Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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i, ih, ie, y, ye

i,, ih,, ie,, y,, ye.
die aufstellung dieser mit ei sich berührenden, im plattdeutschen überall dafür eintretenden interjection (gr. 3, 301) wird durch den umstand erschwert, dasz unsere sogenannte deutsche druckschrift I und J nicht zu unterscheiden vermag. es bleibt daher nicht selten zweifelhaft, ob Ie als langes i oder als je zu fassen ist, welches letztere theils aus der diphthongischen schreibung der interjection durch verlegung des tons von i auf e sich entwickeln konnte (Steinbach 1, 809 hält diese aussprache des ie für sächsisch), theils aber auch als geschwächtes ja aufgefaszt werden kann. s. das erste je. besonders tritt diese unsicherheit ein, sobald die interjection sich mit nun verbindet, wo dann i nun, je nun, ja nun in ihrer bedeutung sich nahe berühren oder zusammenfallen. Vieldeutig wie ei, doch mehr der niederen rede als der schriftsprache angehörend, wird i von den älteren lexicographen und grammatikern, soweit sie es überhaupt aufstellen, verschieden erklärt. bei Diefenbach 197ᵃ entspricht es lat. eia, Maaler 509ᵇ verzeichnet y als 'indignantis particula', Schottel 667, wo man es antreffen sollte, führt es nicht auf, Stieler 883 nur nebenbei in verbindung mit freilich: ie freilich 'maxime'. auch bei Rädlein und Frisch fehlt die interjection, dagegen gibt ihr Steinbach 1, 801 die bedeutung des lat. eheu, hem und führt als beispiel an: ie! das hätte ich nicht gemeint 'hem! hoc non putassem'. Mhd. scheint î, obwohl belege kaum vorhanden sind, ausdrücke des unwillens und der verwunderung gesteigert zu haben. darauf deutet eine stelle bei Hugo v. Trimberg:
swer aller sprâche kraft wil haben,
der merke mit vlîʒe fünf puochstaben.
die sint sô wirdic und sô schœne
daʒ alle wort und alleʒ gedœne
nâch in gestimmet müeʒe sîn,
des heiʒet man sie die stimmerîn.
a hebt und endet des mannes leben,
e dem wîbes namen ist gegeben,
i tratzes (trotzes) und auch wunders pfligt,
u von im selber niht vil wigt,
o schricket, ruofet, wünschet, wundert.
Renner 22188.
demgemäsz wendet Gottfried v. Straszburg unwilliges, verwunderndes î in der frage an:
Tristan sprach 'merzî (gnade), bele Isôt!'
'î, übeler man', sprach Isôt, 'î,
unde vorderst dû merzî?
merzî gehœret niht ze dir'.
Tristan 10206.
Nhd. findet die interjection dieselbe verwendung, doch färbt sie dabei in mannigfaltiger abstufung bald entschiedener bald leiser den gedanken und wird, was ihren gebrauch betrift, in folgenden fällen und lagen angetroffen.
1)
gern tritt i vor den vocativ, um den anruf hervorzuheben: i lieber gott! i du gerechter himmel!; ie du diebischer kopf! hast du den dreck denn gar müssen vergessen? A. Gryphius Pet. Squ. 17; ie du tausend-engel, machstu meinen heutigen traum wahr? Chr. Weise polit. redn. (1679) 359; Jud. ie du schöner eidam! Phil. ie du freundlicher schwiegervater! maulaffe 43; ie herze frau gevatterin, wer wird sich denn flugs darauf besinnen? Schlampampe krankh. u. tod (1696) 2; ie du einfältiger tropf, wilstu mir nichts mehr sagen? 51; ie Anton, Anton, das ist ja eben der brief aus Berlin, welchen ich erwarte. Lessing 1, 296; ie Peter, so könntest du uns einen groszen dienst thun. 2, 394; ie du verdammter hundsfott von einem poeten! 2, 406; Laura. ie herr vater — Wumsh. ie jungfer tochter, schweig sie doch! 1, 379; ie herr wirth, wen bringen sie uns denn da? 1, 539 (Minna v. Barnh. 2, 8); ie mann, sagt ich, sei doch nicht arg! Miller Siegw. 1, 45. auch kann der ausruf über dritte personen ein solches i erhalten: i der seltsame mann!; Schlamp. (meine töchter) sprechen, sie müssen welche von adel sein, und solten sie kein hembde auf dem leibe behalten. Camill. ie die närrische dinger! Schlampampe krankh. u. tod 10.
2)
vermöge der analogie zwischen vocativ und imperativ tritt auch vor den letztern die interjection, mitunter von so begleitet: y lasz dir dz schnöd gält (geld) nit so lieb sein! Maaler 509ᵇ; ie sich (sieh) doch! es verlohnte sich .. Chr. Weise erzn. 228; ie fahre, galgenvogel, fahre und schmeisz da ehrlicher leute kinder um! Schlampampe leben 95;
st! siehst du, sprach das licht, dort die raquete steigen?
ie denkt doch! ie wie hoch! wahrhaftig, das läszt schön!
Stoppe neue fabeln (1740) 1, 87;
O. u. F. kost ihn (den wein) selbst! St. ie reicht nur her! Gotter 3, 485; ie so gehe und komme mir nimmermehr vor meine augen wieder, du gottloses kind! Schlamp. kr. u. tod 21; ie so zweifle, du verzweifelter zweifler! Lessing 1, 493. und ebenso kann i vor den optativ treten: y behüt uns got! waʒ sagen ir nun? Ulenspiegel (Lapp.) 133.
3)
alle fragwörter können denselben nachdruck erhalten: i wer kommt uns da entgegen?; i wer wirds denn dém auf die nase binden? Kotzebue dram. sp. 2, 51; i was soll ich dir mehr sagen, potz schlapperment! newe zeitung von Berlin (1614), s. histor. genealog. kalender (1821) 18; ie was zum henker? bistu es denn oder bist du es nicht? Schlampampe kr. u. tod 25; ie was schadet es, wenn er auch was schuldig ist? Lessing 2, 402; ie! sprach sein freund, was fehlt dir? Göckingk 2, 204; i warum nicht gar?; ie wie so? ie wie denn so? Schlampampe leb. 96; mir? ie wofür denn? hab ichs nicht recht gemacht? Gotter 3, 323. Doch wird auch ohne diese wörter frage und ausruf durch i hervorgehoben:
ach leben, bistu todt? ie kann denn gott sich enden,
der anfang anfangslos, das end ohn end und wenden?
Fleming 12 (Lapp. 1, 24);
ihr ganz vergälltes volk, ihr gar verstockter sinnen,
noch thierischer als thier, ie werdet ihr nur künnen
erkennen eure schuld?
13 (Lapp. 1, 25);
M. Loll. verstehet ihr euch aufs calendermachen, so sehet doch, ob der monde scheinen wird. P. ie sollte ich das nicht können! lustig, lustig, ihr herren! der mond wird gewiss scheinen, wenn wir spilen werden. A. Gryphius P. Squenz 6 (1, 722); ie schämet ihr euch denn nicht für dem könige? 23; ie ist das nicht eine plappertasche, die Camille? Schlampampe krankh. u. tod 42; ie sollten sie denn den kleinen mann nicht kennen? Lessing 1, 255.
4)
an dieses frage und ausruf begleitende i reiht sich dasjenige, welches behauptungen, berichtigungen, zugeständnissen, bekräftigungen nachdruck gibt: i ja wohl, das ist so! i das versteht sich!; der junker fragte Hansen ganz ernstlich, ob es nicht wahr wäre? ie ja, junker, freilich ist es wahr. gepflückte finken (1667) 281; 'das buch hat den prinzessinnen recht wohl gefallen'. ie ja! das buch ist ganz gut. Rabener 6, 222; Joh. ein atheist ist nichts weiter, als ein mensch, der keinen gott glaubt. Mart. keinen gott? ie, das ist ja noch viel ärger. Lessing 1, 413; ie, das ist ja gar, mit ehren zu melden, ein betrieger. 1, 496; was? was? mein vetter? ie, dem sein schiff ist ja untergegangen, madame. 2, 384; die frau doctorin und ich brachten sie in einer kutsche nach hause? 'in einer kutsche! warum?' .. ie, sie lag ja in einer ohnmacht, die arme frau! Engel (Lor. Stark) 12, 296; sie scheinen, lieber freund, den sinn meines gedichts (sagt W.) gefaszt zu haben, es hat sie fast zu sehr angegriffen. nehmen sies nicht übel, sagte H., dasz ich meinen empfindungen so freien lauf lasse. i (erwidert W.), es ist ja auszerordentlich schmeichelhaft für mich! Tieck schr. 15, 239; ie da hätte ich mich doch zu tode geschämet! Schlampampe krankh. u. tod 5; Cyr. o, mein einig zahn! vertragen wir uns lieber in der güte mit einander! Sempron. ie, meinethalben! was haben wir auch sonsten vor? A. Gryphius Horribilicr. (1665) 84;
erster jäger. was? der blitz!
das ist ja die Gustel aus Blasewitz.
marketenderin. i freilich! und er ist wohl gar, musjö,
der lange Peter von Itzehö?
Schiller 321ᵃ.
Ebenso aber auch ablehnungen und leugnungen:
bistu derjenig geist, der hie herumb sol sein,
so mach dich fluchs (flugs) von mir zur tiefen höll hinein! echo. ie nein!
Hanmanns anmerkungen 199;
'hm!' fiel ihr jener in die rede,
'wenn dirs an geld gebricht' —
ie, das nicht! doch ...
Göckingk 3, 83.
ablehnung liegt auch in den formelhaften ellipsen: i bewahre! i behüte! i lieber gar!, und ironisch zu nehmen ist: i das wäre schön! = das könnte mir gefallen, daraus wird nichts! oder auf fragen wie: du meinst, ich würde morgen damit fertig? die antwort i já doch! = keineswegs, das ist gar nicht möglich!
5)
besonders wirksam leitet unwilliges i verwünschungen und flüche ein: i zum donnerwetter! i hols der teufel!; ie der verfluchte brief! Lessing 1, 287; ie verflucht! 2, 389; ie verflucht! schrie er, wenn hat jemals eine fee diejenigen, die sie in ihren schutz genommen hat, .. halb todt prügeln lassen? Wieland 12, 14; ie zum henker! so warten sie noch einen augenblick! Lessing 2, 368; ie zum henker, schrie Pedrillo, indem er sich von ihm los risz, sind sies, herr? reitet sie denn der teufel, dasz sie mich mit aller gewalt erdrosseln wollen? pestilenz! man ist ja seines lebens nicht bei euer gnaden sicher! wie? was ist das? rief don Sylvio ganz bestürzt, bist du es Pedrillo? ie zum wetter! wer soll ich sonst sein? Wieland 11, 185.
6)
i in ausdrücken der verwunderung, des staunens, der befriedigung und freude. manche der bisher aufgeführten belege hätten für diesen fall gespart werden können. doch sollen hier nur beispiele gegeben werden, in denen die ebengenannte anwendung der interjection besonders hervortritt: Vansen. willst du einen aufruhr erregen, wenn sie ihn (Egmont) gefangen nehmen? Jetter. ah! Vansen. wollt ihr eure rippen für ihn wagen? Soest. eh! Vansen (sie nachäffend). ih! oh! uh! verwundert euch durchs ganze alphabet. Göthe 8, 244; D. sie war so krank. W. ah! D. höchst gefährlich krank. W. eh! D. wir fürchteten einige tage für ihr leben. W. ih! Klinger 9, 123; L. ergebenster diener, herr Riepel .. R. i! hat man doch lange nicht die ehre gehabt, sie zu sehen. J. Chr. Barth galante ethica (1748) 118; ie, guten morgen, herr don Sylvio, schrie ihm dieser entgegen, sobald er ihn erblickte, leben sie auch noch? Wieland 12, 329; ie, unvermuthete freude! herr Paul Werner! willkommen bei uns, willkommen! Lessing 1, 549;
nun ein knikschen! — i!
wie mirs kracht im knie!
L. Ph. Hahn ged. 53.
formelhafte wendungen, welche hierher gehören, sind: i der tausend! i sehen sie mal! i guck einer! u. dergl. zuweilen gesellt sich nein zu diesem i, um erstaunen oder freude des sprechenden, der was er sieht oder hört unglaublich findet, noch mehr hervorzuheben: i nein! was du sagst!; ie nei! ie nei! ie, ie, ie was schüne leute hots hie, ie nei! A. Gryphius gel. dornrose (1661) 8, vgl. Palm 51, 1. auch leitet i antworten auf fragen ein, die der befragte seltsam findet, da sie sich für ihn von selbst beantworten: Lelio. wenn du als freund an mir handeln wolltest, so würdest du mir lieber einen rath geben, wie ich etwan diese unglückliche heirath hintertreiben könnte. Klit. wie so? Lelio. ie, meine erbschaft geht damit zum teufel. Lessing 2, 398; Selt. Lisette, lasz uns doch auch von unsrer sache etwas reden. Lis. was ist das vor eine sache? Selt. ie, unsre sache — Lis. ich weisz nicht, was sie wollen. Selt. ie närrchen — Lis. ha! ha! aus dem närrchen merke ich bald was es sein soll. 2, 439; 'nun, wovon denn?' ie, vom kloster und dergleichen. Miller Siegw. 1, 25.
7)
weniger bestimmt ist die bedeutung von i, wenn es mit nu oder nun verbunden wird, wobei, was schon erwähnt wurde, vermischung mit je nun und ja nun eintritt und nicht zu entscheiden ist, ob i nun oder je nun vorliegt. im allgemeinen kann sich so ausdrücken, wer zurückhaltend redet oder, 'da die sache nun einmal so liegt', widerstrebend etwas einräumt, hingehen läszt oder auf etwas eingeht. auf dieses zurückhaltende i beziehen sich auch wohl Logaus verse (1, 7, 57), wenn er mit ähnlichem vocalspiel wie H. v. Trimberg sagt:
a ist derer die nicht wollen.
e ist derer die nicht sollen.
i ist derer die da zagen.
o ist derer die da klagen.
u ist derer die da plagen.
zurückhaltung liegt in dem ausdruck in folgenden stellen: Maskarill. sein väterliches haus war ihm zu grosz — zu klein, zu leer — zu enge. Anselmo. zu grosz, zu klein; zu leer, zu enge. was heiszt denn das? Maskarill. ie nun! sie werden es von ihm selbst besser hören können, wie das alles ist. Lessing 1, 493; ew. gnaden kennen den meister Erich nicht? (lächelnd und verschämt) i nu — das ist so zu sagen die karbatsche. Kotzebue dram. sp. 2, 141. einräumung, hingehenlassen in diesen: ye nu, wein (sagt die mutter zum kinde) das dich der teufel holen müste. Ulenspiegel 142; ie nu, wenn es so sein sol. Chr. Weise comöd. 327; frau Oront. gefangen waren sie! so ein unvernünftiger mann; wenn man ihm einen finger giebt, nimmt er die ganze hand! Ohldinn. ie nu — wie gott will. frau Oront. behüts gott! sie werden doch das nicht thun! Lessing 2, 390. bisweilen tritt dabei der widerspruch stärker hervor, so dasz i nun soviel wie ich gebe das zu, entgegne aber bedeutet: Mich. St. ohne das (ohne glück) kann man nicht einmal ein guter spitzbube sein. Mart. Kr. ie nu, wenn ichs beim lichte besehe, so sind wir kaum dadurch auf ein paar tage länger dem stricke entgangen. Lessing 1, 304;
ich warf dem Mison vor, dasz ihn so viele hassen!
'ie nun! wen lieb ich denn?' sprach Mison ganz gelassen.
1, 13;
und eine frau ist ohnedem ein lamm.
'ein lamm? du magst die weiber kennen'.
ie nun, man kann sie doch in so weit lämmer nennen,
als sie von selbst ins feuer rennen.
1, 117;
i nu, damals war ich auch in sie verliebt. Kotzebue dram. sp. 2, 198. baare ablehnung aber liegt darin, wenn nu (nun) verdoppelt wird: ie nu nu, das todtschlagen kömmt doch nicht an uns. Chr. Weise comöd. 195, während i nu ja! (Lessing 2, 389) i nun ja! i nu freilich! i nun freilich! (Kotzebue dram. sp. 3, 195) je nach der beziehung beharren auf der eigenen meinung oder billigung der entgegenstehenden anzeigt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1876), Bd. IV,II (1877), Sp. 2013, Z. 1.

y, interjektion

y, interjektion,
s. I.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 16 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2572, Z. 38.

Y, n.

Y, n.,
der 25. buchstabe des deutschen alphabets.
1)
herkunft und orthographische funktion. das aus dem altphönikischen mit der mehrzahl der übrigen buchstaben ins griech. gewanderte zeichen ist seit dem 8./7. jh. vor Chr. in Unteritalien in etruskischen alphabeten bezeugt. es wurde von dort in der form V in die lat. schrift übernommen (hier überliefert seit etwa 600), wo es die lautwerte u und v zu vertreten hatte. zu beginn des ersten jhs. vor Chr. wurde das ursprungszeichen dann (im alphabet auf die nostrarum ultima [littera], das x, folgend 'nach der allgemeinen regel, die neu aufgenommene ... zeichen an den schlusz der reihe verweist' W. Schulze kl. schr. [1933] 465) in der form Y erneut aus der griech. schrift eingeführt, zunächst ausschlieszlich zur wiedergabe des v in griech. lehnwörtern Jensen d. schrift (²1958) 424, 478—80, 491—96. erst in mittel- und spätlat. hss. vertritt das zeichen (nach zusammenfall der zugehörigen laute) vor allem im anlaut häufig auch den buchstaben i (ydioma, ydolum, ymago u. ä.). selten und ohne gesicherte funktion erscheint das y-zeichen im ahd.; am häufigsten steht es für i, seltener scheint es labialisierte aussprache des i (ü) oder auch die länge î anzugeben, öfters wird es schon hier nur zierinitiale für i sein (vgl. Piper Otfrids evangelienbuch 1 [²1884] 122). gelegentlich ist sein lautwert unklar, vgl. bes. Franck afränk. gr. § 4; Singer in PBB 11, 289 f., 292f.; Kögel in: literaturbl. f. germ. u. roman. phil. 8 (1887) 107. wichtig bleibt Otfrids äuszerung, er habe y für laute gesetzt, die er durch keines der übrigen vokalzeichen ('nec a, nec e, nec i, nec u') ausdrücken konnte, 'et etiam hoc elementum lingua haec horrescit interdum, nulli se caracteri aliquotiens in quodam sono, nisi difficile, iungens' Otfrid ad Liutbertum 61—65 Erdmann. gelegentliche sinnlose y-setzung durch schreiberversehen weist Steinmeyer nach (yparmuotemo clm 18140) Luitpold-festschrift d. univ. Erlangen 4, 1 (1901) 28. in festem gebrauch ist y seit dem ahd.zunächst lat. vorbild folgendzur bezeichnung des i-lautes in fremdwörtern, besonders fremdsprachigen eigennamen, in den griechischen nicht konsequent υ, sondern auch ι vertretend. hier scheint eine wurzel der später deutlicher werdenden entwicklung des y zum schmuckbuchstaben ohne lautlichen eigenwert zu liegen (vgl. oben Piper). diese tendenz führt zu zahlreichen y-schreibungen auch in eigennamen deutschen ursprungs. zu beachten ist, dasz y für i in allen fällen bereits ahd. bevorzugt im anlaut (oder im anlaut nach h-; zum problem vgl. W. Schulze kl. schr. [1933] 465) sowie neben n, m (in deren nachbarschaft das noch punktlose i leicht zu verlesen war) steht: zierfunktion und verdeutlichungsstreben treten gekoppelt auf (beispiele in anderer deutung bei Singer u. Kögel a. a. o.). über die bevorzugung des y für i neben n und m, dieneben anderen tendenzenbis ins 16. jh. zu verfolgen ist, vgl.fürs 14./15. jh. Ehrismann in PBB 22 (1897) 265f.; Michels mhd. elementarb. (⁴1921) 45; A. Lasch mnd. gr. § 131; auch Pietsch Trebnitzer psalmen (1881) XXXVIII f. (mit weiteren bemerkungen); McClean Havich d. kellner (hs. ende 14. jh.) (1930) VI; L. E. Schmitt d. dt. urk.-sprache i. d. kanzlei kaiser Karls IV. (1936) 33; E. Tille z. sprache d. urk. d. herzogt. Geldern (1925) 40; 45; so auch auszerdeutsch, vgl. Murray 10, 2 s. v. y sp. 8ᵃ; M. H. Jellinek über aussprache des lat. u. dt. buchstabennamen, Wiener sitzungsber., phil.-hist. kl. 212, 2 (1930) 31. die mhd. über das ganze sprachgebiet relativ gleichmäszig verteilten y-schreibungen in fremdwörtern undauch einheimischeneigennamen, zumeist ohne rücksicht auf die herkunft des vertretenen i-lautes, greifen seit der mitte des 13. jhs., geographisch zunächst konzentriert auf den md. gürtel (zuerst im ostmd.?, vgl. H. Rückert entwurf einer systemat. darstellung d. schles. mda. im ma. [1878] 33 Pietsch), in spürbarem masze auf den übrigen wortschatz über. möglicherweise unter mnl. einflusz wird y-schreibungverfolgbar z. b. an den altdt. urkundenzur stoszweise auftretenden, sich langsam auf das obd. gebiet ausdehnenden modeschreibung auch in dt. wörtern. dasz y hier vorwiegend zierbuchstabe und noch kaum in nennenswertem masze graphische variante (ligatur) von i + j (später so in nicht diphthongierenden gebieten, vor allem in kurrentschrift) ist, wird gestützt durch seine bevorzugte verwendung an graphisch zu betonender stelle, so in überschriften (etwa: dys recht satzte der keyser zcuͤ Mentze myt der vorsten wyllekor, rubrizierte überschrift des Mainzer landfriedens von 1235 [hs. etwas später, md.; im weiteren text die gleichen wörter ganz überwiegend mit i] corpus d. altdt. originalurk. 1, 14 Wilhelm) und in funktional wichtigen wörtern (z. b. insigel, ingesigel in der beglaubigungsformel vieler urkunden: ynsygel [1270] corpus 1, 175; ynsigel; insygeln [1272] ebda 1, 200; ynsygel [1297] ebda 4, 28; hier ist auch an die oben erwähnten eigennamen zu erinnern). das prinzip, einem wort durch die y-schreibung mehr gewicht zu geben, fördert andererseits die verwendung des y in den substanzarmen kleinwörtern, so in pronomen und präpositionen, vgl. zahlreiche dy, dyse, ym, yn, my, sy, wy u. ä. in md. (-nd.) urkunden d. 13. jhs.; hierbei ist jedoch diefür den anlaut bereits im ahd. festzustellende und zumindest hier auch von der mlat. tradition gestütztebevorzugte y-setzung im an- und auslaut zu berücksichtigen. mit dem 14. jh. beginnt die y-schreibung, landschaftlich unterschieden, zu wuchern (vgl. etwa die ostmd. hss. der übersetzungen biblischer bücher durch den dt. orden, andrerseitsnur sehr vereinzelte y im dt. wortschatzdie ältesten hss. der predigten Joh. Taulers [Köln 1359]). hiergegen stellen sich lautlich gerichtete ordnungstendenzen: aus dem durch die überfülle seiner anwendung entwerteten, aber so weithin bis ins 16. jh. beibehaltenen schmuckzeichen wirdlandschaftlich begrenzteine lautlich und funktional begründete variante des i. so sind die bevorzugte verwendung des y für mhd. î im mfränk., nd. und vor allem im alem. (wenigstens hier um die mitte des 15. jhs. die ligatur aus i + j ablösend) bis hoch ins 16. jh., die versuche, altes und neues ei als ei (ai) und ey oder umgekehrt ey und ei zu scheiden, die verschiedene bewertung des y für an- und inlautendes j u. ä. zu verstehen; einzelheiten bei Moser frühnhd. gr. 1, 1, 17; 29ff.; 185; 176; 207. vgl. weiter A. Lasch mnd. gr. §§ 99 u. 131ff.; Weinhold alem. gr. §§ 40, 145; Bach thür.-sächs. kanzleispr. bis 1325 1 (1937) 67, 82; 2 (1943) 54, 62; Mante ein nd. gebetbuch a. d. zweiten hälfte d. 14. jhs. (1960) XXXV (auszählung der i- und y-schreibungen ergibt bei den pers. u. poss. pronomen 3000 i: 1160 y, dabei stets ick, ik u. it); Schmid St. Galler urk.-spr. i. d. 2. hälfte d. 14. jhs. (1953) 47—52; E. Tille z. spr. d. urk. d. herzogt. Geldern (1925) 40 ff., 82, 97; L. E. Schmitt d. dt. urk.-spr. i. d. kanzlei kaiser Karls IV. (1936) 33 ('rheinische u. mitteldeutsche schreiber haben eine vorliebe für das y' statt i), 58, 62; Wagner d. kanzleispr. Reutlingens von 1300 —1600 (1910) 7ff., 15ff., 29ff.; Demeter studien z. Kurmainzer kanzleispr. (1916) 41 ff. (vor 1398 nur seltene y-schreibungen dann bis 1402 zunehmend, völliges verschwinden bis 1441, danach wieder häufiger, seit 1490 herrschend; in ähnlichen perioden schwankt ij für î, doch 'in den meisten fällen sind die beiden schriftzeichen [y u. ij] deutlich voneinander unterscheidbar' 42); Zarncke Brants narrenschiff (1854) 268ff., 282. unterschiedlich ist gemäsz ihrer landschaftlichen gebundenheit die haltung der frühen wörterbücher. als beispiele seien genannt: voc. ex quo (Eltuil 1477) setzt y unregelmäszig im austausch für i, für altes und neues ei aber fast ausschlieszlich in an-, in- und auslaut ey. ebenso, nur etwas inkonsequenter, verfährt voc. ex quo (Nürnberg 1480). selten, aber in an- und auslaut etwas häufiger, ist y gebraucht in voc. opt. gemm. (Lpz. 1501). das dict. des Dasypodius setzt 1535 in der regel ey für mhd. ei, ei für mhd. î, etwas nachlässiger ist die ausgabe von 1536, am konsequentesten die von 1537. die ausgabe von 1547 (alle gedruckt bei Wendel Rihel in Straszburg) aber tilgt y in deutschen wörtern ganz. Alberus dict. (1540) scheidet ei und ey wie die frühen ausgaben des Dasypodius. das umgekehrte verfahren befolgen Frisius dict. (Zürich 1556) und Maaler d. teutsch spraach (Zürich 1561): als wandelten sie ihre mundartschreibung y für mhd. î mechanisch durch e-vorschlag in die hochsprachliche lautung um, setzen sie (wie eine vielzahl anderer alem. drucke, s. Moser a. a. o.) in der regel ey für mhd. î, ei für mhd. ei. unter den verschiedenen reformversuchen d. 16. jhs. (groszenteils unter einflusz einiger auf systematisierung des zeichenstandes bedachter druckereien, vgl. etwa noch über die wechselnde praxis in Fischarts werken V. Moser in: zs. f. dt. philol. 51 [1926] 534ff.) wurde für die folgezeit die von Luther befolgte übung wesentlich. während der arbeit an der bibelübersetzung ging er in hs. und druck von fast regellos häufigem y-gebrauch zur ausmerzung aller y auszer im absoluten auslaut (-ey), an entsprechender stelle in komposition und ableitung und in fremdwörtern (vorzugsweise für griech. v.) über, vgl. die hsl. texte 1523/4: seyn speyse ynn wendig ym leybe wird sich verwandeln ynn otter gallen (Hiob 20, 14) dt. bibel 1, 420 W.; dagegen 1530: sihe, ich wil dis volck mit wermut speisen vnd mit gallen trencken ... vnd wil das schwert hinder sie schicken, bis das aus mit yhn (druck 1532: jn; 1545: jnen) sey (Jer. 9, 15ff.) ebda 2, 63; vgl. 11, 1, 226f.; s. auch H. Bach d. sprache Luthers (1934) 20 f.; 28f.; 31; 34. hingewiesen sei hier auf den handschriftl. gebrauch bei Hans Sachs: für mhd. i und ie setzt er y und ye recht unregelmäszig, aber doch vorwiegend im anlaut und neben n, m; für mhd. î und ei bevorzugt er in frühen hss. ei in an- und inlaut, ey im auslaut, später differenziert er und schreibt für mhd. î im inlaut ei, im auslaut ey und für mhd. ei entsprechend ai und ay Mayer d. orthographie d. Hans Sachs, schulprogr. Cöln-Nippes 1 (1904) 9f. einige der zeitgenössischen grammatiker bedauern den gebrauch des y in hd. texten grundsätzlich, so: 'wa eyn wort yn eyner oratz ader rede mit eynem i anfengt, als da syn iohan, ienen, ist eyn y vur dz klein i zo nemen. auer die guden schriuer bruchen niet vyl y in yren schrifften, nemen dat versal (j) dair vur, mit dem ichs halt' schryfftspiegel (Köln 1527) bei: Müller quellenschr. (1882) 387; 'vberflüssige buͦchstaben in vnserm teütschen a be ce ..., der wir geraten möchten, wa es nit also in ainen brauch ... wer kommen, sein ... das ghriechisch y vnd z' (1537) Ickelsamer teutsche gramm. bei: Müller a. a. o. 138; 'diser character y zu brauchen vnnötig ist in worten, die nicht aus griechischer sprach hergeflossen' (1593) Helber syllabierbüchl. 20 Roethe. dem beispiel der drucke der Luther-bibel folgt unter den grammatikern am konsequentesten Claius: 'y nunquam in principio dictionis scribitur, sed semper in fine ..., in media mutatur in i simplex ..., interdum in compositis manet, vt freystadt' (1578) dt. gramm. 13 Weidling, vgl. 11; 34; 114 (auch im paradigma des verbum subst. wechseln hier ei- und ey-formen nach der regel). über reformversuche des 17. jhs. hinweg (vgl. die zahlreichen bemerkungen bei V. Moser dt. orthographiereformen d. 17. jhs., in: PBB 60 [1936] 193ff.; 70 [1948] 467ff.; 71 [1949] 386ff.) hält sich diese von jeder lautlichen oder lauthistorischen begründung (wenn solches auch mitunter versucht wurde) absehende regel, dasz y in fremdwörtern für gr. υ (nie ganz konsequent durchgeführt), im übrigen aber nur im ei-diphthong im absoluten auslaut (bley) sowie in der kompositionsfuge (bleygusz) undseltenervor ableitungssilbe (bleyern) gesetzt wird, bis ins frühe 19. jh.; vgl. dazu noch Sattler teutsche orthogr. vnd phraseol. (Basel 1607) 20f.; (1629) Ratke schr. (1959) 2, 76 ff. E. Ising ('das kleine i wird [am wortende] alzeit vmb zierats willen verwandelt in ein y' 78); Schottel haubtspr. (1663) 220; vgl. 185; Gueintz dt. rechtschreibung (1666) 13; 17; Stieler hochteutsche sprachkunst (1691) 16 f.; Gottsched dt. sprachkunst (⁵1762) 37ff.; 718; Adelung umständl. lehrgeb. d. dt. spr. 1 (1782) 139—142. zu vergleichen ist hier der (bis auf die im dt. schon im 16. jh. aufgegebene geltung für anlautendes j) im grundsätzlichen gleiche gebrauch des y im neuengl., s. Murray 10, 2 s. v. y. zu erwähnen bleibt, dasz im 18. jh. die tendenz, homonyme durch zeichenvariation zu unterscheiden, zu künstlichen ei: ey scheidungen gröszeren umfangs führt, vgl. die beispiele in Gottscheds orthogr. verzeichn. gewisser zweifelhafter wörter a. a. o. 114. noch keinen erfolg hat Klopstock mit der forderung, y aus deutschen wörtern gänzlich zu vertilgen (1779) s. w. 14 (1830) 153. ohne auswirkung bleiben auch die versuche Bodmers und des ihm folgenden Wieland, in drucken in ('römischer') antiqua das dem lat. alphabet von haus aus fremde ü durch y zu ersetzen (vgl. oben zum y im lat.), s. Budde Wieland und Bodmer (1910) 207; Wieland ges. schr. I 1, 338ff. akad.; 2, 205ff.; vgl. dazu Kästner:
... seht der kynstler
fyllt mit römischen lettern, mit pythagoreischen yy
zum ermyden des lesers besser zu nytzende bogen
bei Budde a. a. o.
ebenso erfolglos bleibt der entgegengesetzte versuch, y auch in griech. wörtern durch ü zu verdrängen, so schon vorgeschlagen von Gottsched a. a. o. 38, durchgeführt von J. H. Voss im ersten druck (1781) der Odyssee-übersetzung; über den sich anschlieszenden streit mit J. G. Heyne und Lichtenberg vgl. die ausgabe von Bernays (1881) VII ff. im 19. jh. verstärkt sich bei zunächst noch weithin beibehaltener scheidung von sein 'suus' und seyn 'esse' (so vorher u. a. auch Gottsched a. a. o. 141, vgl. oben die regelung bei Claius), s. Grimm dt. gramm. 1 (1893) 442, die opposition gegen y in dt. wörtern: 'es wäre lächerlich, wollte man die nun bald vollendete verweisung des y aus deutschen wörtern tadeln' Schiffner sachwb. 10 (1831) 466; 'in den allgemein gangbaren (sc. griech. fremdwörtern) hingegen wird es gewöhnlich wie i gesprochen (z. b. system, syntax, idylle, polyp, lyrisch, physik, sibylle, zephyr etc.), und daher in völlig eingebürgerten wörtern ... besser mit i vertauscht (z. b. silbe ..., gips ...) ... die neuere rechtschreibung ersetzt (das y in deutschen wörtern) ... in allen ... fällen ... durch das völlig gleichlautende i' Heyse hdwb. 2 (1842) 2020. Heyse folgen (bis auf die verschieden geübte aussprache des y in griech. lehnwörtern), z. t. ausdrücklich, die meisten späteren; vgl. noch Weinhold: 'y ist als unnützes und ungehöriges zeichen ausz der deutschen schrift zu entfernen ... in fremden worten mag es je nach dem gebrauche entweder geschrieben oder mit i vertauscht werden', über dt. rechtschreibung (1852) 13. in diesem sinn haben die rechtschreibereformen der deutschen länder zu ende des 19. jhs. (im gegensatz zu den orthographien der meisten übrigen länder mit lat. schrift) den gebrauch des y auf (vorwiegend griech., doch auch span., engl. u. a.) fremdwörter beschränkt.
2)
name des buchstaben: ypsilon, aus griech. ὖ (bzw. ὗ) ψιλόν 'einfaches υ', so von byzantin. grammatikern von οι (ο͞ι δίφθογγος) nach beider lautlichem zusammenfallen unterschieden Liddell-Scott Greek-Engl. lex, 2, 1840 Jones. über die antiken ('der buchstabe hiesz [noch im lat.] eben hy' [älter ausgesprochen hu]) und sonstige auszerdeutsche bezeichnungen s. W. Schulze kl. schr. (1933) 465f.; vgl. 717 anm. 1; Schwyzer griech. gr. 1, 140. vor und neben ypsilon (so [1534] Hans Sachs 3, 92 lit. ver.; [1542] Fuchszperger leeszkonst, bei Müller quellenschr. [1882] 179; ipsylon [1593] Helber syllabierbüchl. [1883] 3 Roethe, usw.) undbei entsprechender lautlicher geltungnamen wie 'zweifaches i', vgl. hierzu schon (1530) Kolrosz enchiridion, bei Müller a. a. o. 72 (s. auch ob. 'herkunft'), gelten im dt. diphthongische bezeichnungen (oi, ei; vgl. den namen des y im engl.), deren deutung umstritten ist. der bezeichnungstyp ei ist seinem ursprung nach wohl aus der verwendung des y für î zu erklären, aber nicht an den möglichen übergang der ligatur ij in y gebunden. der typ oi wird auf lat. schultradition zurückgehen und aus der häufigen substitution von griech. υ durch lat. ui abzuleiten sein M. H. Jellinek über aussprache des lat. u. dt. buchstabennamen, Wiener sitzungsber., phil.-hist. kl. 212, 2 (1930) 30—37. in der dt. schultradition leben die typen oi und ei als kindertümliche buchstabier- und merknamen bis ins 18. jh., gestützt und von den grammatikern z. t. auch erklärt durch die den frühen fibeln beigegebenen merkbilder (beim y mehrmals ein eigelege mit unterschrift 'eyer') und die bevorzugte verwendung des y in bestimmten lautfolgen: 'in sonderheyt aber heyst ... (das y) in der theütschen sprach ey' (1533) Jordan leyenschul, bei Müller a. a. o. 114; 'das y (hat zuweilen) ... den mittelen laut zwischen ... o vnd i, darumb man jn denn auch in den teutschen schuͦlen oy nennet' (1537) Ickelsamer teutsche gramm., bei Müller a. a. o. 126; 'y, auszsprach: ypsilon oder oya' (1573) Albertus dt. gramm. (1895) 22 Müller-Fr.; '... es, te, u, vau, we, ix, eye, zet. worbey zu merken, dasz ... das y eye genennet werde' Stieler hochteutsche sprachkunst (1691) 5; 'in Schwaben lehret man die schulknaben x, ey, zett sagen' Gottsched dt. sprachkunst (⁵1762) 38. vgl. noch o-i für ypsilon bei Schmeller-Fr. bayer. 1, 10. vereinzelt bleibt die den wortklang des fremdnamens aufnehmende, aber vereinfachende umdeutung baier. Yxeland ebda 179; wetterauisch ixlamm, 'd. i. gleichsam das lamm, das dem x folgt' Weigand dt. wb. 2, 2 (1871) 1117; uckermärk. ixlom. ixlum Gombert bem. u. ergänz. 4 (1879) 23; weiteres bei M. H. Jellinek a. a. o.
3)
freier und abgeleiteter gebrauch; sehr viel seltener als entsprechende verwendungen unter x (s. d.).
a)
aus der verwendung des y als bezeichnung der zweiten unbekannten, vorzugsweise in der algebra (ursprung und geschichte s. unter x) ergeben sich neben einzelnen fachsprachlichen bildungen wie y-achse (z. b. Hoyer-Kreuter technol. wb. [1902] 860) anwendungen wie:
ists nicht nur éin verstand, der nach gewissen gründen,
kann, was verstecket ist, aus dem bekannten finden,
und neue dinge sucht, und ypsilon und zett,
durch rechnung ohne zahl, aus a und b erräth?
J. E. Schlegel w. 4 (1766) 108.
aus dem allgemeineren gebrauch von x und y für die unbekannte natur einer sache folgt in abhängigkeit von der üblichen namenabkürzung mit dem ersten buchstaben ihre verwendung zur bezeichnung unbekannter, nicht offen zu nennender oder zu verallgemeinernder (personen)namen (s. unter x): (buchtitel:) die reisen des kronprinzen von Ypsilon von ihm selbst beschrieben aber nicht herausgegeben (Leipzig 1787); an die herren X und Y Lessing 1, 6 L.-M.;
baron S.
ein x im menschenalphabet,
seit Ypsilon
dein schwiegersohn,
bleibt dir nur noch das z
Grillparzer s. w. 3, 227 Sauer.
b)
auf die form des y (Y) gehen, in anlehnung an antike tradition:
(dieser buchstabe) wirt ein ypsilon genandt.
Virgilius der spricht (versteh!):
dieser buchstab Pytagore
ist oben zerspalten von weytten
gleich wie zway hörner auff baid seyten,
an zu schawen, sam zeig er, das
menschlichs lebens zwayerley strasz
(1534) Hans Sachs der buchstab Pitagore Y, baiderley strasz, der tugent und untugend, in: w. 3, 92 lit. ver.
anders: einem ein lateinisches y auf den kopf setzen ('hörner aufsetzen') Abr. a s. Clara bei Wander dt. sprichw.-lex. 5 (1880) 477; ohne nebensinn: wir kamen an einem alten schlosse vorbei, das auf der ecke steht, wo die beiden arme des Wallis ein y machen Göthe I 19, 258 W.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 16 (1960), Bd. XIV,II (1960), Sp. 2567, Z. 1.

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Zitationshilfe
„y“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/y>, abgerufen am 02.04.2020.

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