Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

wierig, adj.

wierig, adj.,
beständig, langandauernd; fest. ahd. uuirig, mhd. wiric; lautgesetzlich richtige (wie ergiebig zu geben) ableitung von uuerên (mhd. wern) permanere, durare (s. währen teil 13, sp. 791), neben der werig analogisch den vokal des vbs. enthält (so Schatz ahd. gramm. § 7); s. Pokorny 1171. zufrühest bei Notker (6 belege neben dreimaligem uuerig) bezeugt, stehen die beiden formen noch im mhd. und frühnhd. etwa gleich häufig nebeneinander; in neuerer sprache tritt währig (s. währig 3 teil 13, sp. 923, vgl. auch währhaft ebda 822) fast gänzlich zurück, während wierig (bis ins 17. jh. gut belegt) noch in zss. (bes. langwierig teil 6, sp. 185; auch lebenswierig ebda 458) lebendig bleibt. in hist. wbb. seit dem 15. jh. und entsprechend der literarischen bezeugung bis ins 18. jh.: werig, var. wyrick (ende 15. jhs.) Diefenbach gl. 541ᵃ s. v. solidus; aeuum pati wirig sein vnd bestendig Cholinus-Frisius dict. (1541) 42ᵇ; perpetualis allgemein und stäts wirig Calepinus XI ling. (1598) 1071ᵇ; wierig idem qvod waͤrhaft solidus, durabilis, durans, stabilis, immutabilis Stieler stammb. (1691) 2417; wirig, waͤrhafftig durabile Rädlein t.-it.-frz. (1711) 1066ᵃ; wierig durans Wachter gl. (1737) 1898 (nicht bei Adelung und Campe).
1)
'dauerhaft, beständig', von geistigen und religiösen werten im gegensatz zu vergänglichen: scientia enim uidetur esse permanentium et eorum que difficile mouentur chúnna sint îo uuirîg unde infarent manne unsamfto Notker 1, 449 Piper u. ö.; flizz und wizze, die du do verkertest uf daz zitlich, — daz solt du nu keren uf daz, daz do ist wirig und ewig Seuse dt. schr. 362 Bihlm.; die vollkommen, gantz und wirig ehr der leicht (leiche) steht inn der menschen gemuͤtter, und nicht im pracht der bestattung Bruno de instit. christ. feminae (1566) 97ᵇ. in allgemeiner verwendung (attributiv und adverbial) mit geringen bedeutungsnuancen: gech vnd vngestüm ist des püfels rede, aber aller minst wirig Niclas v. Wyle translat. 319 Keller; ob ein mensch ... so unweisz und grob waͤre, dz er meinte der fürsten freüntschafft würig oder staͤt wesen, der gedencke ... Steinhöwel spiegel menschl. lebens (Augsb. 1479) 11ᵇ;
daruͤmb wer wirig herschen will,
der soͤll sich fleyssen tugent vil
Johann v. Schwarzenberg teutsch Cicero (1535) 113;
forcht, als Cicero spricht, nicht ein würiger meister ist seins ampts, dann so bald die forcht ab ist, so bald hoͤrt auff die gehorsame A. Hug rhetorica u. formulare teütsch (1540) 48ᵃ; solche gunst ist aber nicht waar und wierig herrengunst (1566) 80ᵇ;
darum ade du lange zeit,
da uns der tod den eid zerschneid,
sollt ich bei dir stets wierig stehn,
und niemahls zu freunden gehn
Männling poet. blumengarten (1717) 565.
2)
'langandauernd', von zuständen und vorgängen (bes. krankheit und streit), der mod. bedeutung von langwierig entsprechend: du solt ... dir selb och ein vaht nemen, daz du wol mugest erzúgen mit dinem kranken libe, daz dú untugend in dir sterbe und mit dem libe lang lebest. daz ist ein wirigir übunge und ist dir daz beste Seuse dt. schr. 107 Bihlm.; so sind auch etlich ursachen, die ainen von der burdin der formunderschaft entschuldigen und entheben mogen, ... wirige kranckheit (1513) urkundenb. d. st. Heilbronn 3, 348; die pferd hette m. h. von Waldeck auch gern heimgesandt, so haben wir doch nit konden uns einer wierigen handlung hie getrosten, wie e. f. g. auch derhalben selb nit hat vor gut angesehen, inen ein eigne kosthaltung anzurichten Bucer an landgr. Philipp (15. 3. 1546) in: publikationen aus pr. staatsarchiven 28, 412; kamend si vor Wurmsz an einer höchi zuͦsamen, die man den Hasenbühel nent, und nach langem und wirigem streit lag küng Albrecht ob, und ward Adolf erschlagen J. v. Watt dt. hist. schr. 1, 397 Götzinger; a wîriga kranket Lexer Kärnten 258.
3)
als 'fest, haltbar' von konkreten dingen: die aber da hant die stainin tavela reht als der stain da herte ist und wirich und wol hertet altdt. pred. 2, 87 Grieshaber; anno domini 1519 hat er (Jakob Fugger) für hausarm leut fast lange häuser gepauen, guͦt und wirig, nach allem vortail, mit hundert und vier feurstäten (Augsburg 1525) städtechron. 23, 168; sonder machen die zaͤn wackelen, unnd das sie nit so wirig bleiben M. Herr schachtafelen d. gesunth. (1533) Aa 4ᵃ; allda zaigten si den unsern ain marmelstaine geruͤst, vier stapffel erhoͤcht, mit wiriger und zaͤher erden zusammgefuͤgt A. Diether Ferdinandi Cortesii von d. neuen Hispanien (1550) 1ᵇ; die baͤche, welche mit festen und wirigen graͤben ausz dem Lech ... zu grossem der burgerschafft nutz und vortheil, in die statt geleitet seind E. Werlichius Augspurg. chron. (1593) 36;
wilt fellen holtz welchs wîrig bleib,
magst mercken wol auf mones scheib
Rebmann naturae magnalia (Bern 1620) 58.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1573, Z. 21.

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Zitationshilfe
„wierig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wierig>.

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