Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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wiek1, f.

¹wiek, f.,
'bucht'. verbreitet in den sprachen des Nord- und Ostseegebietes: ags. wíc, engl. dial. wick, wich, isl. vík, dän. vig, schwed., norw. dial. vik, mnd. wīk, nl. wik (Hellquist svensk etym. ordb. ³1341). wieweit die deutschen belege auf entlehnung aus dem skandinavischen beruhen oder altererbt sind, ist schwer zu bestimmen, s. dazu und zur scheidung von wiek, m., 'vicus' Th. Frings in PBB 65 (1942) 221—226. germ. grundform *wīkō zu wīken, also 'die zurückweichende' oder 'die biegung', vgl. bucht zu biegen sowie Walde-Pokorny 1, 235; Pokorny 1130. wiek ist in der schriftspr. der gegenwart (seemannssprachlich s. Kluge 832 f., Eichler v. bug z. heck [1954] 466) und in nd. maa. (s. u. a. Stürenburg ostfr. 330, Doornkaat Koolman ostfries. 3, 548, brem.-nieders. wb. 5, 255, Möller Sylt 300ᵇ, Mensing schlesw.-holst. 5, 630, Frischbier pr. 2, 469) bezeugt, wird jedoch fast nur noch als flur- und ortsname gebraucht (Putziger, Prorer, Potenitzer Wiek, s. Bach ortsnamen 1, 290 u. bes. 2, 357). nur gelegentlich lexikalisch verzeichnet: sinus ein wyck Chyträus nomencl. (Rostock 1585) 73; sinus maris Balthici Danzker wiek Stieler stammb. (1691) 2529; 'die wiek, plur. die wieken, ein völlig niederdeutsches, im hochdeutschen unbekanntes wort' Adelung 5 (1786) 219; wick Voigt hdwb. f. d. geschäftsführung (1807) 2, 565; als veraltet bei Campe 5 (1811) 714ᵃ. vereinzelt in der (diminutiv-)form wiekel: am haffte oder wickel bei Denemarcken Chr. Entzelt cronica d. alten marck (1579) D 2ᵃ. zur synonymik vgl. Fr. L. Jahn bereicherung (1806) 81, Sanders wb. dt. syn. (1871) 734. für eine tiefer einschneidende bucht steht vereinzelt auch inwiek s. ebda und teil 4, 2, sp. 2151. literar. belege aus nd., bzw. dem nd. nahestehenden quellen; wiek bezeichnet meist eine kleinere, flachere einbuchtung der Ostseeküste: eyn schip vorghing vnde bleue in der Rybbenitzer wijk, dar se ere gudere ane hadden (1420) Lüb. urkundenb. 6, 320; so gij ock in eneme anderen juwem breue begeren vmme twee juwer borger schepe, wij se dessen winter ouer in der Nigesteden wijck to liggende gunnen (1465) ebda 10, 673; an de ander syde van der wyk nortost dar licht ene rudse (15. jh.) Koppmann seebuch 5, 2; wenn nun diser bergsafft ... hell vnnd glat wird, stoszen jn die stürmwind ... mit dem wasserschwal im Samland in etliche wicken oder hafen Mathesius Sarepta (1571) 56ᵇ; das vorland ... machte eine grosse vnd weite wike, zum fischfang gar bekwem vnd fuͤrtreglich Schütz hist. rer. Pruss. (1592) 1, B 1ᵃ; dann in dem ersten theil Africae sind zweene wiecken, zwar ungleicher groͤsse, aber fast einerlei eigenschaft W. v. Kalchus Sallust (1629) 213; dasz ein jeder fischmeister in seinem ampt uf die strom-fischerey und die kleinen garnen, so für den strömen und in den wicken fischen, damit die gebür davon geliefert werden möge, fleiszige ufsicht pflege (1640) corpus constit. Prutenicarum 2, 226 (vgl. dazu: 'in den wikken fischen, d. h. in buchten fischen' Hennig pr. wb. [1785] 300); südost zum osten von Eckholmen ein meil ist eine wyk, die Kasperwyk genannt wird Manson seebuch (1701) 13; die spitzen von Jasmund und von Wittow, welche beide länder durch ihre krümmung die wiek oder bucht bilden, lagen izt in einer beträchtlichen ferne hinter uns in der see Kosegarten rhapsodieen (1794) 2, 65.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1562, Z. 61.

wiek2, f., (n.)

²wiek, f. (n.),
ansiedlung, befestigter ort; nd. form zu lat. vīcus, s. weich, m. teil 14, 1, 1, sp. 474, z. t. verkürzt aus wiekhaus (s. d.), die gelegentlich in hd. texten auftritt. wohl zuvörderst als zufluchtsort aufgefaszt: wigk heiszt ein schlosz, refugium, hort, asylum bei Luther tischr. 5, 512 W.; vmb dessen willen ein solcher ort (den wir jetzt festung heissen) die alten Teutschen und Sachsen eine wicke nenneten Kirchhof milit. discipl. (1602) 10; wiek heisset ein flekk oder stätlein, darin sich die bürger und einwohner des ortes für gewalt enthalten Schottel haubtspr. (1663) 276; wiek et wick das refugium, asylum Stieler stammb. (1691) 2529; wig oder wich ein mit mauren verwahrter ort, darein man weichen können, wie zur see in einem sinum oder port Frisch t.-lat. (1741) 2, 433ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1563, Z. 48.

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Zitationshilfe
„wiek“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wiek>.

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