Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

wiegenband, n.

wiegenband, n.,
älter auch wiegband, selten wiegeband; zu wiege, f., in den letzteren formen wohl auch zum verbum gebildet. vgl. unten wiegenschnur sowie wage(n)schnur, wagelschnur teil 13, sp. 484 und 378. 'wiegen-band ist ein langer ... schmaler streiff, so über die wiege creutzweise gezogen wird, damit die kleinen kinder nicht heraus fallen können; man pfleget auch dasjenige das wiegen-band zu nennen ..., wormit die muhmen oder ammen die wiege hin und wieder ziehen' Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 2122. vielleicht handelt es sich um einunddenselben gegenstand, wenn nämlich ein freies ende des sicherungsbandes als zugband benutzt wurde. das wort ist literarisch und lexikalisch seit dem frühen 15. jh. belegt (in früheren glossaren anscheinend auch für 'windel'); s. auch Fischer schwäb. 6, 808; linicia eyn weghen bant, eyn wyndel doyk (lat.-nd. wb. v. j. 1417), wiegpant (hd.-lat. voc. ex quo, 1429) Diefenbach nov. gl. 236ᵃ; vgl. ferner Diefenbach s. v. cuna, nov. gl. 123ᵇ; cunabulum gl. 162ᵇ; crependium gl. 156ᶜ und nov. gl. 119ᵃ; fascia gl. 226ᵇ und nov. gl. 167ᵇ; purginale wige bant gl. 473ᶜ (u. ö.); wiegenbandt, wiegenbendel lien Hulsius-Ravellus t.-frz.-it. (1616) 413ᵇ; wiegen-band cordella da cunare ò da legare le coltricette della cuna Kramer t.-ital. 1 (1700) 113ᵇ; Adelung 5 (1786) 218: Heinrich, herczog zu Bayren und zu Sachsen, do er in dem wigenpant was, do gie im ab vater und mueter (1428) Andreas v. Regensburg 635, 23 Leidinger; das wyegpand, das umb in gewunten was (fascia) Johann Hartlieb dialogus mirac. 102, 30 Drescher; wiegenband Niclas Manuel 235 Bächtold; J. Pollio christl. trostschr. (1609) B 7ᵇ; (er) namb das wiegen-band selbsten in die händ vnd fieng an sanfft zu wiegen Abr. a s. Clara Judas 2 (1689) 107; Karl wollte nicht gestört sein ... durch das schnarchen seiner kinder. er zog scharf und hart die wiegenbänder über ihre brust zusammen J. Gotthelf ges. schr. (1855) 12, 9;
da sitzet Maria
und wieget ihr kind,
sie wiegt es mit ihrer schneeweissen hand
und braucht dazu gar kein wiegenband
Brentano ges. schr. (1852) 5, 66.
bildlich (vgl. wiege 2 a β und γ):
kaum ist dein heldengeist dem wiegen-band entgangen,
als dich dein hoher muth auf hohe thaten weist
Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. (1697) 5, 130 Neukirch;
als wäre vom wiegenbande an auf oberconsistorialräthe, oberburgermeister und geheimderäthe gerechnet Hermes f. eltern u. ehelustige (1789) 1, 46; die absicht ..., sich endlich vom wiegenband der deutschen verwaltung zu lösen A. Zweig einsetzg. e. königs (1950) 277.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1547, Z. 12.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
wiedertritt wildendivie
Zitationshilfe
„wiegenband“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wiegenband>.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)