Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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wiener, m.

wiener, m.,
ableitung zum ortsnamen Wien als bezeichnung für den einwohner der Donaustadt; aus dem gen. plur. entwickelt sich der attributive gebrauch zur kennzeichnung von herkunft oder entstehungsort zahlreicher dinge, so etwa: Wiener mandel-brot, s. mandelbrot auf Wiener art (sp. 2016) frauenz.-lex. (1773) 2, sp. 3863 Wiener rueben erdäpfel Schmeller-Fr. bayer. 2, 933; Wiener schnitzel teil 9, sp. 1361; Wiener schnitzel v. Dale nieuw gr. wb. ⁷2110ᵃ; Wiener (schlechthin) bedeutet auch s. v. a. ein wienerischer eleganter wagen Schiffner allg. dt. sachwb. 10 (1831) 368ᵇ; Wiener s. v. a. Wiener walzer, ein tanz im 3/4 tacte, dem walzer bis auf das viel schnellere tempo ähnlich; ihn tanzen h. auch wienern ebda 369ᵇ; Wiener ein schneller tanz Mensing schlesw.-holst. 5, 635; Wiener würstchen d. gr. Duden (Lpz. 1960) 750ᵇ. vgl. die zusammenrückungen unten. vom 12. bis 16. jh. in Wien geprägte münze (vgl. Halke hdwb. d. münzkde [1909] 388ᵇ); zunächst attributiv in verbindungen wie Wiener münz, Wiener pfennig (s. Schmeller-Fr. bayer. 2, 932; auch in der schreibung Wienerpfennig Luschin v. Ebengreuth allg. münzkde ²264): vnd hat ir (einer gewidmeten hofstatt) aufgesaczt ze dienst vnser vrawen ein phenning geltes Wienner münz an sant Jorgentag (1333) urk.-buch d. stiftes Klosterneuburg 247 Zeibig; ain fuͦder waichs salz gebn suͤllen und muͤgen um siben pfenning Wienner (1381) Lori slg. d. baier. bergrechts (1764) 16ᵇ. daraus elliptisch als bezeichnung einer unterwertigen münze (vgl.: [der] Wiener pfennige ... gehalt verschlechterte sich ... so weit, dasz ihnen der spottname schinderlinge beigelegt wurde Halke a. a. o.): triens, triuncius ein schwarz pfening oder helbling (var. Wiener) (1566) Aventin s. w. 4, 1, 402 bayer. akad.;
der den herren um hilfft stossen, dieser ist ein treuer diener;
der den herren auff hilfft heben, dieser gilt nicht einen Wiener
Logau s. sinnged. 331 lit. ver.;
gestarn kom der Mettelwälder diener,
on ich hott flugs nech en blutga Wiener.
marne sell wer Jörgaszens bezohla;
d'r omtmon hot geflucht on a geschola
(1817) Fr. Schönig glätzische ged. 22 Langer.
auch: 'unter Wiener werden Wiener gulden österreichischer währung verstanden; keine Wiener, keine diener; keine kreuzer, keine Schweizer' Wander sprichw.-lex. (1867) 5, 230. —zusammenrückungen (neuerdings ist getrenntschreibung regel; s. die zahlreichen zss. im dän., u. a. Wienerbrød, -herre, -kalk, -schnitzel, -vogn ordb. ov. d. danske spr. 26, 1431f.): —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1568, Z. 21.

wienern1, vb.

¹wienern, vb.,
Wiener dialekt sprechen: der Mephisto lag ihm, hier war er in seinem element. nur etwas weniger wienern hätte er vielleicht sollen weltbühne 3 (1957) 88.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1570, Z. 20.

wienern2, vb.

²wienern, vb.,
'putzen, wichsen'. zunächst nur 'weiszes lederzeug mit Wiener kalk (s. o.) bestreichen', dann auch wichsen mit verschiedenen putzmitteln (vgl. Kluge etym. wb. ¹⁷860); wohl aus der soldatenspr. in die umgangsspr. eingedrungen. literarisch häufig erst in jüngster zeit (wienern Horn soldatenspr. [1899] 76; wienern putzen [Dresdener soldatenspr.] Müller-Fraureuth obersächs. 2 [1914] 665ᵇ; 'wienern [vīnan] soldatenspr.' Mensing schlesw.-holst. 5, 635): gestern war der kronprinz Rupprecht v. Bayern hier in unserer stellung. den tag vorher hatten wir nach noten 'gewienert' wie bei einer friedensbesichtigung Ernst Lange hauptm. Willy Lange (1934) 95; die eszschüssel musz ich auch noch wienern, sonst kotzt Rusch mich an. putzpomade —? besorgt mir Ernst (1934) Fallada blechnapf (1955) 7; Carl hatte knöpfe und koppelschlosz blitzblank gewienert (ausg. 1955: geputzt) Bredel söhne (1953) 90; neue technik beim fensterputzen in den Mailänder straszen. auf fahrbarer plattform mit tretwinde werden die scheiben von Montecatini, dem chemie- und bergbaukonzern, gewienert Berliner ztg. (24. 6. 56) 2. beil.; Stackelberger wienerte seine stiefel aufbau 6 (1957) 596. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1570, Z. 23.

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Zitationshilfe
„wienern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wienern>.

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