Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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wohlleben, vb.

wohlleben, vb.,
s. o. wohl I A 5 n. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1950), Bd. XIV,II (1960), Sp. 1167, Z. 22.

wohlleben, n.

-leben, n.,
angenehmes, glückliches, üppiges leben'; vgl.: wolleben plaisir, delices Hulsius-Ravellus (1616) 419ᵇ; voluptas Stieler (1691) 2573; vitae genus amabile Steinbach (1734) 1, 1006.
a)
in positiv wertendem sinne: dem ersamen ... Hans Ort, entbüt ich Leo Jud ... gsuntheit und wolleben in Christo Leo Jud Erasmus episteln zum Thimotheo (1521) a a a 1ᵇ;
der tugend schmuck thu ich dir geben,
ein stett innwendiges wolleben
(worte der frau ehre)
Hans Sachs 3, 160 K.;
erliche frewd und wolleben lest ihm auch gott wolgefallen Petri d. Teutschen weiszheit (1604) 2, j 3ᵇ; heyden, welche weder gott noch teuffel, weder hölle noch ewiges wolleben glauben A. Olearius orient. reisebeschr. (1696) 77; gesundheit ist die edle perl des menschen, ... die göttin des wollebens Treuer deutscher Dädalus (1675) 1, 657; das (bücherlesen) ist ... mein einziges wohlleben Ulr. Bräker s. schr. (1789) 1, 208; wir können ... bemerken, dasz alle menschlichen bestrebungen ... vergnügen und wohlleben befördern wollen A. W. Schlegel vorles. 2, 45 Minor; sprichw.: hen behelpen es kein wolleben Schambach 303ᵇ.
b)
meist verengt auf grob sinnlichen genusz und mit abwertendem nebensinn; 'wohlleben: hierdurch wird ein solches leben verstanden, da man immer fein viel und darzu was gutes, auch der kehlen angenehmes, gerne isset und trincket und darneben wenig an die arbeit gedencket, sondern sich faule und müszige tage machet, welches aber ein vernünftiger hausvater als etwas, worbey ein hauswesen nicht bestehen kan, zu vermeiden sucht' allgem. haushalt.-lex. (1749) 3, 756: (ich) gib daz mein ausz in wolleben, in essen und trincken Arigo decam. 579 K.; bey solchem prassen und wolleben Hans Sachs 1, 405 K.; das zeitliche wolleben, ob es schon wol leibet, seelet es doch ubel Zinkgref apophthegmata (1628) 306; müsziggang und wolleben Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. 2 (1641) 175; epikurisches wohlleben neuest. aus d. anmuth. gelehrsamkeit (1751) 4, 771; ein weiches, fettes, doppeltes kinn ist grösztentheils ein zeichen des wohllebens Lavater physiogn. fragm. (1775) 4, 264; sich dem wohlleben, der unmäszigkeit ... ergeben Miller pred. fürs landvolk (1776) 1, 222; die etwas vollen wangen verkündeten eine neigung zum wohlleben Spielhagen s. w. (1871) 1, 9; die klöster ... waren in wohlleben versunken Scherer lit.-gesch. (1883) 234; schmählich genug, dasz ... die deutschen fürsten es (das geld) lieber für wohlleben und schöne kleider verpraszten Ric. Huch d. grosze krieg (1920) 3, 321.
c)
prägnant, besonders frühnhd., im 18. jh. veraltend für 'convivium, liebesmahl, fest'; vgl.: convivium ein volleben Diefenbach gloss. 149ᵇ (1517), wohl hierhin, s. o. vollleben; in dieser bedeutung auch im pl. (s. u.): wa lüt bei einander sein uff einem wolleben, auf einer hochzeit J. Pauli Keisersbergs narrensch. (1520) 90ᵃ; do also das selb fest unnd wolleben ... ain ende hett, ... Fortunatus (1509) 74 ndr.; ein guter mut ist ein teglich wolleben (vulgata: juge convivium) spr. Sal. 15, 15; ein ewig wirtschafft, gastung und wolleben Seb. Franck chron. u. beschr. d. Turckey (1530) o 1ᵇ; Dannhawer catech.-milch (1657) 1, 272; Chr. Weise erznarren 153 ndr.; Gellert w. 8, 157. pl.: auff hochzeiten unnd andern wolleben den tantz ... treiben theatr. diabol. (1569) 271ᵇ. ein wohlleben machen, an-, zurichten, anstellen, halten: seine (Hiobs) söne giengen hin und machten wolleben, ein iglicher in seinem hause auff seinen tag Hiob 1, 4; Schupp schr. (1663) 153; convivator, epuli dominus, der ein wolleben anricht, der die gest geladen hat Alberus dict. (1540) l 4ᵇ; wol angerichte wolleben convivia instructa Bas. Faber thes. (1587) 951ᵇ: als der Barcillas ... truncken zuͦ hausz gen wolt von dem wolleben, das eyn gemeyn hett zuͦgericht, ... ist er ... worden ... erschlagen Carbach Livius (1551) 244ᵇ; eines tags als der könig grosz fest und wolläben anrichtet, ... Stumpf Schweizerchron. (1606) 243ᵇ; ich ... sahe ..., wie sie ... gastereyen und feyertäglich wolleben anstellten Grimmelshausen 4, 608, 18 K.; sonntags jubilate ward ... ein herrliches convivium oder wolleben ... gehalten Happel hist. moderna Europae (1692) 161ᵇ; sieben tage lang dauerte das hochzeitliche wohlleben Musäus volksmärchen d. Deutschen 1, 128 H.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1950), Bd. XIV,II (1960), Sp. 1167, Z. 22.

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Zitationshilfe
„wohlleben“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wohlleben>, abgerufen am 28.09.2021.

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