Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

wienach, adv.

wienach, adv.,
vermutlich analog gebildet zu wonach (vgl. teil 14, 2, sp. 1420). im 17. jh. bleibt es vereinzelt, nur in der bedeutung 'dasz' (vgl. wie I A 1 e) bezeugt:
und weil ich denn gewisz, dasz iede stunde mich
aus diesem leben rufft, dasz tag und nacht bezeuget,
wie stets (var. wienach) der arme mensch zu seinem grabe steiget;
so mach ich mich bereit
Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. (1697) 1, 237.
seit dem 18. jh. ist es satzeinleitend mit der bedeutung 'wieso', 'inwiefern' beleg (1). nur vereinzelt wird es in verbindung mit je nachdem relativ gebraucht (2). von den lexikographen verzeichnen es Adelung 4 (1801) 1539 und Campe 5 (1811) 714ᵃ. in den mundarten wird es in der bedeutung 'warum' für das obersächs. bezeugt (s. Müller-Fraureuth obersächs. 2, 665ᵇ). heute nicht mehr üblich.
1)
wienach verlangt eine nähere begründung oder erklärung einer aufgestellten behauptung.
a)
einleitend in direkten und indirekten fragesätzen: wienach soll denn herr Simon an jungfer Lorchen denken? Gellert s. schr. (1839) 3, 171; wienach meinen sie (anrede) denn, dasz er recht haben könnte? Heynatz antibarb. (1796) 2, 639; die leidenschaften verlangten, ich sollte ein jesuit werden; die vernunft fragte, wienach sie so etwas zugeben könnte Jean Paul w. 4, 108 Hempel; das bild, ja das urbild der kirche sehen wir wohl in Jesu; aber wienach sind denn die Pharisäer ein bild der welt? Löhe sommerpostille (1848) 121ᵃ.
b)
alleinstehend vertritt esähnlich wieso — einen fragesatz, beispielsweise: kann ein sterblicher, kann ein ich im feuchten erdenklosz, den der tod bald zu staub austrocknet, mehr in einer woche fordern, als Fixlein in sein herz einschöpfte? ich sehe nicht ein, wienach Jean Paul w. 3, 123 Hempel.
2)
nur vereinzelt relativ gebraucht in der wendung wienach — je nachdem: das ist wohl ein gutes zeichen? — wienach du's aufnimmst, je nachdem du dich beträgst, versetzte jener Göthe I 24, 233 W.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1567, Z. 54.

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Zitationshilfe
„wienach“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wienach>.

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