Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Wiking, m.

Wiking, m.,

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bezeichnung seefahrender bewohner Norwegens, Dänemarks und Schwedens, die als eroberer vom 8.—11. jh. die küsten Europas heimsuchten. ags. wīcing (zufrühest um 700 in: Widsiđ und exodus), afries. witsing, wising, an. (seit dem 10. jh.) vīkingr; daraus engl., norw., dän., schwed. viking. wiking, im deutschen erst in jüngster zeit neben älterem und häufigerem Nordmann, Normanne (teil 7, sp. 895) geläufig geworden, ist aus dem an. vīkingr 'seeräuber' übernommen, das wohl auf ags. wīcing zurückgeht.die herleitung des wortes ist umstritten; deutungsversuche wie 'kämpfer' zu an. vîg 'kampf', 'buchtenlagerer' zu vīk 'bucht' oder 'bewohner von Vik', der gegend bei Oslo (s. Falk-Torp 1377, Jóhannesson isl. etym. wb. 114) sind aus lautlichen, etymol. bzw. histor. gründen unbefriedigend (s. dazu Ahldén in: zs. f. mundartf. 21 [1953] 63). beachtung verdient Askebergs erklärung (norden och kontinenten [1944] 181): vīkingr 'einer, der von zu hause entweicht, sich in der fremde aufhält' zu vīking, f., 'reise von zuhause', vīkja 'entweichen', wozu sich korsar 'seeräuber' aus lat. cursus vergliche. doch bleibt ableitung von ags. wīc 'heerlager' das wahrscheinlichste, vgl. E. Wadstein mel. de philol., festschr. Vising (1925) 381 f., Murray 10, 2, 200 u. Ahldén a. a. o. neben Wiking, meist im plural gebraucht, tritt der sing. Wikinger: d. gr. Duden (¹⁵1960) 449ᶜ s. v. Normannen; war anfangs der Wikinger den wegen der kaufleute gefolgt Ruprecht d. ausgeh. Wikingerzeit (1958) 111. auf das seefahrervolk der Wikingerzeit bezogen: zu gleicher zeit erschienen huͤben an allen grenzen unwiderstehlich ... die Ungarn, und druͤben an allen kuͤsten ..., zugleich Wikinger und askemaͤnner, die Normannen Ranke gesch. d. rom. u. germ. völker 1 (1824) xxii; wenn die anfälle der Wikinger besonders dadurch so verderblich wurden, dasz sie feste plätze einnahmen (1859) ders., s. w. 14 (1870) 18. übertragen im sinne 'kühner seefahrer, recke':
Thoralil, des Wikings schwester,
stickte laub und blumenranken
(1878) Fr. W. Weber ges. dicht. 3, 24 Weber;
die Orang Laut, kein volk, sondern ein gemisch von heimatlosen mit vorwiegend malayischen elementen, die mit ihren schiffen und in diesen bald an dieser, bald an jener küste wohnen, sind die Wikinger dieser meere Ratzel völkerkde (1885) 2, 372; es sind keine idealgestalten (die 'vier engel' in Dürers apokalypse) diese sendboten des todes, wie in Italien, keine göttlichen heroen, sondern Wickinger durch den furor ihrer lebensenergien ins göttliche gesteigert Dvořák kunstgesch. als geistesgesch. (1928) 198. —
dazu die ableitung
wikingisch adj.:
(Sven Otto) warf sich mit der alten überlegenheit wikingischer waffen auf die englischen gestade
Ranke s. w. 14 (1870) 22;
auch hier (bei d. belagerung Londons) vollzog sich ein wikingischer schiffsangriff
Strasser Wikinger u. Normannen (1928) 91;
die Garonne und die Seine (wurden) zum schauplatz wikingischer erfolge
Noack nord. frühgesch. (1941) 156.
in freier verw.:
andre alte frauen trugen die regiments-abzeichen ihrer söhne als broschen, was ihnen ein wikingisches aussehen verlieh
Tucholsky ganz anders (1958) 198.
zusammensetzungen (vorwiegend zum plural, selten zu Wiking):
Wikingerfahrt f.,
meist übertragen im sinne 'abenteuer-, entdeckungsfahrt':
so beschlosz ich, der an mich ergangenen einladung folge zu leisten und die friedliche Wikingerfahrt mitzumachen
K. Braun Wisbyfahrt (1882) 1.
uneigentlich:
den menschen des barock erfüllt die unersättliche leidenschaft für die Wikingerfahrten der seele
Spengler untergang d. abendlandes (1918) 1, 390.
wikingerflotte f.:
an die Wikingerflotte, die seit vier monden verschollen war und als nach norden zurückgekehrt galt, dachte niemand
(1876) F. Dahn ein kampf um Rom (⁶¹1910) 3, 431.
wikingertum n.:
der geist der ritterorden überwinde das beutelustige Wikingertum
Spengler untergang d. abendlandes (1922) 2, 583.
wikingerzug n.,
kriegszug:
(der Isländer) Hjörleifr liesz ... den pflug von sklaven ziehen, die er kurz vorher auf einem Wikingerzug nach Irland zu kriegsgefangenen gemacht hatte
Hoops waldbäume u. kulturpfl. (1905) 624.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1960), Bd. XIV,I,II (1960), Sp. 1639, Z. 71.

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Zitationshilfe
„wikingertum“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wikingertum>.

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