willkommen schw. v
Fundstelle: Lfg. 2 (1916), Bd. XIV,II (1960), Sp. 203, Z. 9
'bewillkommnen', in der älteren sprache mit dem ton auf der ersten silbe, wie bei willfahren, daher part. perf. gewíllkommt; zu der neueren betonung willkómmen vgl. unten die belege aus Schubart und Grillparzer: wie nun der landvogt Geszler zum selben hus kumpt, und ine der Stouffacher .. früntlich empfieng und willkummet Tschudi chronicon Helveticum 1, 235; die Griechen, so nach zerstörung Troiae wider an heim kommen, wurden von ihren freunden aus schalen, so als hörner formiret gewesen, mit dem besten wein gewillkommet Moscherosch gesichte 2, 327; der (nymphenhaufe) sie .. mit nachfolgendem lied .. willkommete Birken ostländischer lorbeerhäyn 404; so ward er von den färtigen säninnen mit träflicher anmuht gewülkommet Zesen adriat. Rosemund 13 ndr.; ebenso 101;
und die nachtigall sang ihm ein willkommendes lied
Herder 26, 417;
doch Franklins seele flog empor
ins urlicht, geister drangen
in schaaren herbei,
willkómmten ihn
Schubart gedichte 3, 109;
nun erst willkomm' ich euch!
Grillparzer 6, 116.
substantiviert: im hause ging das willkommen erst recht an Bucholtz Herkuliskus 98.
willkommen interjectionsartiges gruszwort
Fundstelle: Lfg. 2 (1916), Bd. XIV,II (1960), Sp. 202, Z. 39
erstarrung des adjectivs willkommen.
1)
unabhängig:
.. und willkommen erscholls, willkommen im grünen!
J. H. Voss gedichte 1, 33;
als ergänzung findet sich häufig
a)
der gegenstand der begrüszung, meist im vocativ:
wir küszten ihr gesicht und ruften: ach! wilkommen!
wilkommen, wehrte frau!
Gryphius trauersp. 110 Palm;
willkommen, Emir!
Lessing 3, 147, 56;
willkommen, o silberner Mond
Klopstock oden 1, 171;
willkommen dann, sel'ger soldatentod!
Körner werke 1, 141;
auch bei dingen (vgl. th. 5, 1651 ff.):
willkommen, frische frühlingsrosen!
Brockes irdisches vergnüg. 4, 103;
manchmal auch im dativ:
willkommen euch! willkommen freund Marcellus
A. W. Schlegel Shakespeare 6, 80 (Hamlet 1, 1);
ausnahmsweise auch mit der präposition für:
willkommen! und willkommen auch
für's wackre fünfte paar
Göthe 1, 109 Weim.;
b)
eine ortsbezeichnung:
und also ihr getreuen, lieben,
willkommen aus der näh und ferne
15 i, 10;
selten als zielpunkt:
willkommen hier ins grün!
Bürger 23ᵃ Bohtz;
Schwabe belustigungen 1, 442; vgl. oben mhd. willekomen dar (sp. 200); meistens als ruhepunkt gedacht:
willkommen hier auf erden
Schmolcke schr. 1, 375;
willkommen hier in unsern gränzen
Gottsched gedichte 56;
willkommen, sprach er, freund, auf unsrer flur
Pfeffel poet. versuche 3, 204.
c)
eine bestimmung der verstärkung: ah, Waldemar! herzlich willkommen Fontane I 5, 61; willkommen, tausendmal willkommen! Gaudy 13, 76.
d)
seltener eine zeitangabe: willkommen, liebster freund, nach einer so langen abwesenheit Abbt 3, 127.
2)
abhängig, meist als accusativobject:
Leander ward mit freud' erfüllt,
und stotterte willkommen
Hölty gedichte 22;
kein freund rief ihnen willkommen zu Holtei erz. schr. 18, 2; es trat sofort ein mann herein, freundlich willkommen bringend Stifter 1, 225.
willkommen n.
Fundstelle: Lfg. 2 (1916), Bd. XIV,II (1960), Sp. 202, Z. 17
der substantivierte zuruf willkómmen (s. d. unten), schon mhd. willekomen, n.:
so wie ...
der lerchen muntre schaar ...
der sonne gleichsam singt ein jauchzendes willkommen
König gedichte 20;
den (sohn) unter süszen thränen
an ihrer brust sie nährt,
und ein willkommen stammeln lehrt
Uz 169 ndr.;
singe nun auch einmal mir zu liebe ein hübsches fröhliches willkommen Göthe 25, 149 Weim.;
mir schlägt das herz! wie sing ich mein willkommen
dir, herrlicher, dir, groszer siegestag?
Tiedge 3, 97;
ein gar herzliches willkommen Gaudy 4, 69; das einzige willkommen, welches die deutschen blätter den republikanischen brüdern zuriefen briefe von und an Herwegh 149;
jauchzt ihm, ihr frommen,
ein heilig willkommen
Mörike 1, 133;
dieser lebhafte und anregende tanz ... fand in New York ein freundliches willkommen Böhme geschichte des tanzes 222.
willkommen m.
Fundstelle: Lfg. 2 (1916), Bd. XIV,II (1960), Sp. 200, Z. 73
scheideform zu willkomm m. und im geschlecht zu erklären wie dieses, auch genau mit den gleichen bedeutungen; mnd. willekome m.
1)
'willkommgrusz, empfang', zunächst im guten sinn Steinbach (1734) 1, 898; im 17. jh. in dieser verwendung noch selten:
die singende ... thönende, pralende willkommen (plur.)
Treuer Dädalus 1, 586;
vom 18. jh. sehr häufig:
willkommen und abschied
Göthe 1, 68 Weim.;
ew. königl. hoheit höchsterfreulicher willkommen begegnet mir im augenblick meiner ankunft IV 33, 48 Weim.;
.. trage freundlichen willkommen
auf deinen lippen, deiner hand
Schiller 13, 36;
das herz scheidet zitternd vom glück, noch ehe es den willkommen gewagt Bettine briefe 1, 192; meine forsten säuselten mir im stillen rauschen ihrer wipfel ihren traulichen willkommen zu Hauff 3, 235;
er trifft den alten vater allein am mittagsmahl.
ein frostiger willkommen! kein wort ertönt im saal
Uhland gedichte 1, 287;
allgemeiner willkommen begrüszte den .. handelsherrn Holtei erz. schriften 1, 108; wir wollten ihnen, da sie oben noch licht hatten, einen willkommen blasen Eichendorff (1864) 3, 396; in Tirol fanden wir einen willkommen, wie deputirte .. ihn erwarten können Hebbel 10, 86; auch ironisch: der bär wollt' auch gleich auf es los und ihm mit seiner tatze einen guten willkommen geben J. u. W. Grimm kinder- u. hausmärchen 2, 162; oder gar in üblem sinn: im ersten willkommen, den wir ihnen (den feinden) boten Grimmelshausen Simpl. 220 Kögel; er gab mir ... einen so unfreundlichen willkommen Wieland Lucian 1, 4; das ist noch ärger, als der willkommen der Gothaischen policei Caroline 1, 81 Waitz; ich möchte den willkommen nicht mit dir theilen J. G. Jacobi 4, 171; solch einen willkommen (durch bissige hunde) hatte ich noch niemalen hier empfangen Storm 3, 221; darum von den prügeln, die man sträflingen besonders beim eintritt in die strafanstalt verabreicht: dem zuchthäusler .., welchen halbjährlich an ort und stelle ein sogenannter willkommen empfängt J. Paul nachdämmerungen 65. sichere scheidung von willkommen n. (s. unten) ist namentlich in der älteren sprache nicht immer möglich: und ime ein besonder willkomen was, ir schöne augen zuͦ sehen Montanus schwankbücher 239;
disz arge blutbad musz sein (Jesu) willekommen sein
Opitz teutsche poemata 187 neudr.;
des herzlichsten willkommens Meiszner skizzen 1, 73; nach dem ersten willkommen Göthe 23, 169 Weim.; mir ist das liebste beim willkommen, ihm an den hals springen B. v. Arnim Brentanos frühlingskranz 122; zum willkommen Klinger 1, 51.
2)
altertümlich wohl auch eine 'bewirtung oder beschenkung zum willkommen': man sol hinnanfürder .. sinen kinden noch sime gesinde keine hantgift, .. wilkummen noch letzte nit me geben Eheberg verfassungsgesch. der st. Straszburg (1405) 1, 29; vgl. willkomm m., sp. 193.
3)
zur sachbezeichnung geworden ein 'willkommenbecher, groszer humpen'; Steinbach 1, 898; mit einem willkommen, da von vier kühen die milch eingehet Grimm rechtsaltert. ⁴ 1, 149; vgl. auch willkomm m., sp. 193 und willkommbecher m.:
das heiszt man einen gotwilkomen.
den schenkt man ein mit lautern wein,
gehen zehn oder zwelf masz drein; ...
welcher den wilkomen nit gar ausmacht,
der selb wirt für ein narren geacht
Schade satiren 1, 162;
nun macht man die unfletigen groszen willkommen, narrengleser, die man kaumet aufheben kan Mathesius Sarepta 196ᵃ; den willkommen fürsetzen Beier der handwerksgesell (1717) 124; soll der einwandernde fremde geselle mit übermäszigen zutrinken verschonet, und selben der willkommen eine stunde hernach, wenn sie zusammenkommen, präsentiret, nachmahls wiederum aufgehoben, und daraus keine reise- oder gesundtränke ... getrunken ... werden 129 (schles. tuchschererprivileg); man brachte zum zeichen des friedens den willkommen herfür, darin fast ein masz bier platz hatte Reinwald studentenspiegel (1720) 51; der sogenannte willkommen ist das grosze bei den deutschen so hochangesehene trinkgeschirr Gottsched neuestes aus d. anmuthigen gelehrsamkeit 3, 823; willkommen, das geschenke, heiszt ein gewisser becher oder kanne, der dem gesellen, der vierzehn tage in arbeit gestanden hat und den meister um arbeit anspricht, zugebracht wird, welches ein zeichen ist, dasz er in arbeit bleibt Jacobsson technol. wb. 8, 204ᵃ; vgl. auch allgem. haushalt-lex. (1749) 3, 736; Braun dt. orthogr. - gram. wb. (1793) 306ᵇ; Niederlausitzer mitteilungen 7, 351; bildlich: er stürzte allezeit den ordenkelch und willkommen des warmen sprudels einer neuen freundschaft so unmäszig hinein, wie ein gast in Karlsbad den seinen J. Paul Hesperus 2, 49. nur vereinzelt in dieser bedeutung wohl auch n.: nun gab der herr Fugger i. f. g. ein willkommen, welches von dem schönsten venedischen glas ein schiff war Schweinichen denkwürd. 77.
willkommen adj.
Fundstelle: Lfg. 2 (1916), Bd. XIV,II (1960), Sp. 194, Z. 70
der zweite theil dieser zusammensetzung, die um 1100 willechomen und später im mhd. willekomen lautet (vgl. auch Opitz poem. 187 v. 451 neudr.), ist offenbar das particip von kommen selbst, wofür es auch Paul in seinem wörterbuch hält; weniger einleuchtend könnte man die form als einen erstarrten casus des substantivs willkomm m. (ahd. willichomo) ansehen, etwa die mehrzahl, die aus einer fügung sît willekomen verallgemeinert wäre, oder den accusativ der einzahl, aus der verbindung einen willekomen heiʒen; der ton ruht immer auf dem zweiten bestandtheil, daher auch in verkürzung kärnt. kuma! Lexer 164. jedenfalls gebraucht man das wort genau so wie jedes andere adjectiv, attributiv und prädicativ, und man steigert es seit alter zeit. so lautet der comparativ gewöhnlich willkommener (mhd. willekomener Lexer): je ungelehrter sie sind, je willkommener und lieber sind sie in den klöstern Fischart binenkorb 225ᵇ; alwo ein schönes kleid, wan es schon ein esel an hätte, bei fürsten und herren willkommener ist, als ein doctor in einem schwarzen kleid Moscherosch gesichte 2, 303; einen entschlusz, der mir noch willkommener war Bürger 243ᵇ Bohtz; die rübchen erschienen umso willkommener, als es dies jahr am Rhein und Main keine kastanien giebt Göthe IV 19, 74 Weim.; ähnlich I 24, 29; eine willkommenere bitte Jean Paul 1, 206; eine andere willkommnere form Bismarck briefe an seine braut u. gattin 46; nur ausnahmsweise in umschreibung: geistliche, denen ein von der kirche herrührendes gesetzbuch gewisz mehr willkommen war als das von einem weltlichen monarchen M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 3, 129; der superlativ: in solchen fällen (auf der reise) ist ein wörterbuch die willkommenste begleitung Göthe 33, 106 Weim.; leute .., die von launen regiert werden, so dasz man ihnen heute der willkommenste gast, morgen der überlästigste gesellschafter ist Knigge umgang mit menschen 1, 193; als wir noch recht tapfer und getreu auf unsern burgen hausten, waren die minnesänger am willkommensten in unsern sälen Fouqué gefühle, bilder 1, 61; der willkommenste bestandtheil in diesen nachträgen Justi Winckelmann 2 ii, 284; die .. piraterie wurde ... als willkommenste bundesgenossin überall entfesselt Mommsen römische geschichte 2, 282; in den wörterbüchern gebucht von Steinbach 1, 898.
bedeutung und gebrauch. den inhalt und die grenzen der bedeutung des wortes ersieht man am besten aus der verbindung mit sein und ähnlichen zeitwörtern.
I.
abhängigkeit.
A.
prädicativ neben zustandsverben.
1)
neben sein.
a)
zunächst nur von personen oder wie lebendes behandelten dingen, die wirklich kommen, namentlich von gästen, wie es denn geradezu nebeneinander heiszt:
du bist uns itzt ein lieber gast
und auch willkommen
Thym Thedel v. Wallmoden v. 1016 neudr.;
seid mir als werther gast und freund willkommen
Schiller 12, 255;
am passendsten ist der ausdruck, wenn das kommen (vgl. th. 5, 1630 ff.) wirklich erwähnt wird:
willkommner wär' er mir,
käm er ohn ihm zurück
theater der Deutschen 1, 98;
oder wo das kommen wenigstens vorausgesetzt ist: wann man was erfunden und erdacht hat, so ihnen (den herrschaften) zu vortheil ... dienen mag, und wann es noch so gottlos wäre und gar vom teufel käme, so ist man bei ihnen doch willkommen damit Moscherosch gesichte 2, 825; heil dir, könig der thiere! du bist immerdar willkommen Lessing 8, 57, 29; ein bücherkenner ist überall willkommen Göthe 46, 45, 25 Weim.; widerlegen oder berichtigen sie meine idee, sie werden mir in beiden fällen willkommen sein Schlesw. litbr. forts. 301. im besondern als grusz in der form sei (älter bis) willkommen, zunächst an ankommende, entsprechend mhd. bis (sît) willekomen Gudr.:
Willekin, bis willekomen!
sage an, waz hast du vernomen?
Katharinenspiel 130, 46;
sei mir wilkommen
Schaidenraiszer Odyssea 2ᵃ;
zarter erstling, süszer knabe! ...
sei willkommen!   sei gegrüszt!
Gottsched gedichte 106;
seid willkommen, edle gäste,
jedem echten deutschen sinn
Göthe 3, 117 Weim.;
ebenso bei unpersönlichem: seid willkommen, liebliche blümchen umher! Geszner schriften 1, 74;
ha, windsbraut, sei willkommen,
willkommen sturm des herrn
Schenkendorf gedichte 7;
sei mir willkommen, jahr des friedens und des todes! Miller Siegwart 2, 471;
sei willkommen,
licht der frommen!
Schubart gedichte 2, 90;
o tod! dann sei mir willkommen! Kotzebue dram. werke 2, 89; sei mir tausendmal willkommen, süszes oder besser angenehmes wort Hippel lebensläufe 1, 11 und öfter; schlieszlich auch als grusz an dinge, die nicht kommen, sondern zu denen der grüszende kommt:
sei willkommen, friedliches gefilde
Schiller 1, 131.
b)
dann in der gleichen weise von dingen, die kommen; so, wo das kommen (oder bringen) wieder erwähnt wird: das wohltemperirte clavier soll, wenn es ankommt, auch in duplo willkommen sein Göthe IV 31, 66 Weim.; oder doch ohne weiteres zwischen den zeilen zu lesen ist: sehr willkommen war disz buch den frommen Deutschen (Luthers bibelübers.) Mathesius Luther (1583) 142ᵇ; ei, so sei willkommen die geiszel meines gottes! Birken der vermehrte Donau-strand 125; die drei kupferstiche waren sehr willkommen Göthe IV 35, 284 Weim.;
was ist verwünscht und stets willkommen?
15 i, 9 Weim. (Faust 4743);
ihr lieber brief, mein bester, war mir .. nur desto willkommener, je länger ich darauf geharrt hatte Forster schriften 7, 194; ein glas wein war mir höchst willkommen A. v. Arnim werke 2, 142; dann würde es (das geld) für tage der krankheit, der not oder verarmung einst plötzlich willkommen sein Keller 2, 97; hier haben wir grosze vorräthe .. gefunden, die äuszerst willkommen waren Moltke schriften 6, 451; die ausbeute war .. immer sehr willkommen Ranke werke 3, vii.
c)
endlich von weniger dinglichem oder ganz abstrac tem, was aber immer noch als kommend vorgestellt werden kann, so wieder, wo die bewegung erwähnt wird:
ein schönes ja, ein schönes nein,
nur geschwind! soll mir willkommen sein
Göthe 2, 226 Weim.;
oder wo sie vorauszusetzen ist: wer es ... für falsch hält, dessen widerlegung soll mir willkommen sein Lessing 10, 235;
doch wie dir jede kunst willkommen
König gedichte 108;
jede auszeichnung musz in diesen trüben und stürmischen zeiten willkommen sein Göthe IV 21, 352 Weim.; sie (die finsternis) ist, wie die ruhe, den müden willkommen II 5, 1; völlig abstract: wie willkommen ist uns ... eine philosophie Wieland Agathon 1, 263; jeder trugschlusz Nicolai reise d. Deutschland u. d. Schweiz 6, 414; dieses versehen Göthe 21, 26, 7 Weim.; ein versuch Schubart ästhetik der tonkunst 1.
d)
zuweilen scheint der gebrauch des wortes an seinen grenzen angelangt zu sein, wenn der gedanke an eine bewegung ziemlich ausgeschlossen ist; bei personen ist das selten oder garnicht der fall, eher bei sachen: vom militärischen standpunkt ist jede bahn willkommen Moltke schriften 7, 35; vor allem bei undinglichem: jedes amt .. soll mir willkommen sein Solger schrift. 1, 83;
und auch der speise kräft'ger wohlgeschmack
wär ... mir ... willkommen
Fouqué held des nordens 1, 85;
namentlich wo ein infinitiv oder ein nebensatz als subject neben willkommen gedacht ist: so musz mir nichts willkommner sein, als wenn diejenigen, welche bestellt sind gegen das gesetzlose zu wirken, ... zu mildem entschlusz sich bewogen fühlen Göthe IV 28, 202 Weim.; mir wäre willkommener gegen ihn (den oheim) im felde zu stehn als an seiner schwertseite Freytag 9, 22.
e)
in der besonderen verbindung willkommen sein heiszen, die schon mhd. vorliegt (er hieʒ si willechomen sîn Lexer), und die sich erklärt wie das kürzere willkomm sein heiszen (oben sp. 190, vergl. auch band 4, 2 sp. 910); sie hat sich im älteren nhd. gehalten, ist aber im 18. jh. ausgestorben: nach der mesz gieng si zu im, vieng in in ir arm, hiesz in grosz willichumen sein got und ir Füeterer Lanzelot 171 Peter; wann er wieder zu haus kompt, sol sie ihn frölich heiszen wilkommen sein Barth weiberspiegel K 3ᵃ;
denn die flegelgroben brüder ,.
hieszen ihn wilkommen sein,
dasz ihm auflief leib und bein
Reinicke fuchs (1650) 120;
wir heiszen dich jetzt sein willkummen
Spreng Äneis 153ᵃ;
.. seht, er trit schon zu euch ein,
wohl! heiszet ihn willkommen sein
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. 1, 205;
sahe ich mich ... um, ob er und mein meüder uns nicht bald entgegen gehen und uns willkommen sein heiszen wolten Simplicissimus 14 Kögel; diesen hiesz der wirth alsobald wilkommen sein Weise die drei ärgsten erznarren 23 ndr.;
und die götter alle
hieszen ihn willkommen sein
Denis lieder Sineds (1772) 66.
2)
neben andern zustandsverben, wie erscheinen, heiszen, aber auch neben kommen: und auch jene geldhülfe, wie willkommen erschien sie Dahlmann gesch. d. franz. revolution 78; der geheime rath freilich wird anders urtheilen, dem eben diese allgemeine zerrüttung willkommen heiszt Schiller 7, 160;
man meint, wenn ich willkommen hiesze,
so kämen noch drei mädchen nach!
Mörike 1, 172;
so kam ich sehr willkommen Keller 4, 29.
B.
prädicativ neben transitiven. wie sich willkommen neben sein auf den träger der zeitwortshandlung (das subject) bezieht, so neben transitiven zeitwörtern auf deren ziel (accusativobject).
1)
willkommen heiszen, beinahe allein übliche verbindung (vgl. band 4, 2, sp. 913 unter e und oben sp. 191 unter willkomm).
a)
im eigentlichen sinn, vom grusz eines menschen, zunächst an einen ankommenden andern menschen: Florigunde .. heiszet ihn willkommen volksbuch v. geh. Siegfried 76 ndr.; wo dieselbe wäre, dasz sie nicht anwesend und ihn willkommen hiesze der politische maulaffe 241; (die weiber) kamen uns entgegen, nahmen uns bei der hand und hieszen uns gar freundlich willkommen Wieland Lucian 4, 225;
die götter alle
willkommen ihn hieszen
Herder 25, 221;
erlauben ew. gnaden, dasz ich sie schriftlich im Carlsbad willkommen heisze Göthe IV 30, 35 Weim.;
noch einmal, fürstin, heisz ich sie im feld willkommen
Schiller 12, 104;
auch im passiv: der bräutigam wird vielmehr am tage der vermählung vom schwiegervater als gast willkommen geheiszen Peschel völkerkunde 237; in gehobener sprache und übertragen: wo man Homer und Phidias neidlos willkommen hiesz, um von dem herrlichsten gewinn zu ziehen Gervinus gesch. d. deutsch. dichtung 5, 54; wie begrüszen auch mit bezug auf lebloses:
dann dürft ich deinen hellen strahl
willkommen heiszen allemal
Becker mild. liederb. 4;
damit ich sie (kreuz und verfolgung), wenn sie kommen, könne willkommen heiszen Butschky Pathmos 56.
b)
oft spöttisch, von einem üblen empfang, einer derben zurücktreibung, vgl. oben sp. 193 den willkomm geben:
auf das man dich nicht in der zunft
schelt einen groben unvernunft,
noch dergestalt willkommen heisz,
dasz dir der senf die augen beisz
Ringwaldt die lauter warheit 112;
deinen nachbar hiesz ich willkommen, also dasz er für mir uber den zaun springen muste engl. comedien u. tragedien A 8ᵃ; die ihn ... überredet, er sei unsichtbar, bisz ihn sein weib darüber heszlich willkommen geheiszen Grimmelshausen 4, 529 Keller.
c)
seit neuerer zeit auch in abgeblasztem sinn von 'gern aufnehmen, nicht abweisen': nachdem er .. auf seinen zügen .. jeden waffenbruder, der sich anschlosz, willkommen geheiszen hatte Mommsen röm. geschichte 2, 172; auch von sachen in der bedeutung 'billigen, mit freuden begrüszen': bei dem allen aber ist ihm die anthropomorphistische vermittelung so unentbehrlich, dasz er ... sie als symbol willkommen heiszt Hegel 16, 212; man hat an allen orten die chemie gern willkommen geheiszen Stöckhardt chemische feldpredigten 1, viii; (die) wahl Rudolfs, die von der stadt Straszburg so willkommen geheiszen Nitzsch deutsche studien 200.
d)
auch in der weise, dasz lebloses dabei als subject auftritt:
der lenz heiszt euren lenz der jugend ietzt willkommen
P. Fleming gedichte 1, 65;
wir jungen können nicht verschweigen,
wenn uns ein glück willkommen heiszt
[K. Stieler] geharnschte venus 91 ndr.;
ein ... lustgeschrei
heiszt dich ... willkommen
König gedichte 27;
durchsichtige papierbuchstaben, hinter denen lampen standen, und die die ankommenden willkommen hieszen Stifter 2, 353.
2)
willkommen machen, haben, nur vereinzelt: indesz ein unnennbares gefühl ihm das gebot der frau von Tharow willkommen machte Chézy erzählungen und novellen 1, 40;
wenn man musz eine zeitlang hacken und graben,
wird man die ruh erst willkommen haben (lieb haben)
Göthe 16, 148 Weim.
C.
attributiv. der attributive gebrauch ist aus der verbindung mit sein entsprossen und deckt sich daher so ziemlich mit ihm. so steht willkommen auch als attribut
1)
bei ausdrücken für personen oder persönlich gedachtes:
die wirtin sprach: die hab ich gern
und seind mir gar willkommen herrn
Fischart Eulenspiegel v. 3893 Hauffen;
die werden dem herrn wider willkommene gäste sein in seinem ewigen reich der herrligkeit Nigrinus von zäuberern, hexen, vorrede 3ᵃ;
denn stets willkommne freier waren,
so lang' es liebe gab, husaren
Erlach die volkslieder d. Deutschen 2, 497;
lieber und willkommener hausfreund Arndt werke 1, 30; ein willkommener schüler Tieck schriften 2, 26; ein willkommener diener Freytag 11, 292.
2)
bei ausdrücken für dingliches, unpersönliches: zur dankbaren erwiderung der willkommnen sendung Göthe IV 41, 56 Weim.; dieser willkommene trank Schiller 4, 75; eine willkommene erscheinung Forster schriften 8, 174; einen willkommenen nachtrag Heine 3, 375; willkommene beute Peschel völkerkunde 163.
3)
bei ausdrücken für weniger dingliches oder ganz undingliches: ein willkommenes wort Hebel 2, 29, 5;
und seht ihr leuchten die willkommnen flammen,
dann auf die feinde stürzt, wie wetters strahl
Schiller 14, 388;
auf dem lande würde ein ... vogelschieszen ... eine willkommene ergötzlichkeit sein Jahn werke 1, 307;
nicht im elend allein ist fröhlicher liebe
reiner willkommner strahl die einzige tröstung
Göthe 11, 31 Weim.;
einen so willkommenen anlasz Matthisson schriften 1, 3; die trümmer der gräber und tempel, welche dem aufnehmenden die willkommenste orientirung gewähren Moltke schriften 1, 185; willkommne genugthuung! B. v. Arnim dies buch gehört dem könig 2, 328; die willkommene gelegenheit, den consular zu demüthigen Mommsen röm. geschichte 2, 212.
4)
deutlich spürt man beim attributiven gebrauch die verblassung der bedeutung und den übergang zu einem allgemeinen ausdruck für 'angenehm':
und am abend soll der geruch willkommenen fleisches
euch entgegendampfen
Göthe 50, 293 Weim.;
es ist mir kein willkommner zeichen, ihnen zu sagen, dasz ich sie liebe, als immer wechselnde blumen IV, 5, 64; ohne den willkommenen klang der zusammenschlagenden hände I 22, 238; ew. wohlgeboren so willkommene als entschiedene art sich ... zu erklären IV 28, 177; ein zierlich geschweiftes steinernes blätterwerk, willkommener schlupfwinkel für ein heer von spatzen Gutzkow ritter v. geiste 1, 13; ein willkommenes obdach gewähren Nehring tundren u. steppen 30; mit allem willkommenen comfort Pückler briefwechsel u. tageb. 2, 327; vereinzelt steht ein fall wie: legt eure willkommene (wohlthuende) hand auf mein haupt Klinger werke 1, 45.
D.
substantiviert, nur vereinzelt; so männlich:
dem willkomnen
sonst nichts?
Lessing 3, 144;
sächlich: etwas deinem gaumen willkommenes Göthe IV 37, 1 Weim.;
(dasz) den vielwillkommnen sich willkommnes biete
Grillparzer 1, 178;
einiges willkommne J. Grimm klein. schriften 3, 227.
II.
ergänzung. willkommen nimmt mehrfache ergänzungen zu sich, deren form hauptsächlich von ihrer bedeutung abhängt.
1)
die person, der man willkommen ist, steht meist im dativ, sonst mit bei oder auch für.
a)
dativ: nun seid mir wilkomen Arigo 157, 14; dem edeln Heinrich waren sie alle herzlich willkommen maler Müller werke 1, 223; vater Hamlet im schlafrock ist dir gewisz willkommen Göthe IV 42, 105 Weim.; und sie, mein freund, sind mit dem anerbieten ihrer freundschaft meinem verwundeten herzen höchst willkommen Gleim briefwechsel 1, 40; seltener mit einem stark persönlich gedachten dativ der sache: der volksphantasie aber muszten die thiergestalten überaus willkommen sein Laistner nebelsagen 11. besonders häufig in der verbindung gott willkommen. diese zumal in älterer zeit noch recht übliche verbindung musz sich als geistlicher grusz erklären, wie das kürzere gottwillkomm (sp. 191); dafür sprechen besonders frühere verbindungen wie got und mir willkommen (mhd. got willekomen unde mir). die belege sind im 16. jh. reichlich, brechen dann merkwürdigerweise aber fast ganz ab, obwohl der ausdruck noch heute nicht unbekannt ist. bei altertümlich schreibenden indes wie Scheffel besagt seine anwendung nicht allzuviel. beachtenswerth ist, dasz im nhd. der persönliche dativ ohne weiteres neben gott tritt: seit mir gotwilkomen Arigo 139, 38; 471, 7; bringen sie gottes wort, so sagen wir: gott wilkommen Luther 33, 477 Weim.; herr doctor, seid uns allen gotwilkomen 15, 342, 7 Weim. (handlung D. M. L. mit dem raht und gemeine der stad Orlamünd);
sind mir gott wilkommen, lieber herr!
N. Manuel 64 (v. papst u. s. priesterschaft v. 876);
wenn die vom adel bei im einzogen, so hiesz er sie schwager, schwager gott wilkommen, schwager der gilt dir Hertzog die schildwache diiii; gott willkommen, bester herr landsmann! Eichendorff (1864) 3, 66; unerschrocken stand sie vor ihm und sprach: gottwillkommen Scheffel Ekkehard (1878) 362; auffällig ist daneben ein sächlicher dativ: das war dem fleisch got willkommen, wann man es in seiner brü und pfütz ongelüpft sitzen laszt Seb. Franck chronicon Germaniae 60ᵃ; diese verbindung gottwillkommen sein kommt auch mit heiszen vor:
der (der pfarrer) hiesz sie got wilkumen sein
pfarrer vom Kalenberg 94 v. 1956 neudr.;
beachtenswerth sind zwei nebenformen des ausdrucks: 1) seid uns gott willig kommen, lieber sark Luther 34 ii, 212, 1 Weim., wofür gleich darauf steht seit uns gotwyl kummen, lyber sarck z. 19; 2) mit gott willkommen, offenbar eine verdeutlichung des schon damals unklar werdenden ausdrucks: dieweil ir sagent, das ir uns also gewegen und holt seind, so seind mit got wilkommen hertzog Aymont v. Dordons süne (1535) f IIᵃ.
b)
bei: darum war ich bei i. f. g. willkommen Schweinichen denkwürd. 127;
o, möglicher wär' nichts! denn Assad war
bei hübschen christendamen so willkommen
Lessing 3, 129;
sie war ... bei der rotte sehr willkommen maler Müller werke 1, 296.
c)
für: diesmal bin ich für dich willkommen Göthe 43, 165 Weim.
2)
der ort, wo man willkommen ist, wird in der gewöhnlichen weise angegeben: söhne .., welche ... im preuszischen dienst wieder willkommen waren Arndt werke 1, 157; sie werden auf meinem schlosz willkommen sein Moltke 1, 82;
sei willkommen an des morgens goldnen thoren
Schiller 4, 6;
3)
selten wird auchgemäsz der grundbedeutung von willkommen (oben sp. 194) — der ort angegeben, aus dem man herkommt:
willkommen fürstin aller nächte! ...
willkommen, mohn, aus düstrer bahn
vom ozean
[K. Stieler] geharnschte Venus 103 neudr.;
sonst vgl. die richtungsangabe in mhd. si wâren willekomen dar Lexer und unten sp. 202 unter 1 b.
4)
den zweck, zu dem man willkommen ist, bezeichnet man mit zu:
Alhafi derwisch ist zu allem,
was ich vermag, mir stets willkommen
Lessing 3, 22, 440;
welche ... zu diesem posten willkommen waren Schiller 7, 80; vgl. mit anderer entwicklung engl. you are welcome to es steht ihnen frei, zu diensten.
5)
den grund des willkommenseins drückt durch aus: graf Corneillon war auch hier, durch sein ernstes ruhiges betragen und dadurch, dasz er angenehme kunstwerke zur unterhaltung brachte, immer willkommen Göthe 36, 17 Weim.; oder, indem man an einen begleitenden umstand denkt, durch mit: dasz ich den meisten unter ihnen mit dieser arbeit willkommen sein werde Bahrdt gesch. s. lebens 1, 1;
mit wahrheit ist man überall der welt,
beim ersten augenblick nicht sehr willkommen
Seume gedichte 33;
oder wenn man an eine bestimmte einschränkende beziehung denkt, durch in: er (ein schauspieler) ... ist in dem, was man mittlere .. charaktere nennt, gewandt und willkommen Göthe IV 42, 231 Weim.; sonst vgl.
o geist, ist deinem lenz die lust genommen,
sei du der welt in schrecken auch willkommen
Lenau werke 589 Barthel;
6)
eine verstärkung des begriffs giebt man in mannigfacher weise durch adverbien oder präpositionalverbindungen wieder:
darum sind sie uns wol willkommen
Fischart glückh. schiff 22 v. 763 neudr.;
ich war ihnen also gleich sehr willkommen Schubart leben und gesinnungen 1, 31; ganz willkommen Schleiermacher Platons werke 6, 265;
seit mir schönst willkommen!
Birken ostländischer lorbeerhäyn 29;
willst du hereintreten, so bist du schönstens willkommen Göthe IV 34, 10 Weim.; August soll mir auf das schönste willkommen sein 21, 74; ew. hochwohlgeb. würden morgen früh um 11 uhr .. herzlich willkommen sein 28, 26; pisz mir ze tausent malen wilkomen Arigo 80, 23;
sei tausentmal wilkommen,
du theure, wehrte friedensgab
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel, kirchenlied 3, 397ᵇ;
sei mir von herzen willkommen Chr. Reuter ehrl. frau 31; aus ganzer seele willkommen Fouqué zauberring 1, 2.
Zitationshilfe
„willkommen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/willkommen>, abgerufen am 19.02.2019.

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