Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

wildbret, n.

wildbret, n.,

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zu wild adj. und mhd. brât n. 'das eszbare fleisch', s. brate th. 2, 309.
I.
herkunft und form:
1)
mhd. wildbrât, wildbræte das zum braten bestimmte fleisch des wildes Lexer 3, 894; zameʒ und ouch wildpræte St. Oswald 2243 = 3215.
2)
in der schreibung herrscht bis ins 18. jahrhundert die gröszte willkür: wiltpret voc. theut. 005ᵇ; wilbred Frey gartengesellsch. 210, 5; wilpret P. Gerhardt geist. andachten 547, Steinbach; wilprett Fischart Eulenspiegel 446 Hauffen; wilbrett Ayrer 1931, 30; wilt brat, wildbrat Diefenbach gloss. 76, 171ᵃ; wildbrait (Eifel 1398) Grimm weisth. 6, 563; wiltbrat, wildprat Hertzog schildwache Bij, Dedekind 49ᵇ, g 6ᵃ; wiltbrot Alsfelder passionsspiel 27, 887; wilbrat, wilprat pfarrer von Kalenberg 622 neudr., Montanus schwankbücher 524; wiltprecht (Bodensee) Diefenbach gloss. 76; wildbrecht, wiltprecht Luther 3, 150ᵇ, Hutten clag und vermanung 405; wilbrecht Joachim treszlerbuch 85, 15; wilprecht Bock kreuterbuch iii xxᵇ; wilpart (rheinl.) Diefenbach gloss. 76; wilpert Duez nomencl. 191, Weise überfl. gedanken 176; wildpert Kretschmann 2, 252, Ch. Jäger weltbeschauung 28; wildbert Phil. v. Sittewald vorr. 1ᵇ, Grob dichter. versuchg. 37; von der mitte des 18. jahrhunderts werden mehr und mehr vorherrschend wildbret, wildpret und wildprett; daneben vereinzelt wildprät Hagedorn, Pocci; wildbrät Uhland.
3)
neuere mundartliche nebenformen: niederd. wildbradt Richey idiot. hamburg.; sächs. wilbert Albrecht Leipz. mundart; westfäl. wilbert Woeste; schlesisch wilpert Holtei erz. schr. 15, 244; 23, 113; thür. wildbrät, wilberd Hertel; luxemb. welpert, wilbert, wälpert wb. d. luxemb. mundart; unterfränk. wilpert (wilpertsdiab) Ruckert; schwäb. wildprecht Schmid; elsäss. wildbert, gewildbert Martin-Lienhart 2, 820; bair.-österr. wildbrat. als lehnwort dän. vildbrad, schwed. vildbraͦd, gegenüber altisl. villi-bráđ f. (Cleasby-Vigfússon), niederl. wildbraad. wildbretlein und wildgebret s. unten; gewildbert s. oben.
4)
ausnahmsweise auch als plural: unter den kleinen wilbret, ist zu rechnen das rehe Harsdörffer frauenzimmer gesprechspiele 3, 113.
5)
verbale ableitungen, ausgehend von der mundartlichen form wilpert, sind wildbräunen und wildpern, s. diese.
II)
bedeutung und gebrauch.
A.
bedeutungsentwicklung. die grundbedeutung ist 'zum braten bestimmtes oder gebratenes, auch gesottenes wild' Kluge ⁷ 493; sie bleibt nach den wörterbüchern die vorherrschende verwendung: E. Alberus nov. dict. genus 44ᵃ deutet es als ferina, vel caro ferina; Duez nomenclat. 26 de la venaison; Steinbach ferina; compend. u. nutzb. haushaltungslex. 1036 das fleisch von den wilden thieren. daneben findet sich vom 16. jahrhundert an die bedeutung 'wild', ursprünglich wohl für erlegtes, totes, das zum braten bestimmt war, bald aber auch für lebendes; und zwar wie wild ebensowohl collectiv als für ein einzelnes thier: bestes légères, leicht wilpert Duez nomencl. 191, ferner rot, schwarz, hauswilpert; wildpret, wild als roth wildpret, schwarz wildpret Rädlein; noch Adelung bucht diese bedeutung neben der zuerstgenannten. die neuere sprache versteht unter wildbret meist nur das fleisch des erlegten thieres, und zwar hauptsächlich im rohen zustand; wegen der gröszeren deutlichkeit behält sie es gern statt wild n. in zusammensetzungen (s. diese unten). für das als speise zubereitete fleisch ist heute wild, wildbraten gebräuchlicher. wie sehr zeitweise und örtlich die verwendung des worts für lebendes wild vorherrschte und die grundbedeutung verdrängt hatte, zeigen bildungen wie wildbretsbraten, wildbretsdieb und wildbretsfleisch oder verbindungen wie totes wildbret. vgl. zu diesem und allem folgenden auch oben den artikel wild n.
B.
gebrauch im einzelnen:
1)
das fleisch des wildes einschlieszlich des wilden geflügels, sowohl im rohen als im zubereiteten zustand.
a)
das fleisch im rohen zustande,
α)
sowohl collectiv als für ein einzelnes stück fleisch: item 1 m. Juden im gebite zu Osterrode geben am dinstage noch Luce ewangeliste, als her dem meister wilbrecht brachte Joachim Marienb. treszlerbuch 85, 15; so leszt im der alte Isaac ein gut wildpred zurichten Mathesius Sarepta Xᵃ;
β)
verschiedene arten: edels wilpret fastnachtspiele 748, 23; ain pfund schweinich wilpredt chron. d. deutschen städte 23, 328; hirtzen wildpret Ryff spiegel u. reg. der gesundheit 48ᵃ; hirschein, reherein oder sweinein wildpret Nürnb. polizeiordn. 312; rot, schwarz, stinkend wilpert Duez nomencl. 191; schwarz-, rot-, rauh-, eszwilpert Stieler; bratwildbret und kochwildbret Fürst jagd- u. forstlex. 796; kurz-wildpret, die hoden des hirsches Döbel jägerpract. ² 1, 18ᵇ; schweinwildbrät Steinbach; schweinwildbret, hirschwildbret Adelung; s. auch unten 2 b γ und vorne die artikel birk-, reh-, gemswildbret u. a.
γ)
im gegensatz zu zahmem oder hausfleisch: die jäger henken das fleisch und wilprät darein Seb. Münster cosm. cccci; das land hat überflusz an haus- oder zammem fleisch, an wilbrat, butter, kees Quadt von Kinckelbach teutscher nation herligkeit 48; gleichwie mons. Canard mehr wildpret hinweg zuwerfen, als mancher zufressen hatte, der eine eigne wildbahne vermag, und ihm mehr zahmes verehrt ward, als er und die seinigen verzehren konnten Grimmelshausen Simpl. 295 Kögel; vgl. auch oben I den beleg aus St. Oswald.
δ)
in der weidmannssprache das 'fleisch des wildes' im gegensatz zu dem fell, den knochen usw. Döbel jägerpract. 4, 26ᵃ : viele wilderer schieszen etwan ein stück allein von der haut wegen und lassen das wildbret ihren gemeinern zustehen würtemb. wildbretschützenordnung 22; die zwei streifen wildpret am halse heiszen die kehlbraten Döbel jägerpract. 1, 18ᵇ; (die ortolane) fressen sich .. so fett, dasz fast kein wildpret an ihnen zu sehen ist 57ᵃ; (das thier, wenn es feist ist) ist gut und stark am wildpret Heppe lehrprinz 114; das wildbrett (der nilgans) unterscheidet sich .. nicht von dem anderer wildgansarten Brehm thierleben 6, 621; die enten sind (in diesem jahre) .. gut im wildbret Frenzel Leipz. neu. nachrichten 17. 7. 1905, 3. beilage.
ε)
der längeren genieszbarkeit wegen wird es gerne in einem kleinen fasz eingesalzen, eingeschlagen oder gebeizt; vgl. wildbret einsalzen Adelung; näheres über das verfahren dabei s. Chomel öcon. u. phys. lex. 8, 233; ferner s. unten wildbretfäszlein: dri häringtunnen desselben wildprätz Richental chronik d. Constanzer conzils 100; wiltbret in dem salz Pauli schimpf u. ernst 18; das eingebeizte wiltbret wollte die frau selbst aus dem keller holen Grimmelshausen 2, 341 Keller (vogelnest); das eingeschlagene wildprett in dem fasz Abraham a St. Clara mercks Wien (1680) 57.
ζ)
der geruch findet häufige und nicht sehr lobende erwähnung: da sie doch eben ein stück stinkend wildpret aus einem fäszlein langete Grimmelshausen 2, 341 Keller (vogelnest).
η)
auch übertragen vom menschenfleisch und dem fleisch von thieren, die gewöhnlich nicht gejagt werden, wie affen: auch in der kunst, das vornehmste und schönste wildpret, den mann, zu schlachten .. bin ich .. meisterin Wieland Lucian 4, 236; kein besseres wildpret .. als menschenfleisch Prätorius anthropodemus plutonicus 1, 384; mancher reisende hat .. die affen als .. wildbret .. betrachten müssen Brehm thierleben 1, 202.
b)
als zubereitete speise,
α)
als speise der reichen, der leckermäuler und als inbegriff alles köstlichen, woher das sprichwort
wildpret und fisch
gehören auf des herren tisch
Wander 5, 235;
die richen ladt man zuͦ dem tisch
und bringt inn wiltpret, vogel, visch
Brant narrensch. 17, 15 Zarncke;
wie man den vernaschten weibern ein abscheuen vorm wildbret macht Grimmelshausen 4, 508; daher bildlich für leckerbissen überhaupt:
der schlangen kost und most,
der würmer süsze speise,
der raben wildprät
Treuer deutscher Dädalus 4, 35;
äpfel und hart schimlich brod .. (waren) mein bestes wildbret Grimmelshausen Simpl. 1, 409, 26 Kurz. stehender bestandtheil jeder festlichen mahlzeit und gerne in verbindung mit geflügel, fisch, pasteten, austern, wein:
der wirt stelt wildpret für und fisch
J. Fischart Eulenspiegel 11085 Hauffen;
all ding örnlich und wol versehen,
zu knechten, keller, bett und tisch,
mit köstling drank, wildpret und fisch
Hans Sachs 2, 46, 25 Keller;
hätt ich wiltpret, wein und fisch
und die ganze weide
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel, kirchenlied 3, 408ᵇ;
dein austern liebt er nur, dein wilprät, gar nicht dich
Logau 168 (nr. 30);
mehr denn kein andre zeit der winter als ein koch
vih, wildbret, vögel, fisch uns auf den tisch fürsetzet
Weckherlin 2, 396;
nicht wildprät und pasteten
Simon Dach 718;
man setzt die braut zu tische,
man gab ihr wildpret und fische
Herder 25, 109;
meiner mutter ziemet wildbrät und fisch
Uhland ged. ² 343;
es wäre so wenig standesgemäsz, als wenn er wildpret und fisch auf eine hochzeittafel bringen wollte Riehl deutsche arbeit 25. s. auch unten wiltbretundfischbrief.
β)
bald als stärkend empfohlen, bald als zu scharf verboten: er soll sich hüten vor dürrem und gesalzenem fleisch und soll kein speck, wiltpret, gewürz oder derglichen vilerlei essen Gersdorff wundarznei xlvii 1ᵇ; ich dachte nicht, dasz wildbratt ungesund were briefe der prinz. E. Ch. v. Orleans 439; damit die mönche .. durch das wildpret, wenn sie krank würden, sich laben und stärken könnten Schmidt gesch. der Deutschen 1, 495.
γ)
die gewöhnliche zubereitung ist das braten; die häufige verbindung gebratenes wildbret zeigt das völlige verblassen der grundbedeutung: gebradet wilprat als hasen Krumbholtz die gewerbe der stadt Münster 289; wie gern woltest du dein gebraten wildpret hergeben Grimmelshausen 2, 416; auch sauer zubereitetes fleisch zahmer thiere kann wildbret heiszen, so ndd. wildbradt brem.-niederd. wörterb. 5, 256; schwäb. dîtsch wildpret gebeiztes rindfleisch Buck med. volksabergl. 6; siehe auch unten wildbretsbraten, -keule, -pfeffer, -ragout, -sauce.
2)
das wild selbst, und zwar sowohl das erlegte oder gefangene, als das noch lebende und in freiheit befindliche; der älteste beleg für letztere verwendung ist wohl bei Grimm weisth. 6, 563 wildbrait (Eifel 1398).
a)
das erlegte wild, die jagdbeute: da man doch sonsten darinn den schweinen, wildpret .. und dergleichen thieren .. die borsten, haare und federn abbrühet Birken der vermehrte Donaustrand 65; ein reh und ander todt wildpret (aus dem katalog einer gemäldegalerie) Göthe 47, 368 Weim.; aus eben dem messer, mit dem der wilde sein wildpret zerlegte, erfand Lionet dasjenige Schiller 1, 155 (versuch über den zusammenhang); alterthümlich als synonym zu thierleiche, cadaver: die arme häsinn .. sieht noch, mit sterbenden augen, manchen stattlichen jäger sich um ihr wildpret versammeln Thümmel Wilhelmine 34, 37 neudr. der 1. ausg.
b)
das lebende wild, auf das jagd gemacht wird,
α)
collectiv: (die insel Schütt) ist .. ein kostlicher ort mit wilbrecht mitth. d. vereins für gesch. von Erfurt 4, 12 (erlebnisse eines landsknechts, um 1530); es ist sunst ein guͦt land an viech .., wildpret und ander dingen Seb. Münster cosmogr. dcxciiii; keine raubthierer gibts nicht, aber sonst allerhand gut wildpert Ch. Jäger weltbeschauung 28; die jungen wölfe .. lernen die schlupfwinkel des wildbrets kennen J. Grimm Reinhart Fuchs, vorrede xxii; gerne in verbindung mit herde, rudel, volk:
(der berg Ida) da des wildprets unzehlbarlich
umblaufen thut ein grosze herd
Spreng Ilias 203ᵃ;
ein rudel wildpret Döbel jägerpractica ² 1, 19ᵃ;
es wohnt' im selben eichenwald
ein volk von wildprett mannichfalt
Rückert ges. ged. (1837) 3, 328.
β)
von dem einzelnen thier: gehe aufs feld, und fahe mir ein wildbret 1 Mos. 27, 3;
weil keiner richtiger des rammlers fährte spürte,
noch anschlug, so wie er, wo sich ein wildprät rührte
Hagedorn 1, 41;
worauf musz der lauern? auf ein wildbret nicht Ludwig 3, 96 (erbförster 4, 6); gerne, wie wild, in verbindung mit stück: als wann ein stuck wildbret verhanden gewest wäre Grimmelshausen 2, 31, 18 Keller; um .. ein anständiges stückgen wildpret zu schieszen Schnabel ins. Felsenbg. 27.
γ)
für verschiedene arten wie das fliegende wildpret Paracelsus opera 2, 326; laufendes und fliegendes wildprät Guler v. Weineck Raetia 164ᵃ; hohes und kleines, stiebendes und fliegendes Harsdörffer frauenzimmer gesprechspiele 3, 113; rothes und schwarzes wildbrett Württemb. erneu. vorstordn. 92; federwildbrett eb. 93, Schottel haubtsp. 78; schwarz-, rot-, eszwilpert, federwilpert Stieler; schmalwildbret Döbel 1, 5ᵃ; vgl. auch Rädlein und Adelung; fallwildbret s. unten wildfall; scherzhaft auch zahmes wildbret für hausthiere:
hab nie kein hoch wilbret geschossen
H. Sachs 3, 55, 29 Keller;
einem calecutischen hahn, oder wie man das zahme wildpret auf hoch teutsch .. nennet, einem truthahn Weise die drei ärgsten erznarren 202 neudr.; sonst vgl. Marperger vollst. küch- und kellerdict. 1317ᵇ; Amaranthes frauenz. lex. 2124; schwarz wildpret soll nur im thiergarten geduldet werden allg. deutsche bibliothek 92, 162; das wilde geflügel wird manchmal in das wildbret eingerechnet, gewöhnlich aber neben diesem besonders erwähnt: von wildem geflügel giebt es .. mehrere arten als von anderm wildpret G. Forster 1, 46; ain haselhun, das fleugt, ain rech, das da steubt, .. sei das best wildpret Garg. 3, 58 neudr.; die andern artikel von freiheit des wiltprets, vogel, fisch, holz, welde Luther 18, 327, 28 Weim.; weidvögel (geflügel) und wildprät volksb. v. dr. Faust 64, 113 neudr.; viel wildpret und vögel Holtei erz. schr. 13, 177.
δ)
in der weidmannssprache mit vorliebe das rothwild, besonders die hirschkuh, sonst auch wild oder thier genannt Heppe lehrprinz 32:
des wildbrets sollten sie verschonen, aber bachen
zusamt den frischlingen und keulern nidermachen
Opel-Cohn 30 jähr. krieg 278, 47;
die jungen hirsche sind dem wildbret zur brunftzeit sehr angenehm Fleming vollk. teutsch. jäger 90ᵇ; die schlechten hirsche oder spieszerte, die sich noch bei dem wildprete oder thieren im truppe oder rudel bisher gehalten Döbel jägerpractica 1, 4ᵃ;
ε)
gerne mit verben, die sich auf das jagen beziehen, wie aufjagen, aufspüren, stellen, wittern, hetzen, fällen, erlegen, hegen u. a., vielfach bildlich:
der bapst mit disen falken beiszt,
die jagen im das wiltprecht auf
Hutten clag und vormanung v. 405 Balke;
ihr jäger spürt und häzt das wiltpret in dem holz!
Rompler von Löwenhalt 1. gebüsch 17;
allein der schnupfen, so mich plagt,
benimmt mir alle kraft, das wildpret auszuspüren
Lichtwer äsopische fabeln 140;
könnt ihr schon mein wildpret wittern?
Zach. Werner das kreuz an der Ostsee 22;
schönstes wildpret dieser fluren,
fällt dich niemals schusz und netz?
Vosz sämmtl. gedichte 2, 140;
das wildpret zu erlegen,
mein lust hab' ich daran
Böhme volksthüml. lieder der Deutschen im 18. und 19. jh. 443;
es ist wildbret, das ich eigentlich nicht selbst hege, das nur von ungefehr in mein gehege übergetreten ist Lessing 11, 36.
3)
übertragen auch irgend ein anderes thier, wobei das tertium comparationis entweder das wohlschmeckende fleisch oder das gejagtwerden ist, stets scherzhaft:
a)
ein hausthier, z. b. ein schaf oder rind; vgl. hauswilpert Duez nomencl. 191:
und ach! was auch musz denken
der fromme vatter mein
sich, weil so spät last fenken
das wüllen wiltprat (schaf) sein
Spee trutznacht. 222;
ein stück stallwilpert aus meinem hof (rind) Musäus phys. reise 1, 37.
b)
eine fliege: je nachdem sie (die spinne) sich eines netzes gebrauchet, ihr wildpret zu belaustern Grimmelshausen Simpl. 1, 157, 27 Kurz.
c)
im 16. jahrhundert mit vorliebe das ungeziefer, wie flöhe oder läuse:
sie muͦszte zwischen beide bein
mit groszem ernst greifen hinein,
und jagen das schwarze wildpret,
das sich im forst gesamlet het
Fischart flöhhaz 13, 379 neudr.;
ouch der sich kratzet in dem grind
und luͦg, ob er kein wiltpret find
Brant narrensch. 110ᵃ, 128;
4)
in vielfacher bildlicher verwendung:
a)
ausgehend von der bedeutung 'wildbraten' und mit dem tertium comparationis des wohlschmeckenden und willkommenen oder des seltenen und verlockenden.
α)
ein leckerbissen:
din buch hast gmästet wie ein schwin,
den würmen wirst du wildbrät sin!
N. Manuel 17, 78;
so versteh ich nun wol, dasz es ihnen ein wildpret ist, und ihnen im herzen schmecket theatrum diabolorum 2, 187ᶜ; sporteln sind eine art von einkünften (der beamten), welche den stolgebühren der geistlichkeit gleichen; sie sind also das wildbrät auf beiden tafeln Wekhrlin paragrafen 1 (1791), 130; häufig von verlockenden weibern: die edle (mädchen) wären einheimisch, diese (die bauernmägdlein) aber wildpret Weidner Zinkgrefs apophthegmata (1653) 3, 34; es (ein bestimmte art mägdlein) ist ein wildpret, worauf sich die schmeiszfliegen gar bald setzen Stranitzky ollapatrida 355, 23 neudr.;
β)
sonst etwas hochgeschätztes:
der tod ist mir (dem papst) ein guͦt wildbrät,
dardurch mine diener und mine rät
mögend füeren hohen gebracht
N. Manuel 49;
b)
ausgehend von der vorstellung des gejagten wildes ein verfolgter mensch: die geistlich herrn jagten mich als wilpredt Luther 18, 445 Weim.; darumb wil ich mich wider rüsten und wil noch mehr wildpret (feinde) fahen buch der liebe 13ᶜ; auch wieder gerne von mädchen oder frauen, denen von ihren verehrern nachgestellt wird: dessen war der fuhrmann wol zufrieden, denn es daucht ihn, das wildprat (ein junges starkes mädchen) were der arbeit wol werth Hertzog die schiltwache Bij; schafft mir das heimlich wildprät (ein frauenzimmer) aus euerem haus, damit die gelegenheit vermeidet sei Abraham a St. Clara Judas 1, 95; das biszchen wildpret zu hüten, das in seinem häuslichen park, zwischen tisch und bett friedlich einherging Lichtenberg verm. schriften 5, 180;
geschwind! dasz wir das wildpret (das mädel) nicht verlieren
Göthe 14, 47 Weim.;
auch von mühsam gesuchten gedanken: es ist ein ander studiern in der schrift, wenn man tunkel schrift und figuren auslegt, das wirt genennet ein weidewerk da man etlich lustige vorstand als das wilprett sucht und fehet Luther 7, 639 Weim.; nun aber ermahnte man uns auch ganz ernstlich, auf die bilderjagd auszugehen, die uns denn doch zuletzt nicht ohne frucht liesz, obgleich Apels garten, die kuchengärten, das Rosenthal, Gohlis, Raschwitz und Konnewitz das wunderlichste revier sein mochte, um poetisches wildpret darin aufzusuchen Göthe 27, 102, 14 Weim. (aus meinem leben 7);
c)
seltener ausgehend von der vorstellung, dasz das wild im gegensatz zu den hausthieren sich selbst erhalten musz: dasz wir noch keinen galgen für die nachdrucker haben, ist .. beweis, dasz unsre .. fürsten noch keinen funken liebe für gelehrte haben, sondern diese menschenart betrachten, wie das wildpret, das sich selbst erhalten musz Bahrdt gesch. s. lebens 2, 82.
5)
häufig in festen redensarten und in sprichwörtern, namentlich des 16. und 17. jahrhunderts, gern bildlich; vgl. auch Wander sprichwörterlex. 5, 235; so mit bezug
a)
auf den wohlgeschmack: der brei schmeckt den bauern basz dann groszen herrn wildpret Seb. Franck sprichwörter 1, 109ᵃ; man lasz den edelleuten ihr wilpret, den pauern ihr kirchweihe J. Agricola 750 teutscher sprichwörter k Iᵃ; daher wildpret essen, schlemmen, faulenzen:
wann holzhauen auch wer ein orden,
so wern der münch so viel nicht worden,
als der im Faulharts orden sind,
wie mans in allen clostern find,
weil sie auch oft am tisch gesessen
und mit andern vom willpret gessen
Eyering proverb. cop. 1, 803;
sonst auch wildpret naschen:
wann der hund von dem wildpret nascht,
dest lieber er fort hasen hascht
3, 381;
dies auch im sinn von 'zu hoch hinaus wollen':
ich merk, sie hat kein lust zu mir,
ich hab kein schwere taschen,
sie sprach: du leckest noch wol ein schnee,
darbei ich ihr meinung versteh,
ich solt nit wilpret naschen
Ambraser liederbuch 178, 11.
b)
auf den scharfen geruch oder geschmack, der das wildbret leicht verräth und eine besonders scharfe zubereitung oder allerlei zuthaten nöthig macht: advocaten .., welche .. über ein jedes stinkendes wildpret ein brühle zu machen wissen Albertinus hirnschl. 503; ähnlich Butschky Pathmos 285; wildprät will pfeffer haben Kirchhofer schweizerische sprüchwörter 255;
es heiszt: wer wildprett essen will,
der kenn es und warmit man's füll
Fischart Eulenspiegel 4989 Hauffen;
c)
auf die schwierigkeit des fangens und die mühseligkeiten der jagd überhaupt, vor allem des wildtragens:
Nicanor uberschluͦg gering,
verkouft das wiltpret, ee ers fing
Brant narrenschiff 15, 26;
ähnlich Gengenbach 3, 21; die aber drauf (auf dem thron) sitzen, müssen oft auch blut schwitzen und schlafen gehen, als hetten sie wilbret getragen Mathesius Sarepta xciiiiᵇ.
d)
auf der seltenheit und daher kostbarkeit dieser speise für den gemeinen mann beruht die redensart wildpret sein, 'selten, fremd, unbekannt sein' (vgl. oben 4 a);
α)
zuweilen von personen: wo sint aber ietz sölche jungen, worlich es ist wiltpret, wo man si ietz findt Keisersberg bilg. 151ᵇ; vgl. auch Dentzler clavis linguae latinae 352ᵇ;
solch diener jetzund wildpret sein
Ayrer 3069, 3 Keller;
dann solcher (der guten weiber) man die meng nicht hat
und seind schier wiltbret wordn auf erdn
Rebhun 130 (hochz. zu Cana act 3, v. 787);
β)
noch häufiger und wohl auch früher von unpersönlichem:
die mörin sprach: das ist wilbret
in minem herzen sicherlich
H. v. Sachsenheim Mörin 2482 Martin;
es was mir vor wilpret,
e ich die warheit fand
sleigertüchlein 215, 30;
gedenk wie ein sölcher (spater) rüw so kum überkommen werd, und so seltzam ist, es ist wilpret, wo es ist Keisersberg bilg. 48ᵈ. oft auch von guten eigenschaften oder seltenen kenntnissen: treüw ist wildprät fides concidit Maaler; dankbarkeit ist jetzt ein wilpert (pro raritate) Stieler; liebe ist wildprät Kirchhofer schweizerische sprüchwörter 196; treu ist ein wildpret, könnte doch aus der treu auch eine untreu werden Schweinichen denkwürd. 7;
dasz klug und edel sein jetzt fast ein wildprät ist
Chr. Gryphius poet. wäld. 2, 142;
wie dann selbiger zeit gut latein, bevorab in disen landen, wildprät war Guler von Weineck Raetia 87ᵇ;
γ)
besonders gerne in der verbindung wildbret im himmel: so spricht man, es ist wilpret im himmelrich, darumb das es also seltzam ist Keisersberg bilg. 48ᵈ; von der seltenheit guter fürsten: wer weisz das nicht, das ein furst wiltprett im himel ist? Luther 11, 273 Weim.; ähnlich 6, 468; 7, 591; 10, I 1, 309; 19, 648; sprichwörtlich nach Eyering proverb. cop. 2, 75; nur selten in neuerer zeit:
ein fürst ist wildpret im himmel
Bauernfeld 6, 210 (Franz von Sickingen 4, 7);
vgl. auch bei Eyering:
ein fürst ist so seltzam im himmel,
als ein hirsch in eines armen küchen
prov. cop. 2, 75.
bei den dichtern des 17. jahrhunderts häufig in der verbindung ein wildbret dieser zeit (oder dieser welt):
du warst ein wildprät unsrer zeit
Simon Dach 750;
lieben, lieben
ist ein wildpret dieser zeit
B. Schmolck 2, 370;
die edle gottesfurcht, das wildpret dieser welt
H. v. Hoffmannswaldau und anderer Deutschen auserl. u. bisher ungedr. gedichte 3, 299.
oft mit dem erklärenden zusatz selten, seltsam, nicht gemein u. a.: es ist im ein seltzam kraut und solch wildprett, das nicht gemein ist, das ein heubtmann solchen glauben sol haben Luther 6 (1557), 318ᵃ; es ist ein köstliches, aber gar ein seltzames wilpret umb einen treuen freund Schupp 404; dasz sie (die rednerkunst) ein gar seltenes wildbret unter denen gelehrten sei Thomasius kleine teutsche schriften ² 376.
zusammensetzungen:
wildbretbahn f.,
dasselbe wie wildbahn:
an denen orten, da gute wiltpretbahnen unterhalten ... werden
Täntzer Dianen hoh. u. nied. jagtgeh. 2, 89.
wildbretbraten wildbretsbraten m.:
ist schon die chrie nicht recht nach dem Donat geraten,
quid tum? der stilus bringt uns keine wildpretbraten
Faszmann d. gelehrte narr 11;
zum mittag schick ich ihnen ein stück wildpretsbraten Göthe IV 5, 94 Weim.;
doch bat ich jüngst den lockern pfarr
auf einen wildpretsbraten
Langbein ged. (1804) 1, 156.
wildbretbrühe f.
brühe, in der wildbret gekocht wird, vgl. Amaranthes frauenz.-lex.
wildbretsbrühen n.:
zum wildpretsbrühen hackt man speck und zwiebeln
allgem. haushalt.-lexicon 2, 677ᵇ.
wildbretdieb wildbretsdieb m.
von wildbret in der bedeutung 'lebendes wild'; vom 17. jh. an häufig belegt, vom 18. jh. an allmählich ersetzt durch wilddieb, wilderer, wildschütz, im 19. jh. selten, jetzt ganz auszer gebrauch (s. auch wildbretschütz): wildpretdieb (beispiel für dreigliedrige composita) Schottel hauptspr. 78; dasz dise wildbrettdieb mit geschiften bärten, vermumbten angesichten .. gehen würtemb. erneu. vorstordnung 125; das zu haben heimlichen strauchmördern und wildbrätdieben anständiger, als ehrlichen leuten Grimmelshausen 4, 634, 16 Keller; wegen bestrafung derer wildprätsdiebe Fleming vollkomm. teutsch. jäger 313; den wildpretsdieben und räubern nachstellen allgem. haushalt.-lexicon 3, 736; ich hatte einen tückischen wildpretdieb .. auf dem korne Brentano 4, 228. —
wildbretdieberei wildbretsdieberei f.:
er hat die wildbrätsdieberei lange gebraucht (Hessen) Diefenbach-Wülcker 904. —
wildbretessen n.:
dasz Madhawya s. 194 vom wildpretessen spricht
G. Forster 9, 342.
wildbretessenz f.,
die erkaltete und durchgeseihte brühe von hirschfleisch, alten rebhühnern und wilden kaninchen, die man mit weiszwein und gewürz weich gekocht hat, Herders convers.-lex. 8, 1578. —
wildbretfalle f.:
dieweil auch die wildbrettfallen und selbgeschosz so gemein in unserm land werden
würtemb. erneu. vorstordnung 125.
wildbretfangen n.,
im engeren sinn 'fangen des wildes in fallen und netzen', im weiteren 'jagd' überhaupt:
ihr (Lisabon) waget, ist mir recht, nicht viel auf wildpretfangen
M. Opitz teutsche poemata 230 neudr.
wildbretfäszlein n.,
kleines fasz, in dem wildbret eingesalzen oder gebeizt wurde:
erst in der mitte des wildbrätfäszleins fand man füsz und eselsohren
Nas das antipap. eins und hundert 5, 365ᵃ.
wildbretfleisch n.
vereinzelt für wildbret, wild, wildfleisch:
wegen der steten und vielfältigen bewegung ist das wildpretfleisch truckener als das fleisch der zahmen thiere
Marperger vollst. küch- u. keller dict. 1317ᵇ.
wildbretfrasz m.:
dieses (für das wild gehegte heu) wird einiger orten auch frasz oder wildpretfrasz genennet Heppe lehrprinz 40. —
wildbretfuhre f.
wegfahren des geschossenen wildes durch die bauern im frohndienst, wofür auch wildfuhre: dasz die armen unterthanen .. mit wagen, pferden .., auch wildprätfuhren, hundeziehen oder leiten .. aufgeboten Schwappach handbuch der forst- u. jagdgeschichte 2, 610 anm. 36 (kurf. sächs. 1603). —
wildbretgeschmack m.,
im eigentlichen sinne und bildlich: je mehr er ihr (der sauce) jenen echten wildbretgeschmack zu geben weisz W. Hauff 3, 218. —
wildbretgewicht n.,
gewicht für aufgebrochenes wild, im gegensatz zu wildgewicht, dem gewicht des unaufgebrochenen thieres; nach dem vorschlag von Fürst ill. jagd- u. forstlex. 862. —
wildbrethändler m.:
ich lasz ihn (den eber) beim wildprethandler wiegen Raimund 3, 112. —
wildbretisch adj.,
'zum wild gehörig, wildartig', alterthümlich: seind auch vil wildprätisch thier darin Münster cosm. dccccxvl. —
wildbretkammer f.,
aufbewahrungsort für wildbret: heute kann ich nicht mehr in die wildbretkammer kriechen Holtei erz. schriften 9, 147. —
wildbretle n.,
gerne bildlich und scherzhaft: auf dises wildprätle lauszten sie Stumpf Schwytzerchronik 755ᵃ. —
wildbretlecke f.,
wildlecke, salzlecke: wenn das laub ausgeschlagen, werden die sulzen oder wilpretlecken wieder angerichtet allgem. haushalt.-lexicon 1, b 4ᵇ. —
wildbretliste f.:
der endlosen wild prett-, geflügel- und dessertliste der römischen gastronomie
Mommsen römische geschichte 3, 9;
und wie wir sahen, figuriert dieser riesenhirsch auch auf Rumplers wildpretliste des Neuburgerwaldes
Wimmer gesch. des deutschen bodens 323.
wildbretmarkt m.:
wenn sie reden könnten, die hirsche, rehe und hasen auf unseren wildpretmärkten, sie müszten die lustigsten stücklein zu erzählen wissen von den verwegenen burschen
Rosegger II 5, 312.
wildbretpastete f.:
der schinken, die würste und die wildpretpastete freilich waren neueren datums (als der wein) Riehl geschichten aus alter zeit 1, 321. —
wildbretpfeffer m.,
wildbret in stark gewürzter brühe: (beim bürgermeisterwechsel) ist gespeist .. wilbredtpfeffer Schlettstadter stadtrechte 2, 700. —
wildbretpürschen n.:
wenn nun ... hinter dem gewehr auch ein guter schütze ist, so musz dieser doch noch bei dem wildpretpürschen wohl auf den wind achtung geben
allgem. haushalt.-lexicon 2, 591ᵇ.
wildbretragout n.,
für älteres wildbretpfeffer:
die knödel, das wildpretragout und die strauben .. blieben den erquickten geraume zeit noch unvergessen
Steub drei sommer in Tirol 1, 131.
wildbretsache wildbretssache f.,
eine das wild betreffende angelegenheit, meist im plural und in verbindung mit forstsache oder holzsache, vgl. wildsache: aber es stecket weiterhin in forst und wildpretssachen .. ziemliche grosze consideration darhinder Täntzer Dianen hoh. u. nied. jagtgeh. 1, 46; dasz kein unterschleif unter ihnen, noch von anderen schmälerung oder eingrif in holz- und wildpretsachen .. vorgenommen und nachgelassen werde allgem. haushalt.-lexicon 2, 454ᵇ. —
wildbretsauce f.:
fasanenpudding in wildbretsauce
Heine 3, 176.
wildbretschaden m.,
alterthümlich für wildschaden und wie dieses auch gebraucht für die entschädigungssumme, die dem geschädigten ausgezahlt wird:
vom wildpretschaden ... ist die ... berechnung merkwürdig
allg. deutsche bibliothek 60, 369;
materialien zu einem .. normalgesetze wegen erstattung des wildpretschadens
93, 546.
wildbretschädiger m.:
wildpretschädiger (beispiel für composita aus vier 'stammwörtern') Schottel hauptsp. 78. —
wildbretschieszen n.,
alterthümlich (oberdeutsch) und mundartlich (bair.-österr.) vom verbotenen jagen, 'wilddieberei', vgl. wildbretschütz und wildschieszen: so bald sie sich einst dem wildpräthschieszen ergeben, so werden sie werklos, faullenzer, verthuner, schwelger Schwappach handbuch der forst- und jagdgeschichte 2, 591 anm. 8 (Würtemb. 1508); das gefahrlich wildbrettschieszen hat bei dem losen gesind .. überhand genommen würtemb. erneu. vorstordnung 108; wer so viel geld hat, der sollt sich doch nit mit dem notigen wildpretschieszen abgeben! Rosegger III 6, 195. —
wildbretschirn m.
zu schirn, scharn öffentliche fleischbank Kehrein weidmannsspr. 325, s. wildfactorei. —
wildbretschreiber m.,
der die listen über das erlegte wild zu führen hat:
1 jagdsecretarius und wildpretschreiber
Schwappach handbuch der forst- und jagdgeschichte 2, 639 anm. 36 (Würtemb. 1788).
wildbretschreiberei f.
(in Würtemberg) die gebäulichkeit, wohin die kgl. forst- und jagdbeamten das erlegte wild aus den hofjagden und wildparken zum verkauf schicken; ztschr. f. d. wortforsch. 9, 63. —
wildbretschütz m.,
alterthümlich und namentlich oberdeutsch für wildschütz und wie dieses ursprünglich gleichbedeutend mit jäger; wildbretschütz, wilderer, venator Stieler (1691); mundartlich noch lebendig in Baiern und Österreich: der todt .. wie ein jäger oder wildtpretschutz allenthalben .. umbgehet Albertinus hirnschleiffer (1664) 519; so vil diejenige wildprädtschützen anbelangt, welche des wildprädtschieszens halber verruft Schwappach handbuch der forst- und jagdgeschichte 2, 643 anm. 1 (bair. 1663); die bedeutung 'wilddieb' bekommt vom 17. jahrh. an das übergewicht: dasz etliche schädliche holzgänger sich auch wie die wildpretschützen (daneben auch wilderer) vermummen würtemb. erneu. vorstordnung 80; wir haben hievon beweis genug an denen wildpretschüzen Stahl der gewehrgerechte jäger 185, 21; der flüchtige wildpretschütz, der niemals genossenschaft sucht Leoprechting aus dem Lechrain 126; steirisch wildpretschütze = wildschütze, wilderer Unger-Khull.
wildbretsfrau f.,
selten für wildbretshändlerin Amaranthes frauenz. lexicon 2124. —
wilbretsfümet n.,
zu franz. fumet m. duft, witterung: die seele der rothen Appel dampfte eben darum ein wildpretsfümet aus und roch wie angebrannte milchsuppe Jean Paul 7/10, 462. —
wildbretsgericht n.,
alterthümlich für wildbann, vielleicht auch für forstamt:
damit nicht allein die füchs geschossen, sonder zu nachtheil des hohen wildbrettsgericht auch viel hund erlegt und beschedigt werden
würtemb. erneu. vorstordnung 92.
wildbretsjäger m.,
vereinzelt für jäger: dasz .. der diener .. ein wildpretsjäger sei allg. deutsche bibliothek 96, 71. —
wildbretskeule f.:
nur selten stärkt mich eine wildbretskeule
Falck 3, 114.
wildbretslauft m.,
zu lauft bein eines vierfüszigen wildes, lauf:
also ist einem weidemann nicht wohl zuzumuthen, dasz er dergleichen geringen hirsch vor einem alten wildprettslauft erkennen oder unterscheiden möge
Göchhausen notabilia venatoris 22.
wildbretsleber f.:
wir gebrauchten öfters statt des brodtes die gekochten wildpretslebern
Schnabel insel Felsenburg 180.
wildbretsliebhaber m.:
(ackergansfleisch) ist ... dem wildpretsliebhaber wegen des ... wilderichten beigeschmacks ... sehr angenehm Naumann naturgeschichte der vögel 11, 301. —
wildbretsplage f.:
ist je eine pest neben der wildpretsplage, ... so ist es die pest der schäfereien
allg. deutsche bibliothek 63, 598.
wildbretsrechnung f.:
alle rapporte in jagdsachen, alle wildpretsrechnungen .. laufen bei ihm ein (dem oberjägermeister) Heppe lehrprinz 197. —
wildbretstand m.,
standort des wildes, wildstand, vgl. wildstand: damit die dicken sträucher und wildbretstände nicht verwüstet werden Hohberg georgica 1, 110. —
wildbretstrafe f.,
strafe für wilderer: (ein wilderer, der sich zur wehr setzt) soll zu obbestimbten nach der zahl gesetzten wildbretstrafen .. noch weiteres vierzehen tag im thurm büszen würtemb. wildbrettschützenordnung 8. —
wildbretstaxe f.,
taxe, durch die die preise für den verkauf des wildes festgesetzt waren; vgl. allgem. haushalt.-lex. 3, 736. —
wildbretsteuer f.,
steuer auf wildbret, wildsteuer: es hat z. b. im jahre 1865 die stadt Berlin eingenommen ... (als antheil) ... an wildpretsteuer 20000 thaler Moltke 7, 58 f.
wildbretsulze f.,
wildlecke, wildsulze, salzlecke:
mit dem leithunde fängt man nun auch bei der jägerei an auszuziehen und das behängen abzuwarten, auch noch die wildpretsulzen zu verneuen
allgem. haushalt.-lexicon 1, c 2ᵇ.
wildbretsverzeichnis n.:
wildpretsverzeichnisse heiszen die ... rapporte, welche bei einer wohleingerichteten jägerei die ... forstbediente ... dem oberjäger ... einsenden müssen
Heppe lehrprinz 148.
wildbretswage f.,
s. auch wildwage:
vor jagdbar wird der hirsch .. angesprochen, wenn derselbe ... im ganzen gegen, aber nicht über, 300 pfund nach der wildpretswage hat
Heppe lehrprinz 54.
wildbretszehrgarten m.,
alterthümlich für wildpark: (wildpretstaxe) nach welcher seine Churfürstliche Durchlaucht zu Sachsen, Herzog Friedrich August, in dero proviant- und rauchhause, wildpretszehrgarten und sonst, das wildpret verkaufen lassen wollen allgem. haushalt.-lexicon 3, 736. —
wildbretundfischbrief m.,
ein scherzhafter gelegenheitsausdruck:
wie nun der vorhergehende theil nur in worten und leerer höflichkeit bestehet, als haben folgende theil realia, oder wie jener sagte, es sind wildpret- und fischbriefe
Harsdörffer der teutsche secretarius 2, ):( ):( iiᵇ.
wildbretverkauf m.:
die verwaltung des wildpretverkaufes gehörte ... in das departement des haushofmeisters
Holtei erz. schr. 9, 147.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1913), Bd. XIV,II (1960), Sp. 47, Z. 44.

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wiedertritt wildendivie
Zitationshilfe
„wilbretsfümet“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wilbretsf%C3%BCmet>.

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