem präfix aus-) 1939 mundartl. in ganz Niederdeutschland verbreitet, wobei die südgrenze von westen nach osten etwa nördlich folgender orte verlief: Stadtlohn, Ahaus, Dülmen, Lüdinghausen, Ahlen, Ibbenbüren, Osnabrück, Iburg, Gütersloh, Lemgo, Münder, Alfeld, Hildesheim, Bodenburg, Blankenburg, Egeln, Magdeburg, Stendal, Rathenow, Möckern, Barby, Bitterfeld, Herzberg, Finsterwalde, Triebel, Crossen, Schwerin.der auf as. io zurückgehende vokal der stammsilbe zeigt in den nd. mundarten im allgemeinen die fortsetzungen von mnd. ê⁴, ausgenommen in Schleswig-Holstein und einem streifen, der sich von der Elbmündung zwischen Stade und Altona südwärts etwa bis zur linie Hannover-Bückeburg zieht, wo daneben wü(d)en, wö(d)en u. ä. gesprochen wird, im norden sicher unter dem einflusz von dithm. jü(d)en 'jäten'. die schriftsprachlichen quellen schreiben entsprechend der md. lautung meist ie, selten i: runcare widen Trochus prompt. (1517) J 6ᵃ, oder sie bewahren mit e, ei den nd. lautstand (s. die belege unter weden teil 13, sp. 2833). — der inlautende dental erscheint seit dem 16. jh. in den schriftsprachlichen quellen bald als d, bald als t, vereinzelt als tt (s. unten Tharaeus). mundartl. gilt t neben d heute im brandenburgischen unter obersächs. einflusz. frühen ausfall des d, wie er heute in den mundarten weithin üblich ist, bezeugt: jäten, wieen runcare, sarrire Calvisius thes. (1666) 29. — belege aus nd. quellen:
ne uuelleo ik that gi it (das unkraut) uuiodon
Heliand 2561 Sievers;
item so gaf ik ut 7 s. den vrowen, die den kol wededen (Wismar 1412) quelle bei Schiller-Lübben 5, 645. aus hd. quellen:
sein tochter dient jhr ohn beschwern,
mit graben, wieten, kreuter graben
Rollenhagen froschmeuseler (1595) Ji 1ᵃ;
(das unkraut im flachs) wird gewittet oder auszgegetet (1609) Tharaeus klage d. lieben fr. Gerste 53 Bolte; runcare wieten nomencl. lat.-germ. (1634) 74; und eben darüm mus der acker ... so lange gewietet werden, bis das rohr grosz und starck genug ist dem unkraude zu wiederstehen O. Dapper, America (1673) 432ᵇ; so musz auch das wieden oder jäten dabei ... nicht vergessen werden Schröter hauszverwalter (1712) 178; damit man im jätten oder wieden die mittellinie (des beetes) mit der hand von beyden seiten bequem erreichen möge Hohberg georg. cur. 3, 1 (1715) 363ᵃ; die alte ... frau, die aber ihr lebelang in dem garten gewietet, gehackt, gegraben ... hatte A. v. Arnim s. w. (1852) 2, 287; der liebe gott düngt den sand nicht und wiethet nicht den hedderich, wenn man ihn auch noch so sehr bittet Alexis Isegrim (1854) 1, 42; jäten oder wieden Hartig forstl. conv.-lex. (²1836) 419. in den nd. mundartwbb. ist das wort durchgehend bezeugt, z. b.: ween oder weeden Strodtmann Osnabr. (1756) 281; weden, weën brem.-nds. wb. 5 (1771) 216; wöden ebda 283; weden, weiden, wöden, wüden Mensing schlesw.-holst. 5, 564; weijen Damköhler Nordharz 225; viidn Teuchert neumärk. 250; wêden Frischbier pr. 2, 459; vereinzelt auch im md.: wieten Bruns prov. Sachsen (ostteil) ²75. — dazu: wieteisen, n.: runco weidysen (Augsburg 1512) Diefenbach gl. 504ᵃ; weediesen meiszelförmiges gerät zum ausjäten der disteln Mensing schlesw.-holst. 5, 564. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1631, Z. 48.

wieden1, vb.

¹wieden, vb.,
jäten, s. wieten.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1510, Z. 56.

wieden2, vb.

²wieden, vb.,
mhd. widen. zu wiede.
1)
'mit einer wiede schlagen', dann auch allgemein 'schlagen, peinigen':
dâ wart mit swerten wol gewit
Wolfram v. Eschenbach Willehalm 397, 24 Lachmann;
unser herre Iesus Crist
liez sich an dem kruze widen
und hat durch dich den tot geliden
passional 466 Köpke.
in nhd. zeit nur noch mundartl. im Elsasz bezeugt: witə mit einer gedrehten weidenruthe prügeln Mankel ma. d. Münstertals 172.
2)
'mit einer wiede binden':
sy (die herrin) sprach: gesell, es ist der sitt,
ich hab nit me ze widen noch ze schneiden
liederbuch der Hätzlerin 84 Haltaus;
was gewidet und genietet ist im haus jurist. quelle d. 2. hälfte d. 17. jhs. bei Schmeller-Fr. bayer. 2, 859; die kläseuch' (klauenseuche) haben die ochsen und können halt jetzt nicht ziehen. so wiedet's die kuh ins joch Rosegger schr. (1895) III 8, 146. vgl. dazu die komposita aufwieden und anwieden:
der man (jedermann) der houwe sîne wit
und widet ûf sunder iuriu lit
(die euch zukommenden glieder des erlegten hirsches)
Gottfried v. Straszburg Tristan 3048 Bechstein;
anwêen mit weidenruten befestigen Böning Oldenburg 130.
3)
'zur wiede drehen': (die arbeitsleute) sollen die gresz (grösze) und sterk haben, dasz die mansperson ain jochwid widen ... künn (Tirol 1716) österr. weist. 4, 45. dann auch allgemein 'drehen':
solde mir ein tot kumen,
man solde mir den lib verdrumen
so hin mit enzelen geliden.
die zunge uz dem houbte widen,
die ougen ouch verbrechen
passional 357 Köpke;
etwas wieden es drehen; sich wieden sich hin und her wenden Schmitz Eifel 233; widdn sich drehen Kisch vgl. wb. 247ᵃ; wîdn (Pustertal) an etwas drehen, zerren, mühsam arbeiten Schatz Tirol 703.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1510, Z. 57.

wieten, vb.

wieten, vb.,
unkraut mit der hand ausziehen. ein ingwäonisches sw. verb mit der bedeutung 'jäten': as. wiodon, mnd. wêden; mnl., nnl. wieden; westfries. wjudde, wjûde, wjoede Dijkstra friesch woordenb. 3, 468; ags. wēodian, engl. to weed (vom 15.—19. jh. begegnet gelegentlich auch das st. prät. und part. prät. wed), das von as. wiod, n.; mnl. wiet, f., nnl. wiede, f.; ags. wēod, n., engl. weed 'unkraut' (= ahd. wieta 'filix'?) abgeleitet ist.die herkunft ist unsicher. vgl. die vermutungen bei Doornkaat Koolman ostfries. 3, 522 und Franck-van Wijk etym. woordenb. (1912) 792. — das nd., zufrühest im Heliand (s. unten), bezeugte wort tritt seit dem 16. jh. gelegentlich bei hd. autoren Norddeutschlands (vereinzelt auch auszerhalb Norddeutschlands, s. unten Hohberg) auf, ohne jedoch in der schriftsprache üblich zu werden. nach dem material des deutschen wortatlas war wieten (vielfach mit dem präfix aus-) 1939 mundartl. in ganz Niederdeutschland verbreitet, wobei die südgrenze von westen nach osten etwa nördlich folgender orte verlief: Stadtlohn, Ahaus, Dülmen, Lüdinghausen, Ahlen, Ibbenbüren, Osnabrück, Iburg, Gütersloh, Lemgo, Münder, Alfeld, Hildesheim, Bodenburg, Blankenburg, Egeln, Magdeburg, Stendal, Rathenow, Möckern, Barby, Bitterfeld, Herzberg, Finsterwalde, Triebel, Crossen, Schwerin.der auf as. io zurückgehende vokal der stammsilbe zeigt in den nd. mundarten im allgemeinen die fortsetzungen von mnd. ê⁴, ausgenommen in Schleswig-Holstein und einem streifen, der sich von der Elbmündung zwischen Stade und Altona südwärts etwa bis zur linie Hannover-Bückeburg zieht, wo daneben wü(d)en, wö(d)en u. ä. gesprochen wird, im norden sicher unter dem einflusz von dithm. jü(d)en 'jäten'. die schriftsprachlichen quellen schreiben entsprechend der md. lautung meist ie, selten i: runcare widen Trochus prompt. (1517) J 6ᵃ, oder sie bewahren mit e, ei den nd. lautstand (s. die belege unter weden teil 13, sp. 2833). — der inlautende dental erscheint seit dem 16. jh. in den schriftsprachlichen quellen bald als d, bald als t, vereinzelt als tt (s. unten Tharaeus). mundartl. gilt t neben d heute im brandenburgischen unter obersächs. einflusz. frühen ausfall des d, wie er heute in den mundarten weithin üblich ist, bezeugt: jäten, wieen runcare, sarrire Calvisius thes. (1666) 29. — belege aus nd. quellen:
ne uuelleo ik that gi it (das unkraut) uuiodon
Heliand 2561 Sievers;
item so gaf ik ut 7 s. den vrowen, die den kol wededen (Wismar 1412) quelle bei Schiller-Lübben 5, 645. aus hd. quellen:
sein tochter dient jhr ohn beschwern,
mit graben, wieten, kreuter graben
Rollenhagen froschmeuseler (1595) Ji 1ᵃ;
(das unkraut im flachs) wird gewittet oder auszgegetet (1609) Tharaeus klage d. lieben fr. Gerste 53 Bolte; runcare wieten nomencl. lat.-germ. (1634) 74; und eben darüm mus der acker ... so lange gewietet werden, bis das rohr grosz und starck genug ist dem unkraude zu wiederstehen O. Dapper, America (1673) 432ᵇ; so musz auch das wieden oder jäten dabei ... nicht vergessen werden Schröter hauszverwalter (1712) 178; damit man im jätten oder wieden die mittellinie (des beetes) mit der hand von beyden seiten bequem erreichen möge Hohberg georg. cur. 3, 1 (1715) 363ᵃ; die alte ... frau, die aber ihr lebelang in dem garten gewietet, gehackt, gegraben ... hatte A. v. Arnim s. w. (1852) 2, 287; der liebe gott düngt den sand nicht und wiethet nicht den hedderich, wenn man ihn auch noch so sehr bittet Alexis Isegrim (1854) 1, 42; jäten oder wieden Hartig forstl. conv.-lex. (²1836) 419. in den nd. mundartwbb. ist das wort durchgehend bezeugt, z. b.: ween oder weeden Strodtmann Osnabr. (1756) 281; weden, weën brem.-nds. wb. 5 (1771) 216; wöden ebda 283; weden, weiden, wöden, wüden Mensing schlesw.-holst. 5, 564; weijen Damköhler Nordharz 225; viidn Teuchert neumärk. 250; wêden Frischbier pr. 2, 459; vereinzelt auch im md.: wieten Bruns prov. Sachsen (ostteil) ²75. — dazu: wieteisen, n.: runco weidysen (Augsburg 1512) Diefenbach gl. 504ᵃ; weediesen meiszelförmiges gerät zum ausjäten der disteln Mensing schlesw.-holst. 5, 564. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1631, Z. 48.

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Zitationshilfe
„wieden“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wieden>.

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