Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

Z

Z,
der letzte buchstabe unseres alphabets, mit der benennung: zett, die dentale affricata = t + s, früher = t mit eng angeschlossenem ʒ, einer von s wohl durch die weiter vorn liegende articulationsstelle unterschiedenen dentalen spirans Braune ahd. gramm. (1911) §§ 159 und 168. die aussprache wird so beschrieben: das, c, wens vorm, e, oder i, steht, und, z, werden mit den öbern zenen vorn an die zungen geschlagen, mit entblössung der zene Ickelsamer teutsche grammatica s. 12 Kohler. mit dieser geltung ist z als einheitlich empfundener laut innerhalb des germanischen, von entlehnungen abgesehen, auf das hochdeutsche beschränkt. es ist hier in den meisten fällen durch die althochdeutsche lautverschiebung aus t entstanden, das, die verbindungen tr, st, ht, ft ausgenommen, sich regelmäszig im anlaut sowie im inlaut nach consonanten und in der gemination zu z entwickelt Braune ahd. gramm. (1911) §§ 87ᵇ und 159—161. über das in andern fällen aus t entwickelte, gleichsam weiter fortgeschrittene ʒʒ, ʒ, das in vorneuhochdeutscher zeit meist auch in der schreibung zz, z erscheint und heute vielfach als hartes stimmloses s durch die schreibung ss, sz gekennzeichnet wird, vgl.s. 4, oben theil 8, 1573.
I.
echtes z steht
1)
im anlaut
a)
vor vocalen
α)
aus t entstanden in zahl, mhd. zal, ahd. zala, ndl. taal, engl. tale; zauber, mhd. zouber, ahd. zoubar, wozu sich ndl. tooveren, zaubern und anord. taufr, n. zauberei fügen; zehn, mhd. zehen, ahd. zehan, goth. taihun; zeichen, mhd. zeichen, ahd. zeichan, goth. taikns, f.; zeuge, mhd. (ge-)ziuge, mnd. tûge; ziel, mhd. ahd. zil, wozu goth. gatils gehört; zorn, mhd. ahd. zorn, as. torn; zunge, mhd. zunge, ahd. zunga, goth. tuggô und in andern germanischen wörtern; auch in ziegel, mhd. ziegel, ahd. ziagal aus lat. tegula und zoll, mhd. ahd. zol aus vulgärlat. toloneum.
β)
in den wohl lautmalenden wörtern: ziesel, mhd. zisel, zisemûs, ahd. zisi-, sisimûs; zirpen; zischen, womit mhd. zispezen, n. das zischen verglichen wird Kluge etymol. wb.⁷ 507ᵇ.
γ)
in wörtern fremden ursprungs für palatalisiertes lat. c in zelle, mhd. zelle aus lat. cella; zimt, mhd. zinemin, zinment, ahd. sinamin aus lat. cinamomum (griech. κίνναμον); zinnober, mhd. zinober aus lat. cinnabaris (griech. κιννάβαρι); zirkel, mhd. zirkel, ahd. zirkil aus lat. circulus und andern. für ital. c in zitrone aus ital. citrone; für span. c in zigarre aus span. cigarro. für lat. sc in zepter, mhd. zepter aus lat. sceptrum (griech. σκῆπτρον); zettel, blatt papier, mhd. zedele, zetele, aus mlat. cedula, scedula für schedula (zu griech. σχέδη). für griech.-lat. z in zone, aus lat. zona (griech. ζώνη). für mlat.-ital. z in zucker, mhd. zucker, zuker, ahd. zucura f. aus mlat. zucara, ital. zucchero (arab. sokkar). für böhm. č in zeisig, mhd. zîsec neben regelmäszigem zîse, demin. zîsel, zîslîn (vgl. poln. czyż) aus böhm. čižek. für arab. ç in ziffer, mhd. zifer, ziffer aus arab. çifar, null. für arab. z in zitwer, mhd. zitwar, zitwan, ahd. zitawar aus arab. zedwâr. für russ. s in zobel, mhd. zobel, ahd. zobil aus russ. sobol.
b)
vor w
α)
schon ahd. aus t entwickelt in zwei, mhd. ahd. m. zwêne, f. zwô, n. zwei, goth. m. twai, f. twôs, n. twâ, womit zwanzig, zweifel, zweig, zwillich, zwilling, zwirn, zwischen, zwist, zwitter, zwölf gebildet sind; zwitschern, mhd. zwitzern, ahd. zwizzirôn, mengl. twiteren Kluge etymol. wb.⁷ 514ᵇ. vgl. auch zwar, mhd. zwâre, ze wâre, ahd. zi (aus ti) wâre. in diesen zusammenhang gehören weiter zwicken, mhd. zwicken, ags. twiccian mit zweck, mhd. zwec, -ckes und zwacken, mhd. zwacken, ebenso zwinkern zu veraltetem zwinken, das schon mhd. neben zwingen begegnet, ags. twinclian.
β)
spätmhd. oder nhd. entwickelt aus t, d in zwehle, mhd. twähele, dwehele, dwêle, ahd. dwahila, dwehila; zwerch, adj., erhalten in zusammensetzungen wie überzwerch, zwerchfell, mhd. twerch, dwerch, ahd. dwerah, twerh, schief, goth. þwaírhs, in übertragener bedeutung: zornig, dessen nebenform ahd. mhd. twer zu quer wird (s. dies); zwerg, m., mhd. twerc, vereinzelt zwerc, ahd. twerg, ags. dweorh, anord. dvergr; zwingen, mhd. twingen, dwingen, ahd. thwingan, dwingan, asächs. thwingan, anord. þvinga.
γ)
zwiebel, mhd. zwibolle, zibolle, ahd. zwibollo ist unter anlehnung an bolle (s. dies) umgebildet aus lat. caepulla. zwetsche mit der nebenform quetsche (s. dies) ist unsichern ursprungs.
2)
im in- und auslaut
a)
nach vocalen
α)
aus tt(j) nach altem ei und ei aus eu (iu) kaum, wie man früher glaubte, aus ʒʒ mit späterer verschärfung, vielmehr wahrscheinlich mit verallgemeinerung landschaftlich erhaltenen alten lautstandes, wobei zz, tz = tts allmählich zu einfachem z wird (wir trennen bei-zen, aber ät-zen), in beizen, mhd. ahd. beiʒen (beitzen, beizzen); heizen, mhd. ahd. heiʒen (heitzen, heizzen); reizen, mhd. ahd. reiʒen (reitzen, reizzen); spreizen, älter spreuzen, mhd. ahd. spriuʒen (spriuzen), weizen, mhd. weiʒe, weize, ahd. weiʒi, weizzi. flexivischer wechsel von ti und tj erklärt in solchen fällen die alten doppelformen, vgl. Kluge etym. wb.⁷ 488ᵃ. fest steht die affricata seit alter zeit in schneuzen, mhd. sniuzen, ahd. snûzen. flöz, n. hat ursprünglich kurzen vocal, mhd. vletze, ahd. vlezzi. vgl. unten c, γ.
β)
in wörtern wie kauz, mhd. kûze, kûz und mieze, koseform für Maria und lockruf für die katze, liegt wohl ein älterem t (tt, tja) entsprechendes zur bildung von koseformen frei verwendetes z vor, das auch nach andern lauten erscheint, z. b. in Götz und Heinz. vgl. gramm. 3, 689 ff.
γ)
duzen, mhd. du(t)zen kann eine bildung mit dem hochdeutschen suffix -zen (got. -atjan) sein Wilmanns gramm. 2², s. 109. andre führen es auf ital. tuizzare, tizzare zurück Kluge etym. wb.⁷ 105ᵇ. wie duzen ist das jüngere siezen gebildet. vgl. aucherzen undihrzen. geiz ist verbalsubstantiv zu geizen, das auf mhd. gît(e)sen zurückgeht, eine weiterbildung (mit suffix -sen, älter -isôn) zu gîten. schnauze ist aus dem nd. snûte übertragen in anlehnung an ein untergegangenes gleichbedeutendes hd. schnot(z)e oder an schneuzen und hat die lautgesetzlich richtige übertragung schnausze verdrängt. uzen ist unerklärt.
δ)
in wörtern fremden ursprungs für lateinisch-romanisches palatales c in brezel, mhd. brezel(e), ahd. pricella aus mlat. bracellum; kreuz, mhd. kriuze, ahd. krûzi aus lat. crucem, acc. zu crux; kapuze aus mlat. capucium; medizin aus lat. medicina, offizier aus franz. officier u. andern. für ital. z, lat. t (i + vocal) in spazieren, so schon mhd., aus ital. spaziare, mlat. spatiari. für romanisches z oder zz in azur aus frz. azur, ital. azzurro von pers. lâdschuward, lasurstein Heyse fremdwb. ¹⁶ 96ᵇ; bizarr, aus frz. bizarre von span. bizarro, eigentlich: bärtig, weiter: prächtig, herrlich, dann frz.: sonderbar 119ᵇ; gazelle aus ital. gazzella, frz. gazelle von arab. gazâl, wilde ziege 391ᵇ; strapaze aus ital. strapazzo und andern. für griech.-lat. z in horizont aus griech.-lat. horizon, gen. horizontis. pers.-türk. z entsprechend in bazar, das dorther übernommen ist.
b)
nach stimmhaften consonanten
α)
nach l
αα)
aus t in malz, mhd. ahd. ebenso, as. anord. malt, ags. mealt; salz, mhd. ahd. ebenso, goth. salt mit sülze mhd. sulze, sülze, ahd. sulza; schmelzen, mhd. smelzen, as. smeltan mit schmalz, mhd. ahd. smalz, nd. smalt; stelze, mhd. stelze, ahd. stelza, ndl. stelt, engl. stilt; filz, mhd. ahd. vilz, ndl. vilt, ags. engl. felt; bolzen mhd. ahd. bolz, ags. engl. bolt, anord. bolte; holz, mhd. ahd. ebenso, as. nd. und in andern germ. dialekten holt; ebenso wohl in falzen, mhd. ahd. valzen, dessen etymologische zusammenhänge unsicher sind; balzen und walzen, das mhd. in gleicher form bezeugt ist, wahrscheinlich intensivbildungen mit der hd. entsprechung des alten suffixes -atjan wie sicher schnalzen, mhd. snalzen zu snallen, sich schnell klatschend bewegen; auch in dem lehnwort pilz, mhd. büleʒ, bülz, ahd. buliʒ aus griech.-lat. boletus, wo mit dem ausfall des i, e nach l das ʒ sich im unmittelbaren anschlusz an l zu z zu verschärfen scheint. stolz, mhd. ahd. ebenso, gehört gleichfalls hierher, mag es mit stelze im ablautsverhältnisz stehn oder aus lat. stultus entlehnt sein. das z in schulze, der verkürzten nebenform zu schultheisz, kann auf ein mhd. schultheize zurückgehn, das neben -heiʒe begegnet (tj—ti wie weiʒe neben weize. vgl. oben a, α) Kluge etymol. wb.⁷ 416ᵃ, es kann darin aber auch ein rest des zweiten bestandtheils als -s(e) stecken, das sich mit dem t-laut des ersten zu t + s = z verbunden hat. die nd. form schulte kann secundär sein.
ββ)
aus lat.-rom. palatalem c in pelz, mhd. belliʒ, belz, pelz, ahd. pelliʒ, das auf mlat. pellicia zurückgeht.
β)
nach n
αα)
aus t in glanz, m., mhd. ebenso, neben mhd. ahd. glanz, adj., die zu glatt zu gehören scheinen Kluge etym. wb.⁷ 174ᵇ; ranzen, verb., das Wilmanns deutsche gramm. 2², s. 110 zu nd. wranten, mürrisch sein stellt; schwanz, mhd. swanz zu swangezen, swankzen, intensivbildung zu swingen, swanken (suffix -atjan); wanze, mhd. ebenso, kurzform zu wantlûs, mit t-suffix; brenzeln, weiterbildung zu brennen; faulenzen, mhd. vûlezen, also mit nasalierung des suffixes -ezen (-atjan), die in älterer zeit häufiger begegnet Wilmanns a. a. o.; lenz, mhd. lenze, ahd. lenzo, aus *langtja; einzig, mhd. einzec, weiterbildung zu ahd. einazzi (t-suffix); einzeln, sei es, dasz es, wie Sievers meint, aus ahd. einluzzi, mhd. einlütze umgestaltet ist (Kluge etym. wb.⁷ 111ᵃ) oder als weiterbildung des vorigen zu gelten hat; Heinz, kurzform zu Heinrich, mit t-suffix; blinzeln, mhd. ebenso, weiterbildung zu blinzen, das Kluge etym. wb.⁷ 60ᵃ auf grund von mundartlichem blenkitzen, blinkitzen zu blank stellt; brunzen, mhd. ebenso, zu brunnen; grunzen, mhd. ahd. ebenso, engl. grunt, intensivbildung zu grinnen; hunzen, von Wilmanns deutsche gramm. 2², 109 nach Franck anz. f. d. alterth. 11, 21 zweifelnd in beziehung gebracht zu nd. homp, abgeschnittenes stück, hompen, stumpfen; runzel, mhd. runzel, ahd. runzala, deminutiv zu runza aus *wrunkta Kluge etym. wb.⁷ 380ᵇ; schmunzeln, schon mhd., vielleicht mit schmollen verwandt Kluge ebenda 407ᵇ oder nasalierung von mhd. smutzen, lächeln. in den meisten dieser fälle ist also die verbindung nz secundär. alt ist sie in den lehnwörtern pflanze, mhd. pflanze, ahd. pflanza aus lat. planta; minze, mhd. minze, ahd. minza aus griech.-lat. mentha, menta; secundär dagegen in münze, mhd. münze, ahd. muniʒʒa aus lat. moneta.
ββ)
ganz unsicherer herkunft ist kranz, das man mit skr. granth, binden zusammenstellt Kluge etym. wb.⁷ 263ᵇ, das andre jedoch für ein lehnwort aus dem slavischen halten (vgl. slav. krątŭ, gedreht) Möller zschr. f. deutsches alterth. 36, 328, völlig unerklärt das zuerst in der vagantensprache bezeugte ranzen, m.
γγ)
in wörtern fremden ursprungs für slav. c in grenze, mhd. grenize aus böhm. hranice, poln. russ. granica; vielleicht auch in ganz, mhd. ahd. ebenso, das als neubildung zu ahd. (ir-)ganzên gilt, anscheinend einer umbildung des gleichbedeutenden aslav. konicati (sę) Möller zeitschr. f. d. alterth. 36, 344. für lat.-rom. palatales c in alfanzerei zu mhd. alevanz, possen, betrug, das Fischer schwäb. wb. 1, 123 vom ital. all' avanzo, zum vortheil ableitet; bronze aus franz. bronce vom lat. (aes) Brundisinum; Franzose, mhd. franzois, franzeis, adj. aus franz. français, françois; lanze, ebenso mhd. aus franz. lance, vom lat. lancea; panze, thiermagen, bauch, aus afranz. pance, nfranz. panse vom lat. pantex; panzer, mhd. panzer, panzier aus afrz. pancier (zum vorigen); kanzel, mhd. kanzel, ahd. cancella, -zella aus mlat. cancellus, cancelli; prinz, mhd. prince aus franz. prince vom lat. princeps; allianz aus franz. alliance u. ähnl. in manchen fällen steht -nz für lat. -ntia, dem franz. -nce entspricht: dissonanz, lat. dissonantia, franz. dissonance; evidenz, lat. evidentia, franz. évidence etc. enzian ist aus lat. gentiana entwickelt. kredenzen geht zurück auf ital. credenzare vom mlat. credentia, also: beglaubigend vorkosten. die quelle von tanz, das schon mhd. begegnet, ist franz. danse, ital. danza, denen ahd. dansôn, ziehen, zu dinsen gehörig, zu grunde liegt. winzer, mhd. winzürl, ahd. winzuril ist umgebildet aus lat. vinitor. popanz soll auf böhm. bubak, schreckgestalt, zurückgehn Kluge etym. wb.⁷ 354ᵇ.
γ)
nach r
αα)
aus t in harz, mhd. ahd. ebenso, as. mnd. hart; schwarz, mhd. ahd. swarz, goth. swarts, as. nd. swart; warze, mhd. warze, ahd. warza, as. warte; herz, mhd. herze, ahd. herza, goth. haírtô, as. herta; schmerz, mhd. smerze, ahd. smerzo, vgl. engl. smart, schmerzen, schmerz, schneidig; farzen, furzen, nd. farten, furten, engl. fart, griech. πέρδειν; stürzen, mhd. stürzen, ahd. sturzen, nd. ndl. storten; wurz, mhd. ahd. ebenso, goth. waúrts mit der zusammensetzung wurzel. bürzel, zu dem purzeln gehört, kann mit empor, mhd. enbor(e) zusammenhängen, würde dann hervorragender steisz sein. Kluge etym. wb.⁷ 79 vergleicht schweiz. borzen hervorstehn. es wäre so als eine bildung mit t-suffix anzusehen. erzen, ihrzen sind bildungen mit (e)zen (-atjan). scherzen faszt Wilmanns deutsche gramm. 2², s. 109 als intensivbildung mit demselben suffix zu mhd. schernen, spotten. erz, mhd. erze, ärze, ahd. aruzzi, aruz, as. arut ist wahrscheinlich fremden ursprungs. kurz, mhd. ahd. ebenso, as. kurt, nd. kort ist das lat. curtus; schurz, mhd. schurz, ahd. scurz geht auf mlat. excurtus zurück Kluge etym. wb⁷ 416ᵇ. kerze, mhd. kerze, ahd. cherza, charza, anord. kerte, n. leitet derselbe ebenda 239ᵃ vom lat. charta ab.
ββ)
quarz, mhd. ebenso, ist unerklärt.
γγ)
in wörtern fremden ursprungs aus lat.-rom. palatalem c in erz-, mhd. erz-, ahd. erzi- aus mlat. arci- für archi- (griech. ἀρχι-); arzt, mhd. arzet, arzât, ahd. arzât aus mlat. arciater für archiater (griech. ἀρχιατρός); narzisse aus lat. narcissus (griech. νάρκισσος); exerzieren aus franz. exercer, vom lat. exercere u. ähnl.; porzellan aus ital. porcellana, eine seemuschel, concha Veneris Mahn etym. unters. 11. März, mhd. Merze, ahd. Merzo, Marzeo, mit merzen, das eigentlich das aussondern von schafen im märz bezeichnet, geht zurück auf lat. (mensem) Martium. nerz, nörz ist entlehnt aus kleinruss. noryca fischotter Kluge etym. wb.⁷ 333ᵇ.
c)
nach stimmlosen consonanten
α)
nach ch aus t (suffix -(e)zen, -atjan) in ächzen, mhd. achzen, echzen, ahd. ahhizôn zu ach; jauchzen, juchzen, mhd. jûch(e)zen zu jûch; krächzen, weiterbildung zu krachen; lechzen, mhd. lech(e)zen zu lech, adj. = (nd.) leck; schluchzen, mhd. sluckzen, weiterbildung zu schlucken mit angleichung des ck an das z, während in andern, z. b. in mucksen, mhd. muckzen, muchzen, ahd. muckazen das z an das ck angeglichen ist.
β)
nach f aus t in seufzen, mhd. siufzen aus siuften, ahd. sûftôn, sûfteôn, zu saufen gehörig, von den bildungen auf -(e)zen, -atjan beeinfluszt Kluge etym. wb.⁷ 425ᵇ.
γ)
nach t
αα)
aus t (tz, ahd. meist zz geschrieben, vgl. Braune ahd. gramm. (1911) § 159, meist aus t(t)j, in manchen fällen wohl für ein aus tn assimiliertes tt Wilmanns deutsche gramm. 2², S. 86) in ätzen, mhd. etzen, ahd. ezzen zu essen, goth. itan; glatze, mhd. glaz, -tzes, m. kahlkopf neben frühnhd. glitze zu glitzern (s. dies); kratzen, mhd. kratzen, ahd. kratzôn, dazu ital. grattare, franz. gratter; fetzen, mhd. vetze, vgl. anord. fǫt, kleider, zu fassen, nd. vaten Kluge etym. wb.⁷ 134ᵃ; hetzen, mhd. hetzen, ahd. hezzen, zu hasz, vgl. goth. hatis, n.; letzen, verletzen, hindern, mhd. letzen, ahd. lezzen, goth. latjan; metze, masz, mhd. metze, ahd. mezzo, m., verwandt mit messen, as. metan; setzen, mhd. setzen, ahd. sezzen, goth. satjan, nd. setten; wetzen, mhd. wetzen, ahd. wezzen, anord. hvetja; glitzern, weiterbildung von glitzen, das zu gleiszen, as. glîtan gehört; hitze, mhd. hitze, ahd. hizza, as. hittia zu heisz; kitzeln, mhd. kitzeln, kützeln, ahd. kizzilôn, kuzzilôn, nd. ketel(e)n, anord. kitla; ritzen, mhd. ritzen, ahd. rizzôn zu reiszen, as. wrîtan; schlitzen, mhd. slitzen zu schleiszen, as. slîtan; schmitzen, mhd. smitzen zu schmeiszen, goth. smeitan; schnitzen, mhd. snitzen zu schneiden, vgl. schnitt, m., geschnitten, part.; schwitzen, mhd. switzen, ahd. swizzen zu schweisz, as. nd. swêt; sitzen, mhd. sitzen, ahd. sizzan, as. sittian, goth. sitan; spitz, mhd. spitz, ahd. spizzi, verwandt mit spiesz, bratspiesz, mhd. ahd. spiʒ, engl. spit; spritzen, mhd. sprützen zu sprieszen, ags. sprútan; witz, mhd. witz(e), f., ahd. wizzî, f. zu wissen, goth. wait, ich weisz; zitze, ebenso mhd., nd. titte; glotzen, mhd. ebenso, vgl. anord. glotta, hohnlächeln Kluge etym. wb.⁷ 176ᵇ; klotz, mhd. kloz, -tzes, verwandt mit klosz, nd. klôt; rotz, mhd. roz, rotzes, ahd. roz zu ahd. rûʒan, ags. hrútan, schnarchen ebenda 378ᵃ; strotzen, mhd. ebenso, verwandt mit strausz, kampf, mengl. strout; grütze, mhd. grütze, ahd. gruzzi, ags. gryt(t), nd. gorte; nütze, adj., mhd. nütze, ahd. nuzzi, mit nutzen, m. und nutzen, nützen, verb., mhd. ebenso, zu (ge)nieszen, mhd. nieʒen, ahd. nioʒan, goth. niutan; schmutz, mhd. smuz, -tzes zu smutzen, engl. smut, beflecken; schütze, mhd. ebenso, ahd. scuzzo, ags. scytta zu schieszen, as. skeotan; stutzen, plötzlich innehalten, mhd. ebenso, mhd. stuz, -tzes, anprall, zu stoszen, goth. stautan; stutzen, kürzen, von Wilmanns deutsche gramm. 2², 110 mit anord. stuttr, kurz zusammengestellt. auch der form des suffixes nach in deminutiv- oder koseformen wie Fritz zu Friedrich, Lutz zu Ludwig, Metze, metze zu Mechthild; götze zu gott; ebenso wohl betz, petz als bezeichnung des bären (abkürzung einer appellativischen bezeichnung wie Bernhard oder dgl.?) mit den zugehörigen wörtern batzen und patzig; spatz, mhd. ebenso, koseform zu spar, vgl. sperling Kluge etym. wb.⁷ 431ᵇ. katze, mhd. katze, ahd. kazza ist entlehnt aus mlat. catta; schatz, mhd. schaz, -tzes, ahd. scaz, -zzes, goth. skatts. as. scat vielleicht aus aslav. scotŭ, vieh. etwas anders stehn schwatzen, mhd. swetzen, swatzen für *swatezen, vgl. mhd. swatern, swadern, schwatzen; schmatzen, mhd. smatzen aus smackezen, weiterbildung von smacken; blitzen, mhd. bliczen, bleczen, ahd. blecchazzen und blitz, mhd. blitze, blicze, verwandt mit blick, blicken, blecken; kotzen aus koppezen, weiterbildung zu mhd. koppen, eructare Kluge etym. wb.⁷ 261ᵃ.
ββ)
jetzt, mhd. ietze, iezuo ist zusammengerückt aus ie und zuo, as. tô. antlitz ist eine mischform. mhd. ist antlitze bezeugt, ahd. antlizzi neben antlutti. zu grunde liegen goth. wlits und lûdi, angesicht. schützen wird von Kluge etym. wb.⁷ 417ᵃ auf grund des gleichbedeutenden mhd. beschüten mit mhd. schüte, schüt, f. erdwall, das zu schutt gehört, zusammengestellt und als intensivbildung * skutisôn gefaszt, von andern mit schieszen, as. skeotan, von ihnen also als -jabildung gefaszt (vgl.schuͤtze unter αα). letzt, wofür mhd. lest, leʒʒist, ahd. leʒʒist, laʒʒôst erscheint, superlativ zu laʒ, erklärt sich vielleicht durch nd. einflusz. letist, lezt (für letst) begegnet schon im as. Kluge etym. wb.⁷ 288ᵇ. dazu gehört letzen, schon mhd., sich gütlich thun. potz ist umgebildet aus gottes. tatze, mhd. ebenso, möchte derselbe ebenda 455ᵇ als intensivbildung zu tappe fassen (*tappeze), andere bringen es in zusammenhang mit dem als lautmalend gefaszten tatschen. plötzlich, mhd. plozlich gehört zu einem wohl lautmalenden plotz, neben dem auch plauz erscheint. trotz, mhd. trotz neben tratz und trutz ist unerklärt. butze (zu nd. butt, adj. kurz, butt, m. fischname?), putzig, putzen, verb. sind umstritten.
γγ)
in wörtern fremden ursprungs erscheint tz für lat. ti, ci + vocal in (stein)metz, mhd. metze, ahd. mezzo aus mlat. matio; metzger, mhd. metzjære aus mlat. matiarius Kluge etym. wb.⁷ 313ᵃ; matratze, mhd. mat(e)raʒ aus mlat. matratium, -cium, vom arab. matrah, sitzkissen; mütze, mhd. mütze, mutze aus mlat. almutia, -cia, -tium, -cium; litze, mhd. ebenso, aus lat. licium, faden. für lat. te + vocal in pfütze, mhd. pfütze, ahd. pfuzzi, -a aus lat. puteus. für lat. ce in metzeln aus mlat. macellare. platz ist das ital. piazza, das franz. place, dem lat. platea zu grunde liegt. latz geht zurück auf afranz. laz, ital. laccio, schnürband aus lat. laqueus. scharmützel wurzelt im ital. scaramuccia, das auf schirmen zurückgeht. dutzend, mhd. totzen, stammt aus dem franz. douzaine. ketzer, mhd. ketzer, kätzer wurzelt im griech. καθαρός. haubitze ist das böhm. houfnice, steinschleuder. stieglitz, mhd. stig(e)liz soll aus dem böhm. stehlec, distelfink, umgebildet sein, kiebitz, mhd. gîbitze dagegen lautmalenden ursprungs.
δ)
in wörtern fremden ursprungs begegnet wirkliches z auch nach andern stimmlosen consonanten, so in miszelle aus lat. miscella, okzident aus lat. occidens, gen. -entis. skizze, das auf ital. schizzo zurückgeht, wird skitze gesprochen.
II.
z erscheint als letzter buchstabe des alphabets in der verbindung von a bis z, die vollständigkeit bezeichnet: so geht es von a bis z Campe; geschickt, ... eine grosze tafel in kürzester zeit von a bis z zu bestellen Mörike 3, 41 Göschen. in gleicher oder ähnlicher anwendung sagt man auch bis zum tz, wohl weil tz als eine art verdopplung des z betrachtet wird. vgl. die ahd. schreibung zz für tz. auch auszerhalb dieser wendungen wird die stellung im alphabet bei wortartigem gebrauch von z betont:
manch grosses A. der welt wird dort (im himmel) zum zette werden
Stoppe parnasz im Sättler 201.
baron S.
ein x im menschenalphabet,
seit ypsílon
dein schwiegersohn,
bleibt dir nur noch das z
Grillparzer 3, 227 Sauer.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1913), Bd. XV (1956), Sp. 1, Z. 1.

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Zitationshilfe
„z“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/z>, abgerufen am 02.04.2020.

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