Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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widrig

widrig
(vereinzelt widerisch, s. u. B 4), adj., adv. und verbreitet in disjunktiver verwendung (vgl. A 2). ableitung von wider, für das es auch stehen kann (s. u. Tauler). zufrühest begegnet widrig im sinne '(dem willen) entgegen' (vgl. dazu A 1 a), doch zeigt sich hier auch schon die erst in neuerer zeit verbreitet bezeugte bedeutung 'unangenehm' (vgl.E): die erste lidunge das ist das der mensche geneiglich ist ze gebresten, und das ist gepflanzet in die nature. und die lidelicheit die sol alwegen dem menschen wider (var. widerig) sin, und sinen willen dannan ab keren (hs. wohl ende d. 14. jhs.) Tauler pred. 163, 7 Vetter;
Cuͦnrad der merkt wol das
das ez Ludewig widrig was
daz ez nit waz sin wille
(1412) Hans v. Bühel Dyocletianus 8053 Keller.
überhaupt drückt widrig, namentlich in älterer sprache, verbreitet einen (sachlich-objektiven, subjektiven und lokalen) gegensatz aus, vgl. A—C. was jemandem entgegensteht, ist ihm schädlich oder erregt in ihm unangenehme empfindungen; vgl. D und E.
A.
widrig bezeichnet verbreitet einen sachlichen gegensatz (vgl. zu den folgenden belegen widrig als zweites kompositionsglied z. b. in gesetzwidrig teil 4, 1, 2, sp. 4086; naturwidrig teil 7, sp. 470; regelwidrig teil 8, sp. 503; vernunftwidrig teil 12, 1, sp. 949). am ende des 18. jhs. erhebt der sprachregler bedenken gegen diese verwendung: 'wiedrig ... musz nicht für entgegengesetzt gebraucht werden' Heynatz antibarb. (1796) 2, 639.
1)
in freier verwendung (formelhaften gebrauch s. u. 2).
a)
'entgegengesetzt, gegensätzlich, widersprechend, (einer vergleichsgrösze) nicht entsprechend, ungemäsz': wann so man zwei werck thun wil die widerig sachen erheischen, der sie beide thuͦn wil, der thut ir keinem recht Keisersberg brösamlin (1517) 1, 14ᵃ; sie sein mehr veind des creuts Christi, stellen nach ehr vnnd gut, nach grossem pracht in diser welt, gantz widerig dem creutz Christi (1524) Eberlin v. Günzburg schr. 3, 162 ndr.; so ist disz der vernunfft, vnd auch der erfarung nicht widerig, daz in den selbigen (flüssen und bächen) nicht sölte goldt gefunden werden Ph. Bech vom bergbau (1557) 58; dieser (krebs) ... ist gantz widerig dem vorgenandten Forer fischbuch (1598) 122ᵃ; ingleichen wenn zwey zeugen von einerley sache ... wiedrig aussagen Döpler theatrum poenarum (1693) 249;
gaisz, gembsen und steinböck finden zuflucht und speisz
hoch auff den wolcken gleich und erschröcklichen bergen,
igell und königlein auff gantz widrige weisz
sich tief under den grund der steinklüfften verbergen
Weckherlin ged. 1, 370 Fischer;
es ist wundernswerth, wie die zwey widrigsten gemüthsregungen liebe und rache in einer seele so geschwind abwechseln können Lohenstein Arminius (1689) 1, 148ᵇ; eintrag, einträglich. die beyden wörter bedeuten ganz widrige dinge. einem eintrag thun, heiszt schaden thun; ... einträglich aber kömmt von eintragen, vortheil und nutzen bringen Gottsched beob. (1758) 86; nicht in den ersten dauungswegen, in das wesen des menschen, in seinen geist musz der arzt wirken, und widrige dinge durch einen mittler verbinden, wie leib und geist durch die seele (1793) Hippel s. w. (1827) 9, 228; wenn man ... schwache, obgleich widrige farben neben einander setzt, so ist freilich der effect nicht auffallend (1810) Göthe II 1, 350 W.; es war den Griechen widrig ('ungemäsz'), gewissen an sich wenig gewicht habenden wörtern in der nähe anderer, mehr gewichtigen einen eignen accent zu geben W. v. Humboldt ges. schr. 4, 350 akad. 'gegenteilig': alle meine widrige erinnerungen waren nicht mächtig zu verhindern, dasz die hertzogin ... nicht in die festung sich verfügte Lohenstein Arminius (1689) 2, 847ᵃ. hierher auch?: dasz wir ... selbst nach widrigen erfahrungen das gute, beste von ihnen (den fürsten) vertrauensvoll erwarten Döllinger vortr. (1888) 1, 54.
b)
das widrige 'gegenteil, gegensatz': contrarium widerspil, gegenspil, widerige Schöpper synonyma (1550) g 1ᶜ; in dem, das sie ... pflichtig und schuldig, kainen mangel erscheinen lassen, desz auch und kaines andern gesinnet und ires verhoffens mit kainem grundt des widerigen beschuldigt werden mögen (1532 Augsburg) städtechron. 32, 284; Pareus ... zählt unter solche unnöhtige schullehren ... auch die lehr von der ... mündlichen niessung des leibs Christi ..., die lehr von der gnadenwahl und dergleichen ...; das widrige aber ist von den unsern dargethan und erwiesen Dannhawer catech.-milch (1657) 1, 21; wenn man einen raben zu der tauben stellt, wenn man eine Lea zu der Rahel setzt, ... so entdeckt sich deren eigenschaft weit besser — contraria enim juxta se posita magis elucescunt, 'zwei widrige nebeneinander geben sich eigentlicher zu erkennen' (1679) Abr. a s. Clara s. w. 2, 155 Strigl; auch sollen die bauern ... achtung geben, damit in heusern nichts unzichtiges geschehe; bei ervolgung des widrigen die bauern selbsten sollen gestraft werden (1692) österr. weist. 10, 204.
c)
insbesondere '(dem richtigen und rechten) nicht entsprechend, abwegig, unrichtig, unrecht': vnnd ersuche diesem nach e. churfürstl. dht: vnnterthenig, sie wolle ihr kein wiederiges vorbilden, sondern sich versichert halten, dasz dieser des grafen von Thurn habender gewaldt zu keinem anndern alsz obgedachter befürderung des gemeinnuczigen kriegswesen in Schlesien angesehen bei Gaedeke Wallensteins verhandl. m. d. Schweden u. Sachsen (1885) 141; wenn ein hauptmann mir eine festung vertrauete, kan er sich sicher darauf verlassen, dasz ich so achtung drauf geben würde, als er selbst, sonder das geringste zu thun, das ihm könte gedancken erwecken, als dasz ich etwas widriges in dem sinn hätte (1663) Gryphius lustsp. 454 Palm; (Lisidor:) ... wer henker hat sie denn gedungen, Julianen zu loben? (Adrast.:) fallen sie auf nichts widriges. ich habe blosz zeigen wollen, dasz mich die liebe für meine Henriette gegen die vorzüge ihrer schwester nicht blind mache Lessing 2, 59 L.-M.; (Elisabeth über Weislingen:) was kann der mensch je gutes gehabt haben, der seinem besten treusten freunde nachstellt, und unsern trefflichen kaiser ... mit falschen widrigen vorstellungen einzunehmen sucht Göthe I 8, 22 W.;
und dann, Lenore,
dasz du mit den vasallen dich verbündet,
das war nicht gut, war unklug, widrig
Grillparzer s. w. 9, 192 Sauer.
d)
'harmoniewidrig, dissonant': dissonanz ein wiedriger, nicht übereinstimmender thon, in der music Sperander handlex. (1727) 208ᵇ; wiedrig lauten dissonare Steinbach dt. wb. (1734) 2, 993; um nicht f mit fis zu vermischen: welches sonst einen widrigen klang verursachen würde Quantz anw. d. flöte zu spielen (1789) 127; das tönende instrument, rein gestimmt, ohne widrigen zwischenlaut, giebt den ganzen schönsten akkord seiner töne (1798) Herder 20, 49 S.
2)
in formelhafter verwendung disjunktiv. so gern in rechtlich-amtlicher sprache; vgl. zu b β: wiedrigenfalls gehört zur unangenehmen geschäftsschreibart Heynatz antibarb. (1796) 2, 639.
a)
im widrigen (vgl. Jelinek mhd. wb. [1911] 949).
α)
'wenn das nicht der fall ist, andernfalls, sonst': unter solchen drei tagen soll cleger mit seiner clag beim gericht einkommen, im widerigen, da er diss nit thäte, er umb das wandl verfallen und der gefangen ledig sein soll (hs. 1623) österr. weist. 1, 24; vgl. ebda 60; 6, 75, 191, 198, 252; 10, 204; wann nun die linien starck und gantz, schliest man daraus, dasz selber planet gut, im widrigen aber, wann solche durch andere kleine linien durchschnitten, besagter planet bösz und unglücklich seye Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. 1 (1644) 124; unterschiedliche citairis, welche gerichtsknechte sind, die alsobald gehen und zusehen, dasz der ausspruch (des richters) gebührlich vollzogen werde, oder im wiedrigen führen sie die verurtheilte parthey in das gefängnisz Döpler theatrum poen. (1693) 22; brachte demnach die sach bey dem könig so weit, dasz er besagten priestern auferleget, sie sollen zeigen, ob der gott Bel alles solches verzehret, im widrigen sollen sie des todes seyn (vor 1710) Abr. a s. Clara narrennest (1751) 1, 107.
β)
'im gegensatz dazu, im gegenteil'; 'im widrigen im oberdeutschen, 'im gegenteil'' Adelung wb. 4 (1801) 1527: das die parteien und ire procuratorns ... vor gericht mit gebürlichn beschaidenhait gegen einander fürkomen ... weil man aber im widerigen sovil berichts hat, das die parteien ainander vor gricht ungebürlich und sehr grob antaszten (1596) öst. weist. 10, 72; Nero ... ist auch von seinen sünden nicht abgestanden, im widrigen hat er meinen liebsten vettern ermorden lassen Moscherosch gesichte (1650) 1, 555; die federspitze ... richtet mehr ubels an, als die schärffste klinge; wenn sie nicht mit ... bescheidenheit geführet wird: aber, im widrigen, kröhnet sie auch manchen mit grosser gunst und ehre, wenn er geschickt und kluglich mit ihr weis ümzugehen Butschky Pathmos (1677) 32.
b)
widrig + fall.
α)
im (auf) widrigen fall 'andernfalls, sonst': wegen desz Judenzinses wiel die notturfft erfodern, an herrn Hansz Christof Proskowsky ... erhaischende gebühr gelangen zue lassen, mit andeuten, das vf wiedrigen fall es den herrn fürsten ... an mitteln zue erlangung der zahlung nicht mangeln werde (1618) acta publica 1, 57 Palm; das sie (fürsten u. stände) ihrer kay. maytt. vnterthanen in Böhaimb ... zur ruhe ... vnd geburlichem gehorsam, mit bedrewung, das sie im wiedrigen fahl ihrer kay. maytt. ... ihre hülffe leisten musten, anmahnen solten (1618) ebda 1, 89; machte sich im rückwege an die stadt Beireut vnd begehrte nebenst der übergabe fünffzehenhundert reichsthaler ... mit bedrohung, aufn wiedrigen fall alles abzubrennen vnd niederzumachen Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 158; die gemeine ... bitten ohne auffhören, denselben ab und einen redlichen gewissenhafften mann an seine stelle zu verordnen, im wiedrigen fall muste die gemeine untergehen Olearius persian. reisebeschr. (1696) 130ᵃ; solle ... zuforderist der dorfmaister ... die ibertreter ... getreülich andeüten, also zwar, das in widrigen fall er selbsten an statt der delinquenten die straf und ungnad tragen solle (hs. 1733) österr. weist. 2, 267. 'im entgegengesetzten falle, umgekehrt': du ... woltest warhafftig in deinem hertzen ... die that (ehebruch) volbringen; da sage ich, wan es dir ernst ist, hastu schon in deinem hertzen die ehe gebrochen ... vnnd hast die höll verdienet. eben also könte es geschehen im widrigen fall, dasz man allein mit den gedancken ... ein martyrer würde Spee güld. tugendb. (1649) 15.
β)
meist in genitivischer wendung, 'andernfalls, sonst'.
αα)
nur selten ist widrig stark flektiert: particulae disiunctivae sunt: und nicht ... widriges falls Chr. Weise polit. redner (1677) 22; ich aber wegen meiner guten meinung der wohlverdienten beschenckung nicht zu berauben bin: widrigesfalls würde man alle, die was nutzliches in der welt eingeführt, bestraffen müssen Abr. a s. Clara etw. f. alle 2 (1711) 128.
ββ)
meist ist widrig schwach flektiert (vielleicht aus gründen des wohlklangs). bis ins 19. jh. finden sich belege, in denen die wendung in zwei worten geschrieben ist: ita ego vehementer opto nur einen anblick eurer clementz ... widrigen falls gehet der schneider schon zu wercke, meiner hoffnung ... ein traurkleid zu machen (1663) Gryphius Horribilicr. 35 ndr.; (mehrere bauern) beschweren sich wegen der regierenten wölf, von denen ihnen unterschiedliches vich verrissen worden, bitten sambentlich, dem jäger fürdershin ernstlichen zu befehlen, ein mehrere obsicht zu halten, widrigen fahls sie verursacht wurden, das jägergeld nicht mehr auszugeben (hs. 1671) österr. weist. 1, 100; vgl. ebda 174; 2, 276; (Bacchus) hätte auch noch eine wichtige klag vorzubringen; worüber er recht verlangete: wiedrigen falsz würde er genöthigt seyn seinen Aganippe-brunnen ... zu sperren Lindenborn Diogenes 2 (1741) 13; in demselben (schein) wird mir nun zur pflicht gemacht, solchen den buchhändlern, durch den ... bücherinspector insinuiren zu lassen, indem widrigen falls ... die insinuation als nicht geschehen anzusehen sey (1826) Göthe IV 41, 150 W.; deshalb hoffe ich, der onkel schicke etwas, weil ich ihn gebeten, widrigen falls auf der stelle zu antworten (1842) A. v. Droste-Hülshoff br. (1893) 124. überwiegend aber wird die genitivische wendung zusammen geschriebenvereinzelt schon im 17. jh. —, da sie infolge häufigen gebrauchs dem sprachempfinden als eine ganzheit erscheint: beqveme dich (Joseph) nach meinem verlangen ... oder halte dich widrigenfalls versichert, dasz du einen abscheulichen geferten der jenigen im grab abgeben must, deren du deine liebliche beywohnung im leben miszgönnet hast (1667) Grimmelshausen 2, 804 Keller; ist auch beschlossen worden, dasz der gaiszhirt ... am früejahr ausztreiben, und mit sollichem ausztreiben bisz Andrei tag fortfahren (soll), ... widrigenfahls die gewalthabere befuegt sein sollen dem hirten den lohn in soweit aufzuhalten, bisz der beschödigte zufriden gestöllt sein wird (1748) österr. weist. 3, 129; vgl. ebda 232, 322, 347; aber diese protestation (Egmonts u. Hoorns gegen das gericht über sie) wurde verworfen, und darauf gedrungen, dasz sie ihre zeugen vorbringen sollten, widrigenfalls man in contumaciam gegen sie fortfahren würde (1788) Schiller 9, 19 G.; der eine (der räuber) meinte, wenn ich schätze bei mir hätte, sollte ich sie nur gutwillig herausgeben, ... widrigenfalls wollten sie mich wie einen vogel von meiner tanne herunter schieszen Tieck schr. (1828) 9, 253; seine excellenz befiehlt allen vorgenannten personen, die stadt zu verlassen, widrigenfalls alle diejenigen, die diesem befehl nicht genügt haben, durch die gendarmerie verhaftet ... werden sollen Fontane ges. w. (1905) I 1, 537; er (der erbe) verlangte gebieterisch, dasz sie (die nichte) augenblicklich das feld räume, widrigenfalls er sie als erbschleicherin verhaften ... lassen werde H. Mann d. untertan (1949) 281.
B.
'entgegenwirkend'.
1)
'gegnerisch, feindlich, feindselig, abgünstig' gegen personen (vgl. auch D 2 b); personen oder personengruppen sind widrig: als günstig dir got ist, so widerig ist dir der teufel (1521) Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 5 ndr.; dann niemands im widerig oder feindt hat sein künden Zimmer. chron. ²4, 104 Barack; das von dem widderigen teil (der gegnerischen partei) vns, den stenden der christlichen religion, offte zugemessen worden, ... als solle es vns ... nit vmb die christliche religion zuthun sein (1541) bei Luther briefw. 9, 321 W.; seine (des landgrafen) der wiedrigen vnd feindlichen armée dienende untersassen vnd lehen leute Chemnitz schwed. krieg 1 (1648) 198ᵃ;
dasz sie (die obrigkeit) dem frommen stehe bey,
dem bösen aber widrig sey
K. F. Fleck bei Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 2, 76.
widriger seitenblick: noch weniger pflegte sie (Sebaldus' gattin, die von allem französischen wesen sehr eingenommen war) der Franzosen mit einem widrigen seitenblicke zu gedenken Nicolai Seb. Nothanker (1773) 1, 32; vgl. 9. widrige stimmung: in so widriger stimmung (gegen sich) fand könig Ferdinand die böhmische nation Schiller 8, 77 G. widriges wort:
und also von müder asche denn
entferne jedes widrige ('böse') wort
(ria parola, Manzoni: der fünfte mai 104)
Göthe I 3, 208 W.
widriges betragen:
hofmeisterin.
in dieser lage (flehend kniend) scheinst du meiner nur
verstellt zu spotten. falschheit rührt mich nicht.
(hebt Eugenien mit heftigkeit auf)
Eugenie.
so hartes wort, so widriges betragen,
erfahr ich das, erleb ich das von dir?
(1803) ebda 10, 354.
widrige einwirkung: dasz eben dies (Barnim u. Teltow) die landschaften waren, über welche die markgrafen (von Brandenburg) mit Dänemark und den Slawen schon lange haderten ... nach dem fall der dänischen macht, als von dorther keine widrige einwirkung weiter stattfand, geschah die besitznahme Ranke s. w. (1867) 25, 18. feindselige haltung spiegelt sich auf dem gesicht wider:
(an gott:) lasz, o herr, hören wonne mein gewissen,
dasz die gebeine frölich werden müssen,
die nicht dein zürnen mit so vielen schlagen
kunten ertragen.
wend' auch dein antlitz ab von meinen sünden,
lasz es so wiedrig als vorhin nicht finden
bei Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 4, 44.
für einander widrig: käme es den anwesenden sehr verdächtig vor, dass sie beide sonst so widrige persohnen sich so freündlich als brüder, einer dess andern annehmen solten Moscherosch gesichte (1650) 2, 804; die erfahrung hätte bewehret, dasz die zusammenheyrathung zweyer widriger geschlechter ... das feuer nur rasender mache Lohenstein Arminius (1689) 2, 144ᵃ; (die regentin) ist ein weib, guter Oranien, und die möchten immer gern, ... dasz, weil sie friedlich gesinnt sind, die gährung, die ein volk ergreift, der sturm, den mächtige nebenbuhler gegen einander erregen, sich durch ein freundlich wort beilegen liesze, und die widrigsten elemente sich zu ihren füszen in sanfter eintracht vereinigten (1787) Göthe I 8, 222 W.
2)
gesinnung und verhalten richten sich gegen dinge und vorgänge statt gegen personen: sie gingen ... über diese gründe (in einer geistigen auseinandersetzung) hinweg, weil sie ... widrig dagegen eingenommen waren (1785) Herder 15, 294 S.; dasz an der widrigen gesinnung (χαλεπῶς ... διακεῖσθαι) der menge gegen die philosophie jene schuld haben Schleiermacher Platon (1804) 6, 342. widrige opinionen, gedanken, widriges nachdenken 'gedanken gegen etwas, von dem man schaden, unheil befürchtet; argwohn, verdacht': wir ... uns nacher Regenspurgk zu herzog Bernhardts zu Weymar ld. verfüget, dieselbe derer widrigen opinionen, so sie kegen solche tractaten (Wallensteins) gefaszet, zu benehmen (1634) in: Wallensteins verhandl. m. d. Schweden u. Sachsen 292 Gaedeke. ohne gramm. objekt: nun aber hat die so namhaffte schanckung (der Marg. Maultasch) diser fürstlichen graffschafft bey dem gesambten hertzogen in Bayrn etwas widrige gedancken erweckt, also das sie ein grosses kriegsheer versambleten Brandis ehrenkräntzel (1678) 151; als erweckt dises beginnen Henrici bey keyser Alberto ein widriges nachdenken ebda 120.
3)
substantiviert 'gegner, feind' (auch im meinungs- und glaubensstreit): opponens en wederich (nd. 15. jh.) Diefenbach gl. 398ᵃ; das unsere widerige unser meinung von der erbsunde ... haben annehmen und belieben mussen (1541) Corvinus ber. v. kolloquium zu Regensburg, in: archiv f. reform.-gesch. 1, 92; dieser religion (sc. der evangelischen) wiederige in Böhaimben vnd Schlesien (1618) acta publica 1, 70 Palm; ich hab nicht gemeynt, hostes internos opponi externis dasz zween widrige solten in ein horn blasen Moscherosch gesichte (1650) 1, 208; da (würden in einer konferenz von theologen) ... die widrigen also überschnellet werden, dasz ihnen nicht genugsame zeit, das werk zu hindern, verbliebe (1699) Leibniz dt. schr. 2, 126 G.;
du vestes schlosz, und gegen alle schilde
der widrigen verwahrter aufenthalt (Jesus)
Zinzendorf teutsche ged. (1766) 121.
4)
von personen, die sich weigern, etwas zu tun oder zuzulassen, die zumutungen zurückweisen, widerspenstig sind; repugnans ... widerig Frisius dict. (1556) 1148ᵃ: hastu ein frow die widerig (rebellis) mit hand und mund dir allzit sy Brant facetus (1499) A 3ᵇ bei Ch. Schmidt elsäss. ma. 422ᵃ; dweyll er ... aim ersamen radt so widrig und ungehorsam sich erzeig (1531) urk.-buch d. st. Heilbronn 4, 703 Rauch; dieses exempel lehret uns, dasz die jugendt zur boszheit sehr geneigt unnd leichtlich zum bösen zu bewegen sey, ob sie sich schon biszweilen widerisch stellet, wie dieses mägdlein (es droht einem ihm nachsteigenden knecht mit einem bündel heu) (1618) Sandrub kurzweil 45 ndr.; (der erzbischof) über welchen, dasz er hiero bei diesen tractaten sehr widrig ('halsstarrig') gewesen, er hoch klagte (1647) urk. u. aktenst. z. gesch. d. kurf. Friedrich Wilhelm v. Brandenburg 4, 504 Erdm.; derowegen hat sie es bittweise zu thun und mit bitten anzuhalten, wenn der hausvater sich wiedrig stellet, damit kinder und gesinde der meinung werden, der hausvater sey schweer zu erbitten Chr. Wolff ged. v. d. gesellsch. leben (1725) 139;
inzwischen, als ich diesz vernahm,
sah' ich, dasz mancher ganz beherzet
und gleich als wär es nur gescherzet,
zum blutigen altare (des todes) kam:
mit welchem denn der opferknechte
gezuckte faust weit sanfter that,
als mit dem widrigen geschlechte,
das sich dem tod gezwungen naht
Triller poet. betracht. (1750) 1, 734.
von dinglichem: o hätt ich (Iphigenie) doch ein männlich herz, das, wenn es einen kühnen vorsatz hegt, vor jeder andern stimme widrig sich verschlieszt Göthe I 39, 384 W. als gegensatz von geneigt: seye er (Faust) vorhabens gewesen, seine complexion und natur zu erkündigen, und zu vernehmen, ob ihm auch dieselbe in seinem vorhaben widerig seyn und fehlschlagen, oder aber geneigt und beförderlich seyn würde (1674) Widmann Faust 78 lit. ver.; (der geist der liebe) seine durchdringende kräfften augenblicklich in geneigte, mit der zeit aber auch in widrige hertzen einsencket, und darinnen seines gleichen gebiehret Lohenstein Arminius (1689) 2, 17ᵇ. dialektisch: 'meist eigensinnig, widerspenstig, verstockt' Mensing schlesw.-holst. 5 (1935) 562. auch der akt, durch den die innere weigerung zum ausdruck kommt, kann widrig sein: und also ohne widrigen abschlag wird dir gezeigt werden das grab des kaisers Friedrich des Schönen (1679) Abr. a s. Clara s. w. 2, 26 Strigl;
dass er kein widrig wort mir konnte gönnen
in allem, was ich je von ihm begehrt
Gries Ariosts rasender Roland (1804) 1, 234.
vom bereich des persönlichen her übertragen, kann widrig vereinzelt auch das verhalten lebloser dinge kennzeichnen: ich schliesze dieses mit einer mir so widrigen stahlfeder holperig geschriebene blatt (1865) Stifter s. w. 20 (1925) 315. dialektisch: 'von stammholz, das sich seiner ästigen und gewundenen textur wegen schwer spalten und schneiden läszt' Frischbier pr. wb. 2, 459ᵇ.
5)
vereinzelt vom gegenmittel: sein fleisch (der schildkröte) ist ein widerige artzney dem gifft der meerheydechsen, salamander genandt Forer fischbuch (1598) 107ᵇ.
C.
in lokaler und daran unmittelbar anschlieszender verwendung. lokaler gebrauch kann durch widerwärtig angeregt sein, wo er genügend und bereits im mhd. bezeugt ist (vgl. dort 1).
1)
namentlich in der seit dem 16. jh. vereinzelt, seit dem 18. jh. mehrfach bezeugten wendung widriger wind (vgl. widerwind sp. 1395), diewie lat. ventus adversus — 'gegenwind' und 'ungünstiger wind' bedeutet. gelegentlich wird diese wendung bildlich gebraucht (vgl. b).
a)
in eigentlicher verwendung.
α)
'gegenwind, entgegengesetzter wind'; widrigen wind haben ... haver il vento ... in faccia Rädlein t.-it.-frz. (1711) 1058; entgegen gesetzt z. b. ein widriger wind Voigtel wb. (1793) 3, 634; ein widriger wind ... gegenwind Adelung wb. 4 (1801) 1527; widrig entgegen, vom winde gesagt Hoyer-Kreuter techn. wb. (1902) 1, 848:
wie zwo gewitter wolken,
gejagt von widrigen winden,
stürmend sich in eine verbinden
Ayrenhoff s. w. (1814) 1, 310;
da kamen denn zwei üble stimmungen zusammen und segelten sich entgegen, wie feindselige fregatten bei widrigem winde Holtei erz. schr. (1861) 5, 51.
β)
meist scheint neben dem begriff des gegenwindes der des ungünstigen, schädlichen windes vorzuherrschen (namentlich segelschiffe leiden unter widrigem wind): die bote würden durch weddrigen wint gehindert, das sie fort zu kommen ... nicht vermochten Schütz hist. rer. Pruss. (1592) G 1ᵇ (2. buch); ein widriger wind hatte ihn (einen kaufmann) überfallen, als er in die reede zu Toulon einzulauffen glaubte, und hatte ihn ... auf diese insel verschlagen (1751) Lessing 4, 442 L.-M.; hatten wir ... bald mit windstillen, bald mit widrigem winde zu kämpfen J. G. Forster s. schr. (1843) 2, 126;
widrige winde hielten mich zurück (zu schiff)
Tieck schr. (1828) 1, 226;
mit widrigen winden (werde die flotte) ... zu kämpfen haben Ranke s. w. (1867) 14, 314.
b)
in bildlicher verwendung: sie (die vornehmen und reichen) sind von geburt an gleichsam in ein schiff gesetzt, um bei der überfahrt ... sich des günstigen windes zu bedienen und den widrigen abzuwarten Göthe I 21, 247 W. widriger wind meint hier wie in der mehrzahl der folgenden belege etwa 'widerwärtigkeiten des menschlichen daseins'; ferner im folgenden auch 'schwierigkeiten, hemmnisse' für ein werk, eine entwicklung (Göthe, Schleiermacher). die zugrundeliegende vorstellung des dem schiff entgegenstehenden, hinderlichen windes ist nicht voll ausgeführt: es ist mir sehr angenehm, dasz dieses, durch widrige winde zurückgetriebene, beynahe strandende werk (farbenlehre) wieder flott zu werden scheint (1821) Göthe IV 35, 126 W. nur angedeutet ist sie: menschen, welche die mängel ihrer begabung und die ungunst des geschickes durch die kraft ihres willens gut machen, die mit festem vorsatz gegen widrige winde steuern Schubart br. in: Strausz ges. schr. (1876) 8, 3. die vorstellung des gegen wind ankämpfenden fuszgängers liegt zugrunde: weil einem tugendsamen gemüth zustehet, das unglück mit gedult zu ertragen und denen widrigen winden mit starckmütigen schuldern entgegen zu gehen Zend. a Zendoriis teutsche winternächte (1682) 309; sollte wirklich eine zeit kommen, ... wo die menschheit so gleichförmig und ruhig fortschritte, dasz kaum zu merken wäre, wie sie bisweilen durch einen vorübergehenden widrigen wind etwas zurückgetrieben wird Schleiermacher reden üb. d. religion (1879) 289; vgl. auch: wo mancher andere mit noth und widrigem wind zu kämpfen hatte, da hob ihn, den rastlos strebenden (Scherer) ein gütiges geschick empor Burdach bei Scherer kl. schr. (1893) 1, xix.
2)
vereinzelt in der wendung widrige richtung: hoffnungsschwellendes schiff! ein windstosz erhebt sich in widriger richtung und du bist genöthigt, deine rauschenden segel zu streichen Gutzkow ges. w. (1872) 6, 322.
D.
ähnlich dem gebrauch unter C 1 a β und C 1 b 'schädlich, böse, ungünstig'; widrig laeuus, sinister, infoelix, aduersus Dasypodius dict. (1536) 458ᵃ; gelegentlich kann subjektiver sinn 'unangenehm' (s. u. E) mitempfunden werden.
1)
von dingen, geschehnissen, umständen: das kraut ferula ist den murälen gantz widerich: denn wenn man sie nur schlechts damit berürt, müssen sie sterben Heyden Plinius (1565) 356; dasz ich nemlich allerhand wideriger begegnussen halber, wie gern ich auch gewolt, mich nit ehender bey dir (der gattin) hätte einfinden können (1669) Grimmelshausen Simpl. 382 Scholte; Barbarossa hat die stadt Meiland mit gewalt wieder zum römischen reich gebracht. als nun seine gemahlin die stadt einsmahls besehen wolte, und sich nichts wiedriges besorgete, hatte der gemeine mann noch einen groll auf den käyser, satzten demnach einige die käyserin zum schimpf umgekehret auf einen maulesel Jakob Döpler theatr. poen. (1693) 818; es musz demnach das thier einen ekel oder abscheu vor denjenigen gegenständen haben, welche in ihm verderbliche und widrige bewegungen ... hervorbringen anmuth. gelehrsamk. (1751) 906 Gottsched; erfolg des unternehmens, er mag günstig oder widrig seyn Abbt verm. w. (1768) 1, 47; die luftverdichtungsactiencompagnie kommt wegen widriger umstände nicht zustande Immermann w. 2, 53 Hempel; dort mit leisem winseln, als wenn ihnen ein widriges angethan würde, standen Graps und Schnores (katzen) zitternd mit geringelten schwänzen, das haar gesträubt Storm s. w. (1898) 2, 292; trümmer von mauerwerk ... sind den netzen der armen sardellenfischer oft ein widriges hindernis J. Schlosser präludien (1927) 97.
2)
von glück, geschick, schicksal. so schon im 16. jh.: ob aber mir das glück (im zweikampf) gleich wie dir widrig sein würd (1539) Wickram w. 1, 67 Bolte; jr solt wissen ..., dasz vns das glück nun zumal gantz widerig ist (in der liebe) buch d. liebe (1587) 244ᵇ.
a)
glück, geschick, schicksal in der bed. 'was jemandem bestimmt ist, ihm begegnet' (vgl. glück I A, teil 4, 1, 5, sp. 230; geschick I 2, teil 4, 1, 2, sp. 3871; schicksal 1, teil 8, sp. 2659): im widrigen glücke soll man nicht verzagen Rädlein t.-it.-frz. (1711) 1058;
verhängt   er (gott) widrig glück? versagt er wunsch und freuden?
Uz s. poet. w. 275 Sauer;
wir sind es schon gewohnt, unsern helden niemals grösser zu sehen als im widrigen glücke Wieland Agathon (1766) 2, 257; an ihrem widrigen schicksal nehme ich herzlichen antheil (1782) Lichtenberg br. 2, 6 L.-Sch.; ich ... ertrug so heiter als ich konnte mein widriges geschick Göthe I 43, 313 W. im plural: widrige schiksale werden der seele weniger fühlbar W. v. Humboldt ges. schr. 1, 66 akad.; dasz er dort widrige schicksale erfahren Kerner bilderb. (1849) 229; ich habe meiner widrigen geschicke wegen versäumt, dieser sache nachzugehen G. Keller ges. w. (1889) 4, 296.
b)
glück, geschick, schicksal u. ä. gestatten personifizierte auffassung; sie sind zu handlungen, affekten, absichten dem menschen gegenüber fähig, sind ansprechbar, und bewirken das, was dem menschen geschieht (vgl. glück I B, teil 4, 1, 5, sp. 232; geschick I 3, teil 4, 1, 2, sp. 3872; schicksal 2, teil 8, sp. 2659). widrig erhält dadurch deutlich spürbaren nebensinn 'abgünstig, feindlich' (vgl. B 1): da nun Svvantepol vermercket, dasz jhme für diszmal das glück gar widrig sein wolte, verliesz er die belagerung Schütz hist. rer. Pruss. (1592) E 2ᵇ (1. buch);
verzeihe mir allhier, mein widriges gestirne,
wofern ich mich zu sehr auff deinen lauff erzürne
B. Neukirch in: Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. (1697) 1, 68;
wir fühlen schon den zorn des widrigen geschickes
Pitschel in: dt. schaubühne (1740) 3, 203 Gottsched;
endlich schien mein widriges schicksal versöhnt zu seyn (1742) Rabener s. schr. (1777) 2, 21; schläge des widrigen glücks Bode empfinds. reise (1768) 1, 85; wenn das feindselige geschick ..., unser widriger stern, sich einmal vornimmt uns zu verfolgen Göthe I 44, 95 W.; tritt das widrige schicksal heran, so findet es die durch furcht geschwächte brust wehrlos (1801) Herder 23, 386 S.; ihr herz blutete noch unter den ersten schlägen ihres widrigen verhängnisses Pfeffel pros. vers. (1810) 4, 13; mag sein, dasz es heute nicht leicht ist, in Deutschland jemandem genesung zu verschaffen, der nur, wie Hamlet sagt, von den pfeilen und schleudern des widrigen geschicks verwundet ist A. Zweig einsetzung e. königs (1950) 405.
E.
'unangenehm, abstoszend'. in dieser verwendung erst seit dem 18. jh. verbreitet, vorher seltener bezeugt (vgl. oben sp. 1436).
1)
von gegenständen, vorgängen, begriffen: rauhe klaider vnd was dem leip wee tuͦtt ist den selben menschenn widerig Keisersberg pred. teütsch (1508) 52ᵇ;
was neu, ist angenem, wird widrig in der eile,
wann ihm nicht gut und nutz gibt krafft und länger weile
Logau sämtl. sinnged. 540 lit. ver.;
kam ein heszlicher dampff in die stube gezogen, dasz alle meynten, sie müsten von dem widrigen geruche vergehen (1673) Chr. Weise erznarren 157 ndr.; also lateinische und deutsche kunstwörter durch einander, ein gemisch, das mir wenigstens sehr widrig vorkomt Klopstock gelehrtenrepublik (1774) 231; da jeder gegenstand in der welt ..., mir angenehm oder widrig, ein objekt der inschrift werden kann (1786) Herder 15, 344 S.; die stadt hat ein widriges schwarzes ansehn Göthe I 19, 265 W.; ich habe sie (eine stellung) aber abgelehnt, weil es mir widrig gewesen wäre, sachen auszuarbeiten, deren plan mir vielleicht nicht gefallen hätte (1809) J. Grimm in: br. d. br. Grimm an Savigny 76 Schoof;
... und klanglos widrig lachte sie
(1823/24) H. Heine s. w. 1, 138 Elster;
'Athanasius' von Görres, eine widrige pfaffenschrift, voll arglist und lüge Varnhagen v. Ense tageb. (1861) 1, 78; sucht etwas in dem jüdischen menschen dem moralisch dubiösen, dem widrigen, kleinlichen und ungeistigen, das allem handel, allem blosz geschäftlichen anhaftet, zu entrinnen Stefan Zweig welt v. gestern (1947) 27; wurde Winfried einen widrigen geschmack nicht los A. Zweig einsetzung e. königs (1950) 129.
2)
von personen: ein konfiszierter widriger kerl (Wurm) Schiller 3, 365 G.; ein widriger bursche Klinger w. 1 (1815) 119; alberne, thörichte, widrige putznärrin E. T. A. Hoffmann s. w. 6, 133 Gr.; dasz sie dahin einem ... (manne) gefolgt ist, ... einem höchst widrigen, innerlich gemeinen kerl (1845) A. v. Droste-Hülshoff br. 2, 415 Schulte-K. als gegensatz zu wert:
was ihn (Mortimer) euch widrig macht, macht mir ihn werth
(1801) Schiller 12, 411 G.
3)
eindrücke, die von dingen und personen hervorgerufen werden, sind widrig: er will haben, dasz man alles entferne, was einen widrigen eindruck verursachen kan Ramler einleitung (1758) 1, 111; die sammlung von caricaturen auf Napoleon zu sehen, lehnte er (Goethe) ab, 'ich darf mir dergleichen mir widrige eindrücke nicht erlauben' Göthe gespräche (1889) 4, 83; damen im ballkostüm machen einen förmlich widrigen eindruck auf mich (1843) L. Schücking in: briefe 212 Muschler; keine stadt hat auf mich einen so widrigen eindruck gemacht als diese (Civita Vecchia) Moltke ges. schr. (1892) 5, 22. widriger eindruck bekommt vereinzelt aktiven sinn, drückt ein geistiges verhalten jemandem gegenüber aus: da diese schrift aber doch durch verschiedene hände gegangen war, fürchtete er, sie könte bei einigen seiner leser nicht nur widrige eindrücke gegen die darin vorkommenden personen, sondern auch wider den verfasser selbst ... zurückgelassen haben bei: Lenz vertheid. d. hrn Wieland (1776) 2.
4)
schärfer 'verhaszt': welcher desz abts freund, war dem vogt von Ramschwag widerig: welcher dem vogt angenäm, war beym abt verhasset Stumpf Schweizerchron. (1606) 369ᵇ. vgl. dazu: kann es denn keine liebe geben, ohne dasz uns der gegenstand unsrer zuneigung am ende widrig und verhaszt wird Tieck schr. (1828) 11, 75.
F.
von der gefühlsmäszigen reaktion auf dinge, vorgänge, eindrücke; vgl. Fischer schwäb. 6, 778: als solches (die art der abdankung von soldaten) dem herrn obristen ... angezeygt worden, hat er sich darüber gantz widerig erwisen, seer harte unnd böse reden ausgestossen (Augsburg 1664) Adolf v. Schempp d. feldzug 1664 in Ungarn (1909) 235; 'schlecht gelaunt' Mensing schlesw.-holst. 5, 562. widrige affekte, empfindungen, gefühle werden hervorgerufen. widriger affekt: und wirdt ein verstendiger gelehrter ... oder chirurgus, wan er diszen sachen recht und ohne widerigen affect ('abneigung') nachdenckhet, die ursachen solcher ungleichen curen und artzneyen ime wol einbilden könen Ulsheimer rayszbuch (1622) 119. in philosophischer terminologie wiederholt bei Chr. Wolff: angenehme affecten sind, die in sinnlichen begierden bestehen; unangenehme oder widrige, die in einem sinnlichen abscheue bestehen vern. ged. v. gott (1720) 242; die angenehmen affecten wären eine empfindliche lust; die wiedrigen eine empfindliche unlust ebda 243; da sie (die seele) vorher ruhig und freudig war; so wird sie jetzund durch den schmertz (in haupt und gliedern) und wiedrige affecten ('unlust, verdrusz') beunruhiget und betrübet vern. ged. v. d. menschen thun (1720) 4. widrige empfindung, widriges gefühl: wir wollen zusehen, wie diese widrige empfindung (der ekel) natürlicher weise zu entstehen pfleget (1760) briefe, die neueste litt. betr. 5 (1762) 100 Nicolai; alles widrige gefühl ihrer (einer schauspielerin) unwürdigkeit Göthe I 51, 57 W.; wenn ich sie (die studenten) ... in die kirche schleichen sah, um einen ihrer orthodoxen professoren anzuhören, so konnte ich ein widriges gefühl in mir nicht unterdrücken W. Hauff w. (1890) 2, 38.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9,10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1436, Z. 63.

wiedring, m.

wiedring, m.,
reif aus einer gerte: (er löste) den wiedring, an dem er seinen eignen kahn nachgezogen hatte, und fuhr heim Vischer auch einer (¹¹⁶1920) 153; schleppt ein schmutziger bursch einen mächtigen fisch an einem wiedring, der durch die kiemen gezogen ebda 387. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1513, Z. 66.

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Zitationshilfe
„wiedring“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wiedring>.

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