Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

widerfinden, wiederfinden, vb.

wi(e)derfinden, vb.,
unfeste zss. zu finden teil 3, 1641. einen verlorenen gegenstand finden, zurückerlangen; etwas an anderer stelle, in anderem zusammenhang noch einmal finden; wiederauftreten; sich aufs neue finden; wieder zu sich, zu kräften kommen. das seit dem 15. jh. belegte wort wird in den wbb. erst seit Stieler stammb. (1691) 484 gebucht: wiederfinden reperire, recuperare, repetere, recipere; wiederfinden ritrovare, rinvenire Kramer t.-ital. 1 (1700) 372ᶜ; vereinzelt früher in der übersetzung des lat. morbus recidiuus id est, recurrens ... die alte kranckheit die sich wider findet Faber thes. (1587) 121ᵇ. frühnhd. erscheint das part. prät. häufig (s. weitere bel. unten) ohne das präteritalpräfix: wir (sind) uwirs geluckseligen standes, den wir also widerfunden haben, nicht mynner erfreuet (1477) bei Steinhausen privatbr. 1, 172. vereinzelt noch spät: er war verlohren, und ist wiederfunden Herder 19, 125 S.
A.
das verbum trans. ist seit dem frühnhd. reichlich belegt, ohne erhebliche bedeutungsnuancen zu entwickeln.
1)
in den verschiedensten anwendungsbereichen 'verlorenes suchend finden und wieder in seinen besitz kommen'.
a)
meist in engem anschlusz an biblische gleichnisse und berichte (bes. vom verlorenen sohn, schaf und vom zwölfjähr. Jesus im tempel):
das er sin sun het wider funden,
desz freüt er sich freülicher stunden
(1514) Murner dt. schr. 1, 2, 27 Michels;
und das ist der gutte, fromme hirtt ... der do von hundertt schaffen eins hatte verloren und widdergefunden (1522) Egranus pred. 139 Buchwald; solt jr (Maria) hie (beim verschwinden Jesu) das hertz nicht entfallen und fur engsten verschmachten ..., das sie den son verloren hat und kan jn nicht wider finden (1525) Luther 17, 2, 19 W.; wann hernach von dem zwoͤlffjaͤhrigen Jesu gehandelt wird, kan man zwar leicht gedencken ..., dasz in der leich-predigt (für junge leute) von einem verlohrnen und wiedergefundenen kinde musz geredet werden Ch. Weise polit. redner (1677) 533; der himlische vater (führt) den wiedergefundenen sohn ... an seine königstafel anh. zur allg. dt. bibl. bd. 1—12 (1771) 519; einen freudenschrei ausstoszen ..., dem wiedergefundenen sohn entgegeneilen, ihn fassen und mit liebenden worten begrüszen, war bei der guten frau eins M. Meyr erz. a. d. Ries (1868) 1, 138.
b)
von sachgegenständen aller art, auch tieren: Policrates ... liesz ... all seyne geschichten ... beschreyben, deszgleychen auch wie er disen ring verloren vnd widerfunden Boner Herodot (1535) 39ᵃ;
mit widerwillen ist er etwas da geblieben,
weil in den strom, den vmb vnd vmb die wirbel trieben
sein helm gefallen war, den er auch bisz jetzund,
ob er wol sehr gesucht, nicht wieder finden kunt
Dietrich v. d. Werder ras. Roland (1636) 7 (erst. ges.);
der wegen seines wiedergefundenen ringes frohe Alfelsleben Lohenstein Arminius (1689) 1, 102ᵇ; (die) buben (haben) ihre ziegen, um sie desto sicherer wiederzufinden, in's kornfeld getrieben A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 367; die Samoaner haben ... ein eigenes geschick, ... verlorene sachen wiederzufinden Ratzel völkerkde (1885) 2, 120; groszmutter haut mich, wenn ich mein themenheft nicht wiederfind H. Mann ausgew. w. 1, 527 Kant.; von geograph. gegebenheiten soviel wie 'aufs neue entdecken': Bruce ... glaubte auch die Montes Lunae ... an den quellen seines Nils ... wiedergefunden zu haben Ritter erdkde (1822) 1, 172; diese (Guinea-) inseln wurden ... 1472 von den Portugiesen wiedergefunden W. Raabe s. w. I 6, 289. den weg wiederfinden: Constantius ... zeigte sich auch an dem Rhein, weil die Alemannier ihre alten wege nach Gallien wieder gefunden M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 111; (der Cherusker:) hinführen musz ich sie (die Römer), ich nahm den lohn dafür. aber die wege sollen sie nicht kennen und wiederfinden lernen Grabbe s. w. (1874) 3, 516 B. uneigentlich: der weg zum wahren, göttlichen leben ist wiedergefunden Justi Winckelmann (1866) 2, 1, 69.
c)
von nicht konkreten und von abstrakten dingen: ich hab daz in warheit funden, das kein ringerer weg ist gottes gnad zuͦ behalten vnd widerzefinden, wer sie verloren hat, den sich selbs erkennen Keisersberg brösamlin (1517) 1, 20ᵃ;
der schrecken bindet mich, wie kan ich worte binden?
mein schmertz verliehrt die kunst; helfft sie mir wiederfinden
Pietsch geb. schr. (1740) 171;
hier find ich meine kinderspiele wieder
Schiller 1, 33 G.;
ein schöner abend war's an jenen linden,
wie wir vielleicht ihn niemals wiederfinden
Lenau s. w. 598 Barthel;
(ein) körper, der vermöge seiner besondern gestalt lange hin und her rollt, bis er den schwerpunkt wiederfindet Schopenhauer s. w. 2, 350 Gr.; beide konnten den alten vertraulichen ton gar nicht wiederfinden Eichendorff s. w. (1864) 2, 356; ein zeitalter, das wieder glauben hätte, nun aber ohne sein wissen zu verlieren, wäre ein groszes und dankbares ziel. wer ihm zustrebt, hilft nicht, das mittelalter zu überwinden, sondern es wiederzufinden Pinder d. kunst d. dt. kaiserzeit (1935) 1, 277. die rede wiederaufnehmen: aber die roten, die warten nicht, herr bürgermeister! fand der Stelzinger das wort wieder O. M. Graf unruhe (1948) 92.
d)
in verbindung mit verschiedenen objekten 'seine kraft, die herrschaft über sich selbst zurückgewinnen'. vgl. den refl. gebrauch unter B 3: Agnes hat ihre würdige haltung ... wiedergefunden Holtei erz. schr. (1861) 2, 256; aus eigner macht ... hätte er nimmermehr so schnell (in die wirtsstube) hereinfahren können. sobald er das gleichgewicht wiedergefunden hatte, sah er sich herausfordernd um O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 111; der bann seines schweigens war gelöst und im kampfe, der sich nun entspann, fand er seine stärke wieder M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 4 (1893) 33. mit konkretem objekt in übertragener verwendung:
es war mein oheim, der sein herz (der mildtätigkeit)
itzt wiederfand
Pfeffel poet. vers. (1802) 6, 51.
vgl. den kopf verlieren teil 12, 1, sp. 800: ich denke, wenn es tag wird, werden die drüben ihren kopf wiedergefunden haben quelle a. d. j. 1931. seine sprache wiedergewinnen: anfangs war ihre zunge unvermögend zu sprechen ... als sie endlich ihre stimme wiederfand ..., fiel sie über den armen Jones her Bode Thomas Jones (1786) 5, 200.
2)
vom (einander-)finden und begegnen der menschen.
a)
einen bekannten, vertrauten wiederfinden, wiedersehen (s. 1 a): sag mir, hast du nichts von ir gehört. ob sy (die tochter) noch verloren sey oder wider funden? (1509) Fortunatus 136 ndr.;
doch werd jr (frau u. kinder) mich noch wider finden
wenn jr etwann schier fart hinnach,
werdt an dem lieben jüngsten tag
auch in dasz himmelreich beleidt
Ayrer dramen 495 lit. ver.;
ganz unterschiedner schmerz schlägt unsre seelen nieder,
du büszt dein armband ein, ich fund mein weibgen wieder
neue slg. v. schauspielen (1764) 1 (Democrit) 92;
es freuet mich, euch gesund wiederzufinden Stephanie s. lustsp. (1771) 6, 29;
und musz ich so dich wiederfinden
Schiller 11, 242 G.;
es ist immer angenehm, einen alten bekannten wiederzufinden W. Raabe s. w. I 6, 303. vereinzelt steht der folg. beleg: wan es mir asso waͤr (dasz der ehemann gestorben), i wot mi bald bedoͤcht han: einer verlohren, zehen wider funden Moscherosch gesichte (1650) 1, 78. jemanden in einem bestimmten (zu-)stande wiederfinden (vgl. zum folg. 3): wenn gleich ... ein billiger unwille ... sie (Helena) sogar den tod verworfner verbrecher leiden liesz, so finden wir sie doch im Homer als behagliche hausfrau wieder Göthe I 48, 109 W.; es freut mich, dasz ich meines alten freundes sohn als einen so wackeren jungen mann wiederfinde Alexis hosen (1846) 1, 1, 180; dr. Engelmann, ... den ich als praktischen arzt in Brüssel wiedergefunden habe Ruge briefw. u. tageb. 2, 47 Nerrlich.
b)
jemanden oder etwas (auch nur bestimmte züge) in einem (anderen) wiederfinden: es sei, dasz der vater seine frau in seinen töchtern so jung, so frisch, wiederfindet, wie sie war Hippel über d. ehe (³1792) 183;
längst vermisste brüder
find ich nun in seinen (Christi) jüngern wieder
Novalis schr. 1, 70 Minor;
es sind unserer Doris züge! die ich in dieses husaren antlitz wiederfinde Holtei erz. schr. (1861) 13, 29; alles was mein ist, das ist dein, und was dein ist, das ist mein — in diesen ... aussprüchen glaubte Schleiermacher ganz seinen erlöser wiederzufinden D. Fr. Strausz ges. schr. (1876) 6, 30; erst in Radetzky hat er später Österreich wiedergefunden jb. d. Grillparzerges. (1890) 4, 59. die frühere haltung und einstellung eines menschen in ihm wiederfinden: doch habe ich noch eine liebe talentvolle freundin jener frohen jugendzeit in mad. Duschek wiedergefunden, und in ihr die alte herzlichkeit und den heiszen eifer für alles schöne (1808) Reichardt bei O. Jahn Mozart (1856) 4, 283; Fernando: du sollst reden, wie man mit seinem bruder spricht. Guelfo: und ich will, du sollst gehen. Fernando: lasz mich meinen bruder in dir wiederfinden! Klinger w. 1 (1815) 52.
3)
gegenstände, sachverhalte, erscheinungen in gleicher oder ähnlicher gestalt an anderem orte oder in anderem zusammenhange antreffen: honig aber werden wir unten in griechischen festen der naturgötter wiederfinden Creuzer symbolik (1810) 2, 97; wenn die pilger sogar in Palaͤstina turniere wiederfanden, wie hätte man sie in Europa ausrotten koͤnnen Raumer Hohenstaufen (1823) 6, 603; endlich glaubt Quatrefages denselben typus in schädeln dunkler Vorderinder wiederzufinden Ratzel völkerkde 2 (1888) 216; die geschichte des Friesenvolkes ... ist eine einzige kette unsäglicher kämpfe und namenloser leiden, wie wir sie in solchem masze bei keinem anderen volke wiederfinden werden Allmers marschenb.³ 40.
4)
der seit dem 18. jh. häufig belegte substantivierte infinitiv gewinnt eine gewisse selbständigkeit. meist wie oben 2 a, jedoch in vertiefter, über 'zufälliges begegnen' hinausgehender bedeutung:
liebe führt nur durch der trennung syrten
zu des wiederfindens wonneziel
Salis-Seewis ged. (1793) 22;
unser zusammentreffen war ein wiederfinden Brentano Godwi (1801) 1, 38; nicht das wiedersehen ist die hauptsache, sondern das wiederfinden (1867) L. Bamberger an Ruge briefw. 2, 309 Nerrlich; bis er brieflich auf einen längst vergessenen jugendfreund stiesz ... seliges wiederfinden! der gedanke, einander neuerlich zu verlieren, ausgeschlossen M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 155.
B.
das verbum reflexivum knüpft wie der refl. gebrauch des simplex an finden 'zufällig antreffen' an; häufig in reziproker verwendung.
1)
wiederauftauchen, aufs neue vorhanden sein; (meist) von verlorenen gegenständen, aber auch von abstrakten dingen: bleibe Schlesien nur von einquartierungen und durchzügen frei, so würden sich auch die mittel zu erhaltung 'guten credits, treu und glaubens, ob gott will', wiederfinden (1627) acta publica 6, 228 Palm; dein verlorner beutel wird sich vielleicht wol wiederfinden Grob dichter. versuchgabe (1678) 93; Wilhelms koffer fand sich auch wieder Göthe I 22, 218 W.; das freie bekenntnisz ... war verloren gegangen. ... in den ersten freiheitstagen muszte es sich wiederfinden Dahlmann gesch. d. frz. revol. (1845) 411.
2)
von belebten wesen, meist vom menschen.
a)
sich an einer bestimmten stelle wieder vorfinden: (hierher oder zu 3)
bis ihm (den leichnam) der grosse seelen-hirt
hoch aus den wolcken rufen wird:
ihr todten, findet euch nun wieder,
kompt, werdet vor gericht geschaut!
(1645) Simon Dach 179 Ö.;
er (der geflügelte fisch) sinkt, rafft sich empor,
sinkt tiefer, stürzt entgeistert nieder
und fand ...
...
in seinem element sich wieder
Pfeffel poet. vers. (1812) 1, 194;
so wie er (Wilhelm) durch jenes manuscript mit dem hause bekannt worden war, so fand er sich nun auch gleichsam in seinem erbtheile wieder Göthe I 23, 166 W. im traume: in einem groszen walde fand ich mich wieder und ging auf einem wunderlichen schmalen bretterstege G. Keller ges. w. (1894) 3, 109. uneigentlich 'sich zu (in) etwas wiederfinden':
damit wir aufwerts sehen
vnd uns zu seiner güt und macht,
die wir biszher nicht grosz geachtt,
als kinder wiederfinden
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 3, 393;
die offiziere hatten vollauf zu thun und blieben aus, da konnte sich die gräfin gar nicht wiederfinden in die alte einsamkeit und das einförmige rauschen der wälder Eichendorff s. w. (1864) 2, 444.
b)
von zwei oder mehreren 'sich versammeln, zusammenfinden, sich treffen': (vereinzelt mit betonung der richtung) diesen spruch (Zacharias 8, 20) und verheissung verstehe ich, das nicht alleine die Juͤden sich sollen gen Jerusalem widderfinden ... aus allen landen, sondern das Jerusalem solle so herrlich und berümbt werden, das auch viel heiden sich sollen dahin finden Luther 23, 607 W.; wie nun i. f. g. gen Arnsdorf ins dorf kommen, so hatten sich die hakenschützen ohn zweifel wiedergefunden, schieszen unter dem damm und waren freidig (1578) Schweinichen denkwürd. 186 Öst.; und da wir nicht nach Indien gehn, werden wir uns wohl gelegentlich auf der Büttnerschen bibliothek wiederfinden (1787) Göthe IV 8, 252 W.;
auch die penaten sie stellen sich ein, es finden sich alle
götter wieder, warum bleiben die priester nur aus?
Schiller 11, 194 G.;
wir finden, liebe freund', uns abends wieder,
beim lautenspiel und frohen becherklang
Bauernfeld ges. schr. (1871) 3, 5;
wir stoben auseinander und haben einander nicht wiedergesehen, bis wir uns so unerwartet wiedergefunden haben O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 428. beim tanz und eislauf, überleitend zum folgenden:
so wie im tanze
bald sich verschwindet,
wieder sich findet
liebendes paar
Göthe I 1, 108 W.;
scheiden und meiden, was sonst so schwer auf's herz fällt, ward hier (beim eislauf) zum kleinen scherzhaften frevel, man floh sich um sich einander augenblicks wieder zu finden ebda 24, 329;
welch ein glück, dahin zu schwinden
auf der fläche, klar und eben,
magisch sich vorüberschweben,
fliehn sich und sich wiederfinden
Platen w. 1, 33 Hempel.
c)
mit stärkerem nachdruck auf das innere verhältnis der menschen zueinander 'einander verstehen, zur übereinstimmung gelangen': just da (beim altdeutschen zutrinken) fanden sich die fürsten einander wieder, wenn ihnen auch zu hause ihre prediger in dem einen theil nichts als abtrünnige und ketzer, in dem andern nichts als götzendiener hatten sehen lassen M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 5, 409;
allvater hat, die sich entzweiten,
Teutschlands gröszte vereint.
ihr zwiespalt ist verschwunden,
sie haben sich wiedergefunden
Kretschmann s. w. (1784) 2, 148;
wie der zwist der liebenden sind die dissonanzen der welt. versöhnung ist mitten im streit und alles getrennte findet sich wieder Hölderlin ges. dicht. 2, 204 Litzmann. vom einanderfinden der liebenden:
unauflösliches wer löst es?
liebende sich wieder findend
Göthe I 6, 51 W.;
sag mir, dasz wir uns wiederfinden, dasz du mein sein wirst, wie bisher Holtei erz. schr. 11 (1862) 252.
3)
wieder zu sich kommen; aus ohnmacht, verwirrung oder erstarrung zurückfinden; erstarken (vgl. sich finden 7 e teil 3, sp. 1648):
im abgrund des entsetzens, da ich kaum
von jenem sturz, der mich hierher geschleudert,
mich mit verstörten sinnen wiederfinde,
ergreift mich deine groszmuth noch zuletzt
Göthe I 9, 396 W.;
(Luzifer konnte) sich selbst drauszen nicht wiederfinden ..., sein vergangenes dasein kämpfte mit dem gegenwärtigen, es war ein gräulicher augenblick ebda 24, 160;
Faust wollte sie nicht dauerhaft erschrecken;
er läszt sogleich des blut'gen spukes necken
zusammt dem ritz vom weiszen tuch verschwinden;
es kann die frau sich lang nicht wiederfinden
Lenau s. w. 406 Barthel;
dann baut er auf derselben stelle,
allwo sein kind sich (aus der bestrickung durch waldgeister) wiederfand,
ein kleines thürmlein und kapelle
Rückert ges. poet. w. (1867) 3, 17;
ja, Robert. sei erst ruhig. ... finde dich erst wieder. dann wird die alte kraft auch wiederkommen Hirschfeld d. mütter (1896) 112; denn als er sich (aus der ohnmacht) wiederfand, kroch er zu der platte nieder, die sein fahrzeug aufgefangen hatte P. Dörfler abent. d. Peter Farde (1929) 373.
4)
von verschiedenen gegenständen und erscheinungen 'an anderem orte, in anderem zusammenhange, in gleicher oder anderer gestalt wiederauftreten, vorhanden sein'.
a)
das sich wiederfindende ist identisch oder steht in unmittelbarem zusammenhang mit dem an anderem orte vorhandenen: die uebereinstimmung, welche alle seiten und theile der welt ... haben ..., musz auch in jenem abstrakten abbilde der welt sich wiederfinden Schopenhauer w. 1, 131 Gr.;
nichts kann in dieser welt in nichts verschwinden,
ein etwas bleibt stets was ein etwas war,
in andrer form nur musz sich's wiederfinden
moderne dichtercharaktere 169 Arent-C.-H.;
die einseitigkeit ihres (der völker) charakters aber findet sich in ihren unternehmungen wieder Grimm Michelangelo 1 (⁶1890) 7; die tochter ... hätte hübsch sein können ohne einen gewissen pedantischen ... zug in ihrem gesicht, der sich auch in ihrer toilette wiederfand Kahlenberg familie Barchwitz (1902) 28.
b)
das sich wiederfindende ist an verschiedenen orten zugleich und unabhängig vorhanden: so lange ... konnte nichts weiter geleistet werden, als dasz man in den erscheinungen so viel möglich das überall sich wiederfindende gemeinschaftliche aufsuchte Europa (1803) 2, 193 Schlegel; (die Eyoes) haben die gewohnheit, ihr gesicht ... durch einschnitte zu bezeichnen, was sich bei den sclaven der ... Guineaküste wiederfindet Ritter erdkde (1822) 1, 265; auch der name für das rind βοῦς, bos, bou, bo findet sich bei Hottentotten und Chinesen wieder Peschel völkerkde (1874) 109; die Deutschen, die in allen ländern der welt sich als gäste und auswanderer wiederfinden, (haben) sich eine ... warme anhänglichkeit an ihre ältere heimath bewahrt Bismarck polit. reden 4, 10 Kohl.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 978, Z. 68.

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widerprallen wiedertun
Zitationshilfe
„wiederfinden“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wiederfinden>.

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