Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

wiek1, f.

¹wiek, f.,
'bucht'. verbreitet in den sprachen des Nord- und Ostseegebietes: ags. wíc, engl. dial. wick, wich, isl. vík, dän. vig, schwed., norw. dial. vik, mnd. wīk, nl. wik (Hellquist svensk etym. ordb. ³1341). wieweit die deutschen belege auf entlehnung aus dem skandinavischen beruhen oder altererbt sind, ist schwer zu bestimmen, s. dazu und zur scheidung von wiek, m., 'vicus' Th. Frings in PBB 65 (1942) 221—226. germ. grundform *wīkō zu wīken, also 'die zurückweichende' oder 'die biegung', vgl. bucht zu biegen sowie Walde-Pokorny 1, 235; Pokorny 1130. wiek ist in der schriftspr. der gegenwart (seemannssprachlich s. Kluge 832 f., Eichler v. bug z. heck [1954] 466) und in nd. maa. (s. u. a. Stürenburg ostfr. 330, Doornkaat Koolman ostfries. 3, 548, brem.-nieders. wb. 5, 255, Möller Sylt 300ᵇ, Mensing schlesw.-holst. 5, 630, Frischbier pr. 2, 469) bezeugt, wird jedoch fast nur noch als flur- und ortsname gebraucht (Putziger, Prorer, Potenitzer Wiek, s. Bach ortsnamen 1, 290 u. bes. 2, 357). nur gelegentlich lexikalisch verzeichnet: sinus ein wyck Chyträus nomencl. (Rostock 1585) 73; sinus maris Balthici Danzker wiek Stieler stammb. (1691) 2529; 'die wiek, plur. die wieken, ein völlig niederdeutsches, im hochdeutschen unbekanntes wort' Adelung 5 (1786) 219; wick Voigt hdwb. f. d. geschäftsführung (1807) 2, 565; als veraltet bei Campe 5 (1811) 714ᵃ. vereinzelt in der (diminutiv-)form wiekel: am haffte oder wickel bei Denemarcken Chr. Entzelt cronica d. alten marck (1579) D 2ᵃ. zur synonymik vgl. Fr. L. Jahn bereicherung (1806) 81, Sanders wb. dt. syn. (1871) 734. für eine tiefer einschneidende bucht steht vereinzelt auch inwiek s. ebda und teil 4, 2, sp. 2151. literar. belege aus nd., bzw. dem nd. nahestehenden quellen; wiek bezeichnet meist eine kleinere, flachere einbuchtung der Ostseeküste: eyn schip vorghing vnde bleue in der Rybbenitzer wijk, dar se ere gudere ane hadden (1420) Lüb. urkundenb. 6, 320; so gij ock in eneme anderen juwem breue begeren vmme twee juwer borger schepe, wij se dessen winter ouer in der Nigesteden wijck to liggende gunnen (1465) ebda 10, 673; an de ander syde van der wyk nortost dar licht ene rudse (15. jh.) Koppmann seebuch 5, 2; wenn nun diser bergsafft ... hell vnnd glat wird, stoszen jn die stürmwind ... mit dem wasserschwal im Samland in etliche wicken oder hafen Mathesius Sarepta (1571) 56ᵇ; das vorland ... machte eine grosse vnd weite wike, zum fischfang gar bekwem vnd fuͤrtreglich Schütz hist. rer. Pruss. (1592) 1, B 1ᵃ; dann in dem ersten theil Africae sind zweene wiecken, zwar ungleicher groͤsse, aber fast einerlei eigenschaft W. v. Kalchus Sallust (1629) 213; dasz ein jeder fischmeister in seinem ampt uf die strom-fischerey und die kleinen garnen, so für den strömen und in den wicken fischen, damit die gebür davon geliefert werden möge, fleiszige ufsicht pflege (1640) corpus constit. Prutenicarum 2, 226 (vgl. dazu: 'in den wikken fischen, d. h. in buchten fischen' Hennig pr. wb. [1785] 300); südost zum osten von Eckholmen ein meil ist eine wyk, die Kasperwyk genannt wird Manson seebuch (1701) 13; die spitzen von Jasmund und von Wittow, welche beide länder durch ihre krümmung die wiek oder bucht bilden, lagen izt in einer beträchtlichen ferne hinter uns in der see Kosegarten rhapsodieen (1794) 2, 65.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1562, Z. 61.

wiek2, f., (n.)

²wiek, f. (n.),
ansiedlung, befestigter ort; nd. form zu lat. vīcus, s. weich, m. teil 14, 1, 1, sp. 474, z. t. verkürzt aus wiekhaus (s. d.), die gelegentlich in hd. texten auftritt. wohl zuvörderst als zufluchtsort aufgefaszt: wigk heiszt ein schlosz, refugium, hort, asylum bei Luther tischr. 5, 512 W.; vmb dessen willen ein solcher ort (den wir jetzt festung heissen) die alten Teutschen und Sachsen eine wicke nenneten Kirchhof milit. discipl. (1602) 10; wiek heisset ein flekk oder stätlein, darin sich die bürger und einwohner des ortes für gewalt enthalten Schottel haubtspr. (1663) 276; wiek et wick das refugium, asylum Stieler stammb. (1691) 2529; wig oder wich ein mit mauren verwahrter ort, darein man weichen können, wie zur see in einem sinum oder port Frisch t.-lat. (1741) 2, 433ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1563, Z. 48.

wieche, m., f.

wieche, m., f.,
faserbündel; docht, lunte; scharpie.
A.
herkunft und form.
1)
zwei formenstränge laufen im germ. nebeneinander her: spätahd., mhd. wieche; mnd. wêke, weike, m., f. [daraus entlehnt dän. væge, schwed. veke, norw. veik(e)]; mnl. wieke, f., 'scharpie, docht, flügel'; nnl. wiek, f. dass.; fries. wjuk(ke), wjûk, wjok 'flügel' (zur bedeutungsentwicklung vgl. Franck-v. Wijk etym. woordenb. ²792); ags. wēoce, f., 'docht' mit einem auf germ. eu zurückgehenden stammsilbenvokal und ahd. wicha, wich; mhd. wicke; engl. wick 'docht, scharpie'; norw. vik, f., vikk(e), f. 'garnfitze' mit i als stammsilbenvokal. beiden formenreihen liegt nach Lidén studien z. ai. u. vgl. sprachgesch. (1897) 26 ff. die idg. wurzel *u̯eg- 'weben, knüpfen; gewebe, gespinst' zugrunde, zu der sich auch aind. vāgurā͏́ 'fangstrick, netz, garn', lat. vēlum 'segel, hülle, tuch, vorhang', air. figim 'webe' u. a. stellen, wobei germ. *wik- aus *wek- deren hochstufe (zur erklärung dessoweit nicht j-bildungen vorliegenschwierigen i vermutet Walde-Pokorny 1, 247; Pokorny 1117 einmischung der idg. wurzel *u̯eik-, *u̯eig-) und germ. *weuk- wohl eine reduplikationsbildung * u̯e-u̯g- fortsetzt; als tiefstufe dazu vgl. wocken (teil 14, 2, sp. 964f.). aus praktischen gründen werden die beiden formenstränge, die streng genommen zu trennen wären, hier unter einem stichwort behandelt.
2)
die auf germ. *weuk- (˃ ahd. *weocha, as. *weoka) zurückgehende, im dt. nur im sinne von B 2 und B 3 verwendete form begegnet mit verschobener tenuis zufrühest in: licinia wieche (12. jh.) ahd. gl. 3, 409, 61 St.-S. (zu B 3), mit unverschobener zuerst bei dem Limburger Heinrich v. Veldeke (s. unter B 2). in frühnhd. zeit bis zum beginn des 17. jhs. ist wieche im sinne von B 2, 3 (s. dort die belege) die herrschende form in literarischen und lexikalischen quellen des westmd. und angrenzenden obd., insbesondere der Frankfurter und Straszburger drucke. in den Kölner drucken gilt frühnhd. ebenso wie im mnd. (s. Schiller-Lübben 5, 657) in beiden bedeutungen die unverschobene k-form: tenta wieke (Köln 1507) Diefenbach gl. 578ᵃ (zu B 3; s. unter B 2 die belege aus den städtechron.). dem verbreitungsgebiet der auf germ. *weuk- zurückgehenden form und der verteilung von verschobenem und unverschobenem k innerhalb dieses gebietes im frühnhd. entsprechen die verhältnisse in den heutigen maa.: im südlichen hessischen, im pfälzischen, lothringischen, elsässischen und westl. schwäbischen gilt verschobenes wieche (in der bedeutung B 2), dagegen im moselfränkischen, ripuarischen, niederfränkischen (ebenfalls in der bedeutung B 2) und westlichen hess. wie auch im nd. (in den bedeutungen B 2 und 3) die unverschobene form (zur erklärung der bei diesem wort weit südlich der maken/machen-linie verlaufenden verschiebungsgrenze vgl. Frings Germania Romana [1932] 211). die verbreitung der bedeutung B 3 nur in mundarten mit unverschobener tenuis erklärt die eigentümliche erscheinung, dasz diese bedeutung von der mitte des 17. jhs. an in hochsprachlichen quellen fast nur noch in der hd.-nd. mischform wieke erscheint.aus schematischer umsetzung von mnd. weike in hd. lautung ergaben sich wohl diphthongische formen wie: linamentum ein weiche Trochus prompt. (1517) N 5ᵇ; weiche 'scharpie' (Stralsund, mitte 18. jh.) pomm. jb. 11, 106, wobei die volksetymologische anlehnung an weich 'mollis' mitgespielt haben mag. im obd. entstand die gleiche form bei schematischer umsetzung von wieche aus einer mhd. î nicht diphthongierenden ma. in eine diphthongierende: licmen dochte o. weyche (15. jh., obd.) Diefenbach nov. gl. 234ᵃ; waichenn (pl. 'scharpie') Braunschweig chirurgia (Augsb. 1539) 19ᵇ (vorlage: wiechen Straszburg 1497).
3)
bei den fortsetzungen von germ. *wik- im dt. ist zwischen den auf eine wgerm. -k-form und den auf eine wgerm. -kk-form (gemination vor ja- oder jō-stamm) zurückgehenden belegen zu scheiden.
a)
die wgerm. -k-form, die zufrühest in: lvcvbrum wich (12. u. 13. jh.) ahd. gl. 3, 159, 31 St.-S.; licinus daht vel wicha (13. jh.) ebda 29 (aber -ch- kann in diesen hss. für -kk- stehen!) erscheint, tritt im dt. nur selten undwie A 2 — nur im sinne von B 2 und B 3 auf: wiht (anf. 16. jh.; -t nach docht) Augsburger rätselbuch in: zs. f. dt. altert. 3, 32 (zu B 2 a); wichen (Frankfurt 1493) bei K. Bücher berufe d. st. Frankfurt 23ᵃ (zu B 2 b); (Mainz 1525) d. dt. bauernkrieg, aktenbd. 377 Franz (zu B 2 b); wiche Ryff thierb. Alberti Magni (1545) 32 (zu B 3); mundartl. vereinzelt im westmd.: viXən Lehnert stud. z. dialektgeogr. d. kr. Saarlouis 35; wiche, m. Askenasy Frankfurt 118 (zu B 2); wetterau. wiche, m. Weigand dt. wb. (1910) 2, 1259 (zu B 2, 3); mit unverschobener tenuis: we·k, f. Christa Trier 217 (zu B 2).
b)
die form mit geminiertem k erscheint als einzige in allen drei bedeutungszweigen. während für die bedeutung B 1 (wovon ²wickel abgeleitet ist, s. d.) frühnhd. belege selten sind und im sinne von B 2 ganz fehlen (s. jedoch unter wiechlein 2), ist B 3 bis ins 18. jh. reichlich bezeugt. mundartl. erscheint die form im sinne von B 1 z. b. im elsäss., schwäb., tirol., nordböhm., im sinne von B 2 nach dem material des DWA insbesondere im luxemb. und im westlichen hessischen, im sinne von B 3 im tirol., nordböhm. sowie bei Gieszen; sie ist landschaftlich also nicht so begrenzt wie A 2 und A 3 a.
4)
für die wortbedeutung B 1 (s. dort die belege) geben Hulsius u. Schottel mask. genus an, die mundartwbb. dagegen meist fem.; im sinne von B 2 (s. dort die belege) schiebt sich südliches mask., wie es frühnhd. in den Straszburger drucken gilt, gegen nördl. fem. vor wie es bei Heinrich v. Veldeke und frühnhd. in den Frankfurter drucken erscheint, so dasz heute, wie das material des Deutschen wortatlas zeigt, in den maa. mit verschobener tenuis (s. A 2, A 3 a) mask. vorherrscht, während sich das fem. auf die maa. mit unverschobener tenuis zurückgezogen hat. im sinne von B 3 (s. dort die belege) gelten frühnhd. und noch im 18. jh. ebenso wie im mnd. mask. u. fem. nebeneinander; allerdings verzeichnen die wbb. von Faber (1587) bis zu Adelung stets nur das fem.; dieses herrscht neben vereinzeltem mask. vorwiegend auch in den maa.
5)
alle unter A 2, A 3 a, b verzeichneten wortformen flektieren frühnhd. sowohl im mask. wie im fem. im allgemeinen schwach; dabei ist, besonders im elsäss., das -en der obliquen casus häufiger in den nom. sg. übergetreten: tenta ein wyechen gemma gemm. (Straszburg 1508) C 1ᵇ (zu B 3). daneben musz ursprünglich auch st. flexion gegolten haben, wovon der nom. sg. mask. ahd. wich (s. A 3 a) zeugt, während in frühnhd. formen wie lychimen ein wiech gemma gemm. (Hagenau 1510) o 5ᵇ ein -e des schw. nom. sg. apokopiert sein könnte. notwendig ist die annahme ursprünglich st. flexion bei der form A 3 b (s. d.), die einen ja- oder jō-stamm voraussetzt; vgl. den st. akk. sg. fem. wicke Paullini philos. feierabend (1700) 795 (zu B 3).
B.
bedeutung.
1)
faserbündel, insbesondere die zum abspinnen um den rocken gewickelte fasermenge (vgl. ²wickel 1 und wiechlein 1). schon im frühesten beleg (wie später mundartl.) bildlich vom haarschopf:
von irm (der hure) flachs hab ich ain wick.
er zoch in für, sprach: secht in da!
do was der zopff vor allter graw
erz. a. altdt. hss. 327 lit. ver.
nhd. nur vereinzelt lexikalisch und mundartlich bezeugt; sonst durch die ableitung ²wickel 1 verdrängt: wicke, wecke, lock m., vn floccon Hulsius-Ravellus t.-frz.-it. (1616) 408ᵇ; wikk, m., floccus Schottel haubtspr. (1663) 1443; wicke, f., in der hechelabtheilung der spinnfabriken eine handvoll werg, auch frosch genannt; rolle zusammengewickelten werges (wicke werg) Knothe Nordböhmen 542; wick, f., ineinanderhängende masse eines gespinstes, bes. von werg e wick wërg; übertr. unordentliches, verwickeltes haar, dicke haarsträhnen Martin-Lienhart elsäss. 2, 809; Fischer schwäb. 6, 752; wik, m. flachsbündel, wollbündel am spinnrad Schatz Tirol 705; d· Rosel sitzt bî dər wicke und spinnt was gîst was haͦst (Vorarlberg) d. dt. maa. 6, 117 Frommann.
2)
in der bedeutung 'docht' (a), zu der seit ca. 1400 'zündschnur, lunte' (b) tritt, bleibt das wort auf den westmd. sowie den angrenzenden obd. und nd. raum beschränkt (s. A 2, 3 sowie die genauen angaben zur heutigen verbreitung in den maa. unter B 2 a). die geographische begrenzung, die zersplitterung in verschiedene lautformen sowie — nach ansicht v. Bahders z. wortwahl in d. frühnhd. schriftspr. (1925) 59 f.vor allem das nebeneinander zweier (haupt) bedeutungen (B 2, 3) haben wieche 'docht, lunte' den eingang in die nhd. schriftsprache verwehrt. es ist dort wie synonymes obd.-südmd. zache (teil 15, sp. 10), zoche 2 (teil 16, sp. 14) von den stärkeren docht (s. dacht teil 2, sp. 668) und lunte (teil 6, sp. 1307) verdrängt worden.
a)
lampen-, auch kerzendocht (vgl. wiechlein 2 a): ahd. belege s. unter A 3 a;
dâ (in die lampe) was balsâmum in gedân
sô dûre end sô hêre,
dat et wal iemer mêre
brande ende gaf liecht
end enminnert iedoch niecht:
solîch was die wieke
die meisterde (schuf) ein krieke
Heinrich v. Veldeke Eneide 9521 Behaghel.
die wbb. des oben angegebenen sprachraums verzeichnen die wortbedeutung bis ins 18. jh.: licmen wiech (1440 md.) Diefenbach gl. 328ᵇ; cicindela zachen in der lampen vel wiech (15. jh.) ebda 117ᵇ; ellychnium ein dachte oder wiechen in der amplen Dasypodius dict. (1536) 59ᵇ; stupa ein wiech odder dacht, receptaculum, damit man die wiech herausz zeucht Alberus nov. dict. (1540) Kk 4ᵃ; dacht, wieche (Dortmund 1550) Schöpper synonyma 81ᵇ Schulte K.; papiro della candella, lucegnuolo wichen in der lampen oder kertzen Hulsius it.-t. (1618) 279; die wieche la mêche de chandelle, de lampe Schwan nouv. dict. 2 (1783) 1046ᵇ. auch die literarische bezeugung reicht vereinzelt bis ins 18. jh.: item scheitgin vur dat stuk in der amplen, da die weken in steent (1460/61, hospitalsrechn.) urkundl. beitr. z. gesch. d. st. Münstereifel 1, 147 Scheins; hie solt du machen siben wechen liehtes also lanc so du wellest. den ersten wechen solt du brennen in dez blickes ere, do unser frowe sant Maria sanctum Gabrielem ansach qu. v. 1461 bei Schmeller-Fr. bayer. 2, 835; (laterne, in der) die flamme also zu dem wiechen ist getemperiert ... das sie nit uszdrinkt das öle Straszb. quelle von 1505 bei Schmidt Straszburg 117; die flamm durch den wiechen das öl oder fette an sich zeücht Ryff anatomi (1541) J 1ᵇ; man soll ausz alten truckenen leininen lumpen wiechen machen, inn zerlassen vnschlitt teuchen ... vnd anzünden Sebiz feldbau (1579) 611; weyche die vorige seyl darinn vnd lasz sie darnach widerumb trucken werden, so hastu die wiechen oder dacht Wallhausen kriegss-manual (1616) 153; ich weisz, dasz die liebe, wie alles andre, der gewalt der zeit unterworfen ist, dasz sie in ihrer flamme selbst ein art von dacht oder wike hat, wovon sie endlich geschwächt und verdunkelt wird Wieland ges. schr. II 3, 476 akad.; eine selbstgemachte lampe ersezte das versehen. es war eine baumwollene wicke, die in einem trinkglase ... auf einem stücke kork in oel schwamm R. Chandler, reisen in Klein-Asien (1776) 33. seitdem lebt die bedeutung nur noch in den maa., von den maa.-wbb. vereinzelt als 'kerzendocht', häufiger als 'lampendocht' oder einfach 'docht' bestimmt: wieche, m. Autenrieth pfälz. 151; Follmann Lothr. 540; Schön Saarbrücken ²229; Meisinger Rappenau 231; Martin-Lienhart elsäss. 2, 784; Fischer schwäb. 6, 807; wîke, wicke (im westl. Hessen, während im östl. Hessen nur dâcht gebräuchlich ist) Vilmar Kurhessen 454; wiek, f. Schmitz Eifel 233; weick, wieck, f. Schmidt Westerwald 325; week, f. Hönig Köln 200ᵃ; vī:kə Hasenclever Wermelskirchen 52; wēke brem.-nieders. wb. 5, 222; Böning Oldenburg 130; waike, wêke, f. Woeste-Nörr. westf. 314; 319; wëck Rovenhagen Aachen 160; luxemb. ma. 482; wick 486. das mundartl. verbreitungsgebiet von wieche (einschl. der nebenformen) 'docht (der lampe)' lag 1939 nach dem material des Deutschen wortatlas innerhalb einer linie, die etwa von folgenden orten gebildet wird: Dalheim, Jülich, Euskirchen, Bonn, Krefeld, Rheinbach, Gelsenkirchen, Lüdenscheid, Drolshagen, Hilchenbach, Berleburg, Kirchhain, Grünberg, Butzbach, Nastätten, Kaub a. Rhein, bad Kreuznach, Darmstadt, Höchst, Eberbach, Brackenheim, Baden-Baden, Offenburg, Herbolzheim, Markirch. auf eine ehemals weitere verbreitung weisen streuformen, die in dem gebiet, das mit den städten Wiesbaden, Mainz, Frankfurt, Aschaffenburg, Steinau sackartig in den oben beschriebenen raum einschneidet, ferner östlich von Offenburg bis Freudenstadt sowie um Colmar besonders dicht liegen.
b)
zündschnur, lunte (vgl. wiechlein 2 b): (die brandstifter) wisten wiecken de si gelacht hadten (Köln, um 1400) städtechron. 13, 59; mach hinden ein wiechen darein als lang du wilt, demnach sich der (mit pulver gefüllte) pfeil baldt oder langsam anzinden soll Fronsperger kriegsb. 2 (1573) 217ᵇ; darnach musz man ein dünne wiechen machen, die an gemeldtes pulver stosse de Bry archelei (1614) 92. s. a. die mnd. belege bei Schiller-Lübben 5, 657 f. mundartl. kaum bezeugt: wick, f., zündschnur luxemb. ma. 486.
3)
spitzer, gedrehter pfropfen oder bausch zur wundbehandlung, in neuerer zeit meist aus scharpie (s. auch gleichbedeutendes meiszel 3, teil 6, sp. 1984 und weiszel teil 14, 1, 1, sp. 1205); mit dem fortschreiten der medizinischen wissenschaft im 19. jh. auszer gebrauch gekommen. die bereits in den ahd. gl. einmal belegte bedeutung (s. A 2) ist vom 14. jh. an durchgehend bezeugt (vgl. die mnd. belege bei Schiller-Lübben 5, 657 sowie wiechen, vb. und wiechlein 3): tenta wieke (14./15. jh.) Diefenbach gl. 578ᵃ; malagma wycke (15. jh., md.) 344ᵃ; epithema ein wiech in der wunden gemma gemm. (Straszb. 1508) i 1ᵇ; turunda ... die wicken, so man in eine wunden dreet vnd leget, si zu reinigen vnd heilen Faber thes. (1587) 896ᵃ; tasta ... ein wieche Hulsius it.-t. (1618) 407ᵇ; pannus ... eine wiecke Corvinus fons lat. (1646) 621; wiek, f., terunda Schottel haubtspr. (1663) 1443; wicke ... bey den balbieren turunda Steinbach dt. wb. (1734) 2, 991; die weiche, nieders. wieke Adelung 5 (1786) 125:
so sal he (der arzt) sine wikin
machin nach der smikin (wunde).
ist die wunde schibelecht (rund),
he macke ir ire wike recht
(hs. d. 14. jhs.) md. schachbuch in: zs. f. dt. altert. 17, 313;
szo du in der wunden alsso gesucht hast (nach fremdkörpern), szo mache ein wicken ader meisselnn von reinem flachs ader hanff (1460) Heinrich v. Pfolspeundt bündth-ertznei 60 Haeser-M.; (wenn) die wund eng were, von not gebürt sich die wund witer vff zuͦ sniden oder vff zuͦ thuͦn vnd daz geschicht in zwen weg. einer, das du machest meysseln oder wiechen von encian (1497) H. Braunschweig chirurgia 27ᵇ Klein; eyn wiechen oder zäpflin im safft genetzt vnd den weibern in jre scham gethon, bewegt vnd bringt den weibern jre blum Bock kreutterb. (1539) 115ᵇ; jst sie (die wunde) gehauwen oder gestochen, so musz das waffen herausser unnd alsdann wiechen darein drehen theatrum diab. 2 (1588) 288ᵃ; welches (umbringen) alsdenn leichtlich geschehen köndte, wenn er jm, als der sich des nichts besorget, einen vergifften wicken oder meissel in den schaden stecken ... köndte G. Klee berümter leut leben (1589) 2, 87; ein loth grünspan und ein ey, dieses zur salben gemacht und mit einer wicken in den schaden gesteckt M. Böhme roszartzney (1618) 85; mit der weile härteten sich die leftzen der wunde so aus, dasz der bauer das offene loch mit weichen läplin, die man wicken nennet, ausfüllete Chr. Richter spect. hist. (1661) 115; andere nehmen die blätter, nässen sie an, machen wicken davon Ettner v. Eiteritz mediz. maulaffe (1719) 94; der chirurgus machte mir alle tage einen wicken hinein (in die wunde) Laukhard leben u. schicksale (1791) 4, 438; aus einem deiner kopftücher machst du zwei grosze handvoll wieken (zur wundbehandlung) Kinkel erz. (1883) 447. vorwiegend ältere maa.-wbb. verzeichnen die bedeutung für das nördl. Hessen einschl. einiger angrenzender mundartgebiete, daneben auch für das nd., sonst nur vereinzelt: wieke, f., leinene fasel, die man in eine wunde legt, damit sie nicht vor der zeit heile Reinwald Henneberg 1, 195; Hofmann niederhess. 264; wîke, wicke Vilmar Kurhessen 454; weick, wieck, f. Schmidt Westerwald 325; weikᵉ, f. Bauer-Collitz Waldeck 112ᵇ; weke, f. Dähnert plattdt. 544ᵇ; wicke, f. Knothe Nordböhmen 542.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1493, Z. 29.

wieke1, f.

¹wieke, f.,
docht, lunte, scharpie. s. wieche, f.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1563, Z. 63.

wieke2, f.

²wieke, f.,
rosa canina L.: wiegen, wieken Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 646; (als veraltet) die wieke die hundsrose Campe 5 (1811) 714ᵃ; wiegen, wiegenstrauch, wieken Holl wb. dt. pflanzennamen (1833) 305ᵇ; wieken, in der botanik, so viel als hundsrose Krünitz öcon. encycl. 239 (1857) 25.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1563, Z. 64.

wieke3, f.

³wieke, f.,
name für ulmus sativa L. (s. Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 5, 620 reg.), nd. entsprechung von ahd. wīh 'populus, arbor albis foliis' ahd. gl. 3, 284, 65f. (12., 13./14. jh.; häufig ist das kompositum wichboum 'casia' Björkman zs. f. dt. wortforschg. 2, 220 [wenn hierher gehörig], nhd. weich(el)baum teil 14, 1, 1, sp. 485) = ags. wīc(e) 'cariscus', mengl. wyche 'ulmus', nengl. witchelm 'ulmus montana'; nach Falk-Torp 1360 'benannt nach seinen langen, herabhängenden zweigen', zu weichen: Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 646; die rauhe ulme ... sonst auch die kleinblätterige wasser- ... oder weisze rüster, die yper, urle, wieke Hoyer allg. wb. d. artillerie (1804) 1, 2, 239; wiecke Ostpr., Nieders. Pritzel-Jessen 420; wieke 'ahorn' Mitzka d. ahorn (1950) 38; 60.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1563, Z. 70.

wieke4, f.

⁴wieke, f.,
im ostfries. 'vom hauptkanal sich abzweigender entwässerungsgraben'; gleich mnl. wijk 'kanal, stichkanal, graben' Verwijs-Verdam 9, 2473, nl. ds. Frings PBB 65 (1942) 223 ff., wfries. wyk 'seitenkanal, hilfskanal in sumpfstrichen' frysk wurdboek 1, 583. das wort ist wohl ursprünglich identisch mit wiek 'bucht', s. Frings a. a. o. 225: eine wike von etwa 24 fusz breite, auf deren kante man häuser setzen kann, ist zum zwecke des torfstiches in das moor zu führen (aus einem entwässerungsprogramm des nördl. Emslandes von 1631) bei Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 158; 'wieke ist in Ostfriesland der schiffbare canal in der torfgräberey' Weber ökon. lex . (1838) 652; 'wike wasserleitung, canal' Krüger Emden 72ᵃ; 'die wieke als canal ist als eine ausweichung, ausbeugung vom flusse oder vom hauptcanale anzusehen' Stürenburg ostfries. 330ᵃ; Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 7, 931.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1564, Z. 11.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
wiedertritt wildendivie
Zitationshilfe
„wieke“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wieke>.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)