Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

wisent, m., (n.)

wisent, m. (n.),
tiername. mhd. wisent (woraus an. visundr entlehnt, s. Fischer lehnwörter d. altwestnord. 42), ahd. wisunt, wisant, mnd., mnl. wesent Schiller-Lübben 5, 697; Verwijs-Verdam 9, 2, 2352, ags. wesend, weosend Bosworth-Toller 1210ᵇ, dazu der name eines got. heerführers bei Prokop Οὐίσανδος Wrede sprache d. Ostgoten 101. die herkunft des wortes ist ungeklärt. vielleicht zusammenzustellen mit dem ersten element von apreusz. wissambrs 'ewer (d. i. auer)' (das zweite element entspricht asl. ząbr 'auerochse') und weiter nach dem moschusgeruch zu ai. visá 'gift', visrá 'nach rohem fleisch stinkend', gr. 'ῑός 'gift', lat. vīrus 'schleim, saft, gift, gestank', oder zu ai. viṣāna 'horn'? vgl. Palander d. ahd. tiernamen 134; Walde-Pokorny 1, 244, 315. entlehnt aus dem germanischen ist griech. βίσων, lat. bison, gelegentlich vison, s. Walde-Hofmann 107. der suffixvokal schwankt: ahd. wisunt (8./9. jh.) ahd. gl. 1, 424, 16; wisintin (11. jh.) 4, 90, 15. wisont ahd. gl. 1, 367, 11. wisant reicht bis ins 19. jh., gehalten wohl durch ähnliche bildungen auf -ant, wie helfant, elephant: uuisant (9. jh.) ahd. gl. 1, 367, 10 u. ö.; St. Brandan 1175 Schröder; wesant dtsch-preusz. voc. 648 Nesselmann; wysand Micrälius altes Pommerland (1640) 3, 380; wisand Oken allgem. naturgesch. 7, 1426. mit abschwächung wisent seit dem 12. jh.: wisent ahd. gl. 3, 444, 40; wizent (13./14. jh.) Diefenbach gl. 82ᶜ, s. auch die mhd. wbb.; grosze visend urus (1590) Diefenbach 630ᶜ und spätere (s. u.). — dem lat. bison zufolge gelegentliche mischbildungen, vgl. die bisonten (anf. 16. jh.) bei H. Palander d. altdtschen tiernamen 134; bisont bison Schottel haubtspr. 1288. gelegentlich mit abfall des t: wisen (:risen) Reinhart fuchs 1103 J. Grimm; wisen H. v. Neustadt Apollonius 6688 Singer. mnd. (s. o.) sowie md. erscheint e im stamm: wesent bubalus (15. jh. md.) Diefenbach gl. 82ᶜ; wesant taurus (15. jh.) dtsch-preusz. voc. 648 Nesselmann. die längung kann vereinzelt schon früh angedeutet sein: wîsint (12. jh.) ahd. gl. 3, 224, 72. die ie-schreibung bleibt selten: wiesent (12. jh.) ahd. gl. 3, 312, 5; wiesentthier Campe 5, 744; wiesent L. Steub wanderungen im bayr. geb. (1862) 98; Buck flurnamenbuch 301. das geschlecht ist m., doch auch n., vgl.das wissent erste dtsche bibel 4, 180 K.; das wisent Bernhardt gesch. d. waldeigentums (1872) 1, 13 anm. 7; vereinzelt fem.: von einer wisent erste dtsche bibel 6, 71 K.der pl. gewöhnlich stark wisent (s. u.), ahd., mhd. noch wisente, ebenso modern, mitunter ahd., mhd. schwach, vgl. wisindun bubali (13. jh.) ahd. gl. 3, 78, 15; uuinsindun (12. jh.) 3, 78, 15; wisenten zorn minnesinger 2, 205ᵃ v. d. Hagen.
bedeutung und gebrauch. vgl. dazu die ausführungen bei Schade altdtsches wb. ² 1173 ff. im altdtsch. seit dem 8./9. jh. häufig meist biblisches bubalus glossierend, z. b. ahd. gl. 1, 424, 16; 1, 59, 30 u. s. w., s. die glossenzusammenstellung bei Palander a. a. o. 134; fürs 13./15. jh. bei Diefenbach gl. 82ᶜ. als eindeutschung des fremden tieres zu fassen ist onager wisent (hs. 13. jh.) ahd. gl. 3, 33, 18, vgl. dazu bison wisend, wilder esel, oder wildpferd Golius (1579) 279. daneben visuntus wisunt (10. jh.) ahd. gl. 1, 801, 22; taurus wesant (15. jh.) dtschpreusz. voc. 648 N.; vgl. noch uri urochs, grosze visend, grosz wild büffel Frisius (1556) 1412ᵇ; sylvestres uri grosze wisent Bas. Faber thes. (1587) 993ᵃ. als dieser bisonochse geläufig im mhd., z. b.:
mit ir scharpfen gêren   si wolden jagen swîn,
bere unde wisende.   waz mohte küeners gesîn?
Nibelungenlied 916, 4 B.;
item 11⁄2 m. eyme furmanne gegeben, der eynen weszent brochte, do mete der koning von Polan unsern homeister erete (1406) Marienburger treszlerbuch 380, 1 Joachim; vgl. die mhd. wbb.im nhd. wird das wort mit dem aussterben des tieres spärlich: ein wisent Forer Gesners thierbuch (1563) 125ᵇ; er hat ... auff der jagt ... einen wysand ... gefellet J. Micrälius altes Pommerland (1640) 3, 380; bisont Schottel (1663) 1288. Adelung verzeichnet es nicht, Campe 5, 744 als nicht erneuerungsfähig. das 19. jh. macht wisent als bos bison, bison europaeus (z. b. Brehm tierleben [1890] 3, 260) wieder bekannter: es war nicht raum, die wilden stiere ..., den auerochsen (urochsen, wisant), die amerikanische art desselben, ... hervorzuheben Fr. Th. Vischer ästhetik (1846) 2, 146; trotzdem gelang es mir noch, ... im januar 1916 einen wisent ... zu erlegen Hindenburg aus meinem leben (1920) 133; die ... rasseerscheinung eines wisent O. Spengler unterg. d. abendlandes (1922) 2, 152; wisentgehege in der Schorfheide werbeplakat in Berlin 1937. volkssprachlich hielt sich wisent in orts- und flurnamen, s. Palander a. a. o.; Schmeller-Fr. 2, 1032; Fischer schwäb. 6, 892; Schade altdtsches wb. ² 1173.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1937), Bd. XIV,II (1960), Sp. 729, Z. 56.

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Zitationshilfe
„wisent“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wisent>, abgerufen am 13.08.2020.

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