Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

widerstoszen, wiederstoszen, vb.

wi(e)derstoszen, vb.,
'dagegen-, anstoszen; begegnen; zurückstoszen, -treiben, von sich stoszen'. ahd. uuider(e)stozen (repungo vuidirstozo, vuidirslaho [10. jh.] ahd. gl. 2, 376, 72 St.-S.; ahd. literar. belege unter 3 b und 4), mhd. widerstôzen, mnd. wedderstoten, mnl. wederstoten.
1)
'dagegen-, anstoszen'; diesen gebrauch in der lebenden mundart bezeugt Fischer schwäb. 6, 796; s. auch Hofmann unter a.
a)
im eigentlichen sinne: widerstossen, an etwas stossen achopper, s'aheurter contre quelque pierre, vrtare, inciampare Hulsius-Ravellus t.-frz.-ital. (1616) 412ᵃ; wider-stossen, darwider-stossen spignere, urtare, dare contro Kramer t.-ital. 2 (1702) 992ᵃ: daz ertpidmen ist den vesten und den gepäwen minner schad. daz kümt dâ von, daz der dunst für sich scheubt die erden mit ainem gedrang und widerstœzt, sam dâ ain mensch den andern dringt (um 1350) Konrad v. Megenberg buch d. natur 108, 10 Pf.; die schiffleute dessen (des gewittersturms) widerstossender macht länger nit widerstand thun konten theatrum amoris (1626) 1, 367; gerade so wie eine kugel, ... wenn sie am ende ihre kraft verliert, viel leichter ganz zur ruhe gebracht werden kann, als eine, die durch nichts aufgehalten ist, und noch am ende ihrer bahn mit heftigkeit widerstöszt J. G. Forster s. schr. (1843) 7, 166; (Wilhelm) fand sich in einem dunkeln und engen behältnisse, ... und als er einen schritt vorwärts gehen wollte, stiess er schon wider Göthe I 23, 120 W. im kampfe einen gegenstosz machen: ein krieg, bei dem man seine siege blosz zum abwehren benutzen und gar nicht widerstoszen wollte, wäre ebenso widersinnig als eine schlacht, in der die absoluteste verteidigung (passivität) in allen maszregeln herrschen sollte Clausewitz vom kriege (⁷1912) 343. mundartlich: werəšdosən 'beim sprechen mit der zunge anstoszen, lispeln' Hofmann niederhess. 263ᵇ.
b)
bildlich: der soll sich sei noos widderstosse (etwa soviel wie: der soll bei mir auf granit beissen) Niebergall dram. w. (1894) 281. dem sinnlichen ausgangspunkt entfernter: (da) diese empfindung nirgends falsch wiedersties (1779) Göthe IV 4, 70 W.; in Johannes von Müller's geschichte verträgt, ja verlangt die gewalt der idee den halb starren, halb widerstoszenden klang (1804) Jean Paul w. 49/51, 336 Hempel. in unpersönlicher konstruktion, 'es stockt': von einem ende zum andern! durchgedacht! und wieder durchgedacht! und immer quälender! immer schrecklicher! — — (sich die stirn haltend) wo's zuletzt widerstöszt! nirgends vor, nicht hinter sich! nirgends rath und hülfe! (1775) Göthe I 11, 185 W.; sprech' ich nun die theile (der kunstwerke) zweckmäszig mit den künstlern durch und sehe wie weit sie gekommen sind, was sie haben und wo es widerstöszt (1787) ebda 32, 77.
2)
'jemandem begegnen, auf ihn zukommen' (vgl. gegenstoszen teil 4, 1, 2, sp. 2269, aufstoszen 6 teil 1, sp. 752 und zustoszen 2 b teil 16, sp. 855):
swaz ime des volkes widir stiez
wie luzzel her des genesen liez
könig Rother 1655 Frings-K.;
daz im ein garzûn widerstiez,
der einen guoten bogen truoc
Hartmann v. Aue Iwein 3264 Benecke-L.;
er wære der küene oder der zage,
wer im in strîte widerstiez,
vor im er dô sîn leben liez
Ulrich v. Eschenbach Alexander 13 619 lit. ver.
3)
'zurückstoszen, -treiben, von sich stoszen, abweisen'. wiederholt entspricht lat. retrudere: widerstoszen, -stveszen (hd.) Diefenbach gl. 496ᶜ; wiederstossen voc. theut. (Nürnberg 1482) oo 3ᵃ; widerstossen gemma gemm. (Straszburg 1508) y 1ᵇ; wederstoeten gemma gemm. (Köln 1512) S 6ᵃ. für lat. repulsare (frz. repousser): widerstossen voc. incip. teut. ante lat. (Speyer, um 1485) oo 3ᵇ; wiederstossen Frisch nouv. dict. (1752) 2, 712.
a)
im kampfe '(jemanden) zurückstoszen, -treiben':
(dasz sie Alexander) daz lant werten,
unde daz si in wider stiezen
unt uber daz wasser niene liezen
Lamprecht Alexander (V) 1163 Kinzel.
b)
'jemand von sich stoszen, abweisen, verstoszen': quare me repulisti? ziu stîeze du (gott) mih uuidere Notker 3, 259, 9 S.; devs reppvlisti nos ... dû got habest unsih uuidere-gestôzen ebda 387, 10 (ps. 59, 3; Luther: gott, der du vns verstossen ... hast);
... muste her (d. teufel) wider winden,
wen in die gotheit wieder stiez
(vor 1312) Heinrich v. Hesler apokalypse 10 675 Helm.
auch mit dat.: do dirre muͦnich sich bereite die himelezchen gabe van unser vrowen hende zu enphane, do wider stiz ime die muͦter unserez herren (illa repulit eum) (13. jh.) d. hl. regel 42, 11 Priebsch.
c)
etwas 'zurückstoszen, von sich stoszen, abweisen': Lancelot, wo ist din grosz biederbekeit komen, die manige ungerechte kúndekeit wiederstoszen hatt und vertriben? Lancelot 1, 634 Kluge; ach, zarter herre, so daz manigvaltig sterben mins hertzen und libes mit mir ringet, so zúrnde ich gerne mit dir; owe, so widerstossest du es mit einem versüsten gedanke, reht als ob du sprechest: 'ich tuͦn dir nút zuͦ zúrnen, ich tuͦn dir zuͦ minnen' Seuse dt. schr. 440 Bihlm.; (die christen sind bestrebt) zü widerstossende und zu strofen den gewalt und die gedurstikeit der verworfenen menschen (1431) Windecke denkw. 260 Altmann; als pald dir die selbe (d. göttl. gnade) eingossen wirt, so muͦs die enzündung des fleischs erleschen, und wirt des tewfels krafft wider stossen (diabolum retundit) (um 1460) Hartlieb Caesarius v. Heisterbach 140 Drescher.
4)
'(etwas) stumpf machen, abstumpfen'; eigentlich und bildlich: non ita hebetauit meror sensus nostros ... nehabet mir leid toh nîeht sô genomen mînen sin noh sô uuiderstôzen Notker 1, 36, 4 S.; die gescherpfften der seche (var. die scherpfe der pfluͦgeisen) vnd der hawen vnd der gabeln vnd der acksten, die warn also breyt ze schlichten untz zuͦ dem grate (var. um 1475: warden widerstoszen [retusae]) erste dt. bibel 5, 53 lit. ver. (1. kön. 13, 21); retundere wederstoeten off plomb maken gemma gemm. (Köln 1512) S 6ᵃ.
5)
mhd. gelegentlich reflexiv im sinne von 'abprallen' gebraucht: (echo) geschiht, wenn der gestimt luft sich widerstôzt an paumen oder an häusern (um 1350) Konrad v. Megenberg buch d. natur 16, 14 Pf.;
doch zeiget wol diu minne ir weide
an ir, swie sî in trûren wære.
gekrœnt saz diu minnebære,
bî ir ein werdiu frowenschar,
an den man nam des wunsches war.
diu schar wol minn gesinde hiez,
an den sich fröude ouch widerstiez
(1261/69) Ulrich v. d. Türlin Willehalm 71, 18 Singer.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1296, Z. 12.

widerstoszen, wiederstoszen, n.

wi(e)derstoszen, n.,
repulsa widerstoiszen (15. jh., md.) Diefenbach gl. 493ᶜ; wiederstoszen 'das stoszen, den stosz erwiedern'; das wiederstoszen Campe wb. 5 (1811) 712ᵃ. literarisch:
sie slvgen tiefe wunden vnd gaben in da menlich widerstozzen
doch flvren sie der kristen drizzic tusent
Albrecht v. Scharfenberg jüng. Titurel 6090 Hahn.
im sinne von 'wettstreit' (vgl. unter widerstosz 1 c γ):
daz sie (ein heidenheer) den fevres vanken vnd svnnen brehen gaben wider stozzen
mit der richeit goldes vnd gesteine
ebda 4012.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1297, Z. 68.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
widerprallen wiedertun
Zitationshilfe
„wiederstoszen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wiederstoszen>.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)