Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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widersage, wiedersage, f.

wi(e)dersage, f.,
'antwort, widerspruch, kriegserklärung', mhd. widersage; mnd. weddersage; zu wiedersagen (s. d.). nhd. nur noch vereinzelt, meist lexikographisch bezeugt; contradictio widersag Frisius dict. (1556) 324ᵃ; widersag da man einem von andern antwort bringt Hulsius-Ravellus t.-frz.-it. (1616) 411ᵃ; widersage rapporto, ridetto Kramer t.-ital. (1678) 1237ᵃ; relatio, contradictio, controversia Stieler stammb. (1691) 1668. literarisch:
si kômen an dem zwelften tage
nâch des boten widersage (kriegserklärung)
Wirnt v. Grafenberc Wigalois 10 721 Kapteyn.
'widerspruch':
swaz ime erteilent ûf den eit
die fürsten alle umb iuwer clage,
das sol er âne widersage
dur mînen willen stæte lân
Konrad v. Würzburg schwanritter 508 Schröder;
Ulixes, der fürste wiss,
ward in dem land ze Corthis
mit wider sage besessen
von dem helden vermessen
Göttweiger Trojanerkrieg 19 927 Koppitz;
man sol die christen leren, das sie alle dem bapst ... schlecht on alle widersage gehorsam zu sein schüldig sind (1517) Joh. Tetzel bei Luther bücher u. schr. (1567) 1, 16ᵇ; historisierend: die parteien muszten einander die widersage oder die befehdung eine genugsame zeit vorher verkündigen J. Möser s. w. (1842) 1, 399. — dazu widersagbrief, m., die botschaft, durch die einem gegner die fehde angekündigt wurde (vgl. widersagen I B 3): Peter Salabach der snider dem vorgen. Hürwin ein widersagbrief bracht von des Bamsers des brediers wegen (1381) schweiz. id. 5, 480; dem boten der uns den widersag brief braucht von dem bischoff (Augsburg 1388) städtechron. 4, 84 anm. 1; do sante der bischof und jungherre Ludewig von Liechtenberg erst iren widersagesbrief in die stat gon Straszburg (1428) Windecke denkwürd. 239 Altmann; also schickt er in ain widersagbrief (Augsburg 15. jh.) städtechron. 5, 238; do nun die widersachbrief ... gen Schauffhusen inkomen Ulrich v. Richental Constanzer concil 64 lit. ver.; und schickten inn der nacht dem ammeister ein widersagsbrieff B. Hertzog chron. Alsatiae (1592) 6, 302; uns wil auch auf das kürzest auszreden lauters nicht gezimen in einige weg widersagbrief Christo zu schicken (1556) Schade satiren u. pasquille 3, 91.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1164, Z. 45.

widersagen, wiedersagen, vb.

wi(e)dersagen, vb.,
entgegnen, widersprechen, absagen; wiederholen, berichten; ahd. widersagen; mhd. widersagen; mnd. wedderseggen; mnl. wederseggen; zuerst belegt bei Notker in der bedeutung 'contradicere', die das wort in fast allen belegen bis in das 15. jh. aufweist. lexikalisch seit dem 15. jh. häufig, meist in beiden grundbedeutungen belegt: widersagen (15. jh., md.) contradicere Diefenbach gl. 147ᵇ; diffidare ebda 181ᵃ; renunciare ebda 492ᵇ; recusare ebda 488ᵃ; reniti ebda 492ᵇ; wider sagen redicere ebda 488ᶜ; widdersagen abdicare ebda 2ᵃ; abrenunciare ebda 4ᵇ; aduersari ebda 14ᵇ; wyedersagen resignare ebda 494ᵇ; interdicere ebda 303ᶜ; weder zeghen (15. jh., nd.) diffidare ebda 181ᵃ; widerzeghen renunciare (15. jh., nd.) ebda 492ᵇ; wyederseghen interdicere (15. jh., nd.) ebda 303ᶜ; wider sagen iterare (15. jh.) ders., nov. gl. 223ᵃ; abrenunciare ders., mlat.-hd.-böhm. wb. 4; abdicare widder sagen Melber voc. pred. (1482) A 2ᵃ; recusare verschmehen oder widersagen gemma gemm. (1510) x 3ᵇ; replicare wider sagen ebda x 4ᵇ; widersagen abrenunciare i. contradicere, revocare, voc. primo ponens (1515) k 2ᵃ; widersagen ein ding noch ein male epilogare i. recapitulare ebda k 2ᵃ; contra dico Alberus nov. dict. (1540) G 2ᵇ; redico i. iterum dico ich sag wider, wider hol ebda G 3ᵃ; wiedersagen non solum est referre audita vel narrata enarrare, dicentemque prodere, verum etiam obloqvi, contradicere, vel refellere Stieler stammb. (1691) 1668; wider sagen contradire, it. abrenunciare, rinegare Kramer t.-ital. 2 (1702) 416ᵃ; wiedersagen ridire, ripetere, replicare, abrenunciare ebda 416ᵃ; redire, rapporter Frisch nouv. dict. (1752) 711; in einigen wbb. wird zwischen widersagen 'contradicere' und widersagen 'renunciare' bewuszt unterschieden: wider sagen antwort bringen, widersagen widersprechen Hulsius-Ravellus (1616) 411ᵃ; wiedersagt praes. ich wiedersage recuso, abnuo; wieder gesagt praes. ich sage wieder renuncio Steinbach dt. wb. (1734) 335. die bedeutung 'contradicere' gehört, wie die dichte lexikalische bezeugung zeigt, vor allem der zeit vor 1600 an. sie ist zwar sporadisch bis ins 19. jh. belegt, gehört jedoch schon im 18. jh. nicht mehr der lebenden sprache an. Adelung und Campe führen sie nicht mehr auf, verzeichnen dagegen die bedeutung 'redicere, renunciare', und zwar in der besonderen nuancierung, die Stieler bereits kennt (s. ob.): wiedersagen etwas, das einem gesagt worden, einem anderen sagen Adelung 5 (1786) 216; Campe 5 (1811) 711ᵃ. diese bedeutung lebt auch in den mundarten: widdersage weiter erzählen, was man vertraulich gehört hat Hönig Köln 217ᵇ; weddersein 'andern sagen, was man verschweigen sollte' Damköhler Nordharz 224ᵃ; wierseggen a) nochmals sagen, b) weiter erzählen, ausplaudern Woeste westf. 323ᵃ; weerseggen Frederking Hahlen b. Minden 171ᵇ. näheres s. u. 2.
I.
dagegen sprechen, entgegenhalten; aufsagen, entsagen.
A.
transitiv.
1)
etwas für falsch erklären, bestreiten: ube einêr daz saget chumftîg, daz anderêr uuidersaget, sô saget echert ter eino uuâr peide nemugen sie Notker 1, 526, 8 Piper;
wer mocht in daz widersagen?
Hartmann v. Aue Iwein 1262 B.-L.;
der rât im niht behagte,
darumb er in widersagte
Ulrich v. Eschenbach Alexander 6814 Toischer;
die andern widersagtens, es were nit S. Franck Germ. chron. (1538) 200ᵃ; (der böse geist sprach zu einem abt) „du bist doch mein und hast dich an mich lengest ergeben“. das hat ime der apt widersagt Zimmer. chron. ²3, 531 Barack; ich fürchte nicht von denen, an die ich das wort richte, ... getadelt und widersagt zu werden Chamisso w. (1836) 5, 184. eine frühere aussage aufheben, etw. für nichtig erklären:
uns leien wundert umbe der pfaffen lêre.
si lêrten uns bî kurzen tagen:
daz wellents uns nû widersagen
Walther v. d. Vogelweide 12, 34 Kraus;
swelich wîp oder magt
ein gelübde got getuot,
daz doch reht ist unde guot,
daz mac der vater oder der wirt,
swenne er des inne wirt,
verwerfen unde widersagen
bruder Philipp Marienleben 1072 Rückert;
wann ob ers (das gelübde) widersagt (4. Mos. 30, 16 contradixerit; Luther [1545] wird ers aber schwechen) erste dt. bibel 4, 111 Kurr.
2)
etwas versagen, verweigern, mit dat. d. person: ich widersage deme tiufel minen lip unde mine sele (12. jh.) Münchener glauben u. beichte bei Steinmeyer kl. ahd. sprachdenkm. 346, 16;
ob er mir helfe widerseit
waz touc dan mîn arbeit?
Hartmann v. Aue Iwein 5986 B.-L.;
herre, ir welt gewalt nû tuon,
sît ir mir grüezen widersaget
Wolfram v. Eschenbach Parzival 300, 25 L.;
es müst einer grob verzaubert seyn ... der da das loben wolt, dem sein eygen natur das lob zuverleihen widersagt Paracelsus opera (1616) 2, 611 Huser; die muse, welche mir alles wiedersaget Schwabe belust. (1741) 1, 442. reflexiv: ich widersage mich dem tievel unde allen sinen wercken Benediktbeurer gl. u. beichte III bei Steinmeyer kl. ahd. sprachdenkm. 358, 41. frieden u. ä. 'aufsagen', d. h. die fehde erklären (s. unten B 3):
des wart den ellenden der vride gâhes widerseit
Nibelungenlied 2098, 4 Bartsch;
nu wil i'm dienst widersagn:
hât er haz, den wil ich tragn
Wolfram v. Eschenbach Parzival 332, 7 L.;
diesen absagbrieff bring ich dir,
von dem christenkeiser Ottnit,
der widersagt dir allen frid
vnd will dir dein land nemen ein
J. Ayrer dramen 2, 1040 Keller.
im sinne von verbieten, untersagen:
got dem manne widerseit daz er leidir niht uermeit
ze niezzen des obezes der gewizzen guͦtes unde ubeles
genesis u. exodus 10, 8 Diemer;
sî (die priester) sprâchn 'Marîâ, reiniu magt,
diu heilege schrift daz widersagt
daz von allen unsern wîben
deheiniu magt sül belîben:
sî sulen nemen man zer ê
bruder Philipp Marienleben 1025 Rückert.
B.
intransitiv.
1)
antworten, entgegnen. nicht sehr häufig: vnd zuͦ disem widersagt im keiner von allem dem volck (1. Sam. 14, 39: contradixit; Luther [1545] antwortet) erste dt. bibel 5, 60 Kurr.;
ich ward den göttin (den musen) widersagen
Hans Sachs 3, 434 lit. ver.;
der Scithier könig widersaget,
kein schlacht würd im gelifert werden,
biss dass er im grüb auss der erden
seine eltern auss irem grab
ebda 16, 268.
beeinfluszt wird widersagen in dieser bedeutung durch das adverb wieder 'wiederum' und das in verbindung hiermit entstandene wiedersagen (s. u. II): wiedersagen antwort bringen, apporter ou dire la response Widerhold (1669) 420ᵇ; wiedersagen antwort bringen Rädlein t.-it.-frz. (1711) 1056ᵃ; in etlichen tagen wolte ich ihr antwort wiedersagen Chr. Reuter Schelmuffsky 38 ndr.
2)
widersprechen.
a)
eigentlich. sich mit worten widersetzen, auflehnen:
'dis kint wirt maeniger lúte val
und ze ainem zile fúrgeleit
dem och wirt dike widerseit'
schweizer Wernher Marienleben 3528 P.-H.;
der do wyder saget deinem munde vnd nichten gehorsamt allen den worten, die du ihm gebeutest, der sterbe dez todes (Jos. 1, 18: qui contradixerit) erste dt. bibel 4, 254 Kurr.; 'wee dem der widersagt seinem schöpffer' (Jes. 45, 9: contradicit; Luther: hadert) Ulrich v. Hutten opera 2, 127 Böcking;
ich bin der graf, wer widersagt
dem hochgeborenen herrn?
Chamisso w. (1836) 3, 284;
was anderes sollte sie thun, als mit bedauern seinem wunsche widersagen? Hopfen d. alte praktik. (1891) 322. hierher auch: ob eynich furste myner (zur frau) gert, dem wil ich widdersagen Wigand Gerstenberg chron. 185 Diemar; formelhaftes an allez widersagen leben d. hl. Elisabeth 7553 Rieger;
du gehst zur schlacht-banck wie ein lamb
ohn alles wieder-sagen
bei Fischer-Tümpel evang. kirchenl. (1903) 1, 377.
b)
übertragen:
der geist ist willig und perait;
aber das fleisch gancz widersait
altdt. passionsspiele a. Tirol 305 Wackernell;
will ich hie dieselbigen (rezepte) nít fur augen nemmen, dann sie widersagen der natur in der heylung der löcher Paracelsus chirurg. bücher u. schr. (1618) 364 Huser; wollte nun damals nicht gelingen, uns in eine solche art (des rhythmischen vortrags) zu fügen, da ein deutsches ohr und wesen jeder anspannung widersagt Göthe I 42, 1, 179 W.
3)
jem. widersagen wird in der sprache des rittertums und im rechtswesen zum formelhaften ausdruck, dem gegner die fehde zu erklären (vgl. oben A 2); in neuerer zeit nur noch gelegentlich:
dô sprach der künic Gunther 'mir ist von schulden leit.
Liudegast und Liudegêr die haben mir widerseit
Nibelungenlied 884, 2 Bartsch;
do her Siba von bosshait
David, dem kúng, hett wider sait
Konrad v. Helmsdorf d. spiegel d. menschl. heils 3402 Lindqvist;
ir tot, euch sei verfluchet! (var. widersagt) ackermann aus Böhmen 3, 20 Bernt-Burdach; der sich selbs ainn koenig macht, der widersagt dem kaiser vnd ist nit ain freuend des kaisers Berthold v. Chiemsee teutsche theol. 338 R.;
Mortoldt, so sey dir widersagt
zum kampff
(1553) Hans Sachs 12, 146 lit. ver.;
als nun die Rotwyler seiner kein acht hatten vnd sein anspraach verschätzten, widersagt er jnen Stumpf Schweizerchron. (1606) 454ᵇ;
wann ich denselben finde,
wie er lauert bei der linde,
ich widersag' ihm geschwinde
Uhland ges. 1, 374 Schmidt-Hartm.;
vereinzelt als part. adj., vgl. abgesagt teil 1, sp. 41:
nuͦ floch er zuͦ sant Kilian,
was doch sin widersagter man
hist. volkslieder 1, 170 Liliencron;
wann Veneris kind Cupido ist ain widersagter fynd aller arbait, aller starkmütikait, aller vernunfft Steinhöwel de claris mul. 84 lit. ver. als subst. inf.:
ir fuorent unde kâment
verholne sunder widersagen
in sîn rîche bî den tagen
unde erslichent sîne stat
Konrad v. Würzburg Trojanerkrieg 18 049 Keller;
das ir yetweder seiner rät nün an ain gelegen end schicke, die dann mit sampt den selben hoptman die sach söllent fürnemen, zu erobern, nach gelegenheit unsers widerstands, es sey mit widersagen, zugen, legern, zusetzen oder täglichem krieg (1487) urk. z. gesch. d. schwäb. bundes 1, 5 lit. ver.
4)
speziell im religiösen sprachgebrauch hat widersagen die bedeutung 'entsagen, abschwören, verleugnen', in der es noch heute gebraucht wird:
a)
im engeren bereiche des glaubens.
α)
in der tauf- und beichtformel: mit dem heiligen gelouben, den ir nu gesprochen habet, habt ir dem tiufle widerseit und dem almehtigen got genaht (12. jh.) Münchener glauben u. beichte 83 bei Steinmeyer kl. ahd. sprachdenkm. 348; ich widersaig diem tiuvel vnt allen sinen wercken unt allen sinen gezierdin alem. glauben u. beichte I bei Steinmeyer kl. ahd. sprachdenkm. 350; wider sagstu dem teuffell und allen seinen wercken? (1523) Luther 12, 51 W.; abrenuntias Satanae? widersagst du dem teifl? der gfater: ich wider sag Abr. a s. Clara neue pred. 208 lit. ver.; von dorther beeinfluszt:
swer dort (im himmel) wil den palmen tragen,
der muz den zwein (dem fleisch u. dem drachen) wider sagen
an dises vleisches lebene
Heinrich v. Hesler apokalypse 12 644 Helm;
wer den sünden nicht widersagt
vnd Christo von hertzen nachjagt,
der wirt ewiglich geplagt
bei Wackernagel dt. kirchenlied 3, 276;
o teuffel ich widersage dir oder kündige dir ab Widmann Fausts leben 49 Keller; es sey ihm (Jesu) zugesagt, der welt abgesagt, dem teuffel widersagt Schmolck sämtl. trost- u. geistr. schr. (1740) 2, 2, 149; es ist genügend, dasz man in der erkenntnisz das gute von dem bösen in sich scheiden lerne, dasz die erkenntnis dem bösen widersage Pückler briefw. u. tageb. (1873) 1, 203; ich habe damals ein schweres gelöbnis darauf abgelegt, dem teufel zu widersagen Rosegger schr. (1895) III 10, 1. hierher auch: er höret zuͦ würgen nit auff, bisz dasz sie alle einhellig der heydenschafft widdersagten vnnd Christum schrien vnd anrüfften S. Franck Germ. chron. (1538) 107ᵃ.
β)
gott oder dem christl. glauben abschwören:
du salt balde wider sagen
dime gelouben, den du hast
passional 148, 70 Köpke;
ich widersag gott vnd mach mich dir vndertänig summerteil d. heyligen leben (1472) 184ᵇ;
die nit benügt an aller sünd
vnd das sie sind des tüfels kynd
sie müssen öfflich zougen das
wie sie sygen jnn gottes hasz
vnd haben jm (gott) gantz widerseyt
S. Brant narrenschiff 85 Zarncke;
der zauberer spricht abermahl: widersagest du Christo? Dannhawer catech.-milch (1657) 10, 240.
γ)
einer irrlehre absagen: doch hat er (Luther) solcher seiner lehr widersagt Joh. Nas antipap. eins u. hundert (1567) 3, 220ᵃ; solchem greulichen irrtum (der luther. lehre) widersage und widerspreche ich nun und immer mehr (1629) acta publica 8, 270 Palm.
b)
im weiteren sinne 'der welt, weltlichen dingen, dem sündigen leben entsagen':
si hat der welt wider seit
und wil och magt beliben
der sœlden hort 6306 Adrian;
es sei dann das ein mensch widersag allem dem, das er besitzt, so mag er nit mein iunger sein Keisersberg brösamlin (1517) 2, 19ᵇ; diszer Diogenes widersagt all sein begirden vnd wollusten S. Franck chron. zeytb. (1531) 89ᵃ; mein nichtwillen machet, dasz ich meinen appetiten widerstrebe vnd meinen sinnlicheiten widersage Albertinus Guevaras geistl. spiegel (1601) 318ᵇ; denn es nicht allen menschen geben ist, das sie sich aller ding verzeihen, der welt widersagen vnd ein christlich leben an sich nemen J. Arndt nachfolgung Christi (1631) 79; ich widersagte dem soldaten-leben Grimmelshausen Simpl. 321 Kögel. vereinzelt dem leben widersagen im sinne von sterben: do Krok — dem lebin widerseit (anf. 14. jh.) bei Jelinek mhd. wb. 952; das si al dem lebin widersagten ebda. reflexiv: wer mir wil nachuolgen, der sol jmselbs widersagen (vgl. Matth. 16, 24; vulg.: deneget) Berthold v. Chiemsee teutsche theol. 278 R.
II.
zurückmelden, wiederholen, berichten:
do er sei (die toube) zeder driten stunde hiez
vz varen nach mere.
si wider sagt ím nicht mere.
ich enwæne si seín vergaz
ged. d. 12. u. 13. jhs. 24, 54 Hahn;
was sie dann darusz ratent, das sage ich uch wiedder Lancelot 1, 72 Kluge; ich war vierzig jar alt, das mich Mose, der knecht des herrn, aussandte von Kades-Barnea, das land zuerkundschaffen, und ich jm widersagt, nach meinem gewissen (nuntiavique ei) Jos. 14, 7;
vnd forst ja fleiszig nach dem kind,
vnd sagt mirs wider wenn jrs find
Ringwald evangelia (1581) F 6ᵇ;
als 'wiederholen': wir wollen diesesmahl solche ihre falsche lehre alhie nit weitleuftig wiedersagen Reinicke fuchs (1650) 105; nhd. besonders 'etwas (an einen dritten) weiterberichten', vor allem, was einem im vertrauen mitgeteilt wurde, vgl. die oben angeführten histor. und mundartl. wbb.:
was hilft dem gemahl dein klagen,
das ihm niemand wiedersagt?
anmuth. gelehrsamk. (1751) 8, 44 Gottsched;
alles das wird der königinn, mit vielen übertreibungen, wiedergesagt Lessing 10, 11 L.-M.; die abgeschickten des castellans hörten diese worte und sagten ihm alles wieder Göthe I 43, 360 W.; Nanny hat ihr dieses getreulich wiedergesagt (1842) A. v. Droste-Hülshoff br. 2, 76 Schulte-Kemm.; dem gnädigen herrn kann ich das garnicht alles wiedersagen Polenz Grabenhäger (1898) 1, 60;
vom hörensagen und wiedersagen
wird mancher auf das maul geschlagen
Binder sprichwörterschatz (1873) 92.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1165, Z. 16.

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Zitationshilfe
„wiedersagen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wiedersagen>.

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