Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

widererwachen, wiedererwachen, vb.

wi(e)dererwachen, vb.;
eigentlich von schlafenden, toten oder scheintoten lebewesen: gutachten über das wiedererwachen der scheintodten Böttiger kl. schr. (1837) 1, 25;
möge die krämer verschonen der wiedererwachende Christus;
aber die pfaffen indes peitsch' er zum tempel hinaus!
Platen w. 1, 286 Hempel;
beim einschlafen und baldigem wiedererwachen Schopenhauer w. 4, 270 Gr.; der tod Jesu war nur ein scheintod gewesen, sein leib mithin nach dem wiedererwachen derselbe wie vorher D. Fr. Strausz ges. schr. (1876) 3, 21. von der natur im frühling: das periodische wiedererwachen der natur beim ersten wehen der frühlingslüfte A. v. Humboldt ansichten d. natur (1808) 1, 173; das wiedererwachen der natur aus ihrem winterschlaf bei Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 236. bildlich vom wiedererwachen eines volkes: (er) prophezeit uns allen ... sehr oft den fall Frankreichs und das wiedererwachen unserer nation Tieck schr. (1828) 14, 333; so ist auf Olmütz das wiedererwachen Preussens ... gefolgt Bernhardt gesch. d. waldeigentums (1872) 3, 15. in übertragener verwendung: ein zeichen ihres wieder erwachenden rechtes (auf ihre frühere stellung) Lohenstein Arminius (1689) 2, 265ᵇ; die kleine regung hat mir innerlich wohl gethan, sie ist zwar noch kein wiedererwachen des talents, aber doch seine traum-bewegung (1843) Hebbel br. 2, 198 Werner; die gefangenen wurden mit wiedererwachter barbarei auf die sklavenmärkte geschleppt Ranke s. w. (1867) 35, 76; (er) wollte aber ihre (der gerüchte) entstehung durchaus auf wiedererwachte erzählungen aus früheren kriegen zurückführen W. v. Scholz erz. (1924) 234. oft von gefühls- und geistesregungen: das in seiner ursprünglichen reinheit wiedererwachte christliche gefühl Schleiermacher s. w. (1834) I 12, 576; wenn sie sich bei diesen schmeichlerischen verheiszungen in geheimnisse hüllte, so machte das seinen wiedererwachenden glauben keinesweges schwankend Holtei erz. schr. (1861) 11, 274; die alten, eingesessenen ... familien ... betheiligen sich zur zeit sehr wenig an dem wiedererwachen des italienischen bewusstseins Steub drei sommer in Tirol (1895) 2, 400; das brüske wiedererwachen seiner eigenen leidenschaft Kahlenberg familie Barchwitz (1902) 74. von kunst, wissenschaft u. dgl.: das wiedererwachen der klassischen studien Vischer ästhetik (1846) 2, 265; bei dem wiedererwachen der wissenschaften Göthe II 11, 250 W.; beim wiedererwachen der künste knüpfte auch die malerei ... an die antike an R. Wagner ges. schr. u. dicht. (1897) 3, 146; das künstlerische wiedererwachen der tragödie und der tragischen weltbetrachtung Nietzsche w. (1895) 1, 119.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 958, Z. 48.

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Zitationshilfe
„wiedererwachen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wiedererwachen>.

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