Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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wiesenwachs, m., (n.)

wiesenwachs, m. (n.),
vegetation auf wiesen; heuertrag; grasbau; wiesenland. mhd. wisewahs, mnd. wese(n)was, n. Schiller-Lübben 5, 697. seit dem 14. jh. gut bezeugte zss. zu dem hauptsächlich in kompos. geläufigen wachs teil 13, sp. 62. das wort ist fast durchweg mask., selten neutr.; vereinzelt steht ein plur.: (in) wiesenwachsen Aitinger jagd- u. weidbüchl. (1681) 65. die formen wiesewachs und wiesenwachs sind im ganzen etwa gleich häufig bezeugt, nur ist jene vornhd., diese seit dem 19. jh. geläufiger. die histor. wbb. buchen, mit ausnahme von Kramer (wiesenwachs t.-ital. 2 [1702] 1347ᶜ), wiesewachs: 'nicht so üblich sind wiesewuchs und wiesenwachs' Adelung 4 (1801) 1542; daneben steht, bes. in mundartl. gefärbter literatur und in den maa. der gegenwart, wieswachs: wisᵉwas, m. Bauer-Collitz Waldeck 114ᵇ; wiəsewass, n. Woeste westf. 323ᵇ; wîswaͦchs Spiess Henneberg 283; wieswachs Müller-Fraureuth obersächs. 2, 666ᵃ; wieswox Wenisch Nordwestböhmen 146; 'mod. wiswas' Fischer schwäb. 6, 901; wiswaxs G. Wanner Schaffhausen 100; weəswaks Berger St. Gallen 108; wieswachs Unger-Khull steir. 633ᵇ.
1)
die vegetation auf wiesen, z. t. die den grasbestand tragende wiesenfläche mitbezeichnend und damit bed. 4 sich nähernd: er gehet auffs feld hinaus ... vmb den abend spatziren, siehet wie sichs in dem wiesewachsz, getreid vnd bawmwachsz anlest vnd stehet vnd wie die hirten huͤten Mathesius Syrach (1586) 3, 75;
dein fettes land ist reich
an wiesenwachs und korn
Rist neuer teütscher Parnasz (1652) 368;
zweytens muss auch wiesewachs dabey seyn, weil sie (d. fasanen) darinne gerne brüten Döbel neueröffn. jägerpract. (1754) 1, 134; wir kamen an umzäunungen vorbei, die zwar auf keine gärten, aber doch auf spärlichen, sorgfältig gehüteten wieswachs hindeuteten Göthe I 25, 1, 117 W.; in den thälern und tiefen buchten ladet der kräftige hohe wieswachs, aus rothbrauner fetter dammerde keimend, zum wohnen ein Dahlmann gesch. v. Dännemark (1840) 2, 106; haus Rodegg lag auf mäsziger anhöhe ... zuvorderst, in wieswachs und obstbäumen versteckt, die kirche Helene Raff Fortunat (1918) 12.
2)
auf wiesen gemähtes oder geworbenes gras oder heu ('heugewinn' Adelung 4 [1801] 1542, 'ertrag der wiesen' Fischer schwäb. 6, 901): item 20 m dem kompthur zu Engilsberg ... als her wesewachs gekauft hatte von her Thomas von Rakowicz (1401) Marienb. treszlerb. 109 Joachim; daher leicht zu erachten, dasz die pferde, mit dem wiesewachse, heu und gruͤnen straͤuchern abgespeiset worden, und sie der haber nicht gestochen Francisci d. alleredelste pferd (1670) 325; derowegen ein jeder guter wirth dahin trachten soll, wie er gut und genugsam wiese-wachs vor sein vieh haben kan schles. wirthschafftsb. (1712) 193; der wiese wachs betrug in mittelmässigen jahren hundert vierspännige fuhren Fessler rückblicke (1824) 338; Blasedow braucht (in der heukammer) eine ungeheure heugabel und sticht auf's ungefähr in den weichen wiesenwachs hinein Gutzkow ges. w. (1872) 4, 206.
3)
neben ackerbau, feldbau stehend, kann wiesenwachs den sinn 'grasbau, grünfutterbau' annehmen. das wort schlieszt in dieser verwendung wohl an 1 an, steht aber andererseits auch 4 nahe: haben sie (die prediger) itzt bei ihren pfarren ein fleck holz, schönen wiesenwachs, ackerbau oder weinberge, so zwackt man es ihnen ab Aurifaber (1566) bei Luther tischr. 1, 482 W.; was auch zu dieses werks ... behuf an viehtrieb, garten, feldbau, wieszwachs vonnöthen (1604) Lori slg. d. baier. bergrechts (1764) 430; die hauptnahrung des ortes besteht ... in der bierbrauerei, ... dem ackerbau und dem wiesenwachs Zöllner br. über Schlesien (1792) 1, 173; man kam damit (dasz man den ackerbau vernachlässigte) nur dem wiesenwachs zu hülfe Ranke s. w. (1867) 40/41, 101; wechselwiesen, welche abwechselnd dem anbau von feldfrüchten und dem wieswachs zu dienen haben Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 3, 227.
4)
am geläufigsten ist wiesenwachs im sinne 'wiese, grasland', wobei es meist kollektiv die gesamtheit der zu einem landwirtschaftlichen betrieb gehörenden wiesen und grasflächen bezeichnet. berührungen in der bedeutung zeigen sich zu 1, öfter zu 3: Holczhusin, mit alle deme daz da zv gehoret, iz sie wesewachs, holcz, wyden (Erfurt 1327) in: zs. f. archivkunde 1 (1834) 294; (wir) verjehen, daz wir in den drin mansmaten wiswachs ... umb ainen vierdung wachsis aͤlluͥ jar, ze koufende han gegeben (1339) württemb. geschichtsqu. 9, 211; darin gehoͤret ... zwo juchart holtzmark und zwai mannmat wiswahs (1355) urkundenb. d. kl. Heiligkreuztal 1, 325; nymant mag synen eygenen hyrten haben, wenne dy gotis huser vnd dy herren dy selbir wesewachs haben (ende 14. jhs.) d. alte kulm. recht 159 Leman; anderthalb hufe landt, sampt zugehorendem wysewachs (1539) Luther br. 8, 607 W.; wie man zum anfang eyn neuen wiesenwachss machen ... soll Sebiz feldbau (1579) 454; hingegen hat es an den grossen fluͤssen guten wiesenwachs Danckwerth Schleswich u. Holstein (1652) 74ᵃ; derselbe hat oͤffters gegen mich erwehnet, wie er gerne ein feines gut mit huͤbschen äckern und wiesenwachs zu kauffen gesonnen sey Menantes allern. art höfl. u. gal. zu schreiben (1718) 618; in einiger entfernung links höhere, mit wald bewachsene berge, mehr wiesewachs (1797) Göthe III 2, 134 W.; unser elterliches erbvorwerk ... (wird) am zweckmäszigsten bei seinem vielen wiesenwachs zur milchwirthschaft gemacht B. Goltz ein jugendleben (1852) 3, 26. in der aufzählung von liegenschaften: das hus ... mit molen, vorwerkin, creczemen, wassere, vischerie, heyden, weldin, puschin, wesewachse, collen (1353) lehns- u. besitzurk. Schles. 1, 170 Grünh.-M.; ich habe ... garten, holtz, wiesewachs, felder, ... an Hannsz Kraussen verkaufft Thomasius ernsth. ged. u. erinn. (1720) 4, 346; ein recht hübsches erb mit feld, baumgarten und wiesenwachs Immermann w. 4, 30 Hempel.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1624, Z. 24.

wieswachs, m., (n.)

wieswachs, m. (n.),
s. wiesenwachs.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1631, Z. 13.

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Zitationshilfe
„wieswachs“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wieswachs>.

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