Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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widerbot, n.

widerbot, n.,
gegenbotschaft, verbot, kriegserklärung; zu wi(e)derbieten; mhd. widerbot, s. Lexer 3, 829; mnd. wedderbot; mnl. wederbot; vereinzelt noch im 16. jh. literarisch: so h. Ruprecht auf verbot und widerpot (des königs) stött, schloser und ander flecken hat eingenommen Knebel chron. v. Kaish. 359 lit. ver. vgl. hierzu mundartl. widerbottu 'gegenbotschaft, widerruf', schi heint-mu w. gigeⁿ, eⁿ w. g'schickt schweiz. id. 4, 1889. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 926, Z. 65.

widerbieten, wiederbieten, vb.

wi(e)derbieten, vb.,
absagen, aufkündigen; antworten (vgl. widersagen); ein gegenangebot machen; mhd. widerbieten; mnd. wedderbeden; mnl. wederbieden; seit mhd. zeit bezeugt, literarisch bis ins 16. jh. in überwiegend obd. quellen belegt (s. hist. belege bei Fischer schwäb. 6, 768; schweiz. id. 4, 1880); wider-bieden, -bieten, -bydden renunciare (1472 nrh.) Diefenbach gl. 492ᵇ; interdicere wederbieden (gemma gemm. Köln 1507), widerbieten (gemma gemm. Augsburg 1512) ebda 303ᶜ; renuncio i. iterum nuncio ich entbiet oder widderbiet, sag ab Alberus dict. (1540) t 1ᵃ. vereinzelt: oblatratrix die einem das maul wider beut, entgegen belfert Corvinus fons lat. (1646) 462.
1)
absagen, rückgängig machen.
a)
einen termin absagen: als des morgens wart, do men zuo der brunlouft (!) solte gon, do hette er den tag widerbotten und hies sagen, es mohte mit núte me sin Nicolaus v. Basel 83 Schmidt; item daruff hat myn herre den von Zurich den tag, alz er sine frunde off den sontag nach Udalrici da haben wolle, wiederbotten (1401) Frankf. reichskorresp. 1, 84 Janssen; hann aber mit mynen gudten fründen zu handeln vnd eynen tag uff die benanten zytt verraumpt, der vormails myner gescheffte halber zu mehr mailn abgeschrieben vnd widerbotten, darumb mir mit nicht zu verrücken oder widderbieten ist (1486) bei Haltaus gl. 2099.
b)
mit dat. d. person 'jemandem eine absage erteilen': als mir botschafft kame daz ich gen Bassel müst, also wiederbot ich der jüdiescheit ... daz ich nit gen Würms kümen mohte, als ich jnne dan dag dahin bescheiden hete vff süntag vor Symony et Jüde (1439) Konrad v. Weinsberg 83 lit. ver.; dann es vast eng unnd klemm hie würdet umb herberg, unnd muͦssen dess halben vil leüten widerbieten, frauen unnd gesellen (1479) bei Steinhausen privatbr. 1, 198. gelegentl. auch absolut: als sine gnade zu Franckenfurt bleib bisz uff sant Marien Magdalene dag ... do det der rad an sinen gnaden fragen, obe sin gnade myde geen wulde (bei der prozession). darczu sin gnade sich williclich ergab ... (doch so widerbod sin gnade des morgens) (1442) Frankf. reichskorresp. 2, 49 J.
c)
eine anordnung usw. rückgängig machen, widerrufen: (er) hies die muren, zinnen und die schlosz an den porten abebrechen. daz widerbot der künig und lies es also bliben (Straszburg 1362) städtechron. 8, 49; (da manche dörfer) wol zwen, drei oder vier hern zu gebot und verbot haben, sichs auch wol zutregt, dasz was einer gebeut, der ander widerbieten tut Mechtel Limb. chron. 17 Knetsch; dan er hett sich umb hulf beworben in Frangkreich, in Beyern, in Frangken, Schwaben und andern ortern, das er nicht widerpitten mocht (1523) v. d. Planitz berichte 318 Wülcker.
2)
die freundschaft, den frieden kündigen, feindschaft ansagen; mit dat. der person oder mit dat. der person u. acc. d. sache:
do beleip ich langer âne nôt,
unz sî mir ir hulde widerbôt:
die was ich ungerne âne
Hartmann v. Aue Iwein 3538 Ben.-Lachm.;
herre, dir widerbietent die
die ich dir benenne hie
ir dienest und ir vriuntschaft
Wirnt v. Gravenberg Wigalois 10 064 Kapteyn;
swa tswischen zwein veinden ein frid gemachet wirt, den frid sol nieman widerbieten (Regensburg 1281) corp. d. altdt. originalurk. 1, 414 Fr. Wilhelm; seyt das kunig Ottokar dem reich on alle nott hat wiederpottn, so sol er auch des reichs furdung empern (ende 15. jh.) Unrest chron. Carinth. 506; darnach soll ouch derselbe frid weren alle diewilen so derselbe frid von ... unseren herren den hertzogen ... nit widerbotten wird (vor 1572) Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 289. einen schutzvertrag kündigen: ob wir der kaufleut biz auf denselben sent Michels tac nicht schirmen noch belaiten enmöhten ..., daz wir das gelaite wider biten mvgen mit vnserm briefe hin ze Nuremberg an den rat (1326) mon. Zollerana 2, nr. 616.
3)
eine antwort entbieten; nur mhd., s. auch Lübben wb. zu der Nibel. nôt 196: und ist daz ez iu gefellet, sô süllen wir dem kaiser widerbieten ain antwort also: kaiser, wir sint dîne ritter und haben uns gewaufnôt, daz wir beschermint die rechten nôt des rîchs d. beiden ältesten dt. jahrbücher d. st. Zürich 44 Ettm.
4)
ein gegenangebot machen (bei käufen); bieten und wiederbieten macht den kauf Stieler stammb. (1691) 179; biethen und wiederbiethen macht kaufleute Adelung 4 (1801) 1533; Campe 5 (1811) 707ᵃ: (ein kaufmann kann) nach unterscheid der zeiten, und der reichen und armen käufer, mittelst bieten und wiederbieten, auch verschiedner accorde, eine parthie theurer, die andere wohlfeiler geben allg. haush.-lex. (1749) 3, 766; bey dem unwillen, den ew. exc. über des herrn grafen M. bieten und wiederbieten, und über das resultat der bisherigen kaufs- und verkaufshandlungen bezeigen, war ich nicht imstande serenissimo davon einen unterthänigen vortrag zu thun (1783) Göthe IV 6, 159 W. im spiel: da marggraue Albrecht vormeinte, ein gut spiell in der handt zu habende, schloch er etliche cronen zum gesetzten stiche; jungfraw Jacobina spricht: ich halts vnnd, gelt! meines wieder, vnnd setzte dem marggrauen gleich vnnd jres wiederbietens auch so uiell cronen Sastrow leben 2, 89 Mohnicke.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 921, Z. 15.

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Zitationshilfe
„wiederbieten“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wiederbieten>.

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