Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

wiesengrund, m.

wiesengrund, m.,
wiesiges tal; wiesenboden; wiesenfleck, wiese als landwirtschaftl. genutzte fläche. seit dem frühen 16. jh., häufiger erst seit dem 18. jh. (lexikalisch zuerst bei Kramer wiesen-oder wiesgrund prato in valla, t.-ital. 2 [1702] 1347ᶜ) bezeugte zss. zu grund, an dessen hauptbedeutungen sich das wort eng anschlieszt. nur gelegentlich in der form wiesgrund: über die wiesgründe hin M. Meyr erz. a. d. Ries (1868) 1, 59; wiesgrund Watzlik d. alp (1923) 40. kaum mundartlich: wisegrond wb. d. lux. ma. 488ᵃ.
1)
verdeutlichend zu grund III 'tal, wiesengrund' teil 4, 1, 6, sp. 698.
a)
mit wiese bedeckte niederung, flache talmulde, die sich meist zu beiden seiten eines flusses oder baches erstreckt:
wann sie (die Nidda) fuͤr Schotten kompt hinausz,
so wirdt darnach ein bach darausz,
vnd rauscht den wisen grundt hinab
Alberus fabeln 112 ndr.;
die anderen (lagen) auszwendig des fleckens, in einem wisengrund an der Tauber J. Schlusser d. peürisch. u. protest. krieg (1573) 99; es ist dort eine schöne, recht hessische gegend, einsame stille, wiesengründe zwischen ernsten wäldern (1840) W. Grimm an Dahlmann, briefw. 1, 409 Ippel; bescheiden im Bresle-thale, in einem weichen wiesengrunde liegt Château d'Eu H. Laube ges. schr. (1875) 4, 190.
b)
tal im gebirge, tiefere und steilere senke: das thal vor Cività Castellana ist ganz romantisch, und schlängelt sich jungfräulich mit einem wiesengrund und allerley gesträuch und eichen zwischen den wilden barstigen felsen herum (1783) Heinse s. w. 7, 95 Sch.; (es) windet sich ein schmaler weg ... zwischen rauhen felsen hinan und führt zu einem engen wiesengrund Raumer gesch. d. Hohenstaufen (1823) 6, 411; weite kehren musz die strasze machen, um hinabzukommen in den wiesengrund Aug. Supper holunderduft (1910) 117.
c)
eine bald flachere, bald tiefere talmulde ist gemeint in der häufigen verwendung von wiesengrund als dichterischem motiv:
und hunderttausend siegel
bekräftigten den bund,
im wäldchen, auf dem hügel,
im busch am wiesengrund
Göthe I 3, 41 W.;
o wie schimmerten ihm wald und auen
sommerlich, die stillen wiesengründe!
Mörike ges. schr. (1905) 1, 125 Göschen;
stille wiesengründe lagen im heiteren rahmen von laubwäldern Fendrich Himmelheber (1915) 189.
2)
der die wiese tragende boden in seiner substanz, vgl. grund II A, bes. 2 a α teil 4, 1, 6, sp. 687: der werth derselben (wiesen) richtet sich nach der güte des wiesengrundes Thaer rat. landwirthsch. (1809) 1, 47; der boden ist zum theil ganz flach und wiesengrund Görres ges. br. (1858) 1, 339; wie er wieder wiesengrund unter den füszen fühlte, liesz er die gehobene kutte niederfallen Scheffel ges. w. (1907) 2, 55; denn der wiesengrund in dem ganzen neubau musste erst 4—5 fuss hoch aufgefüllt werden Fischer denkw. u. erinn. e. arbeiters 287 Göhre. die bed. 3 kann vorliegen im folgenden: der weg ging uͤber wiesengrund und war zum theil auf beiden seiten mit hohen baͤumen besetzt J. G. Forster s. schr. (1843) 2, 135; der fruchtbare wiesen- und getreidegrund verliert sich hier auf einmal in einem moorigen strich Carossa eine kindheit (1922) 119.
3)
ebene, mit wiese bewachsene fläche. von 1 (und auch 2) nicht immer scharf zu trennen, in zahlreichen belegen jedoch stärker ausgeprägt als beim grundwort (s. grund II A 3).
a)
allgemein bald gröszere und bald kleinere wiesenfläche, zum teil mit noch deutlicher beziehung zu 1: zwey kreütter wachsen ... auff den ... wisen gründen Bock kreutterb. (1539) 2, 86; sie ... nanten den ort vnnd wiesengrund da es geschehen Nigrinus von zäuberern (1592) 472; zu dieser herten muss gute gelegenheit ersehen werden, etwan im walde ein zimlichen wiesengrund Aitinger jagd- u. weidb. (1681) 256; der schauplatz (eines tanzes) bestand aus einem ebnen wiesengrunde, der zwischen zwei ... häusern mitten inne ... war J. G. Forster s. schr. (1843) 1, 321; und an der schattenseite abfallend, wilder park und wiesengrund J. Weinheber späte krone (1936) 99.
b)
landwirtschaftlich genutzte grünlandfläche: fürt mich das holtz hinab auff ein wisengrund zu einem heustadel (1526) Thomas von Absberg 202 lit. ver.; so hat es (das haus) auch gar guten wiesen- und weidgrund Abelin hist. antipodum (1631) 309; hüner-, tauben-, ross- und kuͤh-mist, unter einander, welches man den winter über liegen lässet, und hernach den ganzen wiesengrund damit bestreuet Zincke allg. öcon. lex. (1744) 3206; von einigen ... durch die pflege der einwohner zu wahren wiesengrund umgeschaffenen stellen Haenke in: beob. auf reisen n. d. Riesengeb. (1791) 75; was nicht wald und haide ist, ist kamp, d. h. privateigenthum, zu acker und wiesengrund benutzt A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 344; der ... waldstrich vom Heingeiger lag ... über den hängenden äckern und wiesengründen der Auffinger bauern O. M. Graf unruhe (1948) 217. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1609, Z. 6.

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Zitationshilfe
„wiesgrund“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wiesgrund>.

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