Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

wundergläubig, adj.

wundergläubig, adj.,
vereinzelt wunderglaubig (s. u. 1). 1) an die möglichkeit übernatürlicher wunder glaubend: der richter (so wundergläubig er auch in der kirche sein mag), hört das vorgeben des delinquenten von teuflischen versuchungen, die er erlitten haben will, so an, als ob gar nichts gesagt wäre Kant s. w. (1838) 6, 254 Hart.;
mehr als andre menschenkinder
wundergläubig ist der seemann
Heine s. w. 2, 146 Elster.
gern in abwertendem sinne, entspr. wunderglaube 3 b: ein paar der eifrigsten verfechter des wunderglaubigen (!) christenthums D. Fr. Strausz ges. schr. (1876) 1, 183; demnach musz ich vermuten, verehrter doktor, dasz auch sie zu den wundergläubigen gehören Werfel Bernadette (1948) 137. anders 'wundersüchtig', zu wunderglaube 3 c: seinen wundergläubigen anhängern ... vertrauet er (Jesus) sich am wenigsten Herder 19, 355 S. 2) an das auszerordentliche, das unwahrscheinliche, das unmögliche glaubend, schwärmerische erwartung auszerhalb des eigentlich übernatürlichen kennzeichnend, vgl.wunderglaube 4: ich hatte in diesen tagen, da alles zusammenbrach, wiederholt bekenntnisse der wundergläubigsten siegeszuversicht gehört Klemperer l. t. i. (1949) 232. —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1959), Bd. XIV,II (1960), Sp. 1885, Z. 49.

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Zitationshilfe
„wundergläubig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/wundergl%C3%A4ubig>, abgerufen am 22.10.2020.

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