Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

wiesel, m.

wiesel, m.,
was weisel teil 14, 1, 1, sp. 1074f.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1592, Z. 60.

wiesel1, n.

¹wiesel, n.,
nach dem volksglauben eine durch ein wiesel verursachte euterkrankheit: 'wiesel milchabnahme bei tieren, die eine euteranschwellung haben' Höfler dt. krankheitsnamenb. 804ᵇ; 'wisile rauschbrand der rinder' Schatz Tirol 709.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1592, Z. 61.

wiesel2, n., (f. m.)

²wiesel, n. (f., m.),
mustela. gemeingerm. wort; ahd. wisula, wisala, mhd. wisele, mnd. wesel(e), wasele, ags. wesle, weosula, engl. weasel, mnl. wesel, nl. wezel, spätan. visla (in hreysi-visla, vermutlich aus dem dt., s. Fischer d. lehnwörter d. awn. 42), adän. væsle, dän., norw. væsel, schwed. vessla (aus dem dt. entlehnt ist die form visel).
herkunft und form. das im ahd. seit dem 8. jh. (uuisula ahd. gl. 3, 5, 66 St.-S.) bezeugte wort ist umstrittenen ursprungs (vgl. Murray 10, 2, 232ᵃ; ordb. ov. d. danske spr. 27, 983; Hellquist ³2, 1333ᵇ). gegen die verbreitete verbindung mit ai. visá 'gift', visra 'muffig riechend', gr. ἰός 'gift', lat. virus 'zähe flüssigkeit, schleim' zur idg. wz. -u̯eis- 'zerflieszen' (Walde-Pokorny 1, 244; Pokorny 304) erhebt das ags. einspruch, das auf urspr. e weist; derselbe einwand erhebt sich gegen Suolahtis (germanica [1925] 107f.) auffassung von wisula als eines diminutivs von *wisjo in ahd. uuiessa, nl. dial. visse 'iltis', s. H.-Fr. Rosenfeld PBB 80 (1958) 430f. u. anm. die deshalb von Wiedemann Bezzenbergers beitr. 27, 207 und Weise zs. f. dt. wortf. 5, 252 vorgeschlagene verbindung mit asl. veselь 'fröhlich' (vgl. dazu die tabubezeichnungen für das wiesel bei Rohlfs an den quellen d. roman. spr. [1932] 8 f.; Nitsche wiss. annalen 4, 742 f.) wird aber von Vasmer russ. et. wb. 1, 191 f. ohne angabe von gründen abgelehnt. wiesel steht in ahd. glossen seit dem 8. jh. (s. oben) durchweg für lat. mustela: vuisala (10. jh.) ahd. gl. 2, 9, 52 St.-S.; vuisela (11. jh.), wisela (13. jh.), vuisala (10. jh.), wisala (12. jh.), wisila (12. jh.) ebda 1, 348, 48; wîsela (11. jh.), wisela (12. jh.) ebda 3, 280, 55; wisila, wisela, wisele (12. jh.) ebda 3, 247, 28. literarisch erst seit dem 13. jh. vielfältig sind die wortformen in den maa. auszer der qualität und länge des stammvokals wechselt bes., zumeist wohl unter einflusz der verschiedenen diminutivformen (s. wieselchen, wieselein, wieserl) der wortausgang. dabei ist nicht zu entscheiden, ob es sich bei der geläufigen form wiesele (meist mit abschwächung der nebensilbenvokale) um reflex des ahd. wisala oder verkürzung des an wiesel neu hinzugetretenen suffixes -lein handelt: wisələ Lenz Handschuhsheim 77; 's wiseli Seiler Basel 317ᵃ; wisilə Meisinger Rappenau 232; wissele Schmidt Straszburg 117ᵇ; wîsele Spiess Henneberg 283; wisel (kurzes i) Hönig Köln 169. md. dialekte zeigen e als stammsilbenvokal: wesel Hertel Thür. 258. mit diphthongiertem stammvokal: wiəsel Woeste-N. westfäl. 323ᵃ. nd. fast durchweg wesel (wessel): waͤsel Dähnert plattdt. wb. 547ᵃ; vezəl Block Eilsdorf 101ᵃ; wesel Mi Mecklenburg 106ᵇ; wesel, wessel, wissel Schumann Lübeck 2; wessel Mensing schlesw.-holst. 5, 603. mit vokalschwund der zweiten silbe: wäs'l auch wess'l Danneil altmärk. 243; we̜zl Hentrich Eichsfeld 84; wies'l Hügel Wien 189; wîsl, wîslɛ Schatz Tirol 709. schles. wieslich: Stauf v. d. March Nordmähr. 96; wie a wieslichen Gerhart Hauptmann die weber (1892) 34. vereinzelt wies, m.: Unger-Khull steir. 633ᵃ. mit abfall des -(e)n der diminutivendung: wisselche Crecelius Oberhessen 915; wisselk Mensing schlesw.-holst. 5, 670. ältere nd. ma.-wbb. verzeichnen aus weselke(n) kontrahiertes wesk: Richey id. Hamburg. (1743) 428; Schütze Holstein 4, 357. als plural erscheint bis in neuere zeit wieseln, wieselen: von den wiselen Herr feldbau (1551) 158ᵇ; wiseln Sebiz feldbau (1579) 101; füchs, wieseln Prätorius glückstopf (1669) 61; iltisse und wieseln Döbel jägerpractica (1754) 1, 32; wieseln und feldmäus Göthe I 39, 143 W.; ebda 29, 58. -er-plural: veseler Henry dial. alaman de Colmar 239. endungsloser plur. jedoch auch schon seit dem frühnhd., konsequent erst seit der 2. hälfte des 19. jhs.: wyssel vnd loͤwen Paracelsus chirurg. bücher u. schr. (1618) 406ᴬ; ratzen, wisel, wandleus Schweigger reyszbeschr. (1619) 52; die iltisse und wiesel Fleming vollk. teutscher jäger (1719) 328;
und wären wiesel mit im spiele
Göthe I 1, 183 W.
zum genus (vgl. H. Paul dt. gramm. 2, 123): ahd. und mhd. durchweg fem., daneben seit dem frühnhd. mit zunehmender häufigkeit neutr. (zuerst 1522 Luther 10, 1, 1, 562) und mask. (auffallend oft im 17./18. jh., nicht in der literatur des 19. und 20. jhs., jedoch noch verbreitet mundartl.). das durch die geläufigen diminutiva wieselchen, wieselein und bes. wiesele geförderte neutr. steht vom 16. bis 18. jh. etwa gleich häufig neben dem fem. (belege im 16. jh. 3 : 5, im 18. jh 5 : 3) und setzt sich seit dem 19. jh. in der schriftsprache fast ausnahmslos durch (Adelung 5 [1786] 220 setzt das neutr. an und vermerkt für die 'nd. provinzen' das fem., aber noch Braun gramm. wb. [1783] 306ᵃ: 'die wiesel, nicht der und nicht das wiesel'). die maa. spiegeln die unsicherheit im genus noch weithin wider, wenn auch fem. und mask. an geltung zu verlieren scheinen und diminutivformen überwiegen. wiesel (f.) flektiert mhd. und noch lange nhd. im sing. sw. (an der wiseln ist allez vergift Konrad v. Megenberg buch d. natur 152 Pf., s. weiter meister Eckhart u. 1).
bedeutung und gebrauch. wiesel, auch kleines wiesel, mauswiesel ist vorwiegend (so schon ahd., s. Palander d. ahd. tiern. 62; G. Nitsche in: wiss. annalen 3 [1954] 742) bezeichnung für mustela nivalis L.; daneben steht das wort in der adjektivverbindung groszes wiesel und in kompositen wie hermelinwiesel (teil 4, 2, sp. 1115), bergwiesel, königswiesel für mustela erminea (hermelin teil 4, 2, sp. 1113): mustela haizt ain wisel ... daz tierl ist zwairlai: ainz grœzer, daz ander klainer (um 1350) Konrad v. Megenberg buch d. natur 152 Pf.; 'das bergwiesel eine art wiesel gebirgiger gegenden, welche unter dem nahmen des hermelines am bekanntesten ist' Adelung 1 (1793) 880; 'das hermelin, die hermelinwiesel, berg-wiesel, weisze wiesel oder königswiesel, im nieders. harmke, hermelke, ist eine art wiesel, welche ganz weisz und nur an der äuszersten spitze des schwanzes ein wenig schwarz ist' Krünitz öcon. encycl. 23 (1781) 59; das hermelin, das grosze oder königswiesel Berghaus sprachschatz d. Sassen 1 (1880) 684; 'zuweilen groot wessel hermelin' Mensing schlesw.-holst. 5, 603. auch für mustela lutreola L.: sumpfotter, krebsotter, wasserwiesel d. gr. Brockhaus 12 (1932) 120ᵇ. vereinzelte übertragungen: wîsile die eidexe lacerta agilis Hintner Tirol 107; wîsɛle (Defr.) eidechse Schatz Tirol 709; wîsile auch von lebhaften kindern Hintner Tirol 107; wiisəli flinker, schnellfüsziger knabe Bergmann Ochsenfurt 22. zahlreich sind bezeichnungen, die dem volksglauben und den besonderheiten des tieres ihre entstehung verdanken, wie gevatterle, mühmlein (teil 6, sp. 2647), schöntierlein u. a. (s. Schott d. wiesel [1935] 24 f.; hdwb. d. dt. abergl. 9, 579f.; M.-L. Rosenthal in: dt. jb. f. volkskde 4 [1958] 164f.). andere dt. bezeichnungen für mustela nivalis; landschaftlich und in älterer sprache insbesondere diminutivformen von harm (hermelin): hermchen im Osnabrückischen Campe 2 (1808) 652; harmle Lexer Kärnten 1862; hermelchen rhein. wb. 5, 186; hermelinchen neuzeitl. wiesel Frederking Hahlen 53ᵇ. umgedeutet aus härmchen ist heermännchen (teil 4, 2, sp. 759), vgl. die anm. Bechsteins: 'ich gebe der kleinen wiesel diesen thüring. namen, weil ich ... weisz, dasz durch die benennungen grosz und klein ... gar zu leicht verwirrung entsteht' naturgesch. 1 (1789) 305.
1)
in literar. belegen älterer zeit läszt sich das wort zoologisch oft kaum näher bestimmen. wie hermelin (s. oben) für das wiesel galt und in maa. noch gilt, bezeichnet wiesel auch das hermelin. klare scheidung erfolgte erst in der neueren fachsprache, in der wiesel, mauswiesel mustela nivalis bezeichnet:
der helle basiliscus
schaden vil von dir (Maria) begreif:
din tugent schuof daz uf in sleif
des todes hagel und sin risel.
bi dir bezeichent ist diu wisel
diu daz hermelin gebar,
daz den slangen eitervar
ze tode an siner crefte beiz
(1277) Konrad v. Würzburg d. goldene schmiede 160 Schröder;
diu wisel smecket in wazzer wol,
ûf erden ist si stankes vol
Hugo v. Trimberg der renner 20 097 Ehrismann;
ein slange und ein wisele mit einander striten. dô lief diu wisel enweg und holte ein kriutelîn unde ... warf daz krût ûf den slangen und er zerbrach von einander unde lac der slange tôt, waz gab der wiseln die wîsheit? meister Eckhart in: dt. mystiker 2, 125 Pf.; man spricht, daz diu wisel mit dem hasen schimpf und scherz unz der has müed werd, sô peiz si im dann den hals ab (1349/50) Konrad v. Megenberg buch d. natur 149 Pf.; iedoch gesigt im diu wisel an und dar umb nement die weisen läut wiseln und laͤzent si in diu hölr, dâ die unk wonent ebda 264; vnd dise werden geacht vnder den enzeuberten dingen ... die wisel vnd die maus, der cocodrill (mustela et mus et crocodilus, 3. Mos. 11, 29) erste dt. bibel 3, 394 Kurr. (Luther die wisel);
basiliscus, wo der sein strasz
geht, da verdorret laub und grasz,
tödt vieh und menschen mit seim gsicht.
allein die wysel in hinricht
Hans Sachs 7, 449 lit. ver.;
der wiesel, wenn er mit den schlangen kämpffen wil, verwahret sich Porta natürl. magia (1617) 73; die katze frühe einen im garten erhascheten wiesel mitbrachte Prätorius winterfl. d. sommervögel (1678) 121; sintemahl ja auch die wiesel im ohre, die raben und fische im munde geschwängert wuͤrden Lohenstein Arminius (1689) 1, 1124ᵇ;
ein wiesel fieng auf einer jagd
ein fettes mäuschen
Pfeffel poet. versuche (1802) 4, 27;
es hatte sich nämlich eine wiesel in unser zimmer eingefunden E. T. A. Hoffmann s. w. 13, 62 Gr.; der schrei einer lerche, deren leben unter dem überfall eines wiesels oder einer wasserratte endete (1888) Storm s. w. (1898) 7, 225; das wiesel (m. vulgaris) hat als grimmigster feind der feldmäuse grosze verdienste Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 331. von einem wiesel geheckt, angeblasen werden führt, nach dem volksglauben, zu krankheit und tod: wann ein gaul geheckt (gebissen) wird von einem wisel, so nimb ein wiselbaͤlglin Seutter roszartzney (1588) 122; wann ein rosz uͤber den gantzen leib voller beulen wird, wenn ihn ein boͤser wurm oder wiesel angeblasen hat M. Böhme roszartzney (1618) 74; wer von einem wiesel angeblasen wird, musz sterben in: Germania 39, 101.
2)
bildlich und im vergleich. als inbegriff der schnelligkeit steht wiesel in vergleichen häufig bei verben der bewegung, wie ein wiesel laufen u. ä.; (s. a. E. Oksaar semant. stud. im sinnber. d. schnelligk. [1958] 40): ich lief nun wie ein wiesel die treppe hinauf Thümmel reise (1791) 5, 427; sie ... rannte davon wie ein wiesel Holtei erz. schr. (1861) 22, 127; er schob wie ein wiesel die treppe hinauf Laube ges. schr. (1875) 15, 32; der faktor lief wie ein wiesel und vermittelte den auftrag Stefan Zweig welt v. gestern (1947) 284; (Eleanor) sprang vom stuhl und lief wie ein wiesel ... hinaus Th. Mann Felix Krull (1960) 233. auf schnelligkeit und gewandtheit des wiesels weisen auch die folgenden vergleiche:
sie ist doch allerliebst! behend wie eine wiesel
Müllner dram. w. (1828) 7, 154;
ihn (Hirzel) erhält Goethe in jugendfrische, er hat jetzt wieder einen briefwechsel mit Vogt in arbeit und ist dabei emsig wie ein wiesel (1868) G. Freytag an H. v. Treitschke in: briefw. 138 Dove; der neid ist geschäftig wie ein wiesel Laube ges. schr. (1875) 11, 130. mit der vorstellung der lebhaftigkeit verbindet sich die von frische und vergnügtheit: aber nun fühl' ich mich frisch wie ein wiesel R. Prutz dram. w. (1847) 1, 141; er ist gesund wie ein wiesel Riegler d. tier im spiegel d. sprache (1907) 49; und unsere Panna vergnügt wie ein wiesel Halbe jugend (1911) 61. reminiszenz einer sage, wonach das wiesel eine in ein tier verwandelte braut sein soll, die auf alle bräute eifersüchtig ist (s. GRM 14, 235):
ich, eure königin, nun duld' es nicht (dasz ihr die Jüdin liebt),
denn eifersüchtig bin ich wie ein wiesel
Grillparzer sämtl. w. 9, 160 Sauer.
gierig, heiszblütig wie ein wiesel u. ä.: (die begier) ... machet jhne ... einfaͤltig wie ein wiesel Albertinus hirnschleiffer (1664) 37; als einer ... ein hölzernes rössel zertrat, stürzte sich das kind, heiszblütig wie ein wiesel, auf ihn Watzlik pfarrer v. Dornloh (1930) 83. nur selten übertragen:
denn ist der adler England erst auf raub,
so kommt das wiesel Schottland angeschlichen
zu seinem unbewachten nest, und saugt
ihm so die königlichen eyer aus
Shakespeare 7 (1801) 23;
doch Acte blieb voll kühler freundlichkeit. sie beschaute sich dieses wiesel Knops (akk.) mit neugier, doch sichtlich ohne wärme Feuchtwanger d. falsche Nero (1947) 260.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1592, Z. 66.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
wiedertritt wildendivie
Zitationshilfe
„wiesel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wiesel>.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)