Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

wiemen, m., f.

wiemen, m., f.,
latte; lattengerüst im schornstein; sitzstange der hühner. aus lat. vīmen 'rute, flechtwerk' (zur idg. wz. u̯ei- 'drehen, biegen' mit m-formans, s. Walde-Pokorny 1, 225; Pokorny 1121; Kluge etym. wb.¹⁷ 860ᵃ) über rom. vime, f., mnl. wieme, wimme Verwijs-Verdam 9, 2449 (nl. wieme v. Dale n. gr. wb. ⁷2110ᵃ) ins mnd. (wime, m. Schiller-Lübben 5, 723ᵃ) gelangt, ist das wort noch heute auf weitem gebiet des nieder- und westmitteldeutschen lebendig (für die rhein. maa. s. Frings Germania Romana 182) und dringt in jüngerer zeit gelegentlich auch in die schriftsprache ein. als genus steht lange das fem., bes. für wieme und wiem, neben dem mask., das sich mit der form wiemen fast allgemein durchsetzt (der wiemen d. gr. Duden [Lpz. 1960] 750ᵇ). gelegentlich diphthongiert: mit auf dem weimen fliegen Henisch teutsche spr. (1616) 511; Campe 5 (1811) 645ᵇ; Mothes ill. baulex. (1882) 4, 471; wᵉīmᵉ (n), m. Bauer-Collitz Waldeck 112ᵇ; wȫim Böger Schwalenberg 168. wiemen ist seit dem frühen 15. jh. in wenigen nd. vokk., insbes. für suspensiva, bezeugt: wimen (15. jh., md., nd.), wyme (1425, nd.), (15. jh., md., obd.) Diefenbach gl. 569ᵇ; wime (15. jh., nd.) nov. gl. 357ᵃ; suspensiuus wime uel ase Engelhusius voc. (cod. Helmst. 457 von 1445) fol. 67ᵇ; siccinum wyme gemma gemm. (Köln 1507) bei Diefenbach gl. 532ᵇ; carnarium, locus vbi salsa caro suspenditur fleischwimme Apherdianus tyrocinium (Köln 1581) 68; wieme, wyme, fleisch-wieme, rauch-wieme Frisch t.-lat. (1741) 2, 447ᵃ (nicht bei Stieler, Kramer, Adelung); als veraltet bei Campe 5 (1811) 714ᵃ.
1)
gerüst im kamin, an dem fleisch und würste zum räuchern hängen (fleeschwiem Schütze Holstein 4, 360): eyn geslachtet veth swyn, wor dat hangede an eyneme wyme (1498) Reinke de vos 201 Leitzm.; 'die wieme das gerüst oder die balken in der feueresse' Hübner zeitungslex. (1824) 4, 933ᵇ; wiem Stürenburg ostfries. 330ᵇ; denn als ihr ein paar dänische soldaten die würste und schinken vom wiem holten, machte sie ihnen eine solche schande H. Löns der wehrwolf (1915) 79; wîmen, m. Woeste-N. westf. 325ᵃ. der das lattengerüst umgebende raum, die räucherkammer: das kalbfleisch stilt einem den speck aus den wiemen Petri d. Teutschen weiszh. (1605) M 4ᵇ; ebenso holte ich jeden winter ein gut stück speck aus dem wiemen Dincklage gesch. a. d. Emslande ²1, 199; die kneipenden lieszen sich butterbrote geben — der baron holte selber den geräucherten in der küche aus dem wiem und trug ihn wie eine fahne auf der gaffel ins eszzimmer Winckler Bomberg (1956) 72; wîme, f., rauchfang zum räuchern Woeste-N. westf. 325ᵃ.
2)
sitzstange(n) der hühner, auch der ganze, im stall oder auf der diele erhöht aufgehängte hühnerverschlag (oft in der zss. hühnerwiemen: do haben sich die uberste in den Hagen hefftigen entschuldiget ... und waren so schone und riene [midt orloff] als ein beschessen honerwime [1600] Münster. chron. 3, 163 Janssen; hoinerwîmen Schambach Göttingen 298ᵃ): und, weilen das hühnervolk schon aufgeflogen, trat er auch zu dem wiem, so er in der stuben hinter dem ofen hatte, und langete den hahnen herab (1843) W. Meinhold die bernsteinhexe (o. j.) 95; nein, nein, Rick, heute nicht, sagte der alte; der herr kommt schon mal wieder, und früher als die hühner auf die wiemen müssen (1885) Storm s. w. (1900) 8, 53. 'wîmen msc. in den nd. bezirken Hessens (Weser und Diemelbezirk) nur für hühnerhaus, hühnerstiege gebraucht' Vilmar Kurhessen 454. verbreitet mundartl. in wendungen (s. Wander sprichw.-lex. 5, 229) wie: mit den hönern to wyme flegen frühe zu bette gehen Richey id. Hamb. (1743) 374; mit de hön'r to wîm gaon Danneil altmärk. 247ᵃ; 'oft auf menschen übertragen: to wiemen gahn (kruppen) schlafen gehen' Mensing schlesw.-holst. 5, 632.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1566, Z. 51.

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Zitationshilfe
„wiem“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wiem>.

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