Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

witfrau, f.

witfrau, f.,
witwe. neubildung neben witwe; älternhd.; in junger schriftsprache nur in besonderer färbung, s. u.; in allen mundarten verbreitet. seit dem 15. jh. bezeugt: nit also, als mich die göt lieb habent, er tun tarf einer wyttwerin oder wytfrouwen die ding, die er wyer mich tut (viduae mulieri) Terenz deutsch (1499) 91ᵇ; vidua witwen, witfrauw Frisius dict. (1556) 1379ᵃ; ain ieckliche wittib in ir selbs gewaltsamb ist, doch vorbehebt der herrschaft, ob ain herrschaftfrau, witfrau oder junkfrau ohn urlaub der herrschaft ... mit heirat beriet, soll der herrschaft ... verfallen sein österr. weist. 3, 316; must er on andere eefrawen beleyben oder durfft kein wytfrawen zcu der ee nemen Eberlin v. Günzburg s. schr. 2, 35 ndr.; neben den entsprechenden bildungen von witwer: item wer es sache, das ein witman oder ein witfrau einen sone ... verändert und bei in behilten in dem huse weisth. 5, 268; gemeiniglich mehr wittfrauen gefunden werden als wittmänner Schupp schr. (1663) 667; die wittling aber und wittfrowen, darzu die junkfrowen ... zu dem dienst gotes, zu woltat des nächsten und gemeiner kirchen ..., von eelichen pflichten ... ledig ... seigend Joach. v. Watt dtsche hist. schr. 1, 18 Götzinger; in einer stadt ... wonet ein sehr reiche und karge alte witfraw, der stalten viel alte reiche witling nach B. Hertzog schiltwache l 5ᵃ. in älterer sprache ebenso gebräuchlich wie witwe: er nam auch Eudoxiam, des keysers Valentiniani verlassene witfrauw, zum weib Seb. Franck chron. Germ. (1538) 49ᵇ; siehe, hier hörest du, wie dieser witfrauen sohn vom tode sey auferwecket worden Luther 14, 110 Erl.; ward er in einem dorf eines schönen mägdleins, einer armen witfrawen tochter, gewar Kirchhof wendunmuth 1, 486 lit. ver.; wenn jetzunder an etlichen orten ein arm eigen mann verstorben und arme weib und kinder verlassen hat, fehrt man zu und nimt von der armen widfrawen und waisen das beste Lorichius instruction (1618) 387; leidet eine wittfrau viel, so leidet eine verheurathete noch viel mehr Butschky Pathmos (1677) 586; in junger sprache mit volkstümlichem, vertraulichem ton, meist auf der mundart beruhend: im Geslinger thal, da wohnt eine sehr reiche wittfrau kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 142; 'wittwe Kuschke' galt stets für eine wittfrau in aller ordnung Holtei erz. schr. 4, 116; ich bin eine junge witfrau, die aus langer weile schon mehr als eine thorheit begonnen hat G. Keller ges. w. 5, 172; nun, wenn ihr für den stall und das essen noch zwei kreuzer zulegen wollt, so wird euch eine arme witfrau schön danken W. Hauff s. w. (1890) 1, 154; (er) wird sich vielleicht schämen, gegen eine witfrau ungerecht zu handeln W. Vesper d. harte geschlecht 30. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1939), Bd. XIV,II (1960), Sp. 812, Z. 4.

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Zitationshilfe
„witfrau“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/witfrau>, abgerufen am 02.08.2021.

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