Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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widmen, vb.

widmen, vb.,
ahd., widimen ( ˂ widimjan; ahd. nicht belegt ist ein aus widmut [s. d.] zu erschlieszendes -ôn-verb), mhd. widemen, mnd., mnl. wedemen. faktitiv zu ahd. widimo (wittum teil 14, 2, sp. 830), zu dessen herkunft von *u̯ed-mno-, dem 'wort für den kaufpreis der braut', abgeleitet von *u̯edh 'führen, heimführen, heiraten (vom manne)', s. Pokorny idg. et. wb. 1, 1115 f., Walde-Pokorny 1, 216 anm., 256. das verb fehlt auszerhalb des deutsch-nl. (ohne hist. zusammenhang gr. ἑδνοῦσθαι '[eine tochter] verheiraten'). nhd. normalform ist widmen mit synkopiertem mittelvokal; daneben frühnhd. bis 19. jh. seltener wiedmen, wohl durch analogie zu wi(e)dem (oder mit Paul als nachklang von widemen dt. gramm. 1, 162). länge wird schon im 15. jh. vorausgesetzt durch formen wie geweydemt (1439) reform. d. kaisers Sigmund 6 Werner. in den maa.-wbb. viel seltener als das substantiv und meist nur mit historischen belegen gebucht: Hunziker Aargau 296; Fischer schwäb. 6, 760 f.; Schmeller-Fr. bayer. 2, 860; Schatz Tirol 704; Kehrein Nassau 1, 445; 'nicht gebräuchlich' Müller-Fraureuth obersächs. 2, 663; brem.-nds. wb. 5, 215 f.; Schmidt-Petersen nordfries. 161. gelegentliches wibmen, z. b. österr. weist. 7, 671, wipme Hunziker a. a. o., andrerseits gewident Tucher baumeisterb. 96 lit. ver. (daher dann auch widen mon. Boica 5, 525, s. u. 3 b, gewiedet Hans Sachs 5, 24 lit. ver.), gewidnet (1724) bei Fischer schwäb. 6, 760 erklären sich durch teilassimilation aus der normalform. gewiepnet bei Müller-Fraureuth a. a. o., wibenen Berthold von Chiemsee theol. 413 Reithm. sind mischform dieser beiden entwicklungen. im part. prät. erscheint manchmal p oder b als übergangslaut: gewidempt J. v. Watt dt. hist. schr. 1, 318 Götz. (vgl. ähnliche formen beim substantiv a. a. o.). das wort gehörte überwiegend zur kirchen-, rechts- u. dann allgemein zur gehobenen schriftsprache. die nhd. umschichtung und ausweitung seiner anwendungsmöglichkeiten hat ihm einen gewissen bezirk der höheren umgangssprache gesichert (s. 6). die frühen hauptbedeutungen 'ausstatten' (1), 'übereignen' (2), 'stiften, gründen, fügen' (3) ergeben sich deutlich aus einander; brücke zum nhd. sind die bedeutungen 'einer bestimmung oder aufgabe anheimgeben' (4) und 'weihend darbringen' (5). aus diesen beiden gruppen ergibt sich der moderne gebrauch 'positiven gröszen sachliche oder persönliche werte zuwenden, sich mit ihnen fördernd befassen' (6). diese entwicklungen werden von syntaktischen umgliederungen begleitet und beeinfluszt. der partizipiale gebrauch hat sich vielfach zu festen fügungen konsolidiert (s. gewidmet teil 4, 1, 3, sp. 5786ff.).
1)
'ausstatten' (der empfänger steht im akk., die sache kann noch ungenannt bleiben, sie wird gegebenenfalls präpositional durch mit angeschlossen).
a)
eherechtl., die frau bei der hochzeit widmen; bald als sicherstellung für den todesfall des mannes gedacht (ahd. u. mhd.), dannwohl in zusammenhang mit der formalen und inhaltlichen auseinanderentwicklung von widdem u. wittum (s. d.) — abgelöst durch ausstatten, begaben, morgengabe machen u. ä.: (si seduxerit quis virginem necdum desponsatam dormieritque cum ea,) dotabit vuidimit (eam et habebit eam uxorem) exodus 22, 16. (9. jh.) ahd. gl. 1, 322, 38 St.-S.; auch han wer ... dem obgen. Heinrich erleubt das er die edlen Lysen, sein eliche wirtinne wydeme moge vnd ire morgengab vnd heimstewer beweisen (1360) bei Haltaus gloss. germ. 2095; daz ich myn allerlyffste eliche vrauwe — Johannen von Wildenberg gewidemet han ... bit alle dem rechte, daz eyn man sin ... huszvrauwe widemen mach vnd sal (1368) ebda; der sin wib widemen wil, daz er von recht schuldig ist zu tun ..., der sal suchen solch gut, damit sie unbetrogen sy (1372) keyserrecht 88 Endem.
b)
kirchenrechtl. aus a übertragen, seit dem 13. jh.: die pharre zuͦme Colmen. vnd die pharre zu Thorun habe wer gewedemit. isliche mit vir huben vor der stat (Kulm 1251) corp. d. altdt. originalurk. 1, 37 Fr. Wilhelm; unser herre ist selber zu mir komen und hat mich gebeten, daz ich siner dirne Katherin einen alter mach ze Engeltal und in widem mit dem holtz ze Espech und mit dem hof ze Teufenbach (1338) nonne v. Engelthal 4 Schröder; ich habe gestiftet und gewedemit eynen altir mit zcwen vicarien und lehin in ere dez almechtigin gotis (1397) in: zs. d. ver. f. thür. gesch. 39, 354; einer siner vordern ... hett verheiszen einem bischof von Losann mit sechzig tuggaten ze widmen die kilchen daselbs, dasz ouch ein priester möcht wol sin ufenthalt da haben (mitte 15. jh.) Stretlinger chron. 93 Baechtold; und ist offenbar und bewiszlich, dasz ... etlich pfarren von den bischofen von Costentz ... mit hilf der grafen und andern fränkischen amptleuten des Turgöuws gewidempt und aufbracht sind J. v. Watt dt. hist. schr. 1, 105 Götz.; auch: im 1471. jar fiengen an ... die hertzogen in Bayern, die hohe schul zu Ingolstat zu bawen und zu widmen (um 1560) chron. d. st. Eger 34 Gradl.
c)
in übertragener verwendung vom 13.—16. jh.: dit (die kirche) was de junge wingarde, den unse herre Jesus Christus selve gewedemet hevet mit sinen bluͦde unde gedunget mit siner soten lere (um 1240) sächs. weltchron. 116 Weiland;
der magetlîche zimmer,
in zuckersüezem smackes bradem
mit geistekeit gewidemet,
durchtrehtic wart, des wortes gadem
Frauenlob 233, 9 Ettmüller;
ain bystum ouch
das haut gewidempt also hoch
sant Conrat mit der hailikait sin
(1453) Hermann von Sachsenheim die mörin 3552 Martin;
also auch das fatum aeris mit vernunfft vnd vnvernunfft gewidmet ist in seiner signatur Paracelsus opera (1616) 2, 11ᴮ Huser.
2)
die bed. 'übereignen' nebst nahestehenden (syntaktisch modifizierten) anwendungen ergibt sich aus dem vorigen durch umgliederung der sichtweise; als akk.-obj. erscheint die übereignete sache, der empfänger steht im dativ (a, bα, c) oder wird präpositional, vorwiegend durch zu, angeschlossen (b β) (zum konstruktionswechsel vgl. donare aliquem aliqua re und alicui aliquid, ähnliche übergänge z. b. bei rauben teil 8, sp. 218ff., verehren teil 12, 1, sp. 266ff.). die bedeutung wird namentlich in den präpos. konstruktionen durch lokale auffassung des zu ('hin zu') abgewandelt (s. u.).
a)
eherechtlich (entsprechend 1 a, nun aber auch wechselseitig unter eheleuten) mit dat. d. person; nur vereinzelt mhd.-frühnhd. zu belegen, doch wohl in festem gebrauch und kanzleisprachlich noch lange gekannt (vgl. Göthe): bona subscripta sunt hec, que ... uxor mea quondam, dum adhuc esset in vita, mihi sicut fieri solet in dotalicium assignavit, quod vulgo dicitur widemete (1270) urkundenb. d. st. Basel 2, 22 Wackernagel-Thommen; Hug der Spiller und vor Ellin sin würtin (haben) einander gewidemet (gewisse güter) (1294) bei Ch. Schmid hist. wb. d. elsäss. ma. 421ᵃ; dieser fürst sol ... Margarethen des königs Heinrichs schwester zur ehe nemmen ... uber das, das hertzogthumb Berri, als ein widembt gut, und solches allweil sie in leib und leben nutzen und niessen Henricpetri general historia (1577) 302;
besitzest du ein still entferntes landgut;
so widm' es mir und sende mich dahin
Göthe I 10, 381 W.
b)
seit dem 14. jh. kirchenrechtlich, später auch allgemein rechtssprachlich von liegenschaften, finanziellen mitteln, gerechtsamen.
α)
selten (bei wirklichen und juristischen personen) mit dat. d. person. wo statt einer kirchlichen instanz als empfänger gott genannt wird, geht schon hier der sinn in 'weihend darbringen' (5) über:
von Meinze bischolf Gêrhart
sprach: herr, ich tuon iu kunt,
daz vor maniger stunt
dem goteshûs gewidemt hât,
als sîn hantveste stât
der sælic kunic Karl
in dem kunicrîche z'Arl,
daz ich dâ rehter kanzler bin
(um 1305) Ottokar österr. reimchron. 74 831 Seem.;
das guͦtt ... ich ... got gewidmet han summerteil d. heyligen leben (1472) 80ᵇ; bey solchen kirchen, schulen und den armen gewiedmeten gütern Schupp schr. (1663) 34; (strafgelder, die) dem veldhüeter hie vorn erstandner massen gewidmet und gemaint (1676) österr. weist. 2, 159.
β)
etw. (selten jmdn) zu einer (lokal abgelegenen) kirchl. oder behördl. einrichtung widmen, es ihr übereignen, ihrer zuständigkeit unterstellen; das auf den unpersönl. empfänger hinweisende zu nimmt überwiegend lokalen sinn an; partizipial gewidmet zu 'zugehörig zu' (widmen mit zweckbestimmendem zu — wie hier im ersten beleg neben lokalem zu — s. unter 4): der scende zcu Kunrotisdorf ..., den ... her Rein(hart) der rittir zcu dem spitole gewidemit hot zcu eime ewigin selgerete im unde alle sinen altvorderen (1334) urkundenb. d. st. Freiberg i. S. 1, 64, 18 E.; do man zalt 1401 ist in disem buch angehaben zu schreiben die nücz, gült und güter, die zu der ellenden pruderschaft zu Kaltern geschaffen, gewidmet und geordnet (1401 Kaltern) bei O. Stolz d. Deutschtum in Südtirol 2 (1928) 95; wan ein landtman ein gotshausz stift, oder aber zu einem gotshausz einen oder mer holden widmet (1552) Walther privatrechtl. traktate 30 Rintelen; dan ob die richter ersezung, auch abhaltung ... zue der herrschaft Wolkenstain gewident worden (nach 1590) österr. weist. 10, 56; indem sie (die bauern zu Brostau) nicht allein in die kirche daselbst, unangesehen sie dazu gewidmet ... nicht gehen wollen (1628) acta publica 7, 185 Palm; nach besagter herrschaft Freyberg darzue sie (die dorfgemeinde) aniezo gewidmet (ist) (17. jh.) österr. weist. 6, 215;
zu unsrer lieben frauen orden
ist dieser ort (kloster) gewidmet worden
J. Chr. Günther ged. (1735) 272.
daran schlieszen sich andere richtungsangaben an wie in, hin, an, auch auf (vgl. aber 3 c): daz der vorgenant Fridreich Weisman hat gebidempt die vorgenant hofstat vber Tuenaw hincz Neunburch in der herren chloster auf vnser vrown alter (1333) urkundenb. d. stiftes Klosterneuburg 247 Zeibig; welche unterthonen ... ire zinss ... in das bemelt closter gen Augspurg, dahin sie gewidembt ... geraicht und gegeben haben (1539) zs. d. hist. ver. f. Schwaben u. Neuburg 30 (1903) 25; mit erwegung derer privilegien, wie unndt wasz gestalts sie an die cron Behmen gewüdmet seindt N. Herrmann Rosenbergsche chron. 35; welliche obrigkeitliche marktgerechtigkeit alsz dann auf die herrn von Reichenburg, ... von dannen auf die herrschaft Freyberg vor manszgedenken gewidmet und transferiert worden (17. jh.) österr. weist. 6, 214; desgleichen soln die dorfmaister ... das antreffende vich ... in pfantstall, wohin er gewidmet, abtreiben (lassen) (1727) ebda 1, 79; (der schrank) enthielt alterthümliche kostbarkeiten, hierher (kirche) gewidmet und verehrt Göthe I 29, 114 W. schon früh auch in freierem gebrauch:
der heilic gotes tempel,
dar în sîn geist gewidemet was,
der was alschôn gezieret
Frauenlob 234, 2 Ettmüller;
dann solh nachlassen der schulden hat Christus gewibent in der kirchen schatz (d. h. sie sind durch die kirche vergebbar) Berthold v. Chiemsee teutsche theol. 404 Reithm. eher im sinne 'stiften' (3): hat gott neben seinem wort ein löbliche schul hieher gewidmet Mathesius Sarepta (1571) 17ᵇ.
3)
'etwas stiften, gründen, einrichten, ihm gründend eine organisation geben, es (in dieser) konsolidieren'; der gebrauch leitet sich aus der situation der materiellen ausstattung und sicherstellung (1) ab, knüpft aber gelegentlich an die des (stiftenden) übereignens (2) an.
a)
die bedeutung 'stiften, gründen' (b) wird schon seit dem 13. jh. durch übertragene verwendungen vorausgesetzt.
α)
'gründend ordnen':
doch ist daz rîche gewidemt sô,
swer im rehtes hilfet und durch keine drô
daz læt, dem ist ez helfe ûf reht gebunden
(um 1280) Lohengrin v. 3931 Rückert,
vgl. in ganz entsprechender verwendung (stiften teil 10, 2, sp. 2888):
sîn hûs also gestiftet was,
daz man dar in niewan vröude vant
Dietrichs flucht 124 Martin.
min stainhuͦs und hofsach ..., daz ich zuͦ ainem selhuͦs geordent haun, daz daz also ... beliben sol alz es gewidemt ist (Augsburg 1360) urk.-buch Augsburg 2, 91 Meyer; dieselben sollen das wasser der Etsch mit dem schef ... (wie es laut) inhalt der kuntschaften gewidmet ist, brauchn und vischen (1505) österr. weist. 5, 8; (weil sie) ein pesundern gotsdienst, von got nit geordnet und gepotten, aufgericht hetten ... (und dieser könig v. Israel) den ersten ainigen gotsdienst, von got gewidemt, nit annam Aventin s. w. 4, 259 bayer. akad.; domit aber totum vniuersum verstanden werde, wie got vnd sein geschoepf personlich gewident (personhaft zusammengefügt) Berthold von Chiemsee teutsche theol. 134 Reithm. mit sinnverschiebung zu 'gründend einer aufgabe verpflichten' und annäherung an 4: umb ... (des schutzes der armen) willen alle öbrikait von got gewidemt ist Aventin s. w. 4, 443 bayer. akad.; ein arme gemeine dirn ... empfieng den künig in ire armen, als er vom rosz fiel und verschied in irem schosz: dannenhar das closter, so dahin gebuwen und künigsfelden genampt wird, gewidmet ist, dasz man allen thorrechten frowen alda almusen mitzeteilen schuldig ist (vor 1572) Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 242ᵃ.
β)
über α hinausgehend 'begründen und (in sich) festigen, konsolidieren':
gegrüezet sî ir (Mariä) werder nam
und ir gebênedîter stam
von künigen her gewidemet
Frauenlob 389, 11 Ettmüller;
oder dz die gantz würde der kirchen in der pfaffen reichtumb gestalt, oder schier als mit kriegen vnd schlächten entsprungen auffgangen vnd gewydembt, vnd nit ehe durch marter, gedult vnd vernichtung des lebens U. Varnbüler dulce bellum inexperto (1519) F 3ᵇ; vnd das alles solchs einkomen solt den Türcken widerstand zuthun, vnd recht vnd fried in deudschen landen vnd im heiligen römischen reich zu bestettigen vnd zu widemen, und auff nichts anders gewand werden bei Luther bücher u. schr. 2 (1563) 176ᵇ; alle die im christlichen glauben recht gewidmet vnnd bekrefftiget sein Mathesius Sarepta (1571) 208ᵃ; hierher wohl auch: dieser centrum (des regenbogens) ist also in farben gewidmet, gleich als ein saltz, das im fewr ligt, vnd vmb sich gibt sein rauch, derselbig ist sein dampff von allen farben Paracelsus opera (1616) 2, 119 Huser; auch reflexiv 'sich konsolidieren, festsetzen':
gelücke kan
dir niht engân:
lâst dû dâ von, ez wil dich lân
als ez dich vant, ân allen wân:
ez widemet sich in keiner stat, im stât der vuoz ze sprunge
Frauenlob 119, 19 Ettmüller.
b)
'stiften', von bauten und einrichtungen auch 'gründen'; in dieser eigentlichen verwendung seit dem 14. jh.; oft in der formelhaften koppelung stiften und widmen, die die ausprägung dieser bedeutung gefördert hat: alle die cappellen, die jetzo gestiffte und gewidemet sint in der pharre ze Esselingen oder noch gestifte und gewidemet werdent (Esslingen 1321) württemb. geschichtsqu. 4, 240; guͦt und gúlte ... als sie von den stiftern gewidemt und von bischoffen besteitigt sint (Heilbronn 1378) ebda 5, 133; ain ieglicher, der nuͦ fürbaz sölich messan in unser stat widmen und och stifften wil (Ulm 1405) ebda 8, 143; so ist dasselb gotzhuse wol sibenhundert jare alt und ist von romischen kaisern und kunigen gewidempt, begabt und mit sundern freihaitten gefreyet (kl. Ellwangen 1459) ebda 10, 8; in den zwai gebürgen ... dient man das perkrecht in den pfarrhoff gen Eberstorff, alsz dan solches durch die herren von Eberstorff gewibmet und gestüft ist (1694) österr. weist. 7, 691 anm. auch mit präpositional angeschlossener zuwendgrösze: so haben wir ietzo gesetzt, daz nuͦ fürbaz mer dehain unser burger ... dehain mess in unser stat weder in unser pfarre noch ... in dehainen andern clöstern noch capellen ... widmen noch stifften sol (Ulm 1405) württemb. geschichtsqu. 8, 142; (wir) widen und stifften auch in ... unser lieben frauen kirchen ... in krafft disz briefs ein sammung genannt collegium, oder halber tumb weltlicher korherrn (1436) mon. Boica 5, 525.
c)
widmen auf 'gründen auf' (überwiegend partizipial gefügt). anderen gebrauch der verbindung widmen auf s. unter 2 b β, vereinzelt auch unter 4. vgl. ferner 'eine frau bewidemen oder verwidemen auf ein guet, es ihr als dotation anweisen' Schmeller-Fr. 2, 860 und verwidmen 2 teil 12, 1, sp. 2266.
α)
zunächst im hinblick auf die vermögensrechtliche basis von kirchlichen stiftungen, bald aber vorwiegend auf dieim weiteren sinneverfassungsrechtliche grundlage oder das tragende symbol einer einrichtung oder körperschaft bezogen: die batten den konig zumal sehr, das er sie liesz bleiben bei irem alten herkommen, wann der stift und sie darauf gewidemt und gestift weren (auf quelle v. 1435 zurückgehende hs. d. 16. jhs.) Chroust chron. d. st. Bamberg 1, 11; wa sind die widemgutter, darauff die stifften und die closter sind geweydemt worden, die si noch heut beytag hand? (1439) reform. d. kaisers Sigmund 6 Werner; wie das römisch reich gewidmet und gevestet sei auf etlich herzogen, marggrafen, grafen, stet etc. (1488) städtechron. 3, 78; (die Venediger) wöllen allso dem hailigen reich sollich land und lewt irer allten gewonhait nach hellffen abtringen ... und allso dem adler, darauff daz hailig reich gewidmet ist, sein sterck und macht berauben (1500) Frankf. reichscorresp. 2, 640 Janssen; auch (sei) dasselbig saltzwergk des gemelten Magdeb. stiffts bestes einkommen, darauff auch derselb stifft am meisten gewidembt were (1530) bei Haltaus gloss. germ. (1758) 2095; (dasz) die kirch nicht auff Petrum noch einigen menschen gewidempt sei (1527) Alex. Chrosner in: herz. Georgs v. Sachsen ev. hofprediger 63 Clemen; die da sagen, das keysertumb sei auff das bapstumb gewidmet S. Franck sprichw. 2 (1541) 209ᵃ. gelegentlich auch reflexiv: also haben all ordenliche kirchendiener nichts zu predigen, schreiben oder auszzulegen, auch sich auff nichts zu widmen oder zu beruffen, denn auf der propheten und apostel schrifft Mathesius hist. d. Luthers 373, 18 Lösche; weil Signet kein ritterliche person, auff dergleichen dises (seneschall-)ambt allein gewidmet wehre Zinkgref apophthegm. 2 (1631) 4; und dieses so viel die ordre und reglement betrifft, worauf diese compagnie gewiedmet und angerichtet werden soll (Cleve 1651) urk. d. gr. kurf. bei R. Schück Brandenburg-Preuszens kolonialpolitik 2, 28. hervorzuheben ist die im 16./17. jh. geläufige verbindung mit grund: ist das der grund, darauff die artzney bey euch gewidmet ist vnd gesetzt, so helff gott den krancken Paracelsus opera (1616) 1, 237ᶜ Huser; (Christus) widmet seine heylige kirche auff der propheten und aposteln grund Mathesius hist. d. Luthers 197 Lösche; die milde ... hat zwene quell und gründe, darauff sie gewiedmet soll sein M. v. Ossa prudentia regnativa (1607) 68; ist vnser gantze glaub ... auff zwo unbewegliche seulen oder grundfest auffgesetzt und gewidmet? Spee güld. tugendbuch (1649) 57.
β)
von α ausgehend 'jmdn (o. ä.) auf eine tätigkeit als auf seine existenzgrundlage einrichten, ihn dazu berufen und bestimmen': wann die eer und lob gots zuͦ mern, darauff sy (die geistlichen) gewidempt sind teütscher nation nodturfft (1523) C 1ᵃ; das kriegsvolk ist gewidemt und gestift gewest auf das kriegen Aventin s. w. 4, 433 bayer. akad.; (das chorsingen) darauf si (die geistlichen) dan gewidmet sein und gelt drumben nemen ebda 519; es ist ... ordnung gewesen, ... dasz der gehenden schif ... zu allerzeit in einer richtigen und gewissen anzahl auf die hallfarthen und meistersalz gewiedmet seyn sollen (1616) Lori slg. d. baier. bergrechts (1764) 489ᵇ; weiln dieselbige (personen) nicht allein auf kaufmannshändel gewidmet gewesen seyn (Ulm 1667) bei Fischer schwäb. 6, 761; dasz sie (die adligen) sich ... aller andern bürgerlichen handthierung, darauff die städte von alters hero gewidmet ... gäntzlich äussern bei Adrian Beier de collegiis opificum (1688) 196.
4)
ein verbreiteter gebrauch ergibt sich aus der spätmhd. aufkommenden anwendung widmen zu 'etwas oder jmdn (durch einen schenkenden oder verfügenden akt) einer bestimmung oder aufgabe anheimgeben', der sich ähnlich aufgefaszte verbindungen (bes. mit für) anschlieszen. der gebrauch erwächst im wesentlichen aus 2 b β durch übergang der empfangenden instanz in den zu erreichenden zweck der schenkung; er konvergiert zunehmend mit dem dativischen (5 u. 6), in dem er schlieszlich aufgeht. zuerst erscheint zweckbestimmendes zu im zusammenhang des stiftenden übereignens. sehr selten in gleicher beziehung widmen auf: in betrachtung das vil lehen alhie auff messe gewidembt vnd gestifft seind Carlstadt von abthuung d. bylder (1519) E 4ᵃ.
a)
zweckbestimmendes widmen zu in anwendung auf sachen.
α)
von geldmitteln und vergleichbarem noch im 17./18. jh., vereinzelt auch später 'zu einem bestimmten verwendungszweck übereignen, stiften' (s. auch c): der scende zcu Kunrotisdorf ..., den ... her Rein(hart) der ritter zcu dem spitole gewidemit hot zcu eime ewigin selgerete im unde alle sinen altvorderen (1334) urkundenb. Freiberg i. S. 1, 64 Ermisch; was zu gottes ehren, der kirchen erbauung und desz gottesdienstes erhaltung gewiedmet, das wird billich dabey gelassen Schupp schr. (1663) 85; denn als derselbe (David) drey tausend centner goldes, und sieben tausend centner silbers zum tempelbau widmete Sperling Nicodemus quaerens 1 (1718) 1331; es verboth der könig, weil dieses hotel nur zum unterhalt gewidmet, und die dazu geschenckten einkünfte sattsam zureichten, alle andere fundationes, donationes, gratificationes anzunehmen Fleming d. vollk. teut. soldat (1726) 318; man kan leicht einen überschlag machen, wie viel die güter betragen, welche in einem jeden land zur unterhaltung der geistlichen gewiedmet sind I. M. v. Loen d. einzige wahre religion (1750) 256; von den wahrhaftig fürstlichen geschenken des markgrafen sind 2000 fl. ... zur errichtung eines klinischen instituts gewidmet Nicolai reise d. Deutschl. u. d. Schweiz (1783) 1, 164. der aspekt der schenkung kann zurücktreten (s.β): die besoldung des reichscollegii könnte ... bestens veranstaltet, und nach befinden gewisse privilegia und emolumenta dazu gewidmet werden Leibniz dt. schr. (1838) 2, 476; die casse der ordentlichen einnahme, die zu ordentlichen ausgaben gewiedmet ist Chr. Wolff vern. ged. v. d. gesellsch. leben (1725) 478; so dasz das einkommen ihres amts, ganz rein zu unterhaltung und erziehung ihrer kinder gewiedmet werden kann S. v. Laroche gesch. d. frl. v. Sternheim (1771) 1, 293; (geldstrafe,) die zur beischaffung der nöthigen schulrequisiten für arme kinder gewiedmet sein soll (1802) österr. weist. 3, 274; ersparnisse an demjenigen zu machen, was einmal zum behuf des öffentlichen unterrichts gewidmet war Schleiermacher s. w. (1834) I 5, 66.
β)
im 17./18. jh. ausgeweitet 'zu einer verwendung bestimmen' (in finitem gebrauch seltener und früher erloschen als in der partizipialen verwendung unter c): was man (von diesem steingeschirr) in die küchen und zum feüwr widmen wil, das leszt man oben herumb mit eisernen reifen ... versorgen Johannes Guler v. Weineck Raetia (1616) 196ᵇ; also, dasz man solcher mord und todschläge halber ... das spielen nicht allein wieder offentlich erlauben, sondern so gar diesen eigenen platz darzu widmen muste, damit die hauptwacht (im notfalle) bey der hand wäre Grimmelshausen Simpl. 153 Kögel; worte und reden, die man als güldene gefäsze ... zu dem rechten gebrauche wiedmen könnte Leibniz dt. schr. (1838) 1, 454. noch deutlich aus 2 b β erwachsend: wegen des zu hiesigen stadt bauwesen gewidmeten holtzes (Frankf. a. M. 1776) bei Diefenbach-Wülcker hoch- u. nd. wb. 903.
γ)
zeit zu etw. widmen 'an eine tätigkeit wenden'; nicht häufig und offenbar unter einflusz des dativischen gebrauchs aufgekommen (s. unter 6 a β): also verschlos Mahrhold diesen tag, den er sonst zur aufwartung seiner beiden freunde gewidmet hatte Zesen rosenmând (1651) 127; nun will ich meinen tag zum unpoetischen wesen der nothwendigkeit wiedmen Göthe IV 7, 33 W.; ich habe diesen monat zur vergleichung bedeutender erscheinungen gewidmet ebda 41, 84; wenn ich einmal einen tag widmete, mit dem haufen auf diese jagd (nach vergnügen) zu ziehen H. v. Kleist br. an seine braut 216 Biedermann. häufiger anscheinend in der zu c gehörigen partizipialen verwendung gewidmet zu 'bestimmt zu': wir sind zwar alle tag verbunden, gott zu loben, ... aber der siebente tag ist sonderlich darzu gewidmet Dannhawer catech.-milch (1657) 1, 540; hinwider die beste, von gott zu travaille und arbeit sonderlich gewiedmete frühstunden ... verschlaffen Schupp schr. (1663) 105; gleichwie die 40. tage vor ostern zur fasten gewiedmet waren G. Arnold kirchen- u. ketzerhist. (1699) 223ᵃ; welche zeit (sonn- u. feiertage) zur ehre gottes und nicht zur unterhaltung der schwölgerei für die kürchenschäflein gewidmet ist (18. jh.) österr. weist. 3, 362; unsere beschränkung zu überdenken ist der sonntag gewidmet Göthe I 24, 124 W.
δ)
ebenfalls neben dem dativischen gebrauch (6 a ββ) im 18. jh. auch 'einen abschnitt, einige zeilen an die darstellung eines bestimmten stoffes wenden': ich will einige von diesen zeilen widmen, euch die underschiedene situationen zuerzehlen discourse d. mahlern 1 (1721) B 1ᵃ; die neunte und zehnte abtheilung ... scheinet von Longinus mit allem fleisse dazu gewiedmet zu seyn, dasz er die verdienste Homers ... anpreisete Breitinger crit. dichtkunst (1740) 1, 433.
b)
die anwendungen auf personen und personengruppen treffen sich in der auffassung 'jmdn einer bestimmung (weihend) anheimgeben'.
α)
'jmdn dem priesterstand (o. ä.) widmen' hat zur voraussetzung 'jmdn einer kirchlichen institution zu deren ausstattung weihend zubestimmen': canonici vnd alle kirchen personen, die zu jeder kirchen gewidmet (Straszburg 1538) bei Diefenbach hoch- u. nd. wb. 903. dann unter betonung der persönlichen berufung, einordnung und leistung 'jmdn zur erfüllung einer geistlichen (lebens)aufgabe, zum geistlichen amt bestimmen': nun ich von dem allmechtigen got und eüwer väterlichen lieb nicht im laiischen, sonder zuͦ dem geistlichen stand, davon ich besoldet und enthalten wurd, gewidembt bin Tengler layenspiegel (1512) vorr. 3ᵇ; vnd sein darumb in die clöster gesetzt zuͦ betrachten, ir ampt ist nicht das sie mit den henden arbeiten sollen, noch mit den füssen lauffen, sie sein versehen vnd seind alle geistlichen darzuͦ gewidmet Keisersberg brösamlin (1517) 1, 14ᵇ; sye (die priester) seint diener der kirchen und bettent von wegen und in nammen einer gantzen gemeynd und seind dazuͦ gewydmet vnd gewycht ders. postill (1522) 2, 5ᵇ; wenn gott der vatter hatt jn (Christus) dozuͦ (zum opfertod) gezeichnet vnd dozuͦ gewydmet und geschrämpt ebda 67ᵇ; ein ieder christenlicher priester (ist) zu predigen das gotliche wort gewidmet (Heilbronn 1532) württemb. geschichtsqu. 20, 775. später auch stärker sinnentleert: mein anderer bruder wurde, wegen seines schwächlichen leibes, zum closter gewiedmet J. M. v. Loen d. redliche mann am hofe (1740) 426. auch auszerhalb christlicher bezüge: zum dienst des tempels, wozu ich gewidmet war Wieland Agathon (1766) 1, 257. auch reflexiv: so er anders Christo Jesu wahrhaftig folget, und nunmehr zu seinem gehorsam sich dergestalt widmet, dasz er nichts begehret zu thun, als was die liebe gottes und seines heilandes ihn lehret A. H. Francke sonn-, fest- u. aposteltagspred. (1746) 1, 584.
β)
verallgemeinert 'jmdn zu einer besonderen lebensführung (stand, beruf, amt o. ä.), zu einer bedeutenden aufgabe bestimmen'. 16.—18. jh., seit ende des 17. jhs. in die dativkonstruktion übergehend (vgl. 6 b α und den reflexiven gebrauch unter 6 c): zwen küriser (die inn einer schlacht jn [den kaiser] zu erwürgen oder fahen gewidmet waren) S. Franck Germ. chron. (1538) 269ᵇ;
zum waidwerck sind wir (edelleute) auch gewiedet,
jagen bern, hirschen, rech und hasen.
das wirdt dir (dem bauern) auch nit zu-gelassen
(1540) Hans Sachs 5, 24 lit. ver.;
die (knaben) wurden eines theils in künsten vnd schrifften vnterwiesen oder zum kriegswesen gewidmet Schweigger reyszbeschr. (1619) 171; nachdem ... Wittbar darzu gewiedmet ist, dasz diese ... universität durch seine wolgesetzten reime ... in gutem ruhme ... soll erhalten werden, so hoffet ein iedweder zu gott Chr. Weise polit. redner (1679) 545; dasz, so bald man ein kind zu einer gewissen lebensart gewiedmet, man ihm gleich eine person, die in derselben sich löblich aufführet, zum exempel vor augen stellet Chr. Wolff ged. v. d. menschen thun (1720) 149; weil ich wuste, dasz du ihn zum ehestande gewidmet hattest Petrasch sämtl. lustsp. (1765) 2, 327;
(hofmeisterin:) kein versprechen soll,
kein drohn mich von der stelle drängen. hier,
zu ihrem (Eugeniens) heil gewidmet, steh ich fest
Göthe I 10, 286 W.
auch reflexiv: als Wilhelm ... sich auf einmal erklärte: dasz er sich zum schauspieler widme und einen contract auf billige bedingungen eingehen wolle Göthe I 22, 153 W.; aber ein neuer Richardson hat sich noch nicht gewidmet, die übrigen leidenschaften der menschen in einem roman zu schildern ebda 40, 234.
c)
über die anwendungen in a und b hinaus sehr gebräuchlich ist das part. adj. gewidmet zu, das einen akt der einweihung oder zweckbestimmung nicht immer voraussetzt und sehr variable auffassungen und anwendungen ermöglicht. 15.—19. jh.
α)
von sachen u. ä. 'zu einer verwendung gleichsam geweiht und bestimmt' (vgl. a). hierher wohl auchmit ersparung des (da)zu —: bey der citronenrundung hette man einen vortheil, dass man einer kleinern halbirten citronenrundung in dem hie furgelegten schnitz steckend nicht bedürffte, sondern man rechnete disen schnitz gleich auss dem gewidmeten kugelschnitz selber J. Kepler opera omnia 5, 554 Frisch. domit derselb (der geist des menschen), so er von hinn schaidet, besterckt vnd krefftig werde, darzuoe ist gewibent das sacrament heiliger oelung (1528) Berthold v. Chiemsee teutsche theol. 413 Reithm.;
jedes haus hat seinen ort, der gewiedmet ist zur ruh;
knecht- und mägde haben lust, herr und frau hat fug dazu
Logau sinnged. 446 lit. ver.;
wenn nun das bier gekocht ... ist, schöpffet man solches ... in etliche darzu gewiedmete kühlfässer D. Kellner bierbraukunst (1690) 55; wiewohl der tauffstein keines weges zur copulation gewidmet ist, dahero ich nicht begreiffen kan, auff welche weise derselbe (zwei gevattern) binden solle J. G. Schmidt rockenphilos. (1706) 1, 313; weil diese (sturmhauben) nur zum krieg wieder den hieb und das abstürtzen der steine von denen bestürmeten stadtmauren gewiedmet Marperger beschr. d. hutmacherhandwercks (1719) 11; die zur begrabung der todten gewidmeten örter Hayme jur. lex. (1738) 277; die zur nachtruhe gewidmeten weiszen garben Göthe I 33, 97 W.; die ... zur gemeinsamen atzung gewidmeten waidsdistrikte (1802) österr. weist. 3, 284. statt auf den unmittelbaren verwendungszweck kann die bestimmung sich auch auf ein zeitlich noch entferntes entwicklungsziel erstrecken: also ist vermutlich, da die meiste macht, dasz auch die meiste pracht: so aber alleine durch reden und schreiben anderen angedeutet und zur ewigkeit gewiedmet wird Gueintz dt. sprachlehre entw. (1641) )( 5ᵃ; diese schönheit, so allbereit zum fechel gewidmet Hoffmannswaldau bei Steinbach dt. wb. (1734) 2, 993.
β)
von lebendigem in weitem sinne 'zu etw. mit einer bestimmten konstitution versehen und bestimmt' (vgl.b). 'von natur (gott) zu etw. angelegt und bestimmt': darumb ist die menschait Cristi an jrselbs kain sondere person, nachdem sy gewibent ist zuͦ der gothait, dermassen daz sy allain vnd on die gothait nye gewesen noch awsserhalb der gothait, besteen mag Berthold v. Chiemsee teutsche theol. 135 Reithm.; die weiber sindt zuͦ betriegen also von art gewidmet S. Franck sprichw. (1541) 1, 24ᵃ; dann es ist nicht auss seiner eygnen natur dass er (der spiritus vitae) darzu proportionirt sey oder gewidmet Paracelsus opera 1, 491c Huser; dasz ich beyde augen zusammen logirt (hätte), damit sie ... einander hülff und gesellschafft leisten könten, worzu sie dann anfänglich von der natur gewidmet wären Grimmelshausen Simpl. 81 Scholte; welche (die fürsten) zu der wolfarth des gesamten landes gebohren und gewidmet sind Chr. Weise polit. redner (1679) zuschr.; die pferde, ochsen, elephanten, weilen sie ... von natur selbst gewidmet sind, schwere läste zu tragen ... sind auch zu dem ende begabet mit starcken und grossen gliedern Scheuchzer physica (1711) 1, 52; die leber ist ... zu abscheidung der galle gewidmet Fleming vollk. teut. soldat (1726) 345; da (dem menschen) ... unter den ... füszen, weil nur diese ihn zu tragen gewidmet sind, eine harte überhaut anerschaffen ist Reimarus wahrh. d. nat. religion (1766) 258. mit anderem anschlusz: die annder krafft, benenntlich gedaechtnus vnd fantasey, mit der er (der mensch) hinder sich sol gedencken vnd betrachten von wann vnd was auch wohin er gewidembt sey Berthold von Chiemsee teutsche theol. 183 Reithm. 'zu etw. bestimmt, zugelassen, zugehörig':
darumb ge keiner zu nahet bei,
der nit zum spil gewidemt sei
(1478) fastnachtspiele 1, 2 Keller;
dahin (zu den eleusinischen mysterien) niemand kommen durffte, als wer dazu gewidmet war Arnold offne thür (1663) 59. 'zu etw. bestimmt und geeignet': nun waren sy von jugent wegen zum regiment nit also geschickt vnd gewidmet, derhalb schafft er yn drey mechtige mann, die den jungen im regiment vor sein solten S. Franck chron. zeitbuch (1536) 191ᵇ; warum man bei den Lacedaemoniern aller götter bildnüsz und seulen, mit schwerd und mit bogen, als zum kriege gewiedmet und gerüstet, auffstellete W. Bütner epitome hist. (1596) 72ᵃ; der ... herren gröblinge vil ..., die zu einem groben handwerck ... bäser gewidmet wären, als zu bücheren und zahrten künsten Rompler von Löwenhalt erstes gebüsch s. reimgetichte (1647) 000ᵃ. im anschlusz an 3 ('stiften, gründen') auch von körperschaften 'zu etw. gegründet, ausgestattet und bestimmt': der deutschorden ist ... zu der ritterschafft gewiddumbt (1533) bei Fischer schwäb. 6, 760; jetztbesagte gesellschaften kommen mit der fruchtbringenden in dem überein, dasz sie zu erhalt- und fortpflantzung aller adelichen tugenden gewidmet sind Neumark palmbaum (1668) 52. im 17. jh. geläufig ist die gelegentlich auch später wiederaufgenommene anwendung auf die bestimmung derzunächst personifiziert gedachtenpoesie: sie (die poesie) ist eine keusche jungefrau, welche alle vnreinigkeit hasset und anfangs sonderlich zu dem gottesdienst gewidmet gewesen Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 4, 11; sie (die poesie) ... zu der ehre gottes, von dem sie ihren ursprung empfangen, gewiedmet sein solte Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) zuschr. 7; also war die poesie ... zur verehrung gottes ... gewiedmet Breitinger crit. dichtkunst (1740) 1, 103.
γ)
die konstruktion mit zu wird selten auch auf die nur dativisch geläufige auffassung 'eine fähigkeit oder gemütskraft an eine aufgabe wenden' übertragen (vgl. 5 a γ, 6 a ζ): unsere zu allen deren diensten längst gewidmetes gemüth und sinne Ettner v. Eiteritz mediz. maulaffe (1719) 946;
so sollte künftighin mein dichten ganz allein
zu dieses helden lob von mir gewidmet seyn
Gottsched ged. (1751) 1, 372.
d)
neben widmen zu tritt im 17./18. jh. bei persönlich gesehenem empfänger präpositionaler anschlusz durch für (bzw. vor), der aber bald von der reinen dativkonstruktion (6) aufgesogen wird: und ich musz nur bekennen, dasz ich gar vor einen andern diese stelle meiner heldenbriefe gewidmet habe Hoffmannswaldau heldenbr. (1696) 59;
wer weisz, ...
... vor welches schöne kind
die blumen deiner gunst hinfort gewiedmet sind
Günther ged. (1735) 393;
zugvich, vor welches sothane auchten (gemeindewiesen) alleinig gewidnet (1724) württemb. ländl. rechtsqu. 1, 300 Wintterlin; die poesie (ist) eine kunst ..., die für den grossen haufen gewiedmet ist Breitinger crit. dichtkunst (1740) 1, 161; sie ... hatte ihre geschäfte bei seite gesetzt, weil sie den tag für uns widmete Stifter s. w. 3 (1911) 243. auch reflexiv: die thränen wiedmen sich für ein besiegtes heer Gottsched dt. schaubühne (1741) 1, 6.
e)
die zweckgerichteten aspekte des schenkens und verfügens können soweit zurücktreten, dasz widmen in präpositionaler konstruktion (anders J. v. Watt) in der bezeichnung eines kirchlichen akts den sinn '(ein)weihen' erhält (s. 5): wenn zwo personen, bede frou und man, zuosammen stieszen und ... gewidmet wurden zuo dem sacrament der heiligen ee (Schlieren 1464) weist. 5, 106 J. Grimm; die bemelt kirche (ist) in aller heiligen ehr gewidmet J. Nas antipap. eins u. hundert (1567) 5, 117ᵇ; frow Anna äbtiszin (gestattete) ... denen im Sernftal ... ein capell ze buwen ..., dieselben tallüt ... buwtend ein rechte pfarrkilch, die ward über zwölff jar zu einer pfarrkilchen gewidmet Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 160. ganz vereinzelt in abweichender konstruktion, aber wohl am ehesten von 'weihend ausstatten' her aufzufassen: (Friedrich wurde) im concilio zuͦ Costenz von könig Sigmonden zuͦ einem marggrafen gemacht und getituliert und des namens von Brandenburg gewidempt J. v. Watt dt. hist. schr. 1, 378 Götzinger.
5)
'jmdm etwas weihend darbringen, zueignen' (a, b) entwickelt sich im religiösen raum dort, wo der empfänger gott, eine heilige person oder vergleichbare grösze ist, aus 'übereignen' (2) unter einflusz von 'stiften, gründen' (3). hierbei gerät das wort (wie schon in 4 e) inhaltlichund in doppelformeln oft auch äuszerlichin die nachbarschaft von 'weihen', 'heiligen', bis es nahezu synonymisiert ist.
a)
in anwendung auf sachen (im weiteren sinne) schon im 13. jh. auftretend, breitet sich der gebrauch im 17./18. jh. stark aus. in der gegenwart vorwiegend historisch (vgl. aber c). von stätten religiöser verehrung und vergleichbaren einrichtungen:
sa zehant
mahte einen alter gote
Josue nach gots gebote,
den er uf monte Garizim
wihte unde widemte im
Rudolf von Ems weltchron. 16 337 Ehrism.;
in einem kloster, dem heiligen Michael gewiedmet Pinto wunderl. reisen (1671) 9; Mariä, welcher denn fast die mehresten kirchen in diesem land geweiht und gewidmet sind Abr. a s. Clara w. 1, 36 Strigl; man pflegt insgemein einen tempel mit dem nahmen desjenigen zu belegen, welchem er gewidmet worden vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 24 Gottsched; dieser ganze aufzug geht in einem prächtigen tempel vor, welcher der sonne gewiedmet ist slg. v. schausp. (1764) 6, 64; nach der regel desjenigen ordens, dem das haus gewidmet ist Archenholz England u. Italien (1785) 1, 2, 438; ein dem Romulus gewidmeter tempel Moritz reisen e. Deutschen in Italien (1792) 3, 109; diese geistliche anstalt ... war der heiligen familie gewidmet Göthe I 24, 19 W.; diesen drei göttern waren ... heilige stätten gewidmet Mommsen röm. gesch. 1 (1856) 155; geheiligtes land, welches ausschlieszlich den manen der toten gewidmet sein sollte Gerhart Hauptmann bahnw. Thiel (1892) 7; die kapelle auf dem alten begräbnisplatz der mönche, gewidmet ... dem erzengel Michael Dehio gesch. d. dt. kunst 1 (1919) 39. von anderen sachopfern oder sachlich gefaszten objekten: drinnen ein wagen gewesen, so einer göttinnen gewidmet Prätorius ber. v. Katzenveite (1665) D 6ᵃ; die Römer wiedmeten ihren ersten trunck den hausgöttern Lohenstein Arminius (1689) 2, 297ᵇ; dasz sie zwo eherne bildseulen ... stat des Pausanias der göttin widmeten Heilmann gesch. d. pelop. krieges (1760) 153; geschenke ..., die er der moschee gewidmet hat Klinger w. 5 (1816) 345; das banner war so prächtig, dass man es ... der jungfrau Maria widmete Ranke s. w. (1867) 1, 107. im anschlusz hieran: diesem heiligen heyne hat ihr bestürtzter vater die asche einer so heiligen fürstin gewiedmet Lohenstein Arminius (1689) 1, 12ᵃ; darumb ... die alten gegenwertige landtschafft der mutter Amoris ... gewidmet haben theatrum amoris (1626) 187. auch ironisch: seine fenster waren keiner anderer ursachen halber dem sandt Nitglasz gewidmet Grimmelshausen Simpl. 10 Scholte. mit ersparung des dativobjektes: wann ist die gewohnheit aufgekommen, dasz diejenigen welche das bild bezahlten und widmeten, sich auch zugleich darauf mit mahlen lieszen? Göthe I 47, 214 W. im anschlusz hieran auch von seelischen oder körperlichen leistungen und fähigkeiten, dann von entsprechenden abstrakten überhaupt (vgl. 4 c γ, 6 a ζ); gelegentlich bildlich wie im ersten beleg:
dir, dir, ô gott, dir soll allein
mein herz aufwerts gewidmet seyn
K. Fr. Lochner bei Fischer-Tümpel evang. kirchenlied 5, 128;
weil er dem selben (dem tabakhandel) sein hertz, sinn und gedancken, das allein gott gewidmet seyn solte, geschenckt hatte Grimmelshausen Simpl. 69 Scholte; dass wir ihm (gott) wiedemen all unser thun und trachten Lohenstein erleuchteter hoffmann 1, 54; solch gebet und dank, als wir gott widmen, verstehen könig' und fürsten nicht Hippel lebensläufe (1778) 2, 143; beyde ... widmen dem himmel gelübde Klinger w. 3 (1815) 219;
wie dürft ich tadeln euern frommen sinn,
den edlen willen, den ihr gotte widmet
Tieck schr. (1828) 1, 193;
er geht wohl auch zum abendmahl ... und widmet den heiligen pünktlich vollführte gelübde W. Riehl d. dt. arbeit (1861) 251. von hier ausgeweitet: das kriegszeichen, dem eine art göttlicher verehrung gewidmet wurde Ranke s. w. 14 (1875) 7. von institutionell gefestigten ritualen handlungen:
keine feste sind mehr der groszen göttin (Ceres) gewidmet
Göthe I 1, 247 W.;
von dem ursprünglich wahrscheinlich dem Fro gewidmeten opferfeste der sommersonnenwende Böhme gesch. d. tanzes (1886) 159; alle naturvölker widmen der hölle einen cultus wie dem himmel Kürnberger nov. 3 (1862) 113. abgeschwächt auch: jeder (hat) einen heiligen, dessen namen man ihm gegeben hat, und an dem tag, der dem heiligen gewidmet ist, empfängt er ... gaben (1901) Rilke br. (1950) 1, 26.
b)
in anwendung auf lebewesen und stellvertretende begriffe (vgl. aber c) 15.—19. jh.: es ward do zuͦmal gar für ein eerlich ding gehalten wo einer sein tochter der göttin Vesta widmet S. Münster cosmogr. (1550) 175; nach dem der Diana gewiedmeten frauen mehr keine ungeweihete schwelle betreten ... dörfften Lohenstein Arminius (1689) 2, 61ᵃ;
doch ich schweig, und gehorche der weisheit der liebenden mutter,
und der stimme gottes in ihr! dem bin ich gewidmet
Klopstock Messias (1780) 110 (4. ges.).
der aspekt der weihenden darbringung kann besonders bei partizipialer konstruktion zugunsten des geweihter zugehörigkeit zurücktreten: in des frommen und gott gewidmeten clerus herzen Abr. a s. Clara w. 1, 92 Strigl; alter vater, ihr werdet als ein gewiedmeter oberpriester der gottheit dieses reiches uns (belehren) Ziegler asiat. Banise (1689) 430; um nur die hinrichtung gott und dem altar gewidmeter priester zu vermeiden v. Einem Mosheims vollst. kirchengesch. 8 (1778) 107. an die stelle der gewidmeten person kann schon zeitig ein stellvertretender teilbegriff treten (nicht als teilleistung verstehbar, s. 5 a): darum so ist in Christus alles, dz sy verlossen haben, so sy ... durch die heiligen küscheit ire lyb aller welt versagt vnd jn alein got dem herren gewidmet haben (1492) St. Fridolin dt. pred. 159 Schmidt; dass sie ... ihr leben gott widmete Günther ged. (1735) 958; und (er) wurde so durch ihn gerührt und erbaut, dasz er mit dem feurigsten entschlusz sein ganzes leben gott zu widmen beschlosz Jung-Stilling s. schr. (1835) 6, 27. im 18. u. 19. jh. auch reflexiv 'sich gott (o. ä.) weihen', 'sich ihm dienend ergeben': ausserdem hätte ich mich gerne dem (Christus) gewiedmet und zwar gantz allein, den ich mein tage treu und warhafftig befunden Zinzendorff (1727) in: zs. f. brüdergesch. 5, 108; lerne gott dich widmen, wie ich ihm mich widme Miller Siegwart (1777) 2, 459; der zweite act enthält nun den interessanten punct, wo Regulus mit dem carthagischen gesandten vor dem senat erscheint, die auswechselung der gefangenen widerräth, sich den todesgöttern widmet Göthe I 40, 314 W.; seit Ludwigs tod hab ich der welt entsagt und kann nun mich dem himmel widmen — ich will in dem ... hospitale die pflichten der menschenliebe ... üben Meisl theatr. quodlibet (1820) 1, 212; ach! nicht mit jenen thränen ..., mit denen du selbst ... dem herrn und seiner gemeine dich widmetest aus Schleiermachers leben (1860) 1, 52. 'einer gottheit eine tier- oder (seltener) pflanzenart ausschlieszlich heiligen' (nur von archaischen sachverhalten): dem gott Mercurio ... ist das thier zuͦgeweicht vnd gewidmet Herold-Forer Gesners thierb. (1563) 8ᵇ; (Apollo,) dem auch dieser (singekünste) wegen die heüschrekken als stets singende thierlein absonderlich sind gewidmet oder geheiliget worden Rist Parnasz (1652) a 12ᵇ; doch lieset man, dasz ihm (dem Mars) das gras gewiedmet gewesen J. v. Sandrart iconologia deorum (1680) 145ᵇ. bei einzeltieren 'opfern': die Persier, zu erweisen wie hoch sie ihre götter hielten, haben deren selben ochsen mit bareten vnd vergulten hörnern gewidmet Moscherosch gesichte (1650) 2, 320; die geopferten thiere jeder art, und wenn ihrer noch so viel gewidmet wurden, muszten in zwey hälften zerhauen, an zwey seiten gelegt werden Göthe I 26, 215 W.
c)
über anwendungen, in denen die empfangende heilige person durch untergeordnete begriffe, die zweckhaft gesehen werden können, vertreten wird, geht die dativkonstruktion seit dem 18. jh. auch auf den verwendungsbereich von widmen zu (4) über. 'einer geistl. bestimmung (weihend) zuordnen', meistens von personen (ein geweihter priester ist ein durch gewisse religiös-feierliche gebräuche seinem amte gewidmeter geistlicher Weygand wb. d. dt. synonymen [1852] 3, 1127): allein wenn man jez manchen vater oder mutter fragen solte, warum sie diesen sohn oder jene tochter dem geistlichen stande und gott gewidmet? dürften sie wol ... antworten: weil ich nichts schlimmers geben konte Lindenborn Diogenes (1742) 1, 304; er war vater von drey söhnen ..., welche seine frau ..., die mehr ihrer frömmigkeit, als ihres verstandes wegen bekannt war, schon in mutterleibe dem priesterstande wiedmete Nicolai Seb. Nothanker 2 (1775) 256; er sey auf der insel Patmos gewesen, und an einem, dem dienste des herrn gewidmeten tage in eine entzückung gerathen Jung-Stilling s. schr. (1835) 3, 28;
und magst du's nicht haben zu eignem gewinnst,
so bleib es (das pferd) gewidmet dem göttlichen dienst
Schiller 11, 385 G.;
von jugend auf dem geistlichen stande gewidmet Göthe IV 36, 112 W.; jeder vater, der in Tibet vier söhne hat, musz einen dem klosterleben widmen Hegel w. (1832) 9, 144; nachdem sie umsonst gebeten, sie dem dienst der götter ... zu widmen Mommsen röm. gesch. 2 (1874) 183; aber auch: nun trat auch in den darstellenden gattungen das unmittelbar dem kirchendienst gewidmete bild zurück Dehio gesch. d. dt. kunst 3 (1926) 6. an 5 a anknüpfend, zu 6 d α überleitend: das kloster ward der jagd, dem vogelfange gewidmet, und nicht einem bessern gottesdienst Herder 16, 183 S. reflexiv: die freyen männer, die sich dem geistlichen stand wiedmen wollen, sollen dieses nicht thun, ehe sie von uns die erlaubniss haben M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 342; (der) erzbischof ... hatte die oberaufsicht über zwei schulen von jünglingen, die sich der kirche widmeten Stolberg ges. w. (1820) 10, 48; auf anrathen seiner lehrer widmete er (Faust) sich ... der gottesgelahrtheit Aurbacher ein volksbüchl. 2 (1839) 11; (so) dasz jeder, der sich dem priesterstand widmen wolle, die weihe zum exorcisten empfangen ... haben müsse Döllinger akad. vortr. (1888) 1, 69.
6)
der moderne gebrauch ergibt sich unter übernahme der anwendungsweisen von 4 im wesentlichen durch säkularisierung aus 'weihend darbringen' (5). dabei schwankt der sinn in allen anwendungsgruppen zwischen faktischer ('feierlich darbringen') und fiktiver übergabe ('zudenken, zubestimmen'). über sonderentwicklungen vor allem bei reflexiver und partizipialer fügung s. u. in einigen hierhergehörenden bedeutungsnuancen selten auch mit ersparung des dativobjekts, vgl.:
wenn du Suleika
...
deine leidenschaft mir zuwirfst
als wärs ein ball,
dasz ich ihn fange,
dir zurückwerfe
mein gewidmetes ich;
das ist ein augenblick!
Göthe I 6, 159 W. (vgl. u. cγ);
diese rosen beschlosz er in stiller huldigung (als geburtstagsgeschenk) zu widmen Freytag ges. w. (1886) 7, 282.
a)
'einem würdigen persönlichen, institutionellen, sachlichen oder abstrakten empfänger positive sachliche (α—γ) oder abstrakte (δ) werte feierlich darbringen, schenkend übergeben, fördernd zuwenden'.
α)
sachlich gefaszte werte (in einigen der hieraus erwachsenen sonderformen [β, γ] stärker verbreitet): er widmete es (das gewonnene tuch) schon in gedanken seiner schönen Amalien wunderbare begebenheit ... auf d. alten schlosze Plesse 1 (1744) 127;
und widmete dann (ein freund)
meiner asche
...
noch eine zähre
(1779) bei Böhme volksthüml. lieder d. Deutschen (1895) 595;
was mir also für den damencalender sich irgend anbietet, soll ihnen (Cotta) gewidmet seyn (1805) Schiller br. 7, 202 Jonas;
als an dem himmelklaren strom des Alpheus
wir plätschernd noch im abendstrahle scherzten,
einander kränze wanden
und heimlich an den jüngling dachten,
dessen haupt unser herz sie widmete
Göthe I 17, 40 W.;
eine vollständige sammlung (seiner werke) hat er der Jenaischen bibliothek gewidmet ders., IV 29, 173 W.; das viereckte rothe kästchen sey ihnen gewiedmet ebda 39, 229;
alles, was ich widmen kann den erben,
ist ein krug ...
Platen w. (1843) 4, 330.
auch ironisch: am galgen, insofern dieser ehemals besonders den spitzbuben gewidmet war Körte sprichw. (1837) 101. 'institutionen zu gemeinnützigen zwecken einrichten, zur verfügung stellen':
(ein opernhaus) das ein berühmter mann ...
der kunst und sinnlichkeit zugleich gewiedmet hat
Bodmer slg. crit. poet. schr. (1741) 1, 125;
kauft sich ein gebäu am strande,
schmückt es wohnlich aus,
pilgern aus dem heilgen lande
widmet sie das haus
Kind ged. (1817) 1, 115;
die anstalt, welche dem einheimischen kunst- und gewerbfleisz eigentlich gewidmet war Göthe I 48, 54 W.; inschrift über dem thor (des augartens): allen menschen gewidmeter öffentlicher belustigungsort von ihrem schätzer bei O. Jahn Mozart (1856) 3, 199 anm. 68; jene neu eingerichtete dem studium germanischer sprachen gewidmete anstalt Carossa winterl. Rom (1947) 17. 'einem säkularen ereignis oder einer person ein fest ausrichten': die demselben (dem geburtstag der herzogin) gewidmete maskenlust Göthe I 16, 217 W.;
und wollt ihr meinen tod begehn,
so weiht den tag zum freudenfeste,
und widmet es dem wiedersehn
Pfeffel poet. versuche (1802) 8, 164;
das dem vollen weinsegen gewidmete fest der ländlichen Dionysien Ed. Gerhard akad. abhandl. (1866) 2, 150.
β)
'einen bestimmten zeitraum an wünschenswerte vorgänge oder beschäftigungen (gelegentlich auch personen) wenden'. seit dem 17. jh.: hätte auch diesen und andren unerschätzlichen belustigungen den mehrern theil meiner tage gewiedmet S. v. Birken forts. d. Pegnitzschäferey (1645) 17; die andere zeit soll man der besserung des gemüths widmen Chr. Weise d. drey klügsten leute (1675) 323;
er wiedmet jeden tag, stets frey von schuld und schande,
gleich grosz in jedem glück, gott und dem vaterlande
Giseke poet. w. (1767) 104;
sogleich nahm er sich vor, ihr die erste festlichste stunde des jahres allein am schreibtische zu widmen Mörike w. 3, 42 Göschen; die letzten stunden vor der abreise widmete er dem maskenwesen Kluge Kortüm (1938) 114; der mann war imstande, eine ganze stunde der frage zu widmen, warum Beethoven zu der klaviersonate opus 111 keinen dritten satz geschrieben habe Th. Mann Faustus (1948) 83. im partiz. perf. gelegentlich verfestigt zu 'bestimmt': was nicht eine bestimmte, gemessene, gewidmete zeit hat, wird alleweg auf ewig verstanden (1854) bei Graf-Dietherr rechtssprichw. (1864) 86.
γ)
'jmdm ein buch (o. ä.) widmen'. seit dem 17. jh. auftretend, trägt dieser gebrauch das wort im sachlichen bereich weithin bis in die gegenwart. ursprünglich vergabe eines druckwerks unter den schutz (des namens) hochgestellter personen oder körperschaften. darin deutliche abkunft von 'weihend darbringen' (5) (vgl. auch weihen teil 14, 1, 1 sp. 684). in konkurrenz mit den vorher und weiterhin daneben geltenden ganz säkularen dedizieren, zuschreiben, zueignen (vgl. teil 16 sp. 808 u. 334) etwa seit dem 18. jh. auch unter gleichgestellten und allgemein als höflicher ausdruck besonderer verbundenheit oder anerkennung. gelegentlich treten auch personal gefaszte abstrakta für die empfangende person ein.
αα)
eigentlicher gebrauch: Octavia. römische geschichte: der hochlöblichen nymfengesellschaft an der Donau gewidmet A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, )( 2ᵃ; (dem kaiser) ausz allerunterthänigster pflicht gewiedmet durch Daniel Caspern von Lohenstein Lohenstein Ibrahim sultan, in: türk. trauersp. 99 lit. ver.; ich habe euer gunst und freundschafft als ein unwürdiges mitgliede, diese meine geringe, doch gutgemeinte wirthschaffts-(ab)handlung ... hiemit widmen und zueignen wollen Hohberg georg. cur. (1682) 1, vorr. a 2ᵇ; ein gleicher bewegungsgrund treibt mich an, dir dieses kleine artige werk zu widmen J. E. Schlegel w. (1761) 3, 478; dem moralischen genius unsrer nation also, der die alten alexandriner seines Opitz, Logau ... ziemlich vergessen zu haben scheint, widme ich, wie einer indischen gottheit, auch diese wenige, vielleicht schon welke hexameterblumen zu gleichem schicksal Herder 16, 27 S.; hier mein lieber wenn man etwas wiedmen und weyhen kann, die Iphigenie, dir gewiedmet und geweyht (1787) Göthe IV 8, 123 W.; ist es nöthig die fortsetzungen einzeln der (deutschen) gesellschaft vorzulegen oder hinreichend, wenn ihr hernach das buch gewidmet wird? (1823) J. Grimm in: briefw. 1, 434 Leitzmann; dem hunger ... widme ich diese blätter W. Raabe hungerpastor (1864) 1, 1; dies buch sei allen freunden eines guten tropfens gewidmet Zobeltitz der wein (1901) 1ᵃ; die illustrationen der groszen, Maria Theresia gewidmeten ausgabe von Tassos 'Gerusalemme' J. Schlosser präludien (1927) 132. auch für handschriftliche zueignung von einzelstücken: ich würde mich vielleicht unterstanden haben, ihnen ein unterschriebenes exemplar zu wiedmen Göthe IV 1, 201 W. sehr selten mit präpositionalem anschlusz (vgl. aber 4 d): und wird dasselbe (gedicht) ... durch eine besondere überschrift an madame Szymanowska gewidmet Göthe IV 42, 53 W.auch von musikstücken: sagen, warum ich ihnen etwas (eine komposition) widmete, was so warm von meinem herzen kam und ihnen garnichts davon bekannt machte, das kann ich nicht (1800) Beethoven sämtl. br. 1, 50 Kalischer; es wurden verkauft ... sechs quartetts, Haydn gewidmet O. Jahn Mozart (1856) 4, 69, anm. 2.
ββ)
einer person oder einem ereignis als innerem objekt, der darstellung eines problems ein buch, einen abschnitt, einige zeilen o. ä. darbringen; dazu benutzen, daran wenden (im 18. jh. gelegentlich anschlusz mit zu s. 4 a δ): man hat angefangen, der prüfung einzelner kritischer schriften, statt kahler recensionen ... eigne bücher, die ins detail gehen, zu widmen Gerstenberg recensionen 226 lit.-denkm.; es bedurfte jedoch nur zu sehr eines leidenschaftlich sinnlichen anlasses, wenn (ihm) etwas vorzügliches gelingen sollte; deszwegen denn auch fast alle gedichte, jener unwiderstehlichen frau gewidmet, höchst eindringend und lobenswerth erschienen Göthe I 24, 324 W.; Ternau's freunde erhoben dessen ausstellung sehr, und widmeten ihr in den journalen viele und lange artikel Börne ges. schr. (1829) 5, 220; das 27. kapitel der ergänzungen ist ihr (der erörterung über die teleologie der natur) eigens gewidmet Schopenhauer w. 1, 58 Gr.; (die spielleute) widmeten dem könig Salomo besondere preislieder. sie stellten ihn als das muster eines christlichen fürsten hin Scherer litt. gesch. (¹⁴1920) 90; über Günthers herkunft und jugendzeit war ein sagenkreis gebreitet, wie ihn die soldaten so gern auszerordentlichen persönlichkeiten unter ihren heerführern widmen Meinecke Boyen (1896) 1, 49; unter den Wiener lyrikern, denen ich meine sehr unhöflichen verse gewidmet hatte, verse, denen ich zur deutlichmachung die gebrauchsanweisung auf den weg gab 'auf silbernen saiten zu begleiten' Erich Mühsam namen u. menschen (1949) 59; die repräsentative 'daz' (deutsche allg. zeitung) widmete den ständigen abschnitt 'unsere meinung' bisweilen sprachlichen dingen Klemperer l. t. i. (1949) 98. auf geistige behandlung eines stoffes überhaupt ausgeweitet, zum folgenden überleitend: diesem (begriff) müssen wir also noch eine ganz kurze prüfung widmen Europa (1803) 2, 59 Schlegel; so soll denn diesem geschäfte unsere heutige und nächstfolgende rede gewidmet seyn Fichte s. w. (1845) 7, 280; diese vorlesungen sind der ästhetik gewidmet Hegel w. (1832) 10, 1, 3.
δ)
'personen (αα) oder abstrakten werten (idealen, vorgängen, beschäftigungen) (ββ) persönliche fähigkeiten und gemütskräfte ausdrücklich und intensiv zuwenden':
αα)
meine grosse freundschafft, so ich euch gewidmet hab, kan mir darinnen zum rückbürgen dienen Prätorius glückstopf (1669) 5;
Ibrahim: wir bitten noch einmal ihr (der geliebten) wiedmend unsre gunst
(1673) Lohenstein Ibrahim sultan, in: türk. trauersp. 118 lit. ver.;
du hast alle deine neigung deinem sohne gewidmet vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 245 Gottsched; wenden sie die coquetterieen, die sie ihren liebhabern widmen, für ihren mann an Hippel über d. ehe (1792) 80; das packzeug ..., dem ich immer gröszern hasz widme und gelobe Göthe IV 16, 57 W.; auf der bekümmerniss, welche ihre liebe mir widmet, beruhet alle meine hoffnung Iffland theatr. w. (1827) 1, 137; von groszen männern wissen ist sehr bequem, weil es erlaubt, sich an dem eigenen, jenen gröszen gewidmeten fleisze zu weiden und zu spiegeln de Lagarde dt. schr. (1886) 77; diesem nachbar widmete der welfische staatsmann glühenden hasz Treitschke dt. gesch. ³1, 612; die vergötternde hingabe, die er meinem vater widmete, langweilte mich Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 306; wir wissen ja, dasz den weltflüchtigen und büszern der teufel eine ganz besondere sorgfalt widmet H. Hesse glasperlenspiel (1943) 2, 304. in jüngerer entwicklung auch verflacht: aus diesen noch dunklen überlegungen heraus widmete Diederich auch dem vater Wolfgangs wieder ein gewisses interesse H. Mann d. untertan (1949) 469. mit dem folgenden (ββ) verbinden wendungen, in denen die bewidmete person durch ersatzbegriffe vertreten wird: die gehorsamsten dienstleistungen, welche ich ihrer (der geliebten) gottheit gewidmet habe (1673) Weise drei erznarren 59 ndr.; denn seine leibsstärcke ... nur seinem eigenen ehrgeitze wiedmen, wäre viehisch oder teuffelisch Lohenstein Arminius (1689) 1, 21ᵃ; ich wage es schon wieder ew. hochwohlgeb. schriftlich aufzuwarten, und die verehrung zu versichern, die ich ihnen und ihren erhabenen eigenschaften gewidmet habe Gottschedin br. 1, 145 Runkel; ihrem dienste allein sey mein ganzes leben gewidmet Lessing 2, 254 L.-M.; die nehmliche bewunderung, welche die übrige welt seinem geiste widmet S. v. Laroche frl. v. Sternheim (1771) 1, 218; man gibt dem manne, der sein leben der willkühr eines einzigen widmet, kaum so viel speise und kleidung, dasz er nicht verhungert oder verfriert Knigge roman m. lebens (1781) 3, 20; mein ganzes leben widmete ich deinem leben Göthe I 8, 284 W.
ββ)
wir sind ... verpflichtet, alles unser ... thun (dem) ... gemeinen nutzen dankbarlich zu widmen und zuzueignen Harsdörffer teutscher secretar. (1656) 1, (a) 3ᵃ; so bald die sonne ihre strahlen dieser trauerhandlung gewiedmet hatte Ziegler asiat. Banise (1689) 616; o freundschaft und kindliche liebe, deinen geheiligten banden sey meine ganze seele gewidmet (1767) Garve vertraute br. an e. freundin (1801) 129; ob er seinem saitenspiel nicht alle sorgfalt habe widmen wollen, die ihm gebührte? Herder 27, 219 S.; ich wünschte ihr (der kunst) mein leben und alle ... talente zu widmen Wackenroder herzenserg. (1797) 6; er (der plan des dt. wörterbuches) kann uns stütze und unabhängigkeit gewähren, und kommt die arbeit in gang und gelingen, so entsage ich jeder noch so ehrenvollen anstellung und widme dem werke alle meine kräfte (1838) J. Grimm in: briefw. 2, 688 Leitzmann; die kraft, ... einem gedanken, einer pflicht und einer ernstlichen neigung treu sein leben zu widmen M. Meyr erz. a. d. Ries (1868) 2, 68; von seiner zeit bis auf Bach widmen die hervorragendsten deutschen orgelmeister ihre beste kraft ... dem choralvorspiel Schweitzer S. Bach (1948) 37; trotz des ernstes, den er im ganzen seiner mitteilung widmete A. Zweig einsetzung e. königs (1950) 275.
b)
analog 5 c entwickelt sich seit dem ende des 17. jhs. durch eindringen der dativkonstruktion in den anwendungsbereich von widmen zu der bis ins 19. jh. weit verbreitete gebrauch 'etwas oder jmdn definitiv einer bestimmung übergeben' (reflex. gebrauch unter c).
α)
von sachen (gern von grund und boden, räumen und geldmitteln). gelegentlich mit stärkerem anschlusz an 'übereignen' (2); hier vielleicht aus kanzleisprachlicher tradition:
dann widmest du zugleich dem werke, wie's entsteht,
gesammte landsgefälle: zehnten, zinsen, beth'
für ewig
Göthe I 15, 1, 288 W.
der leinbau hat in Schlesien, Ober- und theils Innerösterreich gleichsam seinen eigenst gewiedmeten sitz gehabt Hornick Österreich über alles (1684) 57; jetzo aber werden meines wissens ... die grundstücke mehr dem getraide und den obstbäumen, als den weinstöcken gewidmet Rohr Unterhartz (1736) 205; die obern zimmer sind einer büchersammlung gewidmet, welche merkwürdiger durch ihre wahl, als durch ihre menge, ist Sturz schr. (1779) 1, 43; das landeigenthum des staats ist entweder den göttern geweiht (sacer) oder menschlicher benutzung gewidmet Niebuhr röm. gesch. (1811) 2, 378; die grossen fundatoren mussten durch gesetze gezwungen werden, einen gewissen theil ihrer feldmarken dem ackerbau zu widmen Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 171; noch war ... die gesinnung der leitenden männer so, dasz man die knappen mittel eher der stärkung der wehrkraft als den forderungen der humanität widmete Meinecke Boyen (1896) 2, 163; die einem besonderen zwecke gewidmeten und selbständigen anstalten schweiz. zivilgesetzb., art. 52.
β)
von personen. oft spezialisiert 'jmdn einer berufslaufbahn zuweisen': sein vater hat ihn in seiner jugend den rechten gewidmet Morhof unterr. v. d. dt. spr. (1682) 207;
doch sollte nur der mensch allein
der ewigkeit gewiedmet werden,
und sonder tod und sterben seyn
Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 2, 26;
Mastigius war ein schulmann, dessen eltern in seiner kindheit lange zeit in zweifel gestanden, ob sie ihn dem pfluge oder den büchern widmen wollten J. E. Schlegel w. (1761) 5, 91; dann widmete ... der vater seinen sohn schon in der ersten jugend einem spekulativen leben Zimmermann einsamkeit (1784) 1, 339; dasz mein vater den entschlusz faszte, mich den studien zu widmen Schubart leben 1 (1791) 13;
die wärt'rin kam, dich zur gewohnten zeit
dem schlaf zu widmen
Göthe I 11, 23 W.
c)
im reflexiven gebrauch ergeben sich einige sonderentwicklungen.
α)
definitive (perfektive) hingabe an eine bestimmung (stand, beruf, tätigkeit), entspricht b β (vorwiegend 18./19. jh.). im ersten, diese gebrauchsweise noch nur andeutenden beleg bleibt der aspekt der gleichsam weihenden hingabe deutlich: die 2 übrigen wolten sich dem glück ihrer cammeraden nicht auch wiedmen Happel akad. roman (1690) 551; junge leute, die sich den studien gewidmet haben Schwabe belust. (1741) 1, 81; beide widmeten sich früh den bürgerlichen geschäften Meissner skizzen (1778) 1, 2; diesem (soldaten-)stand widmete ich mich mit achtzehn jahren Ayrenhoff w. (1814) 1, 11; er widmet sich 1425 venetianischen diensten Göthe I 41, 1, 197 W.; wer sich den wissenschaften widmet, darf hinführo nicht mehr sein vermögen auf universitäten oder auf reisen zusetzen, um sich kenntnisse zu erwerben Schubert verm. schr. (1823) 1, 220; wer im gebiet des geistes thätig ist, ohne sich einem bestimmten fach der forschung und des studiums gewidmet zu haben Pückler briefw. u. tageb. (1873) 1, 288; er war einer von den seltenen menschen, welche so völlig für die sache leben, der sie sich gewidmet haben, dasz sie darüber versäumen um sich selbst zu sorgen G. Freytag ges. w. 16 (1888) 11. schon leicht archaisierend: er hörte nicht einmal mehr höflich zu, als sie ihm ... darlegten, ... dasz heute endlich ein junger Deutscher die möglichkeit hätte, sich in dem befreiten vaterland der offizierslaufbahn zu widmen A. Seghers die toten bleiben jung (1950) 413.
β)
durative hingabe an eine beschäftigung (auch: befangensein in einer vorstellung) 'sich mit einer körperlichen oder geistigen tätigkeit (seit dem 18. jh., gern: wissenschaft) ausübend oder lernend beschäftigen': auf die historie folget vorietzo die philosophie, ohne die es mit einem poeten schlecht stehen dürffte, wenn er sich derselben nicht auf das eifrigste wiedmete bei Günther ged. (1735) a 4ᵇ; einige könige ... haben, um ... sich ihren geschäften besser zu widmen, in unsern zeiten angefangen, ihre palläste ... stille ... zu bewohnen Zimmermann einsamkeit (1784) 1, 108; ich bin die bildhauerkunst, der du dich gestern zu widmen anfiengst Wieland Lucian 1 (1788) 6; pflanzen der neuzeit, welche die säulen des kolonialhandels waren, dem das elterliche haus sich widmete G. Keller ges. w. (1889) 6, 8; als ich nach beendigter hoteltafel erfuhr, dasz meine gute tante sich ... dem auspacken ihrer hohen koffer und der einrichtung in dem neuen quartiere widmen wollte, trieb mich die langeweile ins freie Storm s. w. (1900) 8, 207; so legte ich 1889 auch die stelle des reisenden (für das drechslergeschäft) nieder und widmete mich von jetzt ab ganz der schriftstellerei Bebel aus meinem leben (1946) 1, 164; als ich mich nun in Passau dem krankendienst widmete, kam es mir auf einmal vor, als hätten sich alle schriftleitungen von mir abgewandt Carossa tag d. j. arztes (1955) 164. gegenständliche objekte sind oft sinnbildlich gemeint: wenn es keine menschen mehr gäbe, die ihr genie antriebe, sich der karre oder der galeere zu widmen, so müszten wir so genannten ehrlichen leute am ende fürs geld selbst hinein Lichtenberg verm. schr. (1800) 3, 80; gewisse physische gründe aber bewogen sie, den gesang fahren zu lassen, und sich ganz dem clavier zu widmen Schubart ästhetik d. tonkunst (1806) 192; (u. a.) widmet die römische hausmutter sich ... der spindel Mommsen röm. gesch. 1 (1856) 54; nichtsdestoweniger widmete er sich jetzt hingebungsvoll dem umfangreichen vorratskorb Ina Seidel d. labyrinth (1922) 27. reflexive konstruktion setzt auch voraus:
... da kam
der sturm die wolken herab,
dasz Kleist ihn, in der laube
seiner leyer gewidmet, vernahm
Kretschmann s. w. (1784) 1, 280.
γ)
auch bei anwendung auf persönliche objekte tritt der perfektive aspekt im modernen gebrauch zugunsten des durativen zunehmend zurück. 'sich jmdm (dienend) hingeben' bis 'jmdm seine dienste zeitweilig zur verfügung stellen', 'sich kümmern um, befassen mit jmdm' (gelegentlich, wie in den beiden ersten belegen mit ergänzendem zusatz und deutlichem anschlusz an andere verwendungen): (Wilhelm) versicherte, dasz ... er sich ihr zum freund widme Göthe I 22, 85 W.; es ist mir eine ehre, mich ihnen als Bädeker, wenn auch nicht in rote leinwand gebunden, widmen zu dürfen W. Raabe s. w. I 6, 109. wer in der absicht liest, um nachzuahmen, musz sich einige tage lang gantz und gar dem autor widmen, den er nachahmen will Ramler einl. i. d. schönen wissensch. (1758) 4, 224; und ich leugne es nicht, dass ich mich ihm und seinem Gottfried in dieser vorbereitungszeit mehr widmete als vor diesem Hippel lebensläufe (1778) 3, 2, 334; er hatte nach Wien geschrieben, minder um den kaiser an seine dienste zu erinnern, als um ihm von neuem sich zu widmen Chézy erz. u. nov. (1822) 1, 84; dasz sie (die studenten) sich ihm (Savigny), widmen mit ihrem ganzen jugendlichen enthusiasmus Bettine die Günderode (1840) 2, 221; die beiden damen die sich ihm heute ganz allein widmen wollten, waren schon zugegen Gutzkow ritter v. geiste (1850) 2, 200; Mira überliesz den oberregierungsrat ... seiner ruhe und widmete sich dem Grabenhäger Polenz Grabenhäger (1898) 2, 53; brauchte ich dann jemanden, der sich mir widmet Rilke br. 1 (1950) 475; leider musz ich mich jetzt meinen gästen widmen, der diener soll sie anmelden H. Mann der untertan (1949) 336. auch ironisch: allein es widersprach der rangordnung und etiquette durchaus, dasz dieselbe hand, welche um die majestät beschäftigt war, sich gemeinen köpfen widmen solle Immermann w. 1, 27 Hempel. hieraus verselbständigt; reflexive konstruktion schon voraussetzend: Thusznelde bemühete sich ihrem gewiedmeten helden alle streiche nachzuthun Lohenstein Arminius (1689) 1, 424ᵇ; so ist die ehe, wobei zwei personen von verschiedenem geschlecht sich einander widmen, ihre leiber auswechseln Hippel über d. ehe (1792) 118. öfters bei Göthe:
seit der gute jüngling,
der sie so sehr geliebt, und dem sie selbst
sich heimlich widmete,
...
in alle welt ... entfloh
I 11, 290 W.;
ja er muszte sich ... zuerst ihre himmlisch ausgesprochene neigung, er muszte jenen augenblick denken, wo sie sich ihm so unverhofft gewidmet hatte 24, 336.
d)
überwiegend partizipial gefügt (17./19. jh.) 'dinge lebewesen, erscheinungen, vorgänge anderen gröszen wesen haft zuordnen, preisgeben, ergeben': dass die rose nicht allein vor eine bluhme der liebe, als welche der liebe gewiedmet ... gehalten worden Zesen helik. Rosentahl (1669) 23; so höre ich wol, der feldherr halte ... die waffen für eine ihrem geschlechte nicht gewiedmete waare Lohenstein Arminius (1689) 1, 198ᵃ; vergrabne schätze und ein quell, welcher in den sand versincket, wird von dürfftigen händen und durstigen lippen verflucht, weil sie denen menschen, ihren von dem himmel gewiedmeten nutzen verweigern Ziegler asiat. Banise (1689) 132;
ja das uhrälteste liebesgesetze
wiedmet den lippen das küssen
Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. (1697) 1, 279;
wer führt mich aus der qual, der ich gewidmet bin?
J. E. Schlegel w. (1761) 1, N 8ᵃ;
die music und die tantzkunst (benutzen) den ton der stimme und die bewegungen des leibes ..., zwey ausdrücke, die vornehmlich der empfindung gewidmet sind Ramler einl. i. d. schönen wissensch. (1756) 1, 208; die ziffern 7 und 8 sind dem kleinen finger der rechten hand gewidmet Quantz anw. die flöte zu spielen (1789) 29. häufig bei Göthe: die würmer, welche sich in der erde aufhalten, der finsternisz und der kalten feuchtigkeit gewidmet sind, zeigen sich miszfärbig II 1, 252 W.; solche (menschen), die dem festen lande gewidmet, bleiben (in der heimat) I 25, 2, 261 W.; (dasz) das ganze ufer der nordamerikanischen see den flammen und der verwüstung gewidmet sey J. v. Müller s. w. 13 (1812) 112. zur demutsfloskel erstarrt: ich versichere meine treue und bin ew. maj. gewiedmester diener Ziegler asiat. Banise (1689) 740; ihro kayserlichen hoheit unverbrüchlichst gewiedmet wünschte die wenigen aufträge zu höchster zufriedenheit auszurichten Göthe IV 29, 1 W.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1413, Z. 47.

wiedmen, vb.

wiedmen, vb.,
s. widmen. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1513, Z. 65.

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Zitationshilfe
„wiedmen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wiedmen>.

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