Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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wippe2, f., älter auch m.

²wippe, f., älter auch m.;
zur wurzel idg. u̯eib- 'drehen', entsprechend md.-nd. wippen (s. dort) bzw. wîpen (s. weifen); nur mnd. und nd. bezeugt, als technischer ausdruck in den formen wippe und wiepe schriftsprachlich geworden; anscheinend stand ursprünglich ein m. wîpe neben dem f. wippe, die kontaminationsformen erzeugt haben können; etymologisches s. unter wippen; formal vergleicht sich dem f. wippe unmittelbar got. wipja, schwed. vippa 'bündel, blume, büschel'; zu der î-form vgl. ags. wīpian, mhd. wîfen 'winden, schwingen' und ahd. wîffa, wîfa 'reisigbündel' als gemarkungszeichen, s. Graff 1, 784, mhd. wîfe mhd. wb. 3, 625ᵃ. hauptbedeutung ist seit alters 'aus pflanzlichen stengeln geflochtenes bündel, strohbündel, reisigbündel', vgl. got. wipja 'kranz', mnl. wipe fax Diefenbach gl. 228ᵇ, mnd. dorne wypen spinarum fasces Schiller-Lübben 5, 736, wyp van holt of van stroe lanck gebunden v. d. Schueren Teuthonista 319 Cl.; dem mnl. entlehnt in frz. guipon Meyer-Lübke rom. etym. wb. 798ᵃ. mundartlich nd. verbreitet, vgl. wipe, wîp, m., 'bündel, büschel' Doornkaat-Kollman 3, 557ᵃ; wiepe, f., Schütze holst. 4, 360; wîpn, f., Danneil 248; wype, f., 'geflochtener strohwisch' Richey idiot. hamb. 340; wîpe, f., 'strohbündel' Frischbier preusz. wb. 2, 473 u. s. w.; komposita strôwîp, hedewîp 'wergbündel', nerswîp 'arschwisch', schürwîp 'scheuerwisch' bei Doornkaat-Koolman a. a. o.: stek enen wip stroes in enen budel also grot alse eyn henneney Rostocker arzneibuch (15. jh.) 68ᵇ bei Schiller-Lübben 5, 736; als zeichen einer schenke ausgehängt: dede wol deyd, darf nenen wyp uthenghen Kieler mscr. nr. 114, fol. 22 ebda; unde stecket einen wyp stro mit vüer in den oven Nicol. Gryse leienbibel (1604) 92; anders, von der quastenähnlichen form der wippe 'geschosse an der haferähre' Schütze holst. 4, 366, vgl. dän. vippe 'ähre'; 'geflochtenes reisigbündel, faschine', vgl. ahd. wiffa, wifa (s. o.): de domprovest sy disem holting ein bistender ..., sine kohlgarten mit wipen, roden, stacken tho beteren in deser marcke berechtiget (v. j. 1558) weisth. 3, 320; schriftsprachlich als technischer terminus für eine art faschine, vgl. wippe, f., 'wippe beim krippen der fluszufer' Woeste westf. 326ᵃ, Fischer schwäb. 6, 1, 859 (lehnwort): würste (waaschen, waasen, wippen, wiepen, bandfaschinen, ankerfaschinen) sind lange dünne faschinen ... aus schlankem reise Eytelwein faschinenwerke (1800) 8; wippe, ein strauchbündel Lueger 7, 950; wiepe faschinen oder bundbusch Benzler deichbau 2, 280; 'strohwisch' als verbots- und grenzzeichen: es werden wiepen ausgestellt, die gefechtsfelder ... im voraus bestimmt Wilhelm I. milit. schr. 2, 267; strohbündel des strohdaches: wo der first eingerückt war, hing die dachung in langen wiepen herunter Fontane ges. w. I 2, 440.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1937), Bd. XIV,II (1960), Sp. 516, Z. 12.

wiepe1, f.

¹wiepe, f.,
'strohwisch', s. ²wippe, f. teil 14, 2, sp. 516.,
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1570, Z. 51.

wiepe2, f.

²wiepe, f.,
name der hagebutte. unbekannter herkunft; falls wie ¹wiepe (²wippe) zur idg. wz. u̯eib- 'winden, drehen', müszte die hochdeutsche form aus dem nd. stammen, oder p stünde für pp; schriftsprachlich vorwiegend mit länge des stammsilbenvokals, in den maa. in mannigfachen formvarianten, die miszverständnis und umdeutung erkennen lassen, u. a. wigeldorn, wipe, wiepken, wiepeldorn, wiebkenstruk, wiebchen, weibros, s. die synonymenliste zur karte heckenrose in: dt. wortatlas 3, 20ᵇ.
1)
für rosa canina L. 'hagebutte', s. Marzell reg. 620. auch in der (dimin.-)form wiepke, ns. wibelken; s. weiter ²wippchen teil 14, 2, sp. 513. zunächst, ähnlich wie hagebutte, wohl nur für die frucht: hiervon (hundsrosen, kornrosen) werden gebraucht die früchte, so man hambutten, hagebutten, wipen, hieffen ... nennet Pancovius herbar. (1673) 148;
ach! wie oft gedenk' ich doch ...
an die wiepke, welche steigt
aus der rose selbst hervor
Zesen Prirau (1680) 604;
wiepe, frucht des wilden rosenstocks Zincke allg. öcon. lex. (1744) 3204; 'hage-butte, hagen-butte, ... anderswo hiefe oder wiepe genannt, ist die bekannte frucht des hagedorns oder wilden rosen-stocks' Noel Chomel öcon.-physic. lex. (1750) 5, 60; 'die wiepe in den gemeinen sprecharten die samenkapsel des rosenstrauches oder eine hagebutte' Adelung 5 (1786) 219. die ganze pflanze (auch wiepenstrauch Zschokke s. ausg. schr. [1824] 11, 230; wiepkedorn, wiepeldorn, s. Marzell reg. 620; wiepeldorn u. wiepdorn Mensing schlesw.-holst. 5, 636): garten-wiepen, an welchen die fruͤchte fast so grosz als castanien sind Marperger vollst. küchen- u. kellerdict. (1716) 443ᵃ; wiegenstrauch, wipen, hetschepetsch Schkuhr botan. hdb. (1791) 2, 48; wiepen, wiepchen Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 646; die wiepe die hundsrose, hagebutte Campe 5 (1811) 714ᵇ; wiepen Metzger pflanzenkde (1841) 767.
2)
rosa villosa L.: wiepen, wiepchen Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 646; wiepe so viel als zottige rose Krünitz öcon. encycl. 239 (1857) 32; wîpe hagebutte, frucht der weichhaarigen rose Frischbier pr. wb. 2, 473.
3)
fraglich ob im zusammenhang mit 1 und 2, ulmus campestris L. (s. Marzell reg. 620): weiszrüster, wiepe Holl wb. dt. pflanzenn. (1833) 310ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1570, Z. 52.

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Zitationshilfe
„wiepe“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wiepe>.

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