Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

widerkennen, wiederkennen, vb.

wi(e)derkennen, vb.,
bekanntes beim wiedersehen erkennen; mnl. (mit abweichenden bedd.) wederkennen Verwijs-Verdam 9, 1929. vgl. das häufigere wiedererkennen. lexik. seit dem 16. jh. für recognoscere: mutua recognitione facta als wir vns einander wider kenneten Alberus dict. (1540) ii 1ᵇ; wider kennen Calepinus XI ling. (1598) 1230ᵃ; wiederkennen Stieler stammb. (1691) 953.
1)
nach der äuszeren gestalt: wann als der Nilus auszluͤff, wurdent die aͤcker und andere guͤter also verschleimpt, das nieman daz sein wol widerkennen mocht Steinhöwel spiegel menschl. lebens (1479) 98ᵇ; sie kennen diesen engel? ... so halb! um sie eben wieder zu kennen Lessing 2, 383 L.-M.;
und in manchem halbverbrannten (zweig)
wiederkenn' ich den bekannten,
der mich schattet' einst, und nun
wärmend mir noch wohl will thun
Rückert ges. poet. w. (1867) 2, 598.
tiere kennen ihren herrn wieder: ich kannt' ihn nun gleich daran, dasz er mein vogel war und mich wieder gekannt und mir dankbar pfiff maler Müller w. (1811) 3, 66; der hund seinen frühern herrn auch nach jahren wiederkennt Schopenhauer w. 1, 261 Gr. wiederkennen im jenseits: im ewigen paradisz, da sie (die ehegatten) einander wider kennen Fischart Garg. 93 ndr.;
wie sie (im himmel) mich denn auch auff vnd nidr,
an allen orten kandten widr
Ringwaldt christl. warnung (1588) D 4ᵃ;
leib und seel, wenn sie gleich lange durch tod und grab getrennet worden, sich gleich wiederkennen Hippel lebensläufe (1778) 2, 530.
2)
in tieferer bedeutung 'dem wesen nach wiedererkennen', meist refl.: wir kennen das ding in der wirklichkeit nicht wieder, das wir in unserer idee entwarfen; unser weib ist ein ganz anderes wesen, als unsere braut Hippel kreuz- u. querzüge (1793) 1, 275;
wenn sich getrennte kräfte wiederkennen
auf ein erinnrungswort entbrennen,
die krankheit weicht, das blut sich plötzlich stillt:
sie (die anti-sympathetiker) leugnen's, ob es gleich, du weiszt, kein wunder gilt
Mörike w. (1905) 1, 126 Göschen.
sich (als den alten) wiederkennen: ich will euch nach meiner hand ziehen, dasz ihr euch selber nicht mehr wieder kennen sollt Lenz ges. schr. 1, 46 Tieck;
o! jetzt kenn ich mich wieder; der menschenhassende trübsinn
ist so ganz, so ganz aus meinem herzen verschwunden
Hölderlin ges. dicht. 1, 45 Litzmann.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1959), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1081, Z. 67.

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widerprallen wiedertun
Zitationshilfe
„wiederkennen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wiederkennen>.

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