Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

widergehen, wiedergehen, vb.

wi(e)dergehen, vb.,
mnd. weddergan; mnl. wedergaen; vgl. got. Joh. 11, 20 wiþraiddja ina; seit dem 9. jh. bezeugt: repedat uuidri cat ahd. gl. 2, 350, 18; resultare uuidargan ebda 2, 222, 49; vorwiegend in mhd. zeit belegt; seit dem 17. jh. nur noch selten; redire wider-, wedergan (hd., nd.) Diefenbach gl. 488ᶜ; regredi wider gen (hd. 15. jh.) ebda 490ᵇ; remeare wedergan (15. jh. md.) ebda 491ᵇ; remigrare widergeen (anf. 15. jh. obd.) ebda 491ᶜ; repedare wedergaen (15. jh. md.) ebda 492ᶜ; remeare wydergeen ders., mlat.-hd.-böhm. wb. 235; wider gen redire, remeare, retransire, voc. inc. teut. (1485) oo 1ᵇ; wiedergehen abire, iterum recedere Stieler stammb. (1691) 629. in den mundartenwbb. nur selten verzeichnet: wider geʰn beschwerlich sein, viele mühe kosten Martin-Lienhart elsäss. 1, 191ᵃ; widergäa; dar gäat wider (von einem, der sich nicht leicht etwas gefallen lässt) Ruckert unterfränk. ma. 196.
1)
zurückgehen, zurückkehren. im eigentlichen und übertragenen sinne: inti sie tho betonti uuidargiengun in Hierusalem (et ipsi adorantes regressi sunt in Hierusalem) Tatian 244, 2 Sievers. zum folgenden beleg vgl. widergang 1:
dâ hat ez (d. wild) widergangen
Hadamar v. Laber jagd 89 Schm.;
Saul was komen in Carmeli ... vnd wer widergegangen vnd abgestigen in Galgala (1. Sam. 15, 12: et reversus transisset descendissetque in Galgala) erste dt. bibel 5, 64 lit. ver.; verschynen zeyt nit widergät J. v. Schwarzenberg teutsch Cicero (1535) 151ᵇ; wann si (die eheleute) beede mit todt abgangen ... alsdann soll aines ieden guet widergehen und haimbfallen auf die nechsten erben (1625) österr. weist. 1, 38. hierher auch:
susz hast mengen weg wider got getan,
es sig mit wib oder mit man:
darumb ich dich in miner segi han,
da ich dich nit mer uslan,
es muos vor alles widergan.
davor ich mit allen krefften stan.
wan wider gen tuot als wol
als da man zen usbrechen sol
d. teufels netz 3984. 86 Barack.
2)
begegnen; widerfahren.
a)
einer person entgegengehen, ihr begegnen: do er in mitten an den berc chom, do wider gi ime Aaron dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 53, 26 Diemer;
swer im widergienc oder widerreit,
ez wære ritter oder koufman,
die selben gruozte er
Parzival 142, 6.;
als er in sin (d. richters) hus trat,
der richter im do widergie,
da er in gutlich entphie
passional 15, 39 Köpke;
ein edler hirsch mit seiner hohen stangen
ist mir widergangen,
es wäre besser, wir hätten ihn gefangen
Grässe jägerbrevier 7; vgl. ebda 2.
b)
widerfahren, zustoszen:
dô was daz daz leide,
daz im dâ wider gie,
daz er sîne herren beide
und sînen bruoder tôten lie
Rabenschlacht 918 in: dt. heldenbuch 2 Martin;
waz dem heut wieder ging, köm zum andern an ir einen auch (Nürnberg 1449) städtechron. 2, 129;
wer da erwerben tätt ir (der frauen) gunst,
dem widergieng ain aubentewr
liederb. d. Hätzlerin 249 Haltaus;
das nam er im zu hertzen, das im das unverdient an alle schuld widergieng Füetrer bayer. chron. 150 Sp.
c)
einer person oder sache (mit worten) entgegentreten, zuwiderhandeln:
dem knapen si ouch widergie
mit scharfen worten genuc
passional 112, 2 Köpke;
vnd syd das vil widergangen würt jren bösen meinungen vnd anschlegen, scheltend sy das euangelium, das aber die guͦten nit erlyden mögend, sunder wider sy strytend Zwingli v. freih. d. speisen 21 ndr.; dem gesetz widergehen, jemand in allen seinen anschlägen widergehen Kramer t.-ital. 1 (1700) 493ᵃ.
3)
umgehen, spuken; nur selten bezeugt: wäärgaan wiedergehen, wiedererscheinen (nach dem tode) Stürenburg ostfries. 320ᵇ; wergân Doornkaat Koolman ostfries. spr. 3, 541ᵃ; weddərgung Schmidt-Petersen nordfries. 160ᵃ; weddergahn nicht volkstümlich Mensing schlesw.-holst. 5, 559; (ich) dachte zwar erstlich des märleins von der wiedergehenden urahne Storm s. w. (1898) 3, 249; es hat einer dort vor zeiten fremdes land abgepflügt und musz nun mit dem pfluge wiedergehen Strackerjan abergl. u. sagen (1909) 1, 225.
4)
vorwiegend obd. ist seit dem 14. jh. das substantivierte part. praes. widergehend m., f., als bezeichnung angeschwollener lymphdrüsen lexikalisch belegt: glandula, schrofula wider gend uel druoss voc. opt. 36, 21 Wackernagel; glandula widergend (obd. 1468) Diefenbach nov. gl. 194ᵃ; intercus widergend (obd. 15. jh.) ebda 219ᵃ; scrophula widdergende (15. jh. md.) ders., gl. 521ᵇ; scrophula widergent (1440 md.) ebda; widergant panus Dentzler clavis ling. lat. (1716) 351ᵃ. mundartlich noch heute; z. t. auch neben der angegebenen bedeutung allgemein für eine schmerzhafte empfindung in den gliedern: widergände, -gändi, -gänte schweiz. id. 2, 36; widergẽnd(ə) u. ä. Fischer schwäb. 6, 774; zur entstehung vgl. schweiz. id. u. Fischer a. a. o.: dasz er mit gunst zu schreiben bisz zu den gemächten geschwollen und widergänd, so grosz wie baumnusz, bekommen (1624) in: Alemannia 10, 214. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1005, Z. 19.

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Zitationshilfe
„wiedergehen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wiedergehen>.

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