Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

widerblick, wiederblick, m.

wi(e)derblick, m.,
gegenblick; der blick zurück, reflex; spiegelbild; mhd. widerblick; mnd. wedderblick; mnl. wederblic; vereinzelt bis in den anfang des 18. jhs. bezeugt; im sinne von gegenblick nur selten belegt: obiectum gegenwerff vel -blick (15. jh., obd.), eyn boisz widder blick (15. jh., md.) Diefenbach gl. 387ᵃ;
er suochte blic, sô vander
an ir widerblicke
Reinfrid v. Braunschweig 2001 Bartsch;
(freude,) die Maria enpfing in dem ersten anplick, den si tet an ir kind in dem ewigen leben, und in dem ersten widerblick, den ir kind wider tet an sie Heinrich v. Nördlingen 50, 7 Strauch;
und da die fursten hochgelobt
hin furen in die wilde,
in jamer manges herze tobt.
si sprachen: 'got, der milde,
lasz uns gesunt euch schir hie sehen!'
man sach da manchen widerplick
auch von den helden da geschehen
Dietrichs erste ausfahrt 409 lit. ver.;
hierher?: alda empfahet sie (deine seele) in gott durch die liebe einen solchen inblick und wiederblick, dasz dein leben fruchtbar wird G. Arnold leben d. gläubigen (1732) 41. häufiger in der bedeutung 'reflex, spiegelung, spiegelbild':
do er sach in die schilt so dikch,
und auch von dem wider plikch
das er sich selb dar inne sach,
die gifft im das hercz ab prach,
das er auf der stet starb
Seifrit Alexander 6782 Gereke;
(in der bibel) male ich (gott) dir mich selbs, wie ich warhafftig bin, inn diesem bilde und jnn keinem andern sihestu recht, wie du mich jnn der maiestet köndtest sehen. da gehört nu zu, das du solch bilde wol fassest und als ein guter spigel rechten widerblick gebest, denn darnach der spiegel ist, so fehet er auch (1534) Luther 37, 452 W.; wo nicht, richt den spiegel in der sonnen reflectien oder wiederblick, das er trefflichen gläntze unnd erleuchtet werde Porta natürl. magia (1617) 534; man stellet ein glas mit wein an die sonne, und wann es die stralen derselben beleuchten, so wird von dem wider- oder gegenblicke eine gleichheit dess regens erscheinen Harsdörffer teutscher secretar. (1656) 2, 699. 'abbild': an dem sinne sol man merken, wie götlich wesen in im selber beslozzen trage aller crêatûre adel, dâ von aller crêatûre wesen ist ein widerblic götlîches wesens meister Eckhart in: dt. mystiker d. 14. jhs. 2, 324 Pfeiffer; alle ander entgiessunge, die in der zit ald in der creatur sind, dú kunt von dem widerblik der ewigen entgiessunge der grundlosen götlichen guͦtheit Seuse dt. schr. 179 Bihlm. hierher wohl auch: (diliges proximum ut teipsum) ibi non weist er uns zu grossen, hohen, wunderlichen opera, sed legts uns fur die augen. er kunde dir kein widderblick neher legen fur die augen quam uxorem, proximum tuum, kind etc. nihil tibi neher in corpore quam cor (1531) Luther 34, 2, 321 W. 'der blitz': (die wolken) stôzent zesamen: dâ von kumet der tunr unde der widerblic meister Eckhart in: dt. mystiker d. 14. jhs. 2, 466 Pfeiffer. ähnlich: vnd ist nu auch ins gemeine volck gebracht, daz es ein miszglaube und ein frävelich ding sei, wenn man glaubt, das die widerblicke der gestirne, die finsternüsz der sonnen, und mons, ... ursach seien des kriegs Stephan Rot d. weissagung J. Lichtenbergers B 4ᵇ. vereinzelt 'wiederanblick':
der bräutigam ...
den der wiederblick auf's neu' entzückte,
ging auf die braut gerade zu
Baggesen poet. w. (1836) 5, 56.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 923, Z. 9.

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Zitationshilfe
„wiederblick“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wiederblick>.

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