Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

wiesenmahd, n., f.

wiesenmahd, n., f.,
zu mähende wiese; das mähen der wiese. mhd. wis(e)mât seit dem 13. jh.; nicht zu mhd. mate 'wiese', sondern zu mâd 'das mähen', wodurch das wort die in älterer zeit allein deutlich zu greifende bedeutung 'zu mähendes grasland' gewinnt; das fem. matte teil 6, sp. 1761 wirkt jedoch ständig ein, so dasz neben das mhd. und bis weit ins nhd. belegte wiesmat, wismad, n. (plur. endungslos bzw. wismader, -meder u. ä.: die acker und wiszmoͤder Knebel chron. v. Kaisheim 46 lit. ver.; in die wismaͤder [1620] österr. weist. 2, 242) in zunehmendem masze wies(en)matte, f. (plur. wiesenmatten) tritt (s. bes. 2 a). kontaminationen sind die folgenden formen: die wisz-mater Zendorius teutsche wintern. (1682) 642; die felder oder wiesmaden (1737) Schwappach hdb. d. forst- u. jagdgesch. (1886) 1, 460 anm. 14. mundartl. nur obd. (vgl. vereinzelt bezeugtes wiesmet dt. sprachatlas, karte 41; als veraltet bei Fischer schwäb. 6, 893): wismath Zaupser oberpf. id. 82; wiesmahd Unger-Khull steir. 633ᵃ. histor. wbb. buchen es vereinzelt seit dem 15. jh., öfter erst seit dem 17. jh.: wise, wismat, anger, matte pratum, voc. theut. (Nürnberg 1482) oo 7ᵇ; wismatten und felder Schottel haubtspr. (1663) 92; wies-matte Kramer t.-it. 2 (1702) 30ᵃ; wiesemaden von maͤhen, weil man auch die felder oder äcker abmäht Frisch t.-lat. (1741) 2, 447ᵃ.
1)
das wort bezeichnet in älterer zeit und landschaftlich bis ins 18. jh. die (der mahd vorbehaltene) landwirtschaftliche grünlandfläche schlechthin und steht so wiese bzw. matte nahe.
a)
in landwirtschaftlicher nutzung befindliches, vorzüglich zur mahd und heugewinnung bestimmtes grünland:
ein schuoch was im gemâl
dâ mit er mir trat
nider al mîn wisemât
Neidhart 62, 28 H.-Wieszner;
swer der man ist, der selbe drie huͦbe hat vnd daz wise mat, daz dar zvͦ hœret, der mag haben einen schaf hirten Schwabensp. landr. 213 Laszberg; item wo einer wismath hat hinder dem andern, der mag sein hö wol füren den pesten weg (1435) Lori urk. z. gesch. d. Lechrains nr. 144 § 55; es luff ausz und thet mechtigen schaden an wismatn, am traid etc. (1531) städtechron. 15, 105; das hew und grummet ... warde zu nicht auff den wiesmaten H. Megiser annales Carinthiae (1612) 498; allda sollen die rosz bis zu völligen ausschlag am härbst im wis- und angermad darunter nit aufgeschlagen werden (1656) österr. weist. 3, 266. in der aufzählung von liegenschaften steht wiesmahd für wiese im gegensatz zu weide, feld, acker: mit welden wismaden perg vnd tall wun vnd waid (1401) beitr. z. gesch. d. bischöfl. kirche Brixen 6, 16 Sinnacher; das müllehen daselbs mit aller zugehörung, es sey wismad, äcker, haws, hofstat, holtz, wunn vnd waid (1469) mon. Boica 21, 553; wo acker, weingebürge, wiszmathe traͤchtig ..., werden die guͤter ... hoͤher angeschlagen Hohberg georg. cur. (1682) 1, 56; es seie von weinhöfen, von weingärten, wegen kornhöve, wismad, äcker und zinsgült (1744) österr. weist. 2, 207. nur gelegentlich als weide verwendet: ain mul gieng umb syne waid uf ainem wismad (um 1460) Steinhöwel Äsop 193 lit. ver.; darauf begert der schuchmacher erstlichs für ain gemaind bei der statt ain wismad zu ainer vichwaid Zimmer. chron. ²1, 59 Barack.
b)
auszerhalb des fachsprachlichen bereichs allgemein bald gröszere und bald kleinere wiesenfläche:
daz her er legen bat
bî Zedlitz ûf daz wismat
Ottokar österr. reimchron. 17 426 Seemüller;
im wismat schluͦg er sein zelt auf und die wagenpurg (1462) städtechron. 22, 29; sie solten das rosz mit einem hültzin hamer erschlagen, unnd den zaumb in das wismat werffen Hans Haug d. Hungern chron. (1534) 14ᵇ;
in mehr beruͤhrtem schildt darbey
der goͤtter schmid auch machet frey
ein schoͤnes wismad gar mit wunder
in einem grünen thal besunder
Spreng Ilias (1610) 266ᵃ.
2)
in der hochsprache neuerer zeit wird orthographisch und in der bedeutung unterschieden.
a)
einmal lehnt sich das wort an das über sein ursprünglich nur alemannisches verbreitungsgebiet sich ausdehnende und als gewählt empfundene matte an, wobei wiese den nicht mehr verstandenen wortsinn von matte neu bestimmt; das wort ist im 19. jh. sehr häufig bezeugt und bezeichnet sowohl die berg- oder alpenwiese als auch jede art von wiesen des flachlandes:
als auf gemähten wiesenmatten
manch gelbes blatt im winde flog
E. M. Arndt w. (1892) 4, 179 R.-M.;
sie finden dort (Muskau) ... flusz und seen, wiesenmatten und bebuschte hügel (1845) Pückler briefw. u. tageb. 1, 287 Assing; unser weg führte uns durch ... üppige sommersaaten und wiesenmatten B. Goltz ein jugendleben (1852) 3, 4;
ich hörte die schalmei
auf berg und wiesenmatt
M. Reich ausg. w. 92 Fürst;
hier zog sich an den bergen eine lange, nur der alpenheerde entbehrende wiesenmatte hin Gutzkow ges. w. (1872) 7, 452; das abendlicht vergoldete die wiesenmatten auf dem sanftgerundeten scheitel des Schneebergs Barth Kalkalpen (1874) 58.
b)
andererseits knüpft das wort neu an mähen an, so dasz es sich bei den belegen aus jüngster zeit um zss. mit mahd, f. handeln dürfte. im sinne 'mähen der wiese' (die wiesenmaht Adelung 5 [1786] 221; Campe 5 [1811] 716ᵇ):
mein weib zu prügeln war nur schlechte freude,
sie schmiegte sich gleich einem feigen hunde,
da lief sie von der wiesenmahd mir heute
Brentano ges. schr. (1852) 6, 226;
einmal drauszen im Schwabenlande wurde durch den heuduft der wiesenmahden plötzlich ... heimweh entfacht nach den almmatten im waldlande Rosegger schr. (1895) III 5, 225.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1615, Z. 35.

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Zitationshilfe
„wiesmad“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wiesmad>.

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