Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

widerbekommen, wiederbekommen, vb.

wi(e)derbekommen, vb.,
recuperare; 'eine vorher besessene, aber verlohrne sache in seinen besitz bekommen' Adelung 4 (1801) 1533; in den wbb. von Maaler t. spr. (1561) 495ᵃ bis Campe 5 (1811) 707ᵃ regelmäszig bezeugt.
1)
etwas verlorenes zurückerhalten: die fraw an manchem ort rath suchen that, wie sie jhren man wieder bekomen möchte (1587) B. Krüger Clawerts werckl. hist. 38 ndr.; der staat besitzt sie (die schulden) noch durch andre bürger, wenn sie gleich die gläubiger nicht wiederbekommen Schwabe belust. (1741) 6, 23; eine solche gabe reicht nur einer dar, welcher darauf rechnet, sie sammt der empfängerin wieder zu bekommen Holtei erz. schr. (1861) 18, 71; und wenn ich soll alles auf den kopf stellen, meinen pelz werd ich wiederbekommen Gerhart Hauptmann biberpelz (1893) 80.
2)
etwas verlorenes durch gleichwertiges ersetzt bekommen:
der segnet den Job wiederumb,
das er alls zwiefach wieder bekam,
was er verloren gar ohn schuld,
das kriegt er wieder durch gedult
Eyering proverb. copia (1601) 1, 80;
(es sind) ihre besten rosse und ihre armatur geraubt worden; beides sei in so geschwinder eil nicht wiederzubekommen (1629) acta publica 6, 76 Palm; sie ... ermahnten ihre anhänger, alles das ihrige zu verlassen, und so bald als möglich nach Münster zu kommen, weil sie alles, was sie etwa zurücke lassen müssten, reichlich ... wieder bekommen würden M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 5, 314; 'ach', erwiederte er, 'der herr da, war ehmals mein hanswurst; o, so einen bekomm' ich mein lebtag nicht wieder' Schubart leben 1 (1791) 65.
3)
eine körperliche oder geistige fähigkeit oder eigenschaft zurückerlangen: wenn eine ziege gezickelt und die milch verlohren hat, so lasse sie gleichwol melcken und immer fort trecken, so bekommt sie die milch wieder (1667) viehebüchlein 66; die jungfer ... furchte sich ein garstig angesicht zu behalten gar nicht, bisz sie ihre schönheit wieder bekam Ettner v. Eiteritz mediz. maulaffe (1719) 152; die verschwörung wird entdeckt, man glaubt, alles sey verlohren: Augustus vergiebt, und das hertz bekömmt seine ruhe wieder Ramler einl. i. d. schönen wissensch. (1758) 2, 237; auf dem Asperge, wo sie ganz ihren verstand verlohr — ihn aber hernach in der freiheit vollkommen wieder bekam Schubart leben 1 (1791) 179; Achilles bekommt das licht seiner augen wieder, er erseufzet Herder 3, 108 S.; ich kann nicht dafür, dasz ich meinen verstand wiederbekommen habe Immermann w. 2, 113 Hempel; wenn dann einmal nur ein einziger ... durch das echte mirakel plötzlich ... den gebrauch seiner beine wiederbekommt Werfel Bernadette (1948) 467. hierher auch: das weib (Loths weib) hat hinfürter seine gestalt nicht wieder bekommen Nigrinus von zäuberern (1592) 179.
4)
etwas abermals bekommen: ein fieber, davon man schon frey gewesen, wieder bekommen Ludwig t.-engl. (1716) 2471; so sie das ungezieffer auff dem tische knicken würden, so bekämen sie solche wieder J. C. Schmidt rockenphilos. (1706) 1, 74.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 912, Z. 51.

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Zitationshilfe
„wiederbekommen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wiederbekommen>.

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